Protokoll der Sitzung vom 14.01.2016

Die Landesregierung hat bereits eine Vielzahl von Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Schwerstkriminalität zu bekämpfen.

Wir werden jetzt noch mehr tun. Die Ministerpräsidentin hat soeben ein dickes Maßnahmenpaket zur Verbrechensbekämpfung vorgestellt.

(Lutz Lienenkämper [CDU]: Bankrotterklä- rung!)

Wir werden unter anderem vor Ort noch mehr Polizei auf die Straße bringen. Wir werden die Videoüberwachung von Kriminalitätsbrennpunkten ausbauen – zunächst auf dem Kölner Ring –,

(Armin Laschet [CDU]: Warum denn bisher nicht?)

die Staatsanwaltschaften aufrüsten, das beschleunigte Strafverfahren ausweiten. – Herr Kollege Laschet, warum nicht sofort? Ich will Ihnen mal etwas sagen: Wir sind gerade dabei, Ihre Fehler, Ihre Versäumnisse nach und nach abzubauen.

(Heftiger Widerspruch von der CDU und der FDP)

Wir sind dabei,

(Vereinzelt Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

das, was Sie uns hinterlassen haben, zu korrigieren. Das braucht seine Zeit.

(Fortgesetzt lebhafter Widerspruch von der CDU und der FDP)

Meine Damen und Herren von der Opposition, ich habe Ihnen schon mal ein Angebot gemacht.

(Armin Laschet [CDU]: Vor fünf Jahren!)

Ich wiederhole das noch mal:

(Armin Laschet [CDU]: Kölner Ring!)

Herr Kollege Laschet, wenn Sie aufhören würden, die Unwahrheit über Rot-Grün zu verbreiten,

(Widerspruch von der CDU)

dann können wir aufhören, die Wahrheit über Sie zu erzählen. Das können wir gerne machen, Herr Kollege Laschet.

(Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)

Also: Die Ministerpräsidentin hat das Maßnahmenpaket der Landesregierung gerade vorgestellt, das wir gleich in unserem Entschließungsantrag mit unterstützen werden.

Meine Damen und Herren – auch das hat die Ministerpräsidentin herausgestellt –, die Verbrechen aus der Silvesternacht fallen in die Zeit der größten Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir wissen das: Nicht jeder und nicht jede, die zu uns kommen, werden dauerhaft bleiben können. Unser Land, meine Damen und Herren, braucht mehr denn je ein Einwanderungsgesetz, mit dessen Hilfe wir nach klaren Kriterien festlegen und kontrollieren können, wer auf Dauer bleiben kann und wer nicht.

(Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN – Beifall von Michele Mar- sching [PIRATEN])

Herr Kollege Laschet, da wünsche ich Ihnen endlich mal Erfolg in Ihrer eigenen Partei, dass damit begonnen werden kann, dieses Einwanderungsgesetz zu diskutieren und dann auch im Deutschen Bundestag zu verabschieden.

Gleichwohl sind wir stolz auf unsere offene Gesellschaft, auf die große Hilfsbereitschaft für Menschen,

die vor Krieg und Verfolgung zu uns geflohen sind. Das Recht auf Asyl und die Normen der Genfer Flüchtlingskonvention gehören zum Selbstver

ständnis unseres Landes, sind Teil einer Werteordnung, in deren Mittelpunkt die Würde, die Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung jedes Einzelnen stehen.

Viele Menschen fürchten allerdings, dass uns die vielen Flüchtlinge überfordern und der Staat die Kontrolle verliert. In der Silvesternacht haben wir die Kontrolle verloren. Das darf sich nicht wiederholen.

Viele Menschen fürchten darüber hinaus, dass die vielen Flüchtlinge und Einwanderer aus muslimischen Ländern unsere liberale Kultur infrage stellen und schließlich gefährden könnten. Offensichtlich erscheinen Dinge, die wir für selbstverständlich gehalten haben, nicht mehr so selbstverständlich zu sein.

(Zuruf von Armin Laschet [CDU])

Auch das müssen wir offen aussprechen. Deshalb will ich in aller Deutlichkeit sagen,

(Armin Laschet [CDU]: Unglaublich!)

meine Damen und Herren: Zu unseren Grundwerten gehören das Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit, das Recht auf Kritik und Spott und nicht zuletzt das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit.

(Zuruf von der CDU: Oh!)

Wir sind eine Demokratie.

(Armin Laschet [CDU]: Ach was!)

Es sind die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, die durch Wahlen und Abstimmungen die Regeln des Zusammenlebens in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen bestimmen.

(Zuruf von Armin Laschet [CDU])

Und diese Regeln sind für alle verbindlich – ohne Ausnahme, ohne kulturelle oder religiöse Einschränkungen oder Sonderrechte.

(Armin Laschet [CDU]: Was sind das für Ba- nalitäten! – Zuruf von Stefan Zimkeit [SPD])

Das sind keine Banalitäten, Herr Kollege Laschet.

(Zurufe von der CDU)

Unsere Werte sind nämlich nicht relativ, sie sind universell.

(Armin Laschet [CDU]: Ach was!)

Sie gelten absolut und ohne jede Einschränkung – für jeden Menschen,

(Zuruf von Armin Laschet [CDU])

Herr Kollege Laschet, für jeden Menschen. Alle Bürger, Einwohner und Zuwanderer haben diese Werte zu akzeptieren. Wer sie ablehnt, verletzt oder

bekämpft, ist nicht willkommen. Wer sich an der Würde und Integrität, der Freiheit, dem Eigentum und der Sicherheit eines anderen Menschen vergeht, wird zur Rechenschaft gezogen und erfährt die Repressionen des demokratischen Rechtsstaates.

In schweren Fällen – auch das will ich aussprechen – verwirken Angehörige anderer Nationalitäten ihr Recht auf Aufenthalt in unserem Land.

(Lutz Lienenkämper [CDU]: Das ist ja was ganz Neues!)

Auch das muss klar sein.

Aber lassen Sie mich auch eines sagen: In der Vergangenheit – das sage ich vor allem an die Adresse der CDU – waren es nicht die Muslime, die etwa einer Gleichberechtigung von Frauen oder von Homosexuellen im Weg gestanden haben. Nein, meine Damen und Herren, die Muslime waren es nicht.