Einen letzten Punkt will ich noch ansprechen: Ein bisschen zu kurz kommt mir die Option, auch im Gebäudebestand mit seriellem Bauen und 3D-Druck etwas tun zu können.
Es geht also nicht nur um Neubau, sondern um Möglichkeiten, außerhalb der Gebäude Fertigungsteile zu konzipieren, die dann einfach nur noch anzuheften sind. Hier gibt es große Chancen für die Gebäudesanierung. – Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter Remmel. – Für die Fraktion der AfD hat nun Herr Abgeordneter Tritschler das Wort.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sie machen also mal wieder was mit Digitalisierung. Auf der internen Strichliste der Koalition sind Herr Ritter und
Herr Paul damit ein Stück nach vorne gekommen; ansonsten kommt wahrscheinlich nicht viel dabei heraus.
Gleich vorweg: 3D-Druck ist eine spannende Technologie, die uns in vielen Lebensbereichen, auch im Bauwesen, spannende Möglichkeiten eröffnet.
Das haben CDU und FDP fehlerfrei erkannt und daraus einen Antrag gemacht, den man aber leider, wie so oft, mit „Too little, too late“ überschreiben kann.
Dafür fehlt es aber nicht an völliger Selbstüberschätzung. So heißt es – Zitat –: „Nordrhein-Westfalen soll der Vorreiter bei der Entwicklung des 3D-Druckverfahrens im Gebäudesektor werden.“
Da kommen Sie aber ein paar Jahre zu spät, meine Damen und Herren. Es wäre schon schön, wenn NRW und Deutschland in diesem Bereich überhaupt einmal den Anschluss finden würden. Von „Vorreiter“ kann hierzulande aktuell überhaupt nicht die Rede sein.
In China entstehen bereits ganze Kleinstädte aus dem Drucker; wir haben gerade noch andere Beispiele gehört. Deutschland spielt hier, wie so oft, leider nur noch eine Nebenrolle.
Auf der Leitmesse BAU 2017 haben längst andere den Ton angegeben. Einzig und allein ein Pavillon der TU München konnte etwas zu dem Thema anbieten. Wo es in Deutschland wichtige Schlüsseltechnologien gibt, etwa beim renommierten Betonpumpenhersteller Putzmeister, sind längst ausländische Unternehmen Herr im Haus.
Ihr Antrag setzt aber wieder einmal auf Forschungsförderung. Dagegen ist im Grunde auch nichts einzuwenden. Allerdings haben wir in Deutschland in vielen Bereichen Spitzenforschung. Daran scheitert es üblicherweise auch nicht. Das Problem ist ein ganz anderes: Die Vermarktung findet woanders steht, weil es hierzulande an der Umsetzung fehlt. Gerade die Baubranche liefert ein beredtes Zeugnis davon, woran es bei uns meistens scheitert: an Bürokratie oder Überregulierung.
Die Baukosten pro Quadratmeter sind in Deutschland zwischen 2007 und 2017 um ganze 36 % angestiegen. Zum Vergleich dazu die Niederlande, die gerade genannt wurden: Da waren es lediglich 6 %.
Ganze 3.700 Normen muss der Bauherr in Deutschland beachten. Allein die Energieeinsparverordnung und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz haben die Baukosten um 19 % in die Höhe getrieben. Das schlägt dann natürlich alles auf den Wohnungsmarkt durch. Daneben erhöhen noch die Währungssituation und – ja, werfen Sie schon einmal das Empörungsgebläse an – auch die vielen neuen Nachfrager auf dem Wohnungsmarkt die Mieten.
Dann sitzen die einen hier und meinen, hohe Mieten seien Ergebnis des bösen Marktes, während die anderen glauben, man könne das mit 3D-Druckern lösen. Meine Damen und Herren, das ist aber doch nichts anderes als Politiksimulation. Das kann man nicht mehr ernstnehmen. Das nehmen auch die Menschen im Land längst nicht mehr ernst.
