Protokoll der Sitzung vom 29.09.2011

Im Kreis Düren waren acht Straßenneubauprojekte bis Ende vergangener Woche in der Prioritätsstufe 1. Von diesen Projekten bleibt kein einziges übrig. Alle haben Sie mit der roten Ampel versehen.

(Sören Link [SPD]: Das glauben Sie doch selbst nicht! Das ist doch Quatsch!)

Herr Link, ich bin noch nicht fertig.

(Sören Link [SPD]: Besser wäre das! Erzäh- len Sie den Bürgern die Wahrheit! Sie haben sie jahrelang verarscht! – Gegenruf von Man- fred Palmen [CDU])

Ich gehe jetzt ganz konkret auf eine Maßnahme ein. Sie wissen, was jetzt kommt, Herr Minister Voigtsberger. Wenn die Bürgerinnen und Bürger von Frauwüllesheim – alle Damen, da bin ich mir ganz sicher, werden jetzt ganz aufmerksam zuhören, die Ministerpräsidentin ist schon ganz Ohr –

(Heiterkeit von der SPD und von den GRÜNEN)

warten mittlerweile schon seit vielen Jahren auf die Entlastung ihrer Ortsdurchfahrt. Drei Landesstraßen, die L264, die L271, die L327 sowie eine Kreisstraße kreuzen und führen durch den Ort. Tag für Tag schlängeln sich Tausende Fahrzeuge durch dieses schmale Dorf und sorgen damit für ganz erhebliche Belastungen für die Anwohner.

So etwas als Wolkenkuckucksheim zu bezeichnen, wie es der Kollege Schmeltzer eben getan hat, oder als Horrormärchen – davon sprach der Kollege Klocke –, ist schlicht und ergreifend eine Frechheit, meine Damen und Herren.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Um an dieser bitteren Situation etwas zu ändern, haben sich schon vor Jahren viele Bürgerinnen und Bürger zusammengeschlossen und sich gemeinsam und parteiübergreifend für dieses Projekt eingesetzt. Mit ihren berechtigten Interessen und Anliegen fanden sie Gehör, sodass vor vielen Jahren die Planungen eingeleitet werden konnten und alle Probleme einvernehmlich gelöst wurden,

(Sören Link [SPD]: Wie lange hat die Pla- nung gedauert? Das war doch weiße Salbe!)

bis man vor gut einem Jahr Baurecht erlangte.

Der Planfeststellungsbeschluss liegt schon seit über einem Jahr vor. Bis zur letzten Woche war die Welt in Frauwüllesheim noch in Ordnung.

(Sören Link [SPD]: Die Leute sind doch nicht zufrieden, dass geplant wird!)

Warten Sie mal ab.

(Sören Link [SPD]: Sie wollen, dass gebaut wird!)

Herr Link, Sie haben das nicht verstanden.

(Zuruf von Sören Link [SPD] – Gegenruf von der CDU: Schreihals!)

In diesem Projekt haben wir seit über einem Jahr Baurecht. Da ist zu Ende geplant.

(Zuruf von der CDU: Zuhören!)

Es war signalisiert worden: Wir beginnen mit dem Bau. – Darauf komme ich noch näher zu sprechen.

Doch dann veröffentlichte Minister Voigtsberger vergangene Woche die Streichliste und zerstörte damit sämtliche Hoffnungen der Bürgerinnen und Bürger.

Obwohl Sie, Herr Minister, einer Delegation aus diesem Ort noch im Mai, also vor wenigen Monaten, bei der Übergabe einer Liste von über 500 Unterschriften im Landtag einen Baubeginn für 2012 mehr oder weniger versprochen haben, machen Sie nun einen Rückzieher und lassen diese Menschen im Regen stehen.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Diese Delegation, Herr Minister, ist in einer noch stärkeren Formation heute hier und verfolgt diese Debatte sehr interessiert.

(Minister Harry Kurt Voigtsberger führt ein Gespräch mit PStS Horst Becker.)

Sie drehen sich gerade herum; vielleicht sagt Ihnen das später jemand: Ich lade Sie ein, das den Menschen nach der Plenardebatte zu erklären.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Sie haben mir nämlich in der Antwort auf die Kleine Anfrage Drucksache 15/96 Folgendes geantwortet – ich zitiere mit Genehmigung des Präsidenten –:

„Für die Aufnahme beziehungsweise den Verbleib eines Projektes im jährlichen Landesstraßenbauprogramm ist die Vorlage eines bestandskräftigen Planfeststellungsbeschlusses

zum Zeitpunkt des Abschlusses der Koalitionsvereinbarung maßgebend.“

Das war da der Fall. Deshalb hatte man Hoffnungen, dass diese Maßnahme auf den Weg gebracht und gebaut wird. Demnach hätte sie auch gebaut werden müssen.

(Beifall von Josef Hovenjürgen [CDU])

Meine Damen und Herren, was steckt eigentlich dahinter, dass diese Landesregierung sogar Straßenbauprojekte streicht, die schon rechtskräftiges Baurecht haben? Eben haben Sie von der Finanzierung gesprochen. Haben Sie mal darüber nachgedacht, wie viel Zeit und Geld diese Planungen gekostet haben? Das alles soll jetzt wieder zurückgeführt werden?

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Und zwar alle 300 Millionen €! Immer wieder!)

Ich habe das überprüft, Herr Schmeltzer. Dies ist ein einmaliger Vorgang in Nordrhein-Westfalen. So etwas hat es noch nie gegeben.

(Beifall von der CDU und von der FDP – Rai- ner Schmeltzer [SPD]: Richtig! Und das ist gut so! Erst mal Klarheit und Wahrheit!)

Warten Sie mal ab.

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Ja, ich warte ab! Ich zittere schon!)

Vor diesem Hintergrund könnten manche Ihrer Priorisierungslisten gar einen unangenehmen Beigeschmack bekommen.

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Da wird klarge- stellt, was Sie versaubeutelt haben!)

Denn zahlreiche Maßnahmen in SPD-Wahlkreisen sind von der Streichliste verschont geblieben.

(Beifall von der CDU und von Christof Ra- sche [FDP] – Zurufe von der SPD: Oh! – Weitere Zurufe)

Ich werde es Ihnen beweisen.

(Sören Link [SPD]: Große Weltverschwörung des Sozialismus!)

Ich sage Ihnen, wo das ist. Ich denke beispielsweise an den Ausbau des Knotenpunktes L712/L805 bei Bad Salzuflen,

(Sören Link [SPD]: Herr Wirtz, Sie können doch nicht ernsthaft meinen, was Sie sagen!)

für den nach Ihrer Liste gerade einmal ein Vorentwurf der Planung genehmigt ist.

(Sören Link [SPD]: Wer hat Ihnen die Rede geschrieben? Das ist doch dummer Stuss!)

Das ist der Wahlkreis von Ministerin Schäfer. Da gibt es auch einen SPD-Bürgermeister.

In diesem Zusammenhang, Herr Voigtsberger, haben Sie mir auf diese Kleine Anfrage im Mai geantwortet, diese Maßnahme hätte vor kurzem Baurecht bekommen. In der Liste – vor wenigen Tagen – steht sie als genehmigter Vorentwurf. Was ist nun richtig?