Protokoll der Sitzung vom 23.01.2020

Für eines der modernsten Kohlekraftwerke der Welt müssen andere Kapazitäten aus dem Markt genommen werden, die alle – jedes Kraftwerk für sich – eine schlechtere CO2-Bilanz haben. Datteln 4 ist also eines der saubersten Kraftwerke, die es gibt. Datteln 4 spart Milliarden Euro an Entschädigungen. Datteln 4 sichert die Versorgung. Datteln 4 versorgt rund 100.000 Haushalte mit Fernwärme.

Was denn sonst wäre klug und logisch, wenn wir es nicht zulassen würden, Datteln 4 ans Netz zu nehmen? Datteln 4 muss ans Netz, weil es in jeglicher Hinsicht klug und gut ist – für Nordrhein-Westfalen und seine Menschen.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Dann sehen wir heute einen Entschließungsantrag von Bündnis 90/Die Grünen, in dem die Thematik „Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit“ überhaupt nicht vorkommt. Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit spielen für Bündnis 90/Die Grünen überhaupt keine Rolle.

(Christian Loose [AfD]: Für Sie doch auch nicht!)

Monika Düker sagte eben in ihrer Rede, es gehe um die Menschen. Warum kann man dann in Ihrem Antrag gar nicht lesen, dass es Ihnen überhaupt um die Menschen geht? Das ist doch gar nicht wahr.

(Beifall von der FDP und der CDU – Zuruf von Wibke Brems [GRÜNE])

Nirgendwo geht es Ihnen in Ihrem Antrag und in Ihrer Politik um die Menschen.

Bei den Grünen gibt es einen Mythos: Grün würde in der Praxis „klimafreundlich“ bedeuten. Wir haben ja eben schon gesehen, dass das mit Blick auf BadenWürttemberg und Nordrhein-Westfalen gar nicht der Fall ist.

Mythen erheben einen Anspruch auf die Geltung für die von Ihnen behauptete Wahrheit. Genauso passt das zu den Grünen. Dazu kommen dann die typischen Symbole wie Hambach und jetzt vielleicht Datteln 4.

Doch was ist an diesem Mythos und an diesen Symbolen dran? – Symbole können zum Beispiel auch Unterschriften sein, grüne Unterschriften, die die

Bagger für die Rodung des Hambacher Forstes freigegeben haben. Grüne Unterschriften, da sitzen sie. – Mit Ihren Händen haben Sie das unterschrieben.

(Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU)

Symbole könnten auch die Unterschriften unter der Leitentscheidung vom 5. Juli 2016 sein. Frau Düker hat eben behauptet, dass man damals noch gar nichts von den Pariser Klimaschutzzielen gewusst habe.

(Zuruf von der CDU)

Die wurden aber schon am 12.12.2015 beschlossen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

(Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU)

Was haben Sie denn eben da erzählt? Was wollen Sie den Menschen denn weismachen?

(Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU – Zuruf von Monika Düker [GRÜNE])

Ihre Rede, Frau Düker, war eine Flucht aus der Verantwortung,

(Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU – Zuruf von Monika Düker [GRÜNE])

eine Flucht aus der Regierungszeit – sieben Jahre Rot-Grün zwischen 2010 und 2017.

Die Grünen behaupten heute in manchen Hintergrundgesprächen, dass sie damals – Stichwort „Leitentscheidung“ – gegen ihr Gewissen entscheiden mussten.

(Monika Düker [GRÜNE]: So ein Quatsch!)

Wissen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der Grünen, ich bringe Ihnen mal ein Beispiel, wo eine Fraktion, eine Partei hier im Hohen Haus zu ihrem Gewissen gestanden hat.

2012 – Schuldenhaushalt, Umfragewerte 2 % und drunter. Trotzdem hat diese stolze FDP-Fraktion zu ihrer Überzeugung und zu ihrem Gewissen gestanden.

(Beifall von der FDP und der CDU – Zuruf von Monika Düker [GRÜNE])

Sie haben das Gegenteil gemacht. Dass Sie heute behaupten, Sie hätten es damals tun müssen und nicht zu Ihrem Gewissen stehen dürfen, ist der Beweis Ihrer Schwäche, der Beweis der Schwäche der Grünen schlechthin.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Wir haben jetzt eine grüne Bürgermeisterkandidatin in Mülheim. Ihre Handschrift hat auch für eine Unterschrift gesorgt, nämlich unter dem Beschluss der Rodung des Hambacher Forstes.

(Zuruf von der FDP: Echt?)

Wenn die Grünen sagen, sie konnten damals ihrem Gewissen nicht folgen, was machen sie dann heute? Heute wählen sie eine Oberbürgermeisterkandidatin, die ganz aktuell sogar dafür sorgt, dass der Hambacher Forst gerodet werden kann. Sie hatten damals kein Gewissen, und Sie haben es heute auch nicht.

(Beifall von der FDP und der CDU – Zuruf von Monika Düker [GRÜNE])

Das sind die Grünen mit den zwei Gesichtern: mal in Regierungsverantwortung, mal in Opposition, mal in Baden-Württemberg, mal in Nordrhein-Westfalen. Marc Herter benutzte vorhin die Formulierung „Wirklichkeitsverweigerung“.

(Marc Herter [SPD]: Das habe ich nicht ge- sagt, nein! Wir können mal ins Protokoll schauen!)

Man konnte sogar sehen, wohin Herr Herter schaute: in Richtung Bündnis 90/Die Grünen, und damit hat er recht gehabt. Sie verweigern Ihre eigene Wirklichkeit, Ihre eigene Geschichte, Ihre eigenen Beschlüsse.

(Beifall von der FDP und der CDU – Zurufe von den GRÜNEN)

Das hat am Ende, liebe Kolleginnen und Kollegen, etwas zu tun mit gesellschaftlichem Frieden, für den wir alle werben, den die Grünen auch immer für sich reklamieren.

(Zuruf von der FDP – Zuruf von Josef Hoven- jürgen [CDU] – Zuruf von den GRÜNEN)

Wer aber ausgehandelte Kompromisse hintergeht, lautstark ankündigt, das Gesetz mit allen Möglichkeiten zu bekämpfen, gefährdet gesellschaftlichen Frieden, er stützt ihn nicht. Genau das muss man den Grünen vorwerfen.

(Beifall von der FDP)

„Ende Gelände“ kündigt große Proteste an, sagt „wie bei Hambach“. In Hambach war vieles Rechtsbruch; das ist unbestritten. In Hambach war und ist vieles Rechtsbruch. Wir haben alle die Bilder vor Augen, als Arbeiter und Polizisten mit Fäkalien beschmissen wurden – und das immer wieder, nicht nur einmal.

Die Anwohner verstehen diese Ankündigung von Protesten, die in Hambach stattgefunden haben und jetzt in Datteln stattfinden sollen, als Drohung. Die Bevölkerung dort hat Angst vor diesen Aktivisten.

(Zuruf von der FDP)

Diese Aktivisten werden von den Grünen motiviert, genau so zu handeln.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Wenn also jemand den gesellschaftlichen Frieden gefährdet, dann sind das Bündnis 90/Die Grünen.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Ich appellieren an die Kollegen von CDU und natürlich an die FDP, aber auch, Marc Herter, an die SPD: Demokratische Parteien müssen Rechtsbruch begegnen, klipp und klar, ohne Ausnahme. Recht ist Recht; so hat es gestern auch Innenminister Reul gesagt.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Wenn die Bundesvorsitzende der Grünen, Frau Baerbock, gestern sagt, die Grünen fordern Siemens auf, Vertragsbruch zu begehen, Strafe spielt keine Rolle, dann ist das nichts anderes als Rechtsbruch. Vertragsbruch ist Rechtsbruch, und genau dazu rufen die Grünen öffentlich auf – nicht irgendeiner, sondern die Bundesvorsitzende dieser Partei.