Protokoll der Sitzung vom 29.09.2011

(Anna Conrads [LINKE]: Lesen Sie es doch mal! – Zuruf von der LINKEN: Ja, eben! – Wolfgang Zimmermann [LINKE]: Das ist falsch, was Sie sagen!)

Lieber Herr Bolte, was Sie im Innenausschuss versucht haben, war doch nicht die Auseinandersetzung mit gewalttätigen Extremisten. Das war der Versuch, vielleicht doch ein paar Polizisten zu finden, die etwas falschgemacht haben könnten.

(Matthi Bolte [GRÜNE]: Das ist ungeheuer- lich!)

Wenn Sie den Schulterschluss, den Herr Stotko hier beschworen hat, wollen, müssen Sie den einen Weg mitgehen, und der heißt: Gehen Sie gemeinsam mit uns mit gegen Extremisten – von rechts und von links.

(Beifall von der CDU und von der FDP – Zu- ruf von der LINKEN: Das tun Sie nicht! Sie schauen nur nach rechts!)

Dann sind wir gemeinsam bei Ihnen.

Wer aber nur sagt: „Wir wenden uns gegen die Rechten und vergessen die Linken“, vergisst, was der Innenminister gerade vorgetragen hat.

Wer hat sich von Ihnen die Kriminalstatistik angesehen?

(Zuruf von Anna Conrads [LINKE])

Wer sieht denn den Aufwuchs bei Gewalttaten? Wer sieht die Verteilungen? Dann würde ich von Ihnen erwarten, dass Sie sich mit dem auseinandersetzen, was der Innenminister gerade vorgetragen hat.

Solange Sie das aber nicht machen und demonstrativ jetzt etwas tun, was Sie noch vor fast einem halben Jahr abgelehnt haben, nämlich Beratungsstellen für Opfer rechter und nicht linker Gewalt zu fördern, ist der Vorwurf berechtigt, auf dem linken Auge blind zu sein.

Wenn Sie das machen und wenn die Regierung das macht, ist das nichts anderes als Speichelleckerei den Linken gegenüber, um hier wieder ein Stückchen Zustimmung zu bekommen.

(Widerspruch von der SPD und von den GRÜNEN – Daniela Schneckenburger [GRÜNE]: Unanständig, Herr Biesenbach! – Zuruf von der CDU: So ist es!)

Wir werden das auch noch thematisieren.

Wer noch Mitte letzten Jahres die Beratung von Opfern rechter Gewalt ablehnt – mit derselben Begründung: wir brauchen beide – und sie heute einrichtet, ohne darüber nachzudenken, ob auch Opfer

linker Gewalt beraten werden sollen, schließt sich, Herr Stotko, aus dem Kreis aus.

(Widerspruch von Thomas Stotko [SPD])

Wenn Sie sagen, Sie würden uns gern Nachhilfeunterricht erteilen, entgegne ich: Ich bin gern bereit, ihn dann anzunehmen, wenn er richtig ist. Aber Sie haben seit dem Innenausschuss noch nicht einmal das Urteil des Bundesverfassungsgerichts gelesen, das sie zitieren.

(Widerspruch von Thomas Stotko [SPD])

Das kümmert sich gar nicht um die Frage, die Sie angesprochen haben.

(Zuruf von der CDU: Völlig richtig!)

Wenn Sie lächeln, sage ich Ihnen: Das VG Aachen hat das deutlich gemacht; das liegt vielleicht nicht in seiner Kompetenz. Dieses Urteil müssen Sie auch einmal nachlesen. Die Aachener hatten zu entscheiden, ob Auflagen rechtmäßig sind oder nicht. Da haben sie sich mit Sitzblockaden auseinandergesetzt. Natürlich ist das der Fall, wie das Herr Engel hier dargestellt hat. – Schade, dass ich nicht mehr Redezeit habe.

(Bärbel Beuermann [LINKE]: Gott sei Dank! – Zustimmung von der SPD und von den GRÜNEN)

Herr Jäger, Sie beklagen jetzt auch, dass wir uns in unseren beiden Anträgen gegen das Verhalten etwa von Herrn Schneider richten. Das hängt auch damit zusammen, dass wir ähnliche Situationen haben. Natürlich ist es strafbar. Herr Engel hat das deutlich gemacht. Das ist nicht zu bestreiten. Dafür brauchen wir kein juristisches Seminar. Bevor Sie gleich schreien – erst nachlesen! Das ist einfach so.

Wenn ein Landesminister anschließend in der Debatte auch noch betont und anregt – ich zitiere wörtlich –, „Blockaden als Ausdrucksform von Protest auf die Tagesordnung zu heben“, darf man sich nicht wundern, wenn wir heute hier darüber debattieren – mit den Ergebnissen des Polizeipräsidenten aus Dortmund.

(Beifall von der CDU und von Horst Engel [FDP])

Das sind doch keine Argumente – damit sei Gewalt angezogen worden –, die die CDU bringt. Wir zitieren Fachleute.

(Zuruf von Marc Herter [SPD])

Es sei denn, Sie sagen, der Polizeipräsident von Dortmund sei kein Fachmann. Das haben Sie nie gesagt? Dann akzeptieren Sie doch sein Urteil.

Wenn Sie sagen, Herr Schneider dürfe das, halte ich entgegen: Herr Schneider ist vor gar nicht langer Zeit schon einmal mit einem bizarren Rechtsverständnis aufgefallen.

(Minister Guntram Schneider: Was war denn?)

Er hat im Landtagswahlkampf 2010 bei einer Betriebsversammlung der Postmitarbeiter dazu aufgefordert, Jürgen Rüttgers in seinem Privathaus ein wenig genauer zu beobachten.

(Minister Guntram Schneider: Och!)

Was hat ihm das eingetragen? Nach dem Motto: Wer bei Rüttgers Briefe und Pakete zustelle, solle das Postgeheimnis wahren, aber auch ganz genau hinschauen.

(Minister Guntram Schneider: Ach du lieber Gott!)

Herr Schneider, Sie wissen doch, dass Ihnen diese Aufforderung seinerzeit in den Medien den Spitznamen „Schnüffel-Schneider“ eingebracht hat.

(Vereinzelt Beifall von der CDU)

Sie haben sich hinterher nach scharfer öffentlicher Kritik entschuldigt und das Ganze als Scherz bezeichnet.

(Marc Herter [SPD]: Und das hat in Dort- mund auch eine Rolle gespielt, Herr Biesen- bach?)

Bleiben Sie doch bei dem Punkt und achten Sie auf beide Seiten.

Herr Biesenbach, Sie achten auf die Redezeit?

Lassen Sie uns gemeinsam gegen rechte und linke Gewalt vorgehen.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Dann sind wir bei Ihnen.

Herr Kollege, die Redezeit ist zu Ende.

Solange Sie aber das nicht im Sinn haben und solange Sie meinen, Sie müssten Polizeieinsätze instrumentalisieren,

(Matthi Bolte [GRÜNE]: Wer instrumentali- siert hier?)

solange Sie sich, Frau Conrads, 20 Minuten lang nur damit beschäftigen, was Sie alles gehört haben, solange Sie auf der anderen Seite mit Westen „parlamentarische Beobachter“ herumlaufen, solange „Die Welt“ dann schreibt, dadurch sei möglicherweise verhindert worden, …

Herr Kollege Biesenbach, die Redezeit.

… dass Sitzblockaden aufgelöst worden seien, dann lassen Sie uns gern

bei dem Punkt darüber debattieren, wer ein abstruses und abgründiges Demokratieverständnis hat.