Meine Damen und Herren, Rot-Grün sollte den Schützen den Rücken stärken und sich dafür einsetzen, dass das Schützenbrauchtum einer der beiden länderübergreifenden Vorschläge zur Bewerbung des immateriellen Kulturerbes wird.
Wir haben schon in der 14. Wahlperiode die Haltung von SPD und Grünen erfahren, als es um die Anerkennung des Schützenbrauchtums ging. Auch damals durfte ich hier an diesem Rednerpult als Schützenbruder und ehemaliger Schützenkönig reden.
Die Kollegen von der CDU haben doch recht: Der Vorschlag kam damals von der CDU und der FDP. Allein das reichte für SPD und Grüne aus, sich inhaltlich nicht mehr mit dem Antrag zu befassen, den Antrag abzulehnen und den Schützen die Anerkennung zu versagen. So geht es nicht, meine Damen und Herren!
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen von SPD und Grünen, noch können Sie Ihre Haltung korrigieren, anstatt mit den Piraten die Segel zu setzen.
Wenn man das Schützenbrauchtum – das gilt gerade für die Kollegen der SPD – unterstützen will, dann macht man das nicht durch Sonntagsreden, sondern durch eine Abstimmung.
Die Haltung der FDP ist eindeutig: Wir werden uns dafür einsetzen, dass das Schützenbrauchtum zu einem länderübergreifenden Vorschlag wird. Darüber hinaus respektieren und unterstützen wir die Schützen in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland. – Herzlichen Dank.
Sehr verehrte Frau Präsidentin! Juten Tach. So, jetzt kütt der Pirat. Was mag der wohl zu sagen haben? Also: Ich möchte mich Ihnen gegenüber outen. Ich bin Pirat, und ich bin Schütze.
(Beifall von den PIRATEN, der SPD und den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU – Zurufe von der SPD: Hey!)
Ich bin Neusser Schütze. Wer Neuss kennt, der weiß: In Neuss kann man eigentlich nicht anders, als Schütze zu sein.
Ich möchte Ihnen noch etwas verraten. Ich bin ein Mensch mit Migrationshintergrund; dafür kann ich nichts. Ich bin also nicht von hier, ich bin in jungen Jahren zugewandert.
Aber warum erzähle ich Ihnen das? Mir persönlich ist die wichtige Rolle bewusst, die das Schützenbrauchtum für unser Gemeinwesen spielt. Schützen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, sind kreativ und engagiert. Ich selber habe erfahren, wie wichtig es ist, als Fremder bei Freunden aufgenommen zu werden. Gut, ich bin in einem sehr progressiven Schützenumfeld aktiv. Bei uns gibt es viele Migranten, und vor zwei Jahren hatten wir sogar ein gleichgeschlechtliches Königspaar –
und das in Neuss, meine Damen und Herren. Somit tragen die Neusser Schützen zu dem dringend notwendigen gesellschaftlichen Umdenken, einem Bewusstseinswandel, bei.
Apropos gleichgeschlechtliches Schützenpaar, liebe Kolleginnen und Kollegen der antragstellenden CDU: Gleichgeschlechtliche Paare, das sind diese Leute, deren Diskriminierung Sie offensichtlich zur Staatsräson erklärt haben.
Verzeihen Sie mir bitte diesen kleinen Seitenhieb. – Ich versuche damit zu sagen, Sie brauchen mir nicht zu erzählen, wie wichtig das Schützenwesen für unsere Gemeinschaft ist. Natürlich ist das Schützenwesen Träger des hier viel zitierten immateriellen Kulturerbes. Dazu stehe ich, und ich meine auch, dass wir diese Tradition schützen und unterstützen müssen. Aber das ist heute hier nicht die Frage.
Die Frage ist vielmehr, ob wir uns im Landtag NRW heute einmischen, ob das Schützenwesen offiziell als immaterielles Kulturerbe der UNESCO eingetragen werden soll, und ob wir die Landesregierung auffordern, sich dafür stark zu machen, dass das passiert. Ich frage Sie: Mit welchem Recht sollte der Landtag oder die Landesregierung sich für das Schützenwesen einsetzen, aber zum Beispiel nicht für den Karneval? Denn der trägt genauso zum Erhalt lokaler Dialekte und Bräuche bei und
wirkt integrierend, vielleicht auch nach dem dritten oder vierten Kölsch oder Alt. – Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, da sollte sich, so meine ich, weder die Landesregierung noch der Landtag einmischen.
Zu diesem Zweck, der Auswahl der besonders schützenswerten Kulturgüter, wurde extra eine unabhängige Expertenkommission eingerichtet, und ich meine, wir sollten es diesem unabhängigen Expertengremium überlassen, zu entscheiden, wer im Endeffekt das Rennen macht.
