Das ist deshalb für uns Grund gewesen, einen eigenen Antrag zu stellen, weil wir der Landesregierung hinsichtlich der denkbaren Lösungen und Umsetzungen doch die Chance geben wollen, eigene Vorschläge zur Verbesserung des Unterrichtsangebotes im Fach Musik und zur Qualifizierung von Lehrkräften vorzulegen.
Insofern, Herr Kollege Dr. Klug, können Sie auch unserem Antrag, ohne Ihr eigenes Anliegen aufgeben zu müssen, getrost zustimmen.
Gestatten Sie mir aber noch einige grundsätzliche Anmerkungen zur Musikerziehung in SchleswigHolstein. PISA - das hat uns ja heute Morgen sehr gefangen genommen - hat deutlich gemacht, dass die Spitzenreiterländer - wir reden alle von Finnland auch die musischen Fächer sehr viel stärker betonen; sie haben dort einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Dort spielen - ich denke hier auch an andere Staaten wie zum Beispiel die baltischen Staaten - neben dem üblichen Musikunterricht die Vermittlung und Förderung der praktischen Musikausübung, sprich des Instrumentalund Gesangsunterrichts, eine große Rolle.
Das Beherrschen eines Instruments ist dort ein musikpädagogisches Ziel der Schulen. Eine solche Aufgabe leisten unsere Schulen in der Regel nicht. Vielmehr wird diese Form musikalischer Erziehung in den Musikschulen in kommunaler und freier Trägerschaft wahrgenommen. Hierbei ist es wiederum dem finanziellen Einsatz der Eltern vorbehalten, ob und in welcher Form und in welcher Intensität sie ihrem Kind den Instrumentalunterricht ermöglichen. Das ist - wie sonst auch - nach den Feststellungen von PISA abhängig von der sozialen Herkunft des Kindes, wie weit es Musikerziehung genießt oder auch nicht.
Diese Abhängigkeit vom privaten Einsatz der Mittel zeigt sich zum Beispiel auch an den Hochschulzugangsberechtigungen. Mit einer am Gymnasium erworbenen Hochschulreife können Sie sich an einer wissenschaftlichen Hochschule einschreiben. Zur Aufnahme an einer Musikhochschule reicht das bei wei
tem nicht; hierzu sind die musikalischen Fertigkeiten Voraussetzung, die Sie eben nur außerhalb der öffentlichen Schule erreichen können.
Ich schätze, für unsere Schulorchester gilt Ähnliches. So gut wie kaum ein Schulorchester könnte existieren, wenn es nicht den von Eltern bezahlten, außerhalb der Schule vermittelten Instrumentalunterricht gäbe.
Ich erwähne dies so ausdrücklich, weil es gerade in diesem Bereich eine wirklich funktionierende Vernetzung der Musikpädagogik an den Schulen und außerhalb der Schulen gibt. Das funktioniert dort auch ohne die üblichen Vorbehalte, die Lehrerverbände so gern nach vorn tragen, dass eben nur ein richtiger Lehrer ein Pädagoge an einer Schule sein darf.
Ich sehe hier in einer verstärkten Kooperation von Schulen und Musikschulen durchaus eine Chance, den Musikunterricht an den Schulen zu fördern oder förderlich zu begleiten. Unser Ziel muss sein - hier stimmen wir mit dem Kern Ihres Antrages überein, Herr Klug -, dass der Musikunterricht an unseren Schulen stärker in das Bewusstsein von Schule und Eltern rückt. Musikunterricht darf nicht den Charakter des Zusätzlichen oder Verzichtbaren bekommen, gerade weil wir im Augenblick ein besonderes Augenmerk auf die so genannten Leistungsfächer gelegt haben.
- Antragstellerin war die FDP-Fraktion. Sie hatte zunächst das Wort. Jetzt haben Sie der Reihenfolge nach das Wort - es sei denn, Sie einigen sich anders.
„Wenn diese nicht vom Elternhaus geweckt werden, müssen sie verstärkt von der Schule gefördert werden.“
„Schulen übernehmen damit zwei wichtige Aufgaben: Zum Ersten, Freude an der Musik zu wecken, und zum Zweiten, Kenntnisse über die Musik zu vermitteln.
Über den fachlichen Aspekt hinaus vermittelt Musikunterricht soziale Tugenden, soziale Kompetenzen, die rar zu werden scheinen. Das sind nämlich die Fähigkeit zuzuhören, die Fähigkeit, aufeinander zu achten - auch in diesem hohen Haus ist sie nicht immer ausgeprägt -,“
„und die Fähigkeit eines abgestimmten aufmerksamen Miteinander beim Handeln. Wenn man sieht, wie Orchester und kleine Klangkörper beim Musizieren zusammenarbeiten und aufeinander eingehen müssen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, erkennt man, dass dies Qualitäten sind, die nicht nur für das Musizieren von Bedeutung sind.“
„Musische und ästhetische Erziehung hat einen bedeutsamen Platz in der Gesellschaft. Sie hat auch einen Wert an sich, steht aber in der Schule in Konkurrenz zu den Fächern, die mehr ‘verkopft’ sind. In der Konkurrenz zu diesen Fächern hat Musik nicht immer den Stellenwert, den ich mir wünschen würde.“
Der Applaus gerade auf der linken Seite an diesem Punkt war genau richtig. Denn bisher war es ein Zitat. Es war ein Teil der Rede, die die damalige Bildungsministerin Gisela Böhrk 1996 in der Beantwortung unserer Großen Anfrage zu Musikunterricht und Musikerziehung hielt, eine in weiten Teilen tolle Rede,
(Beifall der Abgeordneten Monika Heinold [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] - Monika Heinold [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Deshalb musste ich auch so viel klatschen!)
Zum Abschluss ihrer Rede erinnerte Gisela Böhrk an Yehudi Menuhin, der gesagt hat: „Die Musik spricht für sich allein“, vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance. Genau das wolle die Landesregierung auch
Was ist daraus geworden? - Landauf, landab wird öffentlich der Mangel an Musikunterricht beklagt. Es gibt Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein das ist gar nicht so selten -, die in ihrer gesamten Hauptschullaufbahn entweder gar keinen Musikunterricht oder höchstens in einer Klasse einmal eine Stunde pro Woche erleben durften, natürlich mit den entsprechenden Ausfällen. Die werden aber statistisch nicht mehr erfasst.
Jeder weiß, dass Musiklehrerinnen/Musiklehrer fehlen, aber Konzepte, wie man diesem Mangel abhelfen könnte, gibt es vonseiten der Landesregierung nicht. Anscheinend ist das Interesse daran auch nicht übertrieben groß, wenn ich Folgendes richtig interpretiere: Zweite Frage in der Kleinen Anfrage von Angelika Birk, Musikunterricht an Schulen, vom 7. März 2002:
„Welche Initiativen ergreift die Landesregierung generell, um für mehr schulischen Musikunterricht zu sorgen?“
„Die Landesregierung ist bestrebt, die unterrichtliche Versorgung gemäß Stundentafel sicherzustellen.“
ist ein vernichtendes Urteil für den zu Beurteilenden. In diesem Fall hat sich die Bildungsministerin das Zeugnis selbst ausgestellt.
Sie legt einen Antrag vor, der ganz konkret beschreibt, wie man an das Problem fehlender Musiklehrer herangehen und es einer Lösung zuführen kann.
Wir werden diesem Antrag zustimmen und hoffen, dass wir dann im November einen aussagekräftigen Bericht vorliegen haben, der auf Grundlage der FDPVorschläge die konkrete Umsetzung der Ausbildung der dringend benötigten Musiklehrer beschreibt - be
ziehungsweise der Musiklehrerinnen. Seit Ihrer Kleinen Anfrage, Frau Birk, weiß ich, warum Musik feminin ist. Zwischen 80 und 90 % der in SchleswigHolstein tätigen Musiklehrkräfte ist weiblich.