Protokoll der Sitzung vom 10.10.2019

Ich glaube allerdings, dass eine Ehrung der besten NRW-Sportschule ein Preis ist, den wir nicht brauchen. Ich persönlich wünsche mir, dass alle 18 NRWSportschulen exzellente Arbeit leisten, und zwar im Bereich der Bildung und im Bereich der Leistungssportförderung.

(Beifall von der SPD)

Ich brauche aber keinen Preis, um das festzustellen.

(Vereinzelt Beifall von der SPD)

Ein weiterer Punkt: NRW-Sportschulen sollen verstärkt mit den umliegenden Grundschulen kooperieren. Das wiederum habe ich gerne gelesen. Denn damit wäre – korrigieren Sie mich, wenn ich das fehlinterpretiert habe; ich hoffe aber, dass das nicht der Fall ist – der Unsinn, den Sie mit den NRWSportgrundschulen in Ihren Koalitionsvertrag geschrieben haben, endlich vom Tisch, und Sie hätten eingesehen, dass wir keine Kaderschmieden von Sechsjährigen brauchen, sondern vernünftige Bewegungsangebote, gerne vernetzt mit den NRWSportschulen, gerne vernetzt mit den Vereinen. Es geht da noch nicht wirklich um Leistungssportförderung, sondern um Bewegungsförderung. Ich hoffe, dass ich das richtig interpretiert habe und Sie sich damit von einer nicht wirklich zielführenden Idee verabschiedet haben.

Ferner sollen Sportschulen zu mehr Kooperationen mit Hochschuleinrichtungen ermuntert werden. Ich finde es schön, dass Sie ermuntern wollen. Viel Konkretes, was Sie wirklich umsetzen und machen wollen, steht dort aber nicht drin.

Das ist allerdings auch nur die Hälfte. Mir fehlt eine Linie, wohin Sie mit der Leistungssportförderung im Nachwuchsbereich in diesem Land eigentlich wollen. Sie wollen Preise vergeben; schön. Sie wollen dieses und jenes prüfen und zu etwas ermuntern; schön.

Mir fehlt jedoch eine sehr deutliche Stärkung der dualen Karriere. Mir fehlt auch eine deutliche Stärkung der schulischen Ausbildung. Denn – Herr Kollege Terhaag, Sie haben darauf hingewiesen – nicht alle Talente kommen tatsächlich im Spitzensport an. Wir müssen aber sicherstellen, dass sie trotzdem im

schulischen System integriert bleiben, dass sie dort integriert gefördert werden und dass nicht, wenn ihnen die eine Lebenswelt Sport wegbricht, dadurch auch die anderen Lebenswelten negativ beeinflusst werden. Auch dazu gibt es keinen Hinweis in diesem Antrag. Das ist mir zu kurz gesprungen.

Eine weitere Frage ist, was mit den Athletinnen und Athleten ist, die nicht zur Universität gehen. Beispielsweise in Baden-Württemberg gibt es die Initiative „Partnerbetrieb des Spitzensports“. Ich glaube, wir täten gut daran, uns auch hier einmal intensiver damit auseinanderzusetzen, wie Betriebe den Spitzensport unterstützen und fördern können und wie Athletinnen und Athleten eine duale Karriere aufbauen können, möglicherweise nach einer Ausbildung, aber auch im Bereich der Ausbildung.

Es gibt also einige Punkte, bei denen ich mir wünsche, dass, wenn man schon qualitativ weiterentwickeln will, wirklich qualitativ diskutiert wird. Ein paar Punkte habe ich angesprochen. Vielleicht kommen ja einige davon in der Evaluation, wenn sie komplett ist, auch noch vor. Dann können wir weiter darüber diskutieren.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

Vielen Dank, Frau Kollegin Paul. – Für die AfD-Fraktion spricht Herr Kollege Keith.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Auch die AfD unterstützt selbstverständlich und ausdrücklich den Ausbau und die Verbesserung der Qualität des Nachwuchsleistungssports in NRW.

Doch eine Verwirklichung dieses ausgesprochen wichtigen Ziels kann durch Ihren Antrag nicht im Ansatz erreicht werden. Dieser Antrag offenbart, dass Sie die gegenwärtige Situation an den Sportschulen, mit der sich der Leistungssportnachwuchs konfrontiert sieht, nicht wirklich kennen bzw. falsch einschätzen. Das ist fatal für unsere jungen Talente.

