Frau Schäfer beruft sich auf die Website „spickmich.de“. Frau Schäfer, ich finde das ganz schön unredlich. Vor Wochen haben Sie diese Website noch in die schmutzige Ecke gestellt. Aber wenn es Ihnen passt, verweisen Sie auf genau diese Website, um alles zu beweisen.
Das alles macht für mich eigentlich nur eines deutlich: Sie kümmern sich nicht um die Schülerinnen und Schüler.
Ist es ein Skandal, dass in der Mathematik offenbar mehr Schüler die Aufgaben gemeistert als nicht geschafft haben?
Ist es ein Skandal, dass die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler ganz zufrieden ist? Ist es ein Skandal, dass diejenigen, die nichts dafür können, dass die Arbeit so ausgefallen ist, wie sie ausgefallen ist, eine zweite Chance bekommen?
Erinnern wir uns doch einmal daran, warum das Zentralabitur überhaupt eingeführt worden ist. Es ist nicht eingeführt worden, damit die Lehrer in den Abiturklassen schöne Weihnachtsferien haben.
Ziel des Zentralabiturs war und bleibt für Nordrhein-Westfalen, dass an allen Schulen die gleiche Chance besteht, ein hochwertiges Abitur zu erreichen.
Es sollen die gleichen Standards gelten. Es kann und darf nicht sein – das haben wir immer dazugesagt –, dass wir uns am schwächsten Glied orientieren, sondern wir müssen Maßstäbe setzen.
Dass wir solche guten Standards erreichen und an vielen Stellen schon erreicht haben, daran habe ich keinen Zweifel. Denn wir in NordrheinWestfalen haben keine dümmeren Schüler als in anderen Bundesländern.
Wie war das denn unter den bisherigen Abiturbedingungen? Da gab es, wie wir jetzt wieder dargestellt bekommen haben, immer wieder zahlreiche Abweichungen. Nur: Aufgrund welcher Schicksale die Abweichungen entstanden sind, das hat keinen Menschen interessiert. Das war das Privatschicksal eines jeden Schülers. Ob er mit solchen Geschichten, die er nicht selber verschuldet hat, ein Numerus-clausus-Fach erreichen konnte oder nicht, hat keinen interessiert.
Das ist jetzt anders. Das Zentralabitur bewährt sich. Jetzt müssen wir genau hinschauen. Auch wenn es sich nur um eine kleine Stichprobe des Ministeriums handelt, so sagt sie schon viel aus.
Ganze Schulen haben Abweichungen zu verzeichnen. Auch innerhalb von Schulen gibt es einzelne, unterschiedliche Lerngruppen, Parallelkurse, die verschiedene Ergebnisse zutage gebracht haben.
Aufgabe ist nicht, das Ganze in diesen Klamauk hineinzustellen. Aufgabe ist eher, genauer hinzuschauen und unser Augenmerk auf die Gründe zu richten, warum das passiert.
Dabei geht es weder um die Schelte einer Schulform noch um Schuldzuweisungen an einzelne Lehrer. Diese Eitelkeiten sollten wir uns in diesem Hause endlich abschminken.
(Beifall von der CDU – Ute Schäfer [SPD]: Dann machen Sie es doch nicht! – Zuruf von Hannelore Kraft [SPD])
Deshalb stellt die Opposition, meine ich, die falschen Fragen. Die einzig richtige Frage ist meines Erachtens: Wie schaffen wir es, dass es auf diesem Weg keine Verlierer gibt? Genau deshalb ist die zweite Chance in diesem Jahr die richtige Antwort. Sie sollte natürlich die Ausnahme bleiben.
Wir müssen im Sinne der Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr nicht Schuldige suchen, nein, wir müssen uns fragen, welche Stellschrauben wir nachjustieren müssen. Müssen wir bei den Lehrplänen genauer sein? Müssen wir Zielbeschreibungen verdeutlichen? Oder müssen wir Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung stellen?
Ziel muss es sein, auch mit unserer Unterstützung dafür zu sorgen, dass es noch mehr Schulleiter gibt, die das sagen können, was die Schulleiterin des Gymnasiums Odenthal am letzten Sonntag in der „Welt am Sonntag“ ausgeführt hat. Von den dortigen 36 Matheprüflingen haben 28 ihre Vornote verbessert.
Das beruhe darauf, so sagte die Schulleiterin, dass die Oberstufenschüler/-innen seit Jahren konsequent auf die Aufgabenkultur des Abiturs hingeführt worden seien und dass es modernen Mathematikunterricht gegeben habe.
Meine Damen und Herren, statt hier Klamauk zu machen und sich mit der Suche nach dem Schwarzen Peter aufzuhalten,
sollten Sie lieber mit uns gemeinsam konstruktiv am Erfolg des Zentralabiturs mitarbeiten. – Herzlichen Dank.
Danke schön, Frau Kastner. – Der nächste Redner ist Herr Priggen von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Die Zahl ist schon öfters gefallen: 39 Jahre lang haben die jetzigen Koalitionsfraktionen keine Regierung gestellt. Seit drei Schuljahren stellen sie die Regierung. Bildungspolitik ist ein zentraler Bereich der Landespolitik. Deswegen kann man natürlich an dieser Stelle eine gewisse Bilanz ziehen und etwas grundsätzlicher darüber reden. Der Verweis „39 Jahre“ hilft nicht.
Wenn man früher, während dieser „39 Jahre der Finsternis“, in den Schulen war, mit Schulleitern gesprochen und gefragt hat, wo das Problem liege, wurde auf die BASS hingewiesen, dieses sehr dicke Buch, und gesagt, eigentlich bräuchte man zusätzlich einen Rechtsanwalt, um eine Schule zu leiten. Wenn man dann gefragt hat, was sie wollten, haben sie gesagt: Lasst uns endlich einmal ein Jahr lang in Ruhe!
Wenn ich mir vorstelle, wie manche Teile der heutigen Debatte von Herbert Reul gegen Gabi Behler geführt worden wären, kann ich nicht nachvollziehen, dass man diese Debatte als „Klamauk“ und „in Teilen widerwärtig“ beklagt.
Gehen Sie damit ganz nüchtern und ganz sachlich um! In diesem Hause sind wesentlich härtere und schärfere Debatten geführt worden.
Versprochen wurde, es werde entlastet. Frau Kastner, Sie sagten eben, das Zentralabitur sei nicht eingeführt worden, damit die Lehrer schöne Weihnachtsferien hätten.
Wissen Sie, was das ist? Das ist die alte Arroganz der Macht, die 39 Jahre lang anderen vorgeworfen worden ist. Seien Sie ganz vorsichtig!