Liebe Kolleginnen und Kollegen, stimmen Sie mit uns dem Antrag der FDP zu. Was der Antrag von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bezwecken soll beziehungsweise wo der gravierende Unterschied liegt, hat sich mir nicht recht erschlossen - abgesehen davon, dass er unkonkreter ist und mehr einen „Bitte, bitte!“Charakter hat.
(Monika Heinold [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Das ist der Unterschied zwischen Be- richts- und Beschlussantrag! Sie schaffen es auch noch, das zu verstehen!)
- „Bitte, bitte!“ steht darin doch ziemlich deutlich. Von Frau Fröhlich als Mitglied einer der Regierungsfraktionen erwarte ich, dass sie ihre Querflöte herausnimmt - wir wissen seit 1996, dass Sie die haben - und der Regierung den Marsch bläst nach dem Motto: „Wir machen Musik“. Das kennen Sie doch: „Wir machen Musik, da geht euch der Hut hoch“ - an unseren Schulen!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Frau Schwarz! Nach diesem launigen Beitrag würden wir hier vielleicht tatsächlich lieber Musik machen. Aber auch ich habe zu der Feststellung beizutragen, dass an vielen Grund-, Haupt- und Realschulen, aber auch an weiterführenden Schulen der Musikunterricht manchmal über Jahre ausfällt, und zwar mangels geeigneter Lehrkräfte oder - das ist auch ein Ergebnis von Eigenverantwortung der Schule - oft im Tausch, um Unterrichtsausfall in Hauptfächern zu vermeiden.
Der allgemeine Konsens in dieser Gesellschaft auch unter den Lehrkräften ist leider so: Wir können die Musik für etwas Besseres opfern. - Dieses Opfer wiegt schwerer, als viele glauben. Denn kaum jemand macht sich dabei klar, dass Musik machen und Musik verste
hen wesentlich nicht nur zur sozialen, sondern auch zur emotionalen und intellektuellen Lernfähigkeit beiträgt, die sich auch in musikfernen Fächern positiv bemerkbar macht. Hierzu gibt es sehr interessante Forschungsergebnisse. Nicht umsonst wird Musik auch therapeutisch eingesetzt.
(Brita Schmitz-Hübsch [CDU]: Eben! - Mar- tin Kayenburg [CDU]: Jetzt weiß ich, warum die Grünen so viel Musik machen!)
Musik mit Verständnis zu genießen, manipulatorische Wirkung von Musik zu erkennen und selber musikalisch zu wirken, gehört zu den ältesten und gerade in Europa besonders ausgeprägten Kulturerfahrungen, an deren Teilhabe alle Kinder - ich betone: alle Kinder! - ein Recht haben.
Die durch die PISA-Ergebnisse zutage getretene Ungerechtigkeit - darauf hat auch Herr Höppner schon hingewiesen - unseres bundesdeutschen Bildungssystems zeigt sich auch hier. Eine Reihe von Schülerinnen und Schülern haben musikalische Früherziehung und bringen es durch private Unterrichtsstunden bis zur Musikhochschulreife. Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen kennt Musik aber nur als Konsumgut aus Radio, Videoclip oder Disco. Ich begrüße daher das Engagement der Musikhochschule Lübeck, des Landesmusikrates, der Musikschulen und des Fördervereins der Realschulen, die sich in den letzten Monaten für mehr Musik an Schulen stark gemacht haben.
Wir haben zu wenig Musiklehrerinnen und Musiklehrer. Auf meine Kleine Anfrage haben die Kollegen schon hingewiesen. Aus ihr wird deutlich: Die Nachwuchssituation ist schwierig, die Einstellungssituation ist unzureichend und wir brauchen offensichtlich auch eine Lösung des Problems, dass diejenigen, die an der Musikhochschule Lübeck für das Lehramt an Gymnasien studieren wollen, sich erstens im Wettbewerb zu den Hochleistungsträgern befinden, die einmal eine Pianisten- oder Sängerkarriere machen wollen, und zweitens in Hamburg oder Kiel ein zweites Hauptfach studieren müssen und das organisatorisch gar nicht unter einen Hut bringen können. Hier müssen wir möglichst rasch eine pragmatische Lösung finden.