Langfristige qualitative Verbesserungen für den Leistungssportbereich beginnen bereits bei der Talentsichtung und Talentförderung – in den Schulen und Sportvereinen, bei flexibleren Trainingszeiten, finanzieller Unterstützung und einer professionellen Betreuung, die die schulische, berufliche, sportliche, aber vor allem auch die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen vereint. Sie brauchen individuelle Betreuung gerade in einer sich immer stärker und schneller verändernden Umwelt und die Garantie auf eine gute Bildung, die im harmonischen Einklang mit ihren besonderen Talenten steht, die diesen engagierten jungen Menschen nicht nur viel Kraft abverlangt, sondern auch viel Zeit.

Auch bedarf es hochqualifizierter Trainer, Betreuer und Lehrer an diesen Schulen, die weit besser bezahlt und abgesichert werden müssen, als das gegenwärtig der Fall ist. Denn nur so können Fluktuationen vermieden werden sowie langfristige Trainingserfolge erzielt und garantiert werden.

Das Spitzensportdreieck „Athlet, Trainer, Sportstätten“ ist wieder in den Mittelpunkt zu rücken.

All diese entscheidenden Aspekte finden aber in Ihrem Antrag leider keinerlei Berücksichtigung.

Stattdessen fordern Sie eine verpflichtende Teilnahme zum Erwerb des Sportabzeichens ab Klasse 5. Wie soll denn, bitte schön, diese Verpflichtung zu einer Qualitätssteigerung an den Sportschulen führen? Diesen kausalen Zusammenhang müssen Sie mir im Ausschuss einmal erklären.

Sie fordern weiterhin, dass NRW-Sportschulen das individuelle sportliche Potenzial bei der Aufnahme stärker berücksichtigen sollen. Ja, mein Gott! Nach welchen Kriterien erfolgt denn gegenwärtig die Aufnahme an Sportschulen, wenn nicht auch und besonders nach individuellen sportlichen Potenzialen? Glauben Sie wirklich, dass allein durch die gesetzliche Festschreibung eine Qualitätsverbesserung in den Sportschulen eintritt? Und wieso beziehen Sie sich eigentlich bei der Verbesserung der Chancen für Talente nur auf die Sportschulen und nicht auch auf alle anderen Schulen?

Ziel muss es doch sein, eine Verbesserung der Rahmenbedingungen aller Kader und Talente im Leistungssport zu erreichen. Denn nicht alle Kinder und Jugendlichen, die sich dem Leistungssport verschrieben haben, gehen auf eine Sportschule oder eine Partnerschule des Leistungssportes. Sie gehen auf normale Schulen, trainieren vor oder nach der Schule mit einem riesigen zusätzlichen Zeit- und Wegeaufwand, der ohne einen hohen materiellen und personellen Einsatz der Eltern nicht möglich wäre. Daher muss die Förderung der Eltern und der Kinder in gleichem Maße berücksichtigt werden, um diese jungen Talente nicht zu verlieren.

Ja, ein guter Ansatz wäre es wirklich, wenn die Sportschulen, aber auch alle anderen Schulen einen unbürokratischeren, kreativeren und flexibleren Entwicklungspfad für Leistungssportler, Talente und Kader beschreiten würden. Ganz sicher wird das nicht durch Ihre Forderung nach einer jährlichen Auspreisung von Sportschulen erreicht.

Um den Leistungs- und Spitzensport langfristig zu fördern und auszubauen, bedarf es konkreterer Vorschläge und Maßnahmen, als von Ihnen in diesem Antrag gefordert.

Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, die Forderungen, die sich aus der Evaluation ergeben haben, mit aufzunehmen. Ich möchte nur einige Beispiele nennen, die dort aufgezählt worden sind:

Das waren mehr Trainer und Betreuer, insbesondere eine bessere Bezahlung, um eine langfristige Bindung an die Sportler ermöglichen zu können.

Sie hätten sicherstellen können, dass entsprechender Sportunterricht gewährleistet ist und nicht regelmäßig an unseren Schulen ausfällt.

Das ist eine stärkere Gewichtung – es wurde eben schon angesprochen – der Förderung von doppelten Karrieren.

Aber warum stehen diese Forderungen nicht in Ihrem Antrag? – Ich kann es Ihnen sagen: Sie stehen nicht in Ihrem Antrag, weil sie unfassbar viel Geld kosten – Geld für die Sanierung unserer zum Teil maroden Sportstätten, Geld für die Ausbildung von Trainern, Geld für unbefristete Arbeitsverträge und Geld für den Bau von Internaten.

Leider gehen Sie in Ihrem Antrag auf die Probleme der Talentförderung nicht ursächlich ein, und daher wird er auch nicht die Chancen unserer Sporttalente verbessern.

Der Überweisung an den Ausschuss stimmen wir natürlich zu und freuen uns auf die Debatte. – Danke schön.

