Protokoll der Sitzung vom 14.09.2017

(Beifall von der SPD)

Wo wir schon bei Ihren Versprechungen sind: Sie waren es doch, die vor der Wahl und all die Jahre zuvor immer wieder, und zwar nachprüfbar, versprochen haben, jede neue Ausgabe, die eine Regierung Laschet machen würde, werde durch Einsparungen gegenfinanziert. Jetzt wollen Sie von diesem Geschwätz nichts mehr wissen. Davon ist außer Wortgeklingel und Versprechungen nichts übrig geblieben.

(Beifall von der SPD)

Ihr erster Haushalt baut auf einem Berg von gebrochenen Wahlversprechen auf.

So können wir gleich beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb bleiben. Auch das haben Sie angesprochen. Das ist ein reiner Bilanztrick, eine Täuschung, die dokumentiert: Sie möchten im Grunde die Planwirtschaft wieder einführen. Statt sich den BLB am Markt zu marktgängigen Konditionen refinanzieren zu lassen, zwingen Sie ihm einen Kredit des Landes auf. Das ist alles andere als liberal und alles andere als marktkonform.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Das ist ein Bilanztrick, um Ihre Bilanz für die nächsten Jahre zu verbessern und ein Finanzpolster anzulegen.

Ähnliches gilt übrigens, was Ihre gebrochenen Versprechen angeht, auch bei der Risikoabschirmung der Risiken der WestLB. Es waren doch nicht wir, sondern es waren Sie von CDU und FDP, die in der Verfassungskommission riesige Worthülsen produziert haben und den Mund ganz weit aufgerissen haben, als Sie gesagt haben, Sie seien strikt gegen solche Maßnahmen zur Umgehung der Schuldenbremse. Und das Erste, was Sie tun, ist, mit genau dieser von Ihnen selbst kritisierten Maßnahme die Schuldenbremse zu umgehen.

(Beifall von der SPD – Ralf Witzel [FDP]: Wir halten die Schuldenbremse ein!)

Das ist doch wirklich skandalös, und zwar gemessen an Ihren eigenen Versprechungen – nicht gemessen an dem, was wir gesagt haben, sondern gemessen an dem, was Sie den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes gesagt haben.

Das gilt selbst bei den Maßnahmen, die wir im Grunde begrüßen. Ich will gerne das aufgreifen, was der Ministerpräsident gestern völlig zu Recht eingefordert hat. Dort, wo wir einer Meinung sind, sollten wir in der Tat auch sagen, dass wir einer Meinung sind. Diesen Punkt hat doch heute unser Fraktionsvorsitzender, Norbert Römer, in seiner Erwiderung

auf die Regierungserklärung aufgegriffen. Dann soll man das auch sagen und tun.

Jawohl, auch wir haben in unserem Wahlprogramm für die Wahlperiode ab 2017 vorgesehen, die Krankenhausfinanzierung zu verbessern. Insofern ist es in Ordnung, dass Sie das tun. Das ist in unserem Sinne.

(Zuruf von Daniel Sieveke [CDU])

Warum soll ich das nicht sagen? Darüber muss man sich doch nicht höhnisch freuen, sondern das ist ehrlich gemeint. Wir finden das gut. Das war in unserer Programmatik auch vorgesehen.

(Zuruf von der SPD: Hätte er ja schon längst machen können!)

Nur dürfen Sie dann eines nicht tun, und das ist der Pferdefuß an dieser scheinbaren Wohltat. Der stellvertretende Ministerpräsident des Landes NordrheinWestfalen, Stamp, hat gerade eben noch in seiner Erwiderung auf die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten gesagt – genauer müsste man sagen: in der Erwiderung auf die Erwiderungen –, das Land stelle 350 Millionen € zur Verfügung. Das ist aber gar nicht wahr. Das Land gibt nur 250 Millionen € und lässt die Kommunen 100 Millionen € mitfinanzieren.

Da frage ich Sie: Ist das gerecht? – Wir sagen: Nein! Da frage ich Sie: Entspricht das Ihren Versprechen? – Ich sage: Nein! Das ist genau der Pferdefuß an dieser Wohltat.

(Beifall von der SPD – Zuruf von Bodo Löttgen [CDU] und Ralf Witzel [FDP])

Sie geben Versprechen und lassen es andere mitfinanzieren.

(Zuruf von der SPD)

Dann will ich, weil ich es meinem Kollegen, dem finanzpolitischen Sprecher, versprochen hatte, noch etwas Redezeit übrigzulassen, zunächst vorläufig auf einen letzten Punkt zu sprechen kommen.

(Zuruf von Daniel Sieveke [CDU])

Ja, wir werden noch genügend Gelegenheiten haben, freundschaftlich, freundlich, aber hart in der Sache zu debattieren.

Der letzte Punkt betrifft den Stellenaufwuchs; das wird Sie nicht besonders überraschen. Auf Seite 29 des Nachtragshaushaltsentwurfs steht schwarz auf weiß: 139 neue Stellen in der Leitungs- und Vertrauensebene von Regierung und Ministerien wollen Sie schaffen.

(Bodo Löttgen [CDU]: Besser als 567! – Ge- genruf von Stefan Zimkeit [SPD])

Das ist hinsichtlich der Anzahl beispiellos, und die Begründung ist schamlos. Das will ich Ihnen ganz eindeutig ins Stammbuch schreiben.

(Beifall von der SPD)

Die Anzahl ist beispiellos, weil es – jedenfalls nach unserer Erinnerung – in den letzten Jahrzehnten nicht vorgekommen ist, in dieser Größenordnung und unmittelbar bei Regierungsübernahme eine derart große Anzahl an Stellen zu schaffen, und zwar nicht etwa teilweise durch Umbesetzungen, sondern komplett neue Stellen.

(Bernd Petelkau [CDU]: Das stimmt doch nicht!)

Das wird in keiner Weise dem gerecht, was Sie vor der Wahl versprochen haben.

(Fortgesetzt Zurufe von der CDU)

Es ist aber auch sachlich in keiner Weise gerecht, und deswegen ist das hier zu kritisieren, und zwar in aller Deutlichkeit.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Was ich aber ganz besonders entlarvend – ich sage es Ihnen ganz ehrlich; ich bin kein Empörungsrhetoriker – und wirklich skandalös finde, ist die Begründung, die Sie schwarz auf weiß bringen und die im Grunde Ihr Staatsverständnis auf das Schönste offenlegt. Sie sagen:

„Bei Übernahme der Regierungsverantwortung waren in den Ministerien die zentralen Positionen des Vertrauens- und Leitungsbereichs mit dem von der Vorgängerregierung ausgewählten Personal besetzt. Um neue Politik umsetzen zu können, sind an einigen Stellen“

„personelle Veränderungen nötig. Um auch die bisherigen Stelleninhaber adäquat und beamten- bzw. tarifrechtskonform weiterbeschäftigen zu können, sind zusätzliche Personalstellen im Haushalt notwendig.“

(Minister Lutz Lienenkämper: So ist es!)

Dazu will ich Ihnen eines ganz ehrlich sagen: Niemand würde Sie dafür kritisieren, wenn Sie Büroleitungen mit Menschen Ihres Vertrauens besetzen, wenn Sie möglicherweise noch Presseleitungen der Häuser mit Menschen Ihres Vertrauens besetzen, aber dass Sie pauschal die Leitungsebene von Ministerien Ihrer politischen Disposition unterziehen, ist wirklich aufs Höchste skandalös!

(Zuruf von Daniel Sieveke [CDU])

Das hat es in der Form nicht gegeben!

(Beifall von der SPD)

Es ist ein flächendeckendes Misstrauensvotum gegen unbescholtene Beamtinnen und Beamte dieses Landes, denen Sie noch nicht einmal die Chance geben,

(Zuruf von Daniel Sieveke [CDU] und Minister Herbert Reul)

sich loyal zum Land Nordrhein-Westfalen zu verhalten. Das ist wirklich auf das Bodenloseste eine schamlose Offenlegung Ihres Staatsverständnisses. Das werden wir Ihnen nicht durchgehen lassen!

(Beifall von der SPD)

Wenn also der Kollege Moritz sagt,

(Zuruf von Daniel Sieveke [CDU] – Glocke)

„Täuschen, Tarnen und Tricksen“ sei das Motto gewesen und mit der Schönrednerei sei es jetzt vorbei, dann muss einem das Lachen im Halse steckenbleiben.

Herr Kollege Börschel …