Viele engagierte Musikpädagoginnen und -pädagogen, die bisher keinen Zugang zu unseren Schulen gefunden haben und beispielweise an Musikschulen unterrichten, warten nur darauf, dass ihnen ein Angebot gemacht wird, sei es zum Quereinstieg in eine regelhafte Lehrerlaufbahn oder sei es, um Schulangebote in Arbeitsgruppen beispielsweise im Ganztagsangebot von Schulen zu bereichern. Zusätzlich hat die FDP einen sehr konkreten Vorschlag gemacht. Diesen Vorschlag finde ich in der Tat sehr diskussionswürdig. Ich kann mich für diesen Vorschlag erwärmen. Ich glaube, das
ist aber nicht die einzige Möglichkeit, wie hier Abhilfe zu schaffen ist. Ich glaube, es macht Sinn, der Landesregierung über einen Berichtsauftrag die Möglichkeit zu geben, in einem relativ kurzen Zeitraum mehr als im Rahmen der Kleinen Anfrage dazu zu antworten, was sie denn tun kann.
Wir haben deshalb einen Alternativantrag gestellt, der das Thema keineswegs auf die lange Bank schieben will. Bitten haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir als Regierungsfraktion an dieser Stelle auch von unserer Landesregierung einen Vorschlagskatalog erwarten. Wir brauchen, wie ich glaube, ähnlich wie beim Jahr des Sports eine gemeinsame Initiative. Das Engagement der von mir genannten Organisationen hat ja deutlich gemacht, dass wir Bündnispartner im Lande haben. Wir könnten auch die Öffentlichkeit des diesjährigen Musikfestivals in Schleswig-Holstein dazu nutzen, für das Anliegen zu werben. Wir wissen ja, dass ein Teil der Einnahmen den Musikschulen zufließt. Vielleicht macht es auch Sinn, dass man das diesjähriges Festival für eine öffentliche Aussprache und Werbung für dieses Thema nutzt, sei es auch nur so traurig es auch ist, dass wir das an dieser Stelle angesichts der knappen Haushaltsmittel für das eine oder andere Sponsoring werben, um außerunterrichtliche Tätigkeit im Rahmen von Ganztagsangeboten an Schulen leichter zu ermöglichen. Sponsoring kann nur im Sinne eines Übergangs verstanden werdenn denn wir sollten die Schule hier nicht aus der Pflicht entlassen. Musik ist ein wichtiges Fach und kein Luxus.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Debatte in der letzten Landtagssitzung über den Bericht über die Gewinnung von Lehrkräften wurde deutlich, dass es bei der Lehrerbedarfsdeckung für das Schuljahr 2001/02 zwar nicht so schlecht aussieht, dass es aber in vielen Regionen und bezogen auf bestimmte Fächer sehr wohl heute schon große Probleme bei der Besetzung von Lehrerstellen gibt. Zu den Fächern, in denen es schon seit Jahren Probleme bei der Besetzung von Stellen gibt, gehört ohne Zweifel das Fach Musik.
Schon in der Großen Anfrage zu Musikunterricht und Musikerziehung in Schleswig-Holstein - Entwicklun
gen seit 1988 und Perspektiven - aus der letzten Legislaturperiode sind die vielschichtigen Probleme dieses Faches angesprochen worden.
Die Landesregierung verweist in ihrem Bericht über die Gewinnung von Lehrkräften darauf, dass das Fach Musik in allen Schularten seit Jahren schwer zu besetzen ist. Nach Angaben der Landesregierung liegt dies im Wesentlichen an den vergleichsweise geringen Studierendenzahlen. Dass die Ursache für diese geringen Zahlen darin zu sehen ist, dass die entsprechenden Studiengänge im März 1998 von Kiel nach Flensburg verlegt worden sind, wie es der Landesmusikrat von Schleswig-Holstein noch Ende Oktober 2002 behauptet, möchte ich jedoch bestreiten. Es gibt keinerlei Beleg für diese Behauptung. Ich könnte mir schon eher vorstellen, dass die Ursache neben einer allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung, bei der die Musikerziehung immer mehr an Stellenwert verliert, auch in der Reduzierung der Wahlmöglichkeiten des Faches Musik durch die Oberstufenversordnung der Jahre 1995 und 1999 zu suchen ist.
Egal, was letztlich dazu geführt hat: Man muss dem Kollegen Klug Recht geben, wenn er bei der Begründung seines Antrages sagt, dass der Musikunterricht in Schleswig-Holstein wegen Mangels an Fachlehrern zu erheblichen Teilen von Lehrkräften erteilt wird, die dieses Unterrichtsfach als so genanntes Neigungsfach unterrichten, also ohne abgeschlossenes Fachstudium im Fach Musik. Dabei geht es nicht darum, die Leistung dieser Lehrkräfte zu schmälern. Wenn man aber flächendeckend solch einen Zustand hat, dann ist dies problematisch und kann nicht ohne Qualitätseinbußen im Unterricht abgehen. Die FDP fordert deshalb, an der Universität Flensburg und an der Musikhochschule Lübeck zusätzliche Möglichkeiten zur Befähigung für das Lehramt Musik zu schaffen. So soll künftig Lehrkräften, die bereits im Schuldienst tätig sind, an den genannten Hochschulen des Landes der Erwerb einer Zusatzqualifikation ermöglicht werden. Ich finde, diese Forderungen sollten im Bildungsausschuss diskutiert werden.
Nun ist es aber so, dass wir zwei Anträge vorliegen haben. Der FDP-Antrag zielt als Entschließungsantrag auf die Vorlage eines Berichtes ab. Er zielt weiterhin darauf ab, dass konkrete Zusatzqualifikationen erworben werden. Der andere Antrag ist breiter formuliert und ermöglicht von daher dem Ausschuss und dem Parlament, selbst zu entscheiden, was der richtige Weg ist. Ich hätte mir gewünscht, aus diesen Anträgen einen gemeinsamen Antrag zu machen. Jetzt habe ich gehört, dass in der Sache abgestimmt werden soll. Ich möchte aber selbst auch noch einmal überlegen können, welche Möglichkeiten die richtigen sind, und plädiere
In einem Punkt hat der Landesmusikrat SchleswigHolstein natürlich Recht: In den Schulen wird zu wenig gesungen, wird definitiv zu wenig Musikunterricht erteilt und findet zu viel nicht zeitgemäßer Musikunterricht statt. Richtig ist auch, dass es einen Zusammenhang zwischen verstärktem Musikunterricht und sozialen, humanen und kreativen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen gibt. In diesem Sinne sollten wir versuchen, eine Lösung für das Fach Musik herbeizuführen.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ob Klug Musik macht, weiß ich nicht, aber umgekehrt wird natürlich ein Schuh daraus: Musik macht klug. Es gibt wenige Allgemeinplätze, die man auch wissenschaftlich belegen kann. Dieser Allgemeinplatz gehört dazu. Sie kennen vielleicht die Studie von Bastian, die vom BMBF dazu in Auftrag gegeben worden ist, die zu dem wirklich überzeugenden Ergebnis kommt, dass die intellektuelle und die soziale Kompetenz durch Musik gesteigert wird.
Wenn man dies zur Kenntnis nimmt, muss man aber immer auch dazusagen, was Sie so schön zitiert haben, Frau Schwarz: Natürlich sind die musischen Fächer, auf die ich dies insgesamt ausweiten möchte, nicht nur dieser Wirkung wegen wichtig. Sie haben sozusagen nicht nur diesen Transfereffekt, sondern es sind eigenständige ästhetische Disziplinen.
Das muss man betonen, weil ansonsten der Eindruck entsteht, Musik sei in der Schule eine Art Entspannungsübung oder diene als eine Art therapeutisches Hilfsinstrument. Nein, diese Fächer haben einen eigenständigen Wert. Das betone ich noch einmal.
Allerdings muss man wirklich kritisch feststellen deswegen darf man diese Diskussion nicht allein auf die Schule fokussieren -, dass diese Erkenntnis und
Wir haben nur einen geringen Teil von jungen Menschen, die in hervorragender Weise häuslich und in den Musikschulen gefördert werden. Wir haben wunderbare Schulorchester und -chöre. Wenn man sich aber genau anschaut, wie viel Prozent der Kinder und Jugendlichen von einer solchen Förderung erreicht werden, stellen wir fest, dass es eine Zweiteilung der Gesellschaft gibt. Wenn Sie das Ergebnis der PISAStudie zu der Fragestellung, wer zum Vergnügen liest, nehmen und das Ergebnis einer Befragung danach, wer Musik zum Vergnügen macht und wer dabei gefördert wird, danebenlegen würden, wäre das Ergebnis noch dramatischer.
Wir können Eltern und Familien hier wirklich nicht aus der Verantwortung entlassen. Es ist nicht die Schule, die dies alles allein verändern kann.
Trotzdem müssen wir natürlich in unserer Verantwortung für die Schule all das tun, was wir können. Das heißt, wir müssen in erster Linie die Zweiteilung in die so genannten harten und so genannten weichen Fächer - letztere sind im Zweifelsfalle verzichtbar und der Unterricht kann dann ausfallen - überwinden.
Musikunterricht gehört deswegen in die Schule, weil er nur dort alle auch wirklich erreicht. Aus diesen Gründen müssen wir für die Ausbildung von guten Musiklehrkräften Sorge tragen und für diesen Beruf und diese Fächer werben. Wir müssen dies aber auch für andere Bereiche tun. Würden wir hier über den Stellenwert der Naturwissenschaften diskutieren, dann müssten ähnliche Sätze fallen. Leider können wir natürlich nicht an allen Stellen wirklich ausgebildete Musiklehrkräfte einsetzen. Leider kommt auch hinzu, dass ausgebildete Musiklehrkräfte oft eine sehr genaue Vorstellung davon haben, wo sie gern eingesetzt werden möchten.
Manchmal habe ich den Eindruck, alle gymnasialen Musiklehrkräfte würden am liebsten in Lübeck arbeiten. In der Tat ist es so, Lübeck ist eine Art Mekka der Schulmusik, mit hervorragenden Orchestern und Chören. Das ist schön für Lübeck, aber zum Schaden der Versorgung im übrigen Land. Das ist ein Problem.
Zusammengefasst müsste man sagen: Die Versorgungssituation mit Lehrkräften für das Unterrichtsfach Musik ist in den verschiedenen Schularten
durchaus unterschiedlich. An den Gymnasien wird derzeit Musik so gut wie gar nicht fachfremd unterrichtet. Es fällt nur wenig Musikunterricht aus. Es gibt auch genügend qualifizierte Bewerber. Erfreulicherweise steigen die Studierendenzahlen an der Musikhochschule in Lübeck wieder an. Anders sieht die Situation an den anderen Schularten aus. Dort gibt es Lücken zwischen Planstellen und fachlich qualifizierten Kandidaten, vor allem an kleineren Schulen. Diese Lücken müssen wir zum Teil mit den schulartüblichen Instrumentarien schließen, die aber nicht nur für das Fach Musik gelten, Frau Spoorendonk. Wir müssen auch in anderen Fächern gerade an den Grund- und Hauptschulen mit so genannten fachfremden Lehrkräften oder Neigungslehrkräften arbeiten. Das geht nicht anders. Das ist schon immer so gewesen.