Getreu dem Motto „Gut, dass wir einmal darüber sprechen“ werden wir aber der Überweisung an den Ausschuss natürlich nicht im Wege stehen.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter Tritschler. – Für die Landesregierung spricht Frau Ministerin Scharrenbach.
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist schon ein spannender Ansatz – Nordrhein-Westfalen ist klassisches Betonbauland –, jetzt zu sagen: Lasst uns einmal offensiv eine andere Art und Weise an Bauart ausprobieren. – Ich glaube, wir sind alle gut beraten, wenn wir mit Technologiesprüngen, Innovationsverständnis und der Offenheit für Innovationen an bestimmte Verfahren herangehen.
Deshalb an den Herrn Abgeordneten der SPD: Das Motto Ihrer Rede kann man ernsthaft wie folgt zusammenfassen: „Rückwärts immer, vorwärts nimmer.“
Wenn wir neue Bauverfahren haben, gehört es natürlich dazu, dass wir sie auch ausprobieren. Wir müssen sie ausprobieren. Wir müssen sehen, ob sie in der Praxis ankommen, halten, taugen und vervielfältigungsfähig sind.
Vor diesem Hintergrund wissen Sie, dass es auf der Welt – das ist gerade angesprochen worden – verschiedene Länder oder Unternehmen gibt, die schon Erfahrungen mit dem 3D-Druck gesammelt haben. Im vergangenen Jahr ist beispielsweise eine Familie in ein vollständig 3D-gedrucktes Haus in Nantes eingezogen. Das ist ein 95 m² großer Bungalow. Die Kosten sollen um 20 % unter den Kosten bei einer herkömmlichen Bauweise gelegen haben. Daran merken Sie schon, es bietet Potenzial.
Ich finde es ungeheuer spannend zu sehen – bitte sehen Sie mir nach, wenn ich das so freiweg formuliere –, wenn solche Bauweisen, Bauarten, Technologien, Innovationen, die erdacht und gesponnen
Insofern unterstützen wir als Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen nach unserem Wissen deutschlandweit den ersten Antrag auf Erteilung einer vorhabenbezogenen Bauartgenehmigung für das Drucken eines zweigeschossigen Wohnhauses – in dem Fall allerdings aus Beton, aber es muss ein Baustoff sein, mit dem gedruckt werden kann. Das tun wir seit dem Sommer. Daran merken Sie, dass wir da in NordrheinWestfalen weit voraus, sehr innovativ und offen unterwegs sind.
Herr Abgeordneter Remmel, vor dem Hintergrund darf ich die Gelegenheit nutzen, zu Ihren Ausführungen zur Nachhaltigkeit am Bau etwas zu sagen. Ich teile diese Ausführungen absolut. Das wissen Sie auch. Wir haben nicht umsonst als Landesregierung Nordrhein-Westfalen in die Bauordnung NordrheinWestfalen beispielsweise eingefügt, dass wir zulassen, dass mit Holz höher gebaut werden darf, als das in Ihrer Regierungszeit der Fall war.
Wir haben eine Expertengruppe „Bauen mit Holz“ zum nachhaltigen Bauen gegründet, die sich gerade sehr intensiv damit auseinandersetzt, wie wir die Ansprüche an nachhaltiges Bauen – beispielsweise Cradle-to-Cradle, also von der Wiege bis zur Wiege – in die Tat umsetzen können. Welche Regelungen stehen dem entgegen? Brauchen wir Rechtsänderungen? Welche Unterstützungsinstrumente brauchen wir?
Ich darf Ihnen heute ankündigen, dass wir im kommenden Jahr einen Planungswettbewerb speziell zum Thema „Nachhaltiges Bauen, Bauen mit Holz“ durchführen werden, um da die Chance zu ergreifen, zusammen mit Architekten und Architektinnen zu schauen, wie man heute bauen kann und wie man das aufstellen kann. Ich bin mir sicher, dass es unter den Vorschlägen auch Vorschläge aus dem Bereich 3D geben wird.