Deshalb haben wir Piraten gestern einen entsprechenden Entschließungsantrag eingebracht, der auch bei Rot-Grün Zustimmung fand. Heute gibt es einen gemeinsamen Änderungsantrag. Darüber freue ich mich sehr.
Herr Kerkhoff, Sie kommen aus dem HSK, und ich komme aus Neuss. Wir sind beide Schützen. Vielleicht können wir mal zusammen ein Bierchen trinken gehen; aber Ihrem Antrag werden wir heute nicht zustimmen. – Vielen Dank.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Liebe Gäste auf der Tribüne! Ich möchte noch einmal deutlich machen, worum es hier und heute geht: um die Bewerbung zum immateriellen Kulturerbe. Aber es geht nicht darum, hier und heute etwas für oder gegen das Schützenbrauchtum zu sagen.
Alle im Hohen Hause haben deutlich gemacht, welche Wertschätzung das Schützenbrauchtum findet. Dass Sie von CDU und FDP versuchen, den anderen Kolleginnen und Kollegen etwas anderes zu unterstellen, ist mindestens nachdenkenswert. Wer das von außen beobachtet, vermutet Übles dahinter.
zum immateriellen Kulturerbe ist im Vergleich zu anderen Bundesländern ausgesprochen gut. Wir haben 21 Bewerbungen – die Zahl ist schon genannt worden – und liegen damit tatsächlich an der Spitze.
Die Bewerbungen haben verschiedene Ausrichtungen: Kunstsparten, traditionelle Handwerkstechniken, religiöse Bezüge, Gedächtnispflege, Naturheilpraktiken. Es ist also ein weites Feld an Bewerbungen. Einige dieser Bewerbungen haben einen ganz besonderen Bezug zu Nordrhein-Westfalen und kommen daher für eine Jury-Empfehlung für das Landesinventar des immateriellen Kulturerbes in Betracht.
In der Tat, wie wir alle der Presse entnehmen konnten, ist auch das im Rheinland, in Westfalen, in Lippe und im Sauerland besonders aktive Schützenwesen ebenso wie der rheinische Karneval dabei.
Herr Dr. Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, hat im Ausschuss für Kultur und Medien auf meine Einladung hin noch einmal das Prozedere und die Hintergründe dieses Auswahlverfahrens ausführlich erläutert. Für ihn liegt die Chance des Übereinkommens vor allem darin, den – ich zitiere – großen Reichtum an immateriellem Kulturerbe sichtbar zu machen.
Dieser große Reichtum prägt unser Bundesland in seiner Vielfalt in ganz besonderer Weise. Den Wert unseres immateriellen Kulturerbes deutlich zu machen und zu bewahren, ist auch dieser Landesregierung sehr wichtig, zumal – ich betone – jede lebendige kulturelle Ausdrucksform von einem großen bürgerschaftlichen Engagement getragen wird, das unsere kulturelle Identität wie auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.
Das Schützenwesen als ein Baustein für die kulturelle Vielfalt in Nordrhein-Westfalen ist dafür ein gutes Beispiel. Es hat heute die Anerkennung von allen bekommen, und es ist auch gut für die Förderung des Bürgersinns in Nordrhein-Westfalen, wie alle im Landtag betont haben.
Die Landesregierung würdigt das umfangreiche persönliche Engagement, das hinter dieser Bewerbung – und ich sage: auch hinter den anderen Bewerbungen – um die Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland steht, ausdrücklich.
Alle eingegangenen Bewerbungen, auch die des Schützenwesens, liegen in Kürze der unabhängigen Jury auf Landesebene vor. Deren Empfehlung geht an die Kultusministerkonferenz und dann an das nationale Expertenkomitee. Das Expertenkomitee empfiehlt nach objektiven Kriterien die Bewerbung zur Aufnahme in die nationale Liste und aus der nationalen Liste die Vorschläge für die internationalen Nominierungen.
Meine Damen und Herren von der CDU und von der FDP, eine Entscheidung eines Landtags für eine dieser Bewerbungen würde ich als einen Eingriff in die Arbeit der Jury empfinden. Das können und dürfen wir nicht zulassen.
Wir können die Unabhängigkeit der Jurys auf Landes- und Bundesebene nicht infrage stellen. Dafür hat sich zumindest diese Landesregierung entschieden. Ich vermute, dass das gleich auch der Landtag so tun wird.
Wir können deshalb keine der eingegangenen Bewerbungen zum jetzigen Zeitpunkt aktiv unterstützen. Ich kann alles, was von den Rednern von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Piraten gesagt wurde, nur mit Nachdruck unterstreichen.