Gabriele Hooffacker von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig gibt ihren Student*innen in einer Art Checkliste mit auf den Weg, dass Gendergerechtigkeit bereits vor dem Verfassen von Texten aufgegriffen werden soll. Als praktische Beispiele sollen in der Berichterstattung in den Medien ausgewogen Frauen und Männer ausgewählt werden, und es soll auch mal eine weibliche Führungskraft zu Wort kommen. Des Weiteren führt sie aus, dass ein geschlechtergerechter und geschlechtersensibler Umgang mit Sprache ein kreativer Umgang mit Sprache ist. Sie verweist außerdem auf rechtliche Rahmenbedingungen auf EU-, Bundes- und Landesebene dazu, dass amtliche Veröffentlichungen gendergerecht verfasst werden müssen.
Und nun kommt der AfD-Antrag und fordert die Abschaffung des § 4 im Landesgleichstellungsgesetz und die Rückkehr zum generischen Maskulinum. Dazu sage ich wie Frau Wendland: Nicht mit uns!
Wir engagieren uns für mehr geschlechtergerechte und respektvolle Sprache. Sie tut nämlich der Schön
heit der Sprache keinen Abbruch. Geschlechtergerechte Sprache ist für uns untrennbar mit einer fortschrittlichen Politik verbunden.
Wir stimmen zwar der Überweisung zu, lehnen die Inhalte des Antrags aber ab. Denn, wie eingangs gesagt, die Sprache spiegelt unser Denken und Bewusstsein. – Vielen Dank.
„Die Sprache ist der Spiegel einer Nation. Wenn wir in diesem Spiegel schauen, so tritt uns ein großes, treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen.“
Auch aus den Reihen der Antragsteller wird dieses Zitat dieser Tage immer wieder bemüht. Doch daran kann man wieder einmal erkennen, dass Fremd- und Eigenwahrnehmung bisweilen kolossal auseinanderdriften. Denn wenn die Antragsteller in den Spiegel schauen, blickt ihnen mindestens der Mief der 50erJahre entgegen, wenn nicht gar Kasernenton und Pickelhaube längst vergangener Tage.
Sie wollen eine sprachliche Rolle rückwärts – zurück in Zeiten, die glücklicherweise längst vorbei sind. Aber das ist ja nichts Neues.
Ihr Blick ist stets nach hinten gerichtet und nicht nach vorne. Die Zeit lässt sich aber nun einmal nicht anhalten und schon gar nicht zurückdrehen.
Ihr Antrag geht daher in der Sache völlig fehl. Denn er verkennt ein wesentliches Merkmal, das Sprache ausmacht. Sprache verändert sich, und Sprache entwickelt sich. Das ist ein Prozess, den man nicht künstlich aufhalten kann – schon gar nicht von oben.
Die Weiterentwicklung der Sprache findet letztendlich immer ihren Weg. Deshalb wird beispielsweise auch der deutsche Duden ständig überarbeitet und angepasst. Das Wort „Wählscheibe“ findet sich künftig nicht mehr darin, das Wort „Handy“ aber sehr wohl.
Haben die Antragsteller überhaupt einmal sich selbst oder den eigenen Parteifreunden bei ihrer Sprachkampagne zugehört? Da wird munter von Vergewal
Und merken Sie eigentlich, was Sie den Menschen damit antun, die wirklich Opfer von Vergewaltigungen oder von Missbrauch wurden?
(Josefine Paul [GRÜNE]: So ist das nämlich! – Dr. Christian Blex [AfD]: Dafür sind Sie ja wohl verantwortlich!)
Als freie Demokraten befürworten und befördern wir eine liberale, freiheitlich orientierte und tolerante Gesellschaft, in der jeder sein Leben nach seinen Vorstellungen gestalten und leben darf. Wir verurteilen daher jegliche Art von Diskriminierung – sei es aufgrund der ethnischen und sozialen Herkunft, des Geschlechts, der Weltanschauung, der Religion, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Orientierung – aufs Schärfste.
