Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als Dithmarscher, als Touristiker und als Organisator der Brunsbütteler Wattolümpiade ist es für mich natürlich eine besondere Ehre, zu dem Thema Weltnaturerbe Wattenmeer hier im Landtag reden zu dürfen.
(Vereinzelter Beifall bei FDP und CDU so- wie Beifall des Abgeordneten Rasmus An- dresen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Seit dem 26. Juni 2009 ist es amtlich: Das Wattenmeer an der Nordseeküste ist auf dem Olymp der weltweit einzigartigen Naturlandschaften angekommen. Es ist von meinen Vorrednern schon viel Gutes zum Wattenmeer gesagt worden. Man kann das Wattenmeer eigentlich auch nicht häufig genug lobend erwähnen. Aber keine Sorge, ich werde jetzt nicht ausschweifen, sondern mich kurz halten.
Um es gleich vorwegzunehmen: Natürlich begrüßt die FDP-Fraktion die Auszeichnung des Wattenmeeres, und wir sehen den Titel als Weltnaturerbe als riesige Chance für den Tourismus. Daher baten wir auch die Landesregierung zu prüfen, ob und wie eine Förderung des Tourismusmarketings für diesen einzigartigen Naturraum möglich ist. Auch ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Ministerin, für diesen wunderbaren Bericht. Ganz besonders ein Satz hat es mir da angetan. Ich möchte den gern vorlesen, er steht auf Seite 8:
„Für die Menschen an der Nordseeküste, in Dithmarschen und Nordfriesland ist die Auszeichnung eine Bestätigung, dass ihre vertraute und alltäglich gewordene Umgebung als einzigartig auf der Welt anerkannt wird.“
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit der Aufnahme des Wattenmeeres in die Weltnaturerbeliste hat es die UNESCO zum unverzichtbaren Erbe der
gesamten Menschheit erklärt. Die UN fordern die Wattenmeer-Staaten Deutschland und die Niederlande mit dem Titel auf, dem Erhalt des Raumes oberste Priorität einzuräumen. Das ist selbstverständlich - nicht nur für uns Dithmarscher.
Der Welterbetitel wertet die Region enorm auf und bietet vielfältige Chancen zur nachhaltigen Umsetzung des naturnahen Tourismus. Als Weltnaturerbe wird das Wattenmeer Naturfreunde aus