sowie die Erzieherinnen und Erzieher. Da geht es sehr verstärkt darum, gesunde und nachhaltige Ernährung zu vermitteln.
Daran knüpft auch eine Forderung in Ihrem Antrag an, die ich wirklich nicht nachvollziehen kann. Sie fordern zum Beispiel, das Themenfeld in die Lehreraus- und -fortbildung zu implementieren. Wie soll ich mir das denn vorstellen? Sollen jetzt auch Englisch- und Geschichtslehrer im Studium oder in der Fortbildung verpflichtend Seminare zur gesunden Ernährung belegen müssen, obwohl sie das gar nicht vermitteln? Was soll denn so eine Schaufensterforderung?
Unsere Lehrkräfte stehen doch schon vor ganz vielen Herausforderungen und Verantwortlichkeiten. Dass die SPD hier ein diffuses Störgefühl hat, das noch nicht einmal mit Zahlen hinterlegt ist, bringt Sie dazu, eine solche Forderung in den Antrag zu schreiben. Nur deshalb wollen Sie die Lehrerinnen und Lehrer mit weiteren Aufgaben und pauschal mit mehr Verantwortlichkeiten belasten. Das hat doch auch nichts mit Wertschätzung zu tun. Ich kann nicht verstehen, woher zum Beispiel eine solche Forderung kommt.
Meine Damen und Herren, das ist nicht die einzige Forderung, die mir wie aus der Hüfte geschossen vorkommt und die weder Hand noch Fuß hat, geschweige denn ein Preisschild. Da werden noch ganz viele Fragen aufgeworfen – mehr Fragen, als Sie im Antrag Antworten geben.
Wie viele Einrichtungen haben schon eine Küche? Brauchen jede Schule und jede Kita eine Küche? Welche Küchenform soll es sein? Eine Lehrküche? Eine Aufwärmküche? Wer finanziert das denn alles?
Wie Sie sehen, ist diese Fragenliste jetzt schon lang. Weitere Fragen kommen noch dazu. Ich bin auch sehr gespannt auf die Antworten, die dann im Laufe dieser kochenden Debatte hoffentlich noch geliefert werden.
Darauf freue ich mich auch. Herr Ott, ich freue mich immer, wenn ich mit Ihnen in einer Anhörung sitzen darf.
Abschließend, um beim Kulinarischen zu bleiben: Bis zum nächsten Schulausschuss haben Sie ja noch ein
Vielen Dank, Frau Kollegin Müller-Rech. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht Herr Kollege Rüße.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Müller-Rech, ich bin, ehrlich gesagt, etwas entsetzt, wie Sie an dieses Thema heute herangegangen sind.
Ich kann verstehen, dass man als Abgeordnete einer regierungstragenden Fraktion versucht, Aufgaben, die anzunehmen wären, erst einmal abzuwehren. Das ist alles nachvollziehbar. Wir bewegen uns hier aber in einem Problemfeld, das definitiv vorhanden ist.
Als Vater von zwei Töchtern, die beide zur Schule gegangen sind – eine geht noch zur Schule –, sage ich Ihnen: Ich kenne das Problem sehr gut. Wenn beide Elternteile berufstätig sind – das ist mittlerweile Standard –, fragt man sich nämlich: Was kriegen denn unsere Kinder mittags in der Schule zu essen?
Wir haben die Schule gemeinsam in den Ganztag hineinentwickelt. Das war eine Entscheidung, die gesellschaftspolitisch und bildungspolitisch durchaus richtig ist. Das haben wir alle zusammen gemacht. Wir haben es aber nicht geschafft, parallel dazu dafür zu sorgen, dass den Kindern an allen Schulen ein ordentliches Mittagessen angeboten wird.
Ich kann Ihnen aber Beispiele nennen, wo es eben anders ist, nämlich so, dass es nicht funktioniert oder vom Ehrenamt abhängt, ob es klappt.
Wir diskutieren häufiger über die Frage „Wissen um Ernährung“. Das ist doch die zentrale Frage. Wissen unsere Kinder überhaupt noch, woher das Essen kommt und wie Essen zubereitet wird? Weiß es denn die Elterngeneration? Die Eltern sind 30 bis 35 Jahre alt und wissen viel weniger als die Generation der heute 60- bis 65-Jährigen. Da ist ein Wissensverlust vorhanden, den wir ausgleichen müssen, Frau Müller-Rech. Akzeptieren Sie das bitte einmal.
Uns allen ist klar: Es ist eine Herkulesaufgabe, dass wir an den Schulen – wir haben 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler und knapp 6.000 Schulen in
NRW – ein verlässliches, gutes Mittagessensangebot hinbekommen. Das an allen Schulen hinzubekommen, ist nicht einfach. Diese Aufgabe müssen wir aber angehen. Wir können sie nicht allein den Schulträgern überlassen und sagen: Macht mal schön!
Das müssen wir aus dem Landtag und aus den Ministerien begleiten. Das ist unser Job, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Lassen Sie uns diese Chance doch gemeinsam nutzen. Wir haben immer wieder darüber gesprochen, wie wir das Thema „Ernährung“ den Kindern wieder ein Stück weit näherbringen können. Das gehört auch in die Schulen. Die Eltern schaffen es nicht mehr alleine. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen. Lassen Sie uns das in dem Zusammenhang also doch anpacken.
Es ist auch eine Riesenchance – das sage ich an dieser Stelle auch deutlich –, wenn wir es hinbekommen, die Schulkantinen mit regionaler Ernährung und vielleicht auch einem Anteil an ökologischer Ernährung zu verknüpfen. Damit könnten wir an dieser Stelle etwas für die Natur und auch für unsere Landwirtschaft tun. Das ist ein wichtiger Schritt. Denn woher kommt das Essen?
Ich finde, dass wir uns da auf den Weg machen sollten – und das nicht nur über das Schulministerium; da ist auch das Umweltministerium durchaus gefragt.
Wir haben doch Dinge wie das Schulobstprogramm und das Schulmilchprogramm. Das sind doch Themen, bei denen wir uns schon aktiv einbringen, was die Ernährung von Kindern an unseren Schulen angeht.
Dass die Ernährung für uns alle so weit weg ist, liegt doch auch daran, wie wenig wir in Nordrhein-Westfalen davon überhaupt noch sehen können. Kommen Sie einmal in meinen Wahlkreis. Wie viel Kartoffelanbau können Sie da zum Beispiel noch sehen? In Deutschland werden Kartoffeln zur Hälfte in einem einzigen Bundesland angebaut, nämlich in Niedersachsen. Es ist daher doch eine Riesenchance, wenn wir es hinbekommen, dass die Schulen eine Nachfrage vor Ort generieren.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! „Gesundes Essen ist Kinderrecht“ lautet der Titel des Antrags, zu dem ich heute sprechen darf. Es freut mich, dass ein so wichtiges Thema wie „gesunde Ernährung“ mal wieder aufs Tableau kommt – wenngleich ich Sie schon direkt im Titel wieder korrigieren muss. Gesundes Essen ist Kinderrecht? Nein, das ist es bislang in diesem Land eben nicht, liebe SPD, und zwar auch deshalb nicht, weil Sie, liebe Kollegen, einen meiner Anträge aus dem Juni-Plenum 2018 – das ist bereits ein Jahr her – nicht mitgetragen haben.
Getreu dem Motto „aus AfD macht SPD“ taucht plötzlich vieles von dem, was ich schon vor einem Jahr gefordert habe und was von Ihnen allenfalls belächelt wurde, nun in Ihrem Antrag wieder auf.