Aufgrund dieser Überzeugung sagen wir Ja zu sprachlichen Äußerungen, die Respekt gegenüber dem Kommunikationsteilnehmer oder den Kommunikationsteilnehmern zeigen. Geschlechtergerechte Sprache kann so auch ein Baustein für die Gleichstellung aller Geschlechter sein.
Es ist ja nicht so, als hätten die Landesregierung und die Landesverwaltung diese Anforderung nicht im Blick. Völlig zu Recht nutzt man eine geschlechtsneutrale Sprache, um damit auch die gelebte Gleichberechtigung der Geschlechter wertzuschätzen. Das ist nicht nur ein respektvoller Umgang miteinander, sondern auch ein Verfassungsauftrag. Für die Erfüllung dieses Auftrags brauchen wir aber sicherlich keine Nachhilfe vom Antragsteller.
Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen, Sprache entwickelt sich. Auf dem Weg der Fortentwicklung gibt es sicherlich auch mal Irrwege. Manche Sprachverrenkungen, die sehr dogmatisch motiviert sind, fördern nicht die Gleichberechtigung, sondern rufen – wenig überraschend – Abwehrreaktionen hervor. Darauf haben wir als FDP-Landtagsfraktion bereits 2016 in unserem wunderschönen Antrag „Rasenmäher statt RasenmäherIn – unsere Sprache nicht verrenken!“ hingewiesen.
Abstruse Sprachpirouetten wie „BürgerInnensteige“ oder „StaubsaugerInnen“ halten wir auch weiterhin nicht für tauglich.
Mancher Akteur – zum Beispiel die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover – schießt mit seinen Sprachvorgaben auch über das Ziel hinaus. Nicht jede sprachliche Umformung ist wirklich hilfreich.
Bei manchem Vorschlag zur gegenderten Sprache drohen auch Umkehreffekte, wenn die Mehrgeschlechtlichkeit nicht mehr als selbstverständlich angesehen wird, weil die Unterschiedlichkeit der Geschlechter überbetont wird. Das tut weder dem einzelnen Gesellschaftsmitglied noch der Gesamtgesellschaft gut. – Ich danke Ihnen.
Vielen Dank, Frau Kollegin. – Für die Fraktion der Grünen erteile ich der Abgeordneten Frau Paul das Wort.
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sprache schafft Realität. Sie produziert Hör- und Sichtbarkeit. Sie nimmt Identitäten ernst. Bestenfalls soll sie die Vielfalt unserer Gesellschaft wortwörtlich zum Ausdruck bringen.
Wir sind noch lange nicht am Ziel. Aber wir sind auf einem Weg. Diesen konsequent zu beschreitenden Weg, zu dem es allerlei Leitfäden, Debatten und gute Beispiele gibt, wollen Sie zurückdrehen. Gott sei Dank lässt sich dieser Weg des Fortschritts auch von Ihnen nicht zurückdrehen.
Es zeigt sich aber – Sie befeuern das noch einmal –, dass ein regelrechter Kulturkampf um den GenderStar entbrannt zu sein scheint. Heißt es dann eigentlich „das“ generische Maskulinum oder „der“ generische Maskulinum? Das müssen Sie mir vielleicht noch einmal erklären. Als wäre das die letzte Bastion hegemonialer Männlichkeit!
Ach so. „Das“ ist dann noch okay. Ich würde vorschlagen, dass Sie es in „der“ generische Maskulinum umbenennen.
Wie dem auch sei! Die Frauen Ihrer Fraktion – die zwei, die es nur gibt – haben bei dieser Debatte offensichtlich auch schon die Flucht ergriffen, weil ihnen diese hinterwäldlerische, ewig gestrige Debatte ebenfalls peinlich zu sein scheint.
Sprache ist im Wandel. Die Kolleginnen haben schon darauf hingewiesen. Sie lebt und wird von denen gelebt, die sie nutzen. Das sind heute nicht mehr Goethe und Schiller, sondern die vielen Menschen, die tagtäglich mit Sprache umgehen. Dementsprechend hat die Sprache sich über die Jahrhunderte und Jahrzehnte entwickelt.