Der nächste Punkt ist die Diversität. Wir haben ja heute den Bericht vom zakk bekommen – nach dem Motto: Wie sieht es denn mit der Bestandsaufnahme in Bezug auf Diversität in Kultureinrichtungen aus?
Auch das Thema „Audience Development“ ist in diesem Zusammenhang eine große Frage. Zu Recht hat dies im neuen Kulturförderplan, der gerade von der Regierung vorgelegt wurde, einen Schwerpunkt. Auch da ist es bereits entsprechend aufgegriffen worden.
Die Förderung von Sonderausstellungen ist auch in Ihrem Antrag benannt worden. Das machen wir seit Jahrzehnten. Deshalb haben wir so eine gute und vielfältige Museumslandschaft, weil sie nicht nur ihre eigenen Sammlungen hat, sondern auch hervorragende außerordentliche Sonderausstellungen mit weltweiter Bedeutung zeigt.
Übrigens: Die vorhin genannte Kunststiftung ist seit Jahren hier ein sehr großer Schwerpunkt. In ihrer Rolle wirft sie vor allem auch ein Auge auf die Mittelvergabe in unterschiedliche Regionen – selbst nach Westfalen.
An dieser Stelle gibt es aber auch einen nicht ganz unwichtigen Punkt, nämlich die Frage der Haftungsübernahme für Transport und Ausleihe. Das ist häufig bei Sonderausstellungen einer der größten Kostentreiber. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir schon ein Stück weit die Zähne daran ausgebissen habe. Es wäre aber wirklich ein riesengroßer Befreiungsschlag, wenn hier Versicherungskosten, in welcher Form auch immer, für die Betreiber von Ausstellungen gesenkt werden könnten.
Ansprechen möchte ich auch noch das Anlegen von Sammlungen der Künstler der Jetztzeit. Die Möglichkeiten von Ausstellungen der Künstler der Jetztzeit sind natürlich immer auch von den Häusern abhängig, also davon, welches Konzept sie haben und wen sie ausstellen lassen. Aber häufig genug haben gerade die Künstler der Jetztzeit wenig Chancen. Meine Frage ist, inwieweit wir hier auch Haltungen befördern können, damit wiederum diese Künstlerinnen und Künstler gefördert werden. Denn in der Tat sind neben den Literaten gerade die lebenden bildenden Künstler die Ärmsten im Kulturbereich.
Als weiteren Punkt haben Sie die digitale Erschließung genannt. Beim Urheberrecht haben wir gerade eine gesetzliche Änderung gehabt. Man muss schauen, wie sich das auf den Bereich des Museumsbetriebs auswirkt. Ansonsten haben Sie schon 2018 einen Antrag gestellt, in dem Sie auch die Museen explizit genannt haben. Insoweit geht es jetzt eher um einen Zwischenbericht.
Meines Erachtens muss aber auch der Bereich der unmittelbaren Anbindung der Museen, Bibliotheken, Volkshochschulen und Musikschulen an das schnelle Netz stärker berücksichtigt werden. Ich halte das für einen ganz wichtigen Punkt. Schließlich sind dies Orte der Begegnung, aber auch Orte der Bildung. Dementsprechend müssen sie über einen solchen Zugang verfügen.
Der Antrag ist zwar schön, enthält aber nicht viel Neues. Ich hoffe, dass wir an den vielen Aufgaben, die bereits bestehen und immer bestehen werden, auch gemeinsam weiterarbeiten werden. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter Bialas. – Als nächster Redner hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Herr Abgeordneter Keymis das Wort. Bitte schön, Herr Kollege.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, das ist ein schöner Antrag – vielen Dank, Herr Bialas; das war schon fast meine Rede; so ist es –, und zwar deshalb, weil er alles aufzählt, was man im Zusammenhang mit der Förderung von Museen und Sammlungen voranbringen kann: von der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Verknüpfung über die Digitalisierung bis hin zu Integration und Ansprache neuer Publikumsschichten.
Unser gemeinsam getragener Antrag, Kindern und Jugendlichen freien Eintritt zu ermöglichen, geht ja in die entsprechende Richtung.
Wer in früher Jugend öfters einmal in einem Museum war – auch, weil es nichts gekostet hat –, ist unter Umständen später bereit, einen kleinen Eintritt zu zahlen, um dann noch einmal zu gucken, ob das, was er als Kind schön fand, immer noch da hängt. Dafür muss man dann auch sorgen. – Also: Das ist ein ambitionierter Antrag, den wir ausdrücklich unterstützen.
Bei dieser Oppositionsrolle, die wir als Grüne hier einzunehmen haben, ist mein Problem ein wenig, das in der Kultur zu formulieren, weil Sie immer wieder auf Punkte unseres kleinen, bescheidenen Wahlprogramms 2017 zurückkommen – als würden Sie es lesen, was ich gar nicht glaube –, die wir da schon reingeschrieben haben; ich glaube, bei der SPD ist das manchmal ähnlich.
Wir haben so viel Schönes reingeschrieben, was wir uns für diese Legislatur vorgenommen haben. Wir sind dafür nicht gewählt worden, Sie jedoch schon. In diesem Politikfeld arbeiten Sie das ganz sauber ab. Danke dafür.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter Keymis. – Für die Fraktion der AfD hat Frau Abgeordnete Walger-Demolsky das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Museumslandschaft in NRW ist vielfältig und durch ihre unterschiedlichen Träger geprägt. Es sind sehr oft Kommunen, es sind die Landschaftsverbände, aber es sind natürlich auch private Träger dabei.
Genauso vielfältig sind die Aufgaben von Museum – es wurde schon angesprochen –: sammeln, bewahren, forschen, ausstellen. Es ist aber auch das Vermitteln von Historie, von eigener und fremder Kultur oder von Kulturgeschichte, aber auch vieles mehr.
Ein erheblicher Teil der originären Aufgaben der Museen bleibt der Öffentlichkeit in der Regel verborgen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht von großer Bedeutung sind und dass sie nicht erhebliche Kapazitäten binden. Der Personalbedarf ist daher oft größer als die dafür zur Verfügung stehenden Mittel. Da fallen wenig sichtbare Aufgaben wie die Provenienzforschung der eigenen Sammlung schon mal unter den Tisch. Das ist dann aber nicht dem Unwillen, sondern der mangelnden finanziellen Ausstattung geschuldet.
Sie schlagen vor, das mit der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu verbinden, und weisen auf die Umsetzung des Volontariatsprogramms hin. Wir haben uns die Volontariatsbedingungen mal genau angesehen. Eine Stellenanzeige könnte wie folgt lauten: Junge Akademiker mit praktischer Erfahrung im Museum für 39 Stunden in der Woche mit einem Bruttogehalt von unter 2.000 Euro gesucht.
Ja, der Job macht bestimmt Spaß, die Arbeit ist wertvoll, und Taxifahrer bekommen wahrscheinlich meist weniger. Trotzdem nennen wir das Akademikerausbeute.
Sie haben in Ihrem Antrag erkannt, dass Sonderausstellungen für Museen wichtig sind und ein Publikumsmagnet sein können. Genau das führt aber bei dem schlechten Zustand vieler Museen und Gebäude, die kurz nach dem Krieg entstanden sind und in den letzten Jahrzehnten wenig Sanierung erfahren konnten, dazu, dass diese seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten nicht in der Lage sind, die eigene Sammlung zu zeigen.
Das ist die Stelle, an der Sie auch helfen wollen. Sie wollen unterstützen, dass Sammlungen digitalisiert und diese in der modernen Form der digitalen Sammlungspräsentation dann optimal genutzt werden. Das ist ein sehr unterstützenswertes Ziel.
Wenn Sie sich einmal eine Freude machen und sich in die digitale Sammlung des Städel Museums in Frankfurt vertiefen, werden Sie das genießen. Leider ist die Onlinesammlung des K21 und K20 davon weit entfernt. Diese landeseigenen Häuser sollten in jedem Bereich die Aushängeschilder sein.
Als Vorbild sind sie aber leider nicht nutzbar. Das heißt, unsere Museen im Land sind gar nicht schlecht beraten, über die Landesgrenze hinweg zu sehen oder auch an anderer Stelle im Land Inspirationen zu suchen – zum Beispiel beim Ruhr Museum, beim HNF, dem Heinz Nixdorf MuseumsForum, oder dem Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna. Sie alle nutzen die Onlinepräsentation wirklich sehr ansprechend.
Der Antrag wird Museen sicher helfen. Wir hoffen auf mehr Informationen im Ausschuss und stimmen der Überweisung dorthin selbstverständlich zu. – Danke schön.
Das war Frau Abgeordnete Walger-Demolsky für die Fraktion der AfD. – Jetzt hat für die Landesregierung Frau Ministerin Pfeiffer-Poensgen das Wort.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es wurde hier schon mehrfach festgestellt: In keinem anderen Bundesland gibt es eine solche Vielfalt an Museen wie in Nordrhein-Westfalen. Die zahlreichen Kunst- und Kulturmuseen in der Rheinschiene, im Ruhrgebiet, in Westfalen und in Lippe sind ausgewiesene Orte der Kunst- und der Kulturgeschichte sowie – nebenbei bemerkt; daran sollte man auch immer erinnern – Orte der Bildung. Vielfach haben sie eine Wirkung, die weit über das Land hinausgeht. Sie sprechen mit ihren Ausstellungen und ihren verschiedensten Bildungsformaten ein breites Publikum an.
Seit Beginn der Legislaturperiode hat die Landesregierung wichtige Vorhaben in der Kulturförderung, die immer auch der Stärkung der Struktur galten, erfolgreich auf den Weg gebracht. Es wurde schon erwähnt: die Theater- und Orchesterförderung, der gesamte Bereich der freien Szene in den verschiedenen Kunstbereichen oder eben in jüngerer Zeit die Förderung der sogenannten Dritten Orte, die jetzt in ihre zweite Phase der Konzeptionsförderung eintreten.
Natürlich möchten wir auch im Bereich der Bildenden Kunst und der Museen viel tun. Wir sind gewissermaßen auch da auf Stärkungskurs, und darum geht es.
Natürlich gab es immer schon viele gute Museen, Herr Bialas, und wunderbare Sammlungen auch in den Kommunen. Ich denke, wir haben jetzt aber die Chance, viel für die strukturelle Förderung und die Programmförderung dieser Häuser zu tun.
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft hat mit den Direktorinnen und Direktoren von Kunst- und Kulturmuseen sofort nach meinem Amtsantritt und
inzwischen mehrfach Gespräche geführt und auf dieser Basis sehr konkrete Maßnahmen entwickelt – im Gespräch –; denn am Ende geht es auch immer darum, dass die jeweiligen Einrichtungen die Förderung bekommen, die ihnen am meisten helfen kann.
Mit der Erhöhung des Etats in dieser Legislaturperiode für den Ankauf von Kunstwerken und Kulturgütern und auch für Ausstellungen – ebenfalls eine sehr wichtige Maßnahme – werden sowohl Künstlerinnen und Künstler unterstützt als auch Museen in Nordrhein-Westfalen gefördert.
Man muss deutlich sagen, dass wir die Ausstellungshäuser des Landes auch dazu nutzen, Gegenwartskünstlerinnen und -künstler zu zeigen und sie durch solche Ausstellungen auch zu fördern.
Ein kontinuierlicher Ausbau der Sammlung eines Kunstmuseums ist immer Voraussetzung, um die Aufgaben der Präsentation, Erforschung, Erhaltung und Vermittlung von Kunst dauerhaft wahrnehmen zu können. Diese Erhöhung der Ankaufs- und Ausstellungsetats ist eminent wichtig. Mir ist es auch wichtig, dass sie mit ganz konkreten Zahlen im Haushaltsplan stehen und damit gesichert sind.
Zudem ist die Provenienzforschung in den Museen ein wichtiges Anliegen. Sie wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste begleitet und gefördert. Insofern kann gar nicht die Rede davon sein, dass es in Deutschland Provenienzforschungsvorhaben gibt, die nicht zu finanzieren sind. Selbst in Museen mit kleinen Etats gibt es eine ganz starke Förderung durch Magdeburg; auf fehlende Finanzen kann sich längst niemand mehr zurückziehen.
Wer mich und meine frühere Arbeit einmal wahrgenommen hat, der weiß, dass ich mich genau in diesem Feld der Provenienzforschung sehr stark engagiert habe, weil jedes Museum in Deutschland wissen muss, was es in seiner Sammlung hat und wie es da hineingekommen ist.
Die weitere Unterstützung der Provenienzforschung hier in Nordrhein-Westfalen wird natürlich auch bedacht. Wir werden ein sehr viel konkreteres Beratungsangebot gerade auch für kleinere Häuser entwickeln. Daran arbeiten wir derzeit.
Im Kontext der musealen Forschungsaufgaben ist ein Volontariatsprogramm zur Stärkung der Forschung in enger Abstimmung mit den Museen konzipiert worden. Es befindet sich in der Umsetzung. Die Anmerkung eben zu Volontariaten in Museen finde ich abwegig. Die Volontariate sind der klassische Einstieg in die Museumslaufbahn. Wir haben nur leider viel zu wenig Stellen in Deutschland. Das gilt generell für ganz Deutschland.
Deswegen fand ich den Vorschlag, der von den Museen kam, ausgezeichnet, jungen Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern die Möglichkeit zu geben, sich für eine Museumsarbeit zu qualifizieren.
Kinder und Jugendliche werden im Rahmen der Förderung der kulturellen Bildung in Nordrhein-Westfalen mit verschiedenen Förderformen an künstlerische und kulturelle Programme herangeführt. Die Zugänge zum Publikum weiterzuentwickeln – auch das ist eben schon gesagt worden –, ist gerade in einer vielfältiger werdenden Gesellschaft eine wichtige Zukunftsaufgabe der Museen. Es ist – offen gesagt – kein Spaziergang, sondern eine große Herausforderung, hier die richtigen Angebote zu entwickeln.
Schließlich, um die Chancen der Digitalisierung für die Museumsarbeit zu nutzen, wird derzeit in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eine digitale Strategie und deren Umsetzung geplant. Das beinhaltet auch die Einführung von digitalen Arbeitsprozessen, Online-Auftritte, Social-Media-Strategien und natürlich die Digitalisierung der Sammlung.
Die Erfahrungen und Ergebnisse dieser Arbeit werden anschließend anderen Museen in NordrheinWestfalen zur Verfügung gestellt. So ist die Idee.
Darüber hinaus wird die Schaffung dringend benötigter technischer Voraussetzungen für die Digitalisierung mit einem Investitionsprogramm „Kultur“ gefördert, das wir in den nächsten Tagen ausschreiben werden.
Ein Wort noch zu den Versicherungen. Herr Bialas, das ist in der Tat ein Riesenthema. Ich muss aber leider darauf hinweisen, dass schon vor ein paar Jährchen hier im Land die Staatshaftung abgeschafft und durch einen Ansatz im Haushaltsplan für Versicherungen ersetzt wurde, der aber nur ein Zuschuss sein kann. Das ist ein Thema, dem wir uns unbedingt noch einmal widmen müssen, gerade im Hinblick auf die großen Ausstellungen, die für das Land auch sehr wichtig sind.
Der Antrag der Fraktionen der CDU und der FDP verleiht der Stärkung der Kunst- und Kulturmuseen in Nordrhein-Westfalen zusätzlichen Schub und gibt weitere Impulse. Deswegen begrüßen wir diesen Antrag sehr. Wir werden uns ja darüber und über die Möglichkeiten der Programme, die daraus entstehen, im Ausschuss noch ausführlich unterhalten. – Vielen Dank.