Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, es ist unstrittig, dass wir hier im Haus darüber einen breiten Konsens haben, dass wir pflegenden Kindern und Jugendlichen für ihr Engagement danken und sie würdigen müssen.
Es ist daher auch landespolitisches Ziel, diese Kinder und Jugendlichen in ihrem Einsatz zu unterstützen. Weder die Angehörigen der Pflegenden noch die Pflegebedürftigen selbst bilden dabei eine homogene Gruppe.
Aufwand, anderweitige familiäre Unterstützung sowie die schulischen und beruflichen Situationen der Kinder und Jugendlichen sind sehr vielschichtig. Eine Unterstützung muss deshalb, so glauben wir, zielgenau erfolgen und den konkreten jeweiligen Lebensumständen angepasst werden.
Da zu diesen Umständen bisher nur sehr wenig gesicherte Informationen vorliegen, kann noch gar nicht so richtig bewertet werden, welche Maßnahmen den Betroffenen wirklich helfen könnten.
Vor diesem Hintergrund wirken die in Ihrem Antrag geforderten Maßnahmen – die teilweise gar nicht in der Zuständigkeit des Landes liegen – etwas beliebig.
Bisher erhalten die Jugendlichen Hilfe von Jugendämtern, Schulsozialarbeitern und Beratungslehrkräften in weiterführenden Schulen. Die Landesregierung prüft aktuell – dafür danke ich dem Minister ganz herzlich – ein Projekt zur Unterstützung von Kindern mit demenzkranken Eltern und plant, daraus ein Konzept zu erarbeiten; das haben Sie in Ihrem Antrag ja auch erwähnt.
Ohne Zweifel haben wir es mit einem wirklich wichtigen Thema zu tun, um das wir uns dringend kümmern müssen, aber auch kümmern werden. Hierfür braucht es keine Anträge mit unterschiedlichen Forderungen, bei denen überhaupt noch unklar ist, ob sie den Kindern und Jugendlichen wirklich helfen.
Sie haben in Ihrem Antrag vorher fünf Punkte gehabt; in dieser Woche sind es sechs Punkte. Leider ist er nicht sehr viel konkreter geworden.
Die Landesregierung kümmert sich darum. Wir werden sehen, was bei der neuen Evaluierung mit den demenzkranken Erwachsenen herauskommt. Wir werden Ihren Antrag erst einmal ablehnen. – Vielen Dank.
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Manche Studien reden von ungefähr 230.000 Kindern und Jugendlichen, die Angehörige pflegen und versorgen.
Sie übernehmen Pflegeaufgaben in unterschiedlicher Schwere – von der Assistenz bei der Medikamentengabe über Hilfe beim Einkleiden, Einkaufshilfen, aber eben auch das Füttern und Betten von Angehörigen.
Vielfach geht es um Geschwister, um Oma und Opa, um Tante, aber häufig auch um die Eltern. Kinder und Jugendliche übernehmen Aufgaben im Familienverbund. So mancher Jugendlicher ist auch allein verantwortlich für einen pflegebedürftigen Elternteil.
Man muss leider sagen, dass diese Jugendlichen relativ wenig Akzeptanz außerhalb der Familie erfahren, weil sie vielfach gar nicht über ihre Probleme und ihr Schicksal sprechen.
In den allermeisten Fällen kann man sagen, dass die Aufgaben nicht altersentsprechend sind und sie das Familiengefüge – insbesondere wenn es sich um die Eltern handelt – ziemlich durcheinanderwirbeln.
Es ist schon gesagt worden, dass die Jugendämter sich in Teilen um diese Familien kümmern. Aber die Jugendämter spiegeln auch, dass sie sehr große Schwierigkeiten haben, diese Familien und die Kinder und Jugendlichen tatsächlich zu unterstützen, weil diese Kinder und Jugendlichen – so seltsam uns das vorkommen mag – sehr an dem kleinen bisschen Familienleben, das sie haben, hängen.
Sie hängen sehr daran – nicht nur, weil sie die Situation als normal empfinden, sondern weil sie es gar nicht als ein richtiges Problem für sich selber empfinden, es sei denn, es entstehen extreme Überlastungssituationen.
Wie unterschiedlich die konkreten Lebenssituationen der Kinder und Jugendlichen, der sogenannten Young Carer, sein können, können wir dem von Ihnen zitierten Bericht des Zentrums für Qualität und Pflege der Uni Witten/Herdecke entnehmen. Ich habe das getan.
Diesem Bericht haben Sie recht willkürlich Forderungen entnommen. Diese Willkür führt dazu, dass das, was bereits auf dem Weg ist, von Ihnen ein Stück weit relativiert wird, zum Beispiel das Beratungsportal „Pausentaste“.
Es kommt gar nicht so sehr darauf an, ob Lehrer oder Sozialpädagogen oder andere dieses Portal kennen. Entscheidend ist, dass die Menschen, die in dieser Lebenssituation sind, dieses Portal kennen.
Ich finde, die Landesregierung geht hier einen völlig richtigen Weg. Sie setzt sich mit der Situation von Jugendlichen, die an Alzheimer oder an Demenz erkrankte Eltern haben, auseinander. Das ist natürlich eine sehr belastende Situation, die gar nicht anders als eine Überlastungssituation erkannt werden kann.
Daher handelt es sich um ein wichtiges Thema und in Teilen auch um interessante Forderungen, wenn auch nicht originär aus Ihrer Feder, aber falscher Saal und damit Ablehnung von unserer Seite. – Herzlichen Dank.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Kinder sollen spielen und lernen, aber nicht pflegen müssen. Dennoch gibt es Zigtausende Kinder und Jugendliche in unserem Land, die Verantwortung für die Pflege ihrer Eltern oder anderer Angehöriger übernommen haben.
Diese Problematik ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Insofern bin ich den Antragstellern persönlich ausgesprochen dankbar, dass sie dieses Thema in das Hohe Haus und in die Öffentlichkeit bringen.
Bei diesen Kindern gibt es Sorgen und Ängste um die Angehörigen und ein Auseinanderbrechen der Familie auf der einen Seite sowie Pflichtbewusstsein auf der anderen Seite. Davon wird das Leben dieser Kinder und Jugendlichen bestimmt.
Es handelt sich dabei oft um eine versteckte Belastung mit negativen Auswirkungen auf soziale Entwicklung und Bildung. Mehr Aufmerksamkeit für die Problematik von pflegenden Kindern sowohl in der Gesellschaft als auch bei öffentlichen Institutionen ist sicher nötig.
Deshalb habe ich großen Respekt vor der Initiative Young Carers und dem Einsatz von Lana Rebhan und möchte mich auch im Namen meiner FPDLandtagsfraktion herzlich dafür bedanken.
(Beifall von der FDP, Alexander Langguth [fraktionslos], Frank Neppe [fraktionslos] und Marcus Pretzell [fraktionslos] – Vereinzelt Bei- fall von der CDU)
Hilfen für pflegende Angehörige wie Pflegegeld, Pflegezeit oder Sozialversicherung der Pflegepersonen richten sich vorrangig an Menschen im erwerbsfähigen Alter.
Wir haben es gehört: Wir haben gezielte Hilfen, und wir brauchen weitere gezielte Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Pflegeverantwortung. Wir brauchen dazu die Schulsozialarbeit, Sozialämter und Pflegekassen, damit ein vorhandener Unterstützungsbedarf überhaupt erkannt wird.
Und – das wurde auch angesprochen – der Landesförderplan Alter und Pflege bietet die Möglichkeit, in diesem Themenfeld Projekte zu fördern, neue Konzepte zu erproben. Ich begrüße es, dass derzeit ein
Ich habe es eingangs gesagt: Ich freue mich, dass wir mit dem vorliegenden Antrag in die Öffentlichkeit kommen. Ich freue mich für die Antragsteller, dass sie damit den einen oder anderen im Land sensibilisieren und auf dieses Thema aufmerksam machen.
Ich und die FDP-Landtagsfraktion haben das große Problem, dass in weiten Teilen der Bund zuständig ist. Ich möchte so einen Antrag auch nicht hopplahopp bearbeiten, sondern ein bisschen nachhaltiger.
Ich selbst hatte im Sommer letzten Jahres Kontakt mit den Young Carers. Ich stehe im Gespräch mit Karl-Josef Laumann, spreche mit unserem Kinderminister Joachim Stamp, und ich bin mir sicher: Wir finden eine Lösung; aber es muss eine nachhaltige Lösung her.
Vielen Dank, Frau Kollegin Schneider. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht Frau Kollegin Paul.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Studien zufolge sind bundesweit etwa 230.000 Kinder und Jugendliche, also sehr junge Menschen, in Pflegeverantwortung. Wenn man das herunterbricht, sind das ungefähr 5 % aller Kinder und Jugendlichen in dieser Altersstufe; das ist keine kleine Zahl.
Deswegen teile ich die Analyse des Antrags, dass der Einsatz dieser jungen Menschen zu wenig wahrgenommen wird, und auch die Analyse der Studie, die Sie in Ihrem Antrag zitiert haben, dass das eine weitgehend verborgene Gruppe ist, was selbstverständlich ein Problem ist, weil es darauf hinweist, dass bei dieser Gruppe unter Umständen Unterstützungsangebote nicht ankommen.
Diese jungen Menschen haben eine hohe Verantwortung, und natürlich stehen sie auch unter einer hohen Belastung. Das hat zumindest unter Umständen Auswirkungen auf ihre psychische und physische Gesundheit. Es bedeutet möglicherweise auch einen Rückzug von Freunden und aus Freizeitaktivitäten, und es hat unter Umständen auch Auswirkungen auf schulische Leistungen.
Ich persönlich finde an der Analyse am schlimmsten – wie es in der Studie und in den Berichten deutlich wird –, dass viele Kinder und Jugendliche sich schlicht nicht trauen, darüber zu sprechen oder um Hilfe zu bitten, aus der Sorge heraus, gegebenenfalls
Das ist etwas, bei dem wir natürlich sensibilisieren und dafür sorgen müssen, dass Kindern die Sicherheit geboten wird, dass das nicht passiert.