Herr Remmel, für eines darf ich werben, wenn Sie das so prominent vortragen, und Sie dabei zugleich auf Folgendes hinweisen: Während Sie die tradierten Baustoffe Zement und Beton angreifen und sagen, die sind für einen gewissen Ausstoß an CO2 verantwortlich, das ist alles ganz furchtbar und wir brauchen nicht nur die Energiewende, sondern auch die Zementwende – keine Ahnung, welche Wenden da noch alles kommen werden –, sind es gleichzeitig die grün mitregierten Länder, die beispielsweise versuchen, die Mantelverordnung Baustoffe derart zu ändern, dass wir die Baustoffe, die wir heute wiederverwenden dürfen, morgen nicht mehr wiederverwenden dürfen. Das passt nicht zusammen.
Insofern werbe ich dafür, dass man es insgesamt von Ihrer Seite aus ein bisschen durchdenkt. Wenn man immer wieder fordert, dass Menschen auf irgendetwas verzichten sollen, dann muss man an anderer Stelle ein bisschen pragmatischer mit dem umgehen, was man an Vorschriften verhindert oder möglicherweise im Bundesrat auf den Weg bringt.
Von daher trifft der Antrag von CDU und FDP die Zeichen der Zeit, den Nagel auf den Kopf, wenn man so will, oder den Nagel auf den Drucker, je nachdem, welche Bilder Sie hier bemühen wollen. Wir als Landesregierung unterstützen das ausdrücklich, weil wir eine technologie- und innovationsfreundliche Regierung sind.
Daran merken Sie, dass ich Sie schon alleine mit diesem Satz treffe. – Sie wissen, dass auch außerhalb Nordrhein-Westfalens sehr viele nach Nordrhein-Westfalen schauen und sagen: Der nordrheinwestfälische Weg in der Wohnungsbaupolitik ist der richtige. – Ich glaube, darauf dürfen wir stolz sein. – Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Frau Ministerin. – Es liegt noch eine Wortmeldung vom Herrn Kollegen Remmel vor, dem auch noch Redezeit zur Verfügung steht.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir führen eine Debatte; insofern ist das, was Sie gesagt haben, durchaus konstruktiv. Ich will aber auch umgekehrt gerne antworten.
Zur Frage der Technologieoffenheit, die immer wieder vorkommt: Selbstverständlich kann ich Technologieoffenheit klar unterschreiben. Aber wenn man neue Technologien in den Markt bringen will, muss man sich auch über Markteinführungsbedingungen unterhalten. Wie gestaltet man also den Markt so, dass diese neuen Technologien gegenüber den alten auch eine Chance haben?
Bei Markteinführung und Regulierung – das hat etwas mit Gestaltung zu tun – tun Sie sich in der Tat immer ein bisschen schwer, die entsprechenden Bedingungen zu formulieren. Wir müssen jetzt die Bedingungen in der Marktgestaltung setzen, damit neue Technologien umweltfreundlich, CO2-frei entwickelt werden und im Markt eine Chance haben. Da haben Sie, wie ich finde, Lücken. Wir müssten gemeinsam
darüber reden, wie wir das hinbekommen. Nur Technologieförderung und Modellprojekte allein reichen nicht, wir müssen auch Marktgestaltung betreiben.
Bei den Recyclingbaustoffen würde ich Ihnen insofern widersprechen: Wir in Nordrhein-Westfalen haben da unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben entsprechende Erlasse. Die Bundesdiskussion lasse ich außen vor; ich will Ihnen das Problem beschreiben. Da können Sie in der Tat helfen, etwas zu tun.
Das Problem ist nicht, dass die Recyclingbaustoffe nicht zertifiziert und genormt sind, sondern das Problem ist, dass sie von den Kommunen in den Ausschreibungen nicht aufgeführt sind, …
…, weil die Angst haben, diese Recyclingbaustoffe anzuwenden. Da könnten wir gemeinsam etwas tun, um stärker im Recyclingbereich tätig zu werden. Also: Nicht die falschen Esel prügeln, sondern da, wo es geht, konkret handeln. – Herzlichen Dank.