Protokoll der Sitzung vom 27.09.2020

Was Ihre Forderungen angeht, so kann ich Ihnen nur sagen, dass diese entweder schon umgesetzt wurden oder sich in der Bearbeitung befinden. Die Kappungsgrenze ist verdoppelt worden. Die Förderrichtlinien sind vereinfacht worden. Die Fördertatbestände aus dem Extremwetterfonds sind erweitert worden. Insofern bin ich verwundert, dass Sie jetzt auch noch die Forderung nach einem neuen Fördersystem stellen, das bis Ende März erstellt werden und noch unbürokratischer sein soll.

Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, unserem Wald geht es schlecht. Die Schäden im Ökosystem Wald sind so immens wie nie zuvor in unserer Geschichte. So habe ich schon in meiner letzten Plenarrede gesagt, dass 81 % der Bäume laut Waldzustandsbericht 2019 geschädigt sind.

Diese Überlegungen, um die Ökosystemleistung des Waldes zu honorieren, sind richtig,

(Zuruf von Rainer Deppe [CDU])

aber – und jetzt komme ich dazu – im Bundesagrarministerium arbeitet seit dem Frühjahr eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Bund, Ländern und Waldbesitzern, um dazu ein Konzept zu erarbeiten. Fragen Sie doch mal Ihre Ministerin. Vielleicht weiß sie, wie und wann ein Ergebnis vorgelegt wird.

Der Begriff „Baumprämie“ ist in Berlin noch nicht angekommen. Ich habe Bundesumweltministerin Svenja Schulze getroffen und gefragt. Ich und auch sie kennen überhaupt kein Modell der Baumprämie, das ausgereift ist und in der Praxis funktionieren könnte. Das hört sich zwar alles einfach an, aber was passiert denn, wenn das Holz der Bäume verbrannt und CO2

wieder freigesetzt wird? Muss die Prämie dann zurückgezahlt werden?

Nun zu Ihrer Forderung, mit dem Landesjagdverband eine Strategie zur Eindämmung des Wildverbisses zu erarbeiten. Auch dazu haben wir in den letzten Sitzungen immer wieder nachgefragt. Laut letztem Bericht der Landesregierung über das Verbissgutachten in NRW sind 8,1 % der aufwachsenden Bäume erheblich gefährdet, und 38,4 % sind als gefährdet eingestuft. Also, knapp die Hälfte unserer Bäume hat ein Problem mit dem Wildverbiss.

Der Bericht gibt weiter an, dass hierzu eine enge Zusammenarbeit mit Waldbesitzern und Jägern erforderlich ist.

Halten wir kurz fest: Die Wichtigkeit der Jäger im Zusammenhang mit dem Wildverbiss ist der Landesregierung doch schon lange bekannt. Jetzt geht es doch darum, das ganz konsequent umzusetzen, damit es endlich eine Wirkung erzielt, also geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit eine naturnahe Waldbewirtschaftung und eine Naturverjüngung möglich bleiben.

Mein Fazit lautet: CDU und FPD beauftragen die Landesregierung, zu arbeiten, obwohl diese schon längst begonnen hat. In den entscheidenden Fragen aber, nämlich wie der Wildverbiss verhindert werden soll oder wie eine Baumprämie gestaltet werden könnte, bleibt der Antrag ohne politische Idee. Deshalb lehnen wir Ihren Antrag auch ab.

Zum AfD-Antrag kann ich nur sagen: Auch darin sehen wir keine Lösung, um in der Sache weiterzukommen. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Vereinzelt Beifall von der SPD)

Vielen Dank, Frau Kollegin Watermann-Krass. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht Herr Kollege Rüße.

Vielen Dank. – Frau Vorsitzende! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wieder einmal sprechen wir über den Wald. Als wir das vor drei Wochen getan haben, hat die Ministerin gesagt, es sei gut, über den Wald zu sprechen. Aber ich habe mich schon gefragt, was die wirklich neue Botschaft Ihres Antrags ist. Was ist das substanziell Neue, das tatsächlich rechtfertigt, dass wir hier heute wieder über den Wald sprechen?

Mein Eindruck ist eher, dass Sie noch einmal einen Antrag stellen wollten, um das Thema im Plenum erneut zu behandeln; denn in Ihren Forderungen kann ich wirklich keinen Auftrag an die Ministerin und das Ministerium erkennen, der abzuarbeiten wäre. Das sind alles Punkte, die in Wirklichkeit schon passieren. Daher verstehe ich persönlich nicht den Sinn.

Lieber Kollege Diekhoff, damit werden Sie Ihrem eigenen Anspruch, den Sie im September formuliert haben, diese Landesregierung mache den Wald zur Chefsache, überhaupt nicht gerecht. Es reicht nicht aus, hier solche Anträge zu stellen. Vielmehr müssen Sie draußen liefern. Das müssen Sie tun. Sie müssen Ihre Anträge endlich einmal umsetzen, anstatt andauernd neue Anträge zu stellen. Das bringt nicht viel.

(Beifall von den GRÜNEN)

Sie haben unseren Antrag, zu dem auch eine umfangreiche Anhörung stattfand, damals abgelehnt. Ich finde, Sie hätten sich ein bisschen länger damit beschäftigen können. Vielleicht hätten Sie, wenn Sie die Anhörung ernst genommen hätten, das eine oder andere aus dem Antrag aufnehmen können. Dass Sie dem nicht zustimmen, kann ich noch verstehen. Das macht man als Regierung vielleicht so. Aber ein paar Aspekte, die von den Experten in der Anhörung bestätigt wurden, hätte man in einem solchen Antrag doch zumindest einmal aufnehmen können, wenn man ihn schon stellen will, damit der ganze Antrag einen Sinn hat und etwas Neues enthält. Das hätte ich gut gefunden.

Das einzig Positive in Ihrem Antrag ist, dass Sie sich endlich dazu bekennen, dass es einen Wald-WildKonflikt gibt. Den haben Sie jahrelang für NRW geleugnet. Immer wenn wir rund um das ökologische Jagdgesetz diskutiert haben,

(Beifall von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE])

haben Sie sich mehr oder weniger als Vertreter des Jagdverbandes verstanden und gesagt: Das gibt es alles gar nicht. Wir brauchen keine Veränderung. – Jetzt geben Sie immerhin zu, dass wir ein massives Problem haben, dass die Jungpflanzen nicht wachsen können, wenn wir die Rotwildbestände nicht gezielt bejagen und kontrollieren.

Damals habe ich immer das Revier Kleinenberg als Extrembeispiel genannt; denn dort war der Rotwildbesatz zehnmal so hoch, wie er eigentlich sein sollte. Dahin hätten wir alle – nicht nur ich – einmal fahren sollen, um es uns anzugucken. Und das finden wir an anderen Orten auch.

Herr Diekhoff, es ist schön, dass Sie endlich die Erkenntnis gewonnen haben. Sie hätten sie allerdings schon früher haben müssen.

(Zuruf von Markus Diekhoff [FDP])

Ich hoffe, dass das jetzt endlich Konsequenzen hat und wir auch tatsächlich dazu kommen, dass die Wildbestände entsprechend angepasst und herunterreguliert werden,

(Zuruf von Markus Diekhoff [FDP])

damit der Wald so aufwachsen kann, wie wir uns das alle zusammen vorstellen. Ich bin, wie gesagt,

gespannt, ob Sie das hinkriegen. Das ist das einzig Positive.

Entschuldigung, Herr Kollege Rüße, dass ich Sie unterbreche. Herr Kollege Diekhoff möchte Ihnen gerne eine Zwischenfrage stellen.

Ja, bitte.

Vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen, Herr Kollege. – Ist Ihnen bekannt, dass es Abschusspläne für Rotwild gibt, die dies bereits gesetzlich regeln, die von den Behörden vor Ort aufgestellt werden und die den Bestand auf das biologisch verträgliche Maß regulieren?

Ist Ihnen darüber hinaus bekannt, dass einem Jagdpächter, der diesem Abschussplan nicht nachkommt, von Behördenseite aus Strafmaßnahmen bzw. Ersatzmaßnahmen, beispielsweise eine durch die Behörde angeordnete Bejagung droht, deren Kosten er tragen muss? Somit ist bereits alles geregelt. Das bedeutet, dass Sie uns als Landesregierung bzw. dem Landesjagdverband nichts vorwerfen können.

Vielen Dank für die Frage, lieber Kollege Diekhoff. Ich stimme Ihnen zu, dass das auf dem Papier alles geregelt ist, aber in der Realität, draußen im Wald, sieht es anders aus. Weil Sie genau wissen, dass das so ist, halten Sie an den Verbissgutachten, die wir damals genau aus dem Grund in das Gesetz hineingeschrieben haben – Ihre Ministerin hat sich wahrscheinlich dafür eingesetzt, dass diese nicht gestrichen werden; Sie haben ja einiges Sinnvolles aus dem Jagdgesetz herausoperiert –, fest. Sie müssen schlicht und einfach zugeben, dass all die Abschusspläne nicht funktionieren.

Ich habe Ihnen das schlimmste Beispiel genannt. Aber ähnliche Probleme gibt es an anderer Stelle auch. Wir haben einen massiven Überbesatz mit Wild, und zwar bei Schwarzwild und bei Rotwild. Davor kann man doch nicht die Augen versschließen und sagen: Wir haben doch die Abschusspläne. Das muss doch alles funktionieren. – Die Realität draußen ist doch eine andere. Genau deshalb gibt es die Verbissgutachten, und es bleibt abzuwarten, ob in Zukunft auch konsequent gehandelt wird, damit die Rotwildbestände abnehmen und das Ganze nicht nur auf dem Papier steht. Das wollen wir Grüne jedenfalls nicht.

(Zuruf von Markus Diekhoff [FDP])

Jetzt komme ich noch auf einen anderen Punkt zu sprechen, den Sie schon seit einem Jahr reiten. Es geht um die Ökosystemdienstleistung Baumprämie.

Darüber kann man nachdenken. Im Textteil des Antrags der AfD steht dazu durchaus einiges Richtiges, beispielsweise, dass diese Baumprämie nicht ganz so einfach durchzusetzen ist. Dazu hat sich auch die Bundesumweltministerin entsprechend geäußert. Denn wenn der eine CO2 gutgeschrieben bekommt, muss bei demjenigen, der das Holz verbrennt, am Ende auch wieder CO2 im Saldo stehen. Man kann nicht nur das Positive bewerten, sondern muss auch das Negative berücksichtigen.

Was allerdings Lösungen und konkrete Vorschläge betrifft – und deshalb werden wir den Entschließungsantrag der AfD auch ablehnen –, können wir nicht erkennen, dass Sie über das hinausgehen, was in Ihrem alten Antrag bereits enthalten war, nämlich der Hoffnungsträger Pflanzenschutzmittel.

Das ist uns deutlich zu wenig. Das ist an der Stelle sicherlich nicht das Allheilmittel, und auch die anderen Punkte finden wir wenig überzeugend.

Wir werden den Antrag von CDU und FDP nicht ablehnen. Natürlich ist er von den beschriebenen Punkten her nicht falsch. Darüber müssen wir gar nicht reden. Aber ich frage noch mal: Müssen wir solche Anträge, die schon laufendes Regierungshandeln noch einmal beschreiben, hier im Plenum beraten?

(Bianca Winkelmann [CDU]: Ja!)

Ich meine, wir müssen uns hier im Landtag damit beschäftigen, was wirklich nach vorne weist, mit Ideen, um die Zukunft dieses Landes zu entwickeln. Es hilft doch nicht, hier solche Stützanträge für Ministerien zu stellen. Ich persönlich halte das für falsch.

Wir enthalten uns.

(Beifall von den GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Kollege Rüße. – Für die AfD-Fraktion spricht Herr Kollege Keith.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir reden nicht, wir machen – so führte heute Morgen der Fraktionsvorsitzende der CDU noch großspurig aus.

Diese vollmundige Aussage darf beim vorliegenden Antrag allerdings zu Recht bezweifelt werden. Auf gerade mal zwei dürren Seiten geht es um klimastabile Wälder. Los geht es bei Ihnen mit einer halben Seite Lobhudelei: Wir haben schon dies getan, wir haben schon das getan. – Super, Herr Deppe.

Ich vermiese ja ungern die gute Stimmung, aber Sie wissen schon: 30 % der nordrhein-westfälischen Fichtenbestände und ca. 5.000 ha Laubholz sind trotzdem zerstört, und die Mittel, die Sie und der Bund der Forst- und Holzwirtschaft bereitstellen, liegen zwei Drittel unter dem, was die Betroffenen vor

einem Jahr gefordert haben, zumal der Zugriff auf diese Fördermittel noch immer mit zu vielen bürokratischen Hürden verbunden ist.

(Bianca Winkelmann [CDU]: Deshalb ja auch der Antrag!)