(Beifall von der AfD)

Vielen Dank, Herr Kollege. – Für die Landesregierung erteile ich Frau Ministerin Gebauer in Vertretung für den Ministerpräsidenten das Wort. Bitte schön.

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lieber Herr Bischoff, ich meine, sagen zu dürfen, dass ich alle meine Kolleginnen und Kollegen im Kabinett kenne und auch deren Fachbereiche. Ein Rohbauminister – so wie Sie ihn hier vorhin betitelt haben – ist mir allerdings nicht bekannt. Da würde ich gerne nachfragen, wen Sie konkret gemeint haben. Vielleicht habe ich es auch nur falsch verstanden. Aber ich habe Ihre Kollegin aus der SPD-Fraktion vis-à-vis angeschaut, und wir meinten beide, „Rohbauminister“ gehört zu haben. Aber gut.

Zurück zum Antrag: Die Landesregierung hat mit der Einrichtung und stetigen Weiterentwicklung von insgesamt 18 NRW-Sportschulen einen bundesweit neuen und eigenen bildungs- und sportpolitischen Weg eingeschlagen.

Die NRW-Sportschulen verfolgen das Ziel, sportliche Nachwuchstalente so zu unterstützen, dass die Karriere im Leistungssport und der individuelle Bildungsgang bestmöglich verlaufen. Talente erhalten hier ausgezeichnete Rahmenbedingungen, um Schule und Leistungssport miteinander vereinbaren zu können.

Um eine Analyse des Modells der NRW-Sportschulen zu gewährleisten, wurden die NRW-Sportschulen einer systematischen wissenschaftlichen Evaluation durch die Deutsche Sporthochschule in Köln unterzogen. Ziel war es, die damit verbundenen Erkenntnisse und Erfahrungen systematisch zu erfassen, sie auszuwerten und Ableitungen für das bestehende Verbundsystem Schule und Leistungssport vornehmen zu können.

Grundsätzlich zeichnet die Evaluation ein durchweg positives Bild hinsichtlich der Umsetzung der in den Rahmenvorgaben entwickelten Vorstellungen. Sie spricht aber auch bereits jetzt Empfehlungen zur Weiterentwicklung aus. Diese Weiterentwicklung liegt der Landesregierung am Herzen, und vieles wird bereits praktiziert. Lassen Sie mich kurz einige Überlegungen herausstellen.

An den Sportschulen müssen – ich glaube, darüber sind wir uns einig – die besten Talente gefördert werden. Wir wollen daher, dass das individuelle Talent der Schülerinnen und Schüler bei der Aufnahme in die NRW-Sportschule dann auch stärker als bisher berücksichtigt wird. Deshalb prüfen wir derzeit, wie wir hierfür die geeignete Rechtsgrundlage schaffen können.

Aber auch Lehrerinnen und Lehrer sowie Trainerinnen und Trainer an diesen Sportschulen leisten Tag für Tag herausragende Arbeit. Diese Arbeit muss und sollte eine besondere Anerkennung erfahren. Deshalb werden wir die beste NRW-Sportschule eines jeden Jahres in einem würdigen Rahmen ehren und ihr danken, nämlich für ein herausragendes Engagement, das auch in solchen Zeiten nicht selbstverständlich ist.

Mit der Entwicklung der nordrhein-westfälischen Sportschulen wurde die Förderung des Nachwuchsleistungssports in Nordrhein-Westfalen substanziell weiterentwickelt. Wir haben hier schon vieles erreicht. Einiges ist noch zu tun.

Lieber Herr Bischoff, ich denke, es war an dieser Stelle mein Recht, hier sprechen zu dürfen, weil NRW-Sportschulen natürlich auch mit dem Bereich Schule und Bildung zu tun haben. Deswegen habe ich diese Aufgabe sehr gerne übernommen. – Herzlichen Dank.

(Beifall von der CDU und der FDP)

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Mir liegt keine weitere Wortmeldung mehr vor. Deshalb schließe ich die Aussprache.

Wir kommen zur Abstimmung. Der Ältestenrat empfiehlt die Überweisung des Antrags Drucksache 17/7545 an den Sportausschuss – federführend – sowie an den Ausschuss für Schule und Bildung. Die abschließende Beratung und Abstimmung erfolgt im federführenden Ausschuss in öffentlicher Sitzung.

Gibt es jemanden, der dagegen ist? – Möchte sich jemand enthalten? – Das ist nicht so. Damit ist die Überweisungsempfehlung einstimmig angenom

men.

Ich rufe auf:

6 Gesetz zur Bildung von Vertretungen für eh

renamtliche Richterinnen und Richter

Gesetzentwurf der Fraktion der SPD Drucksache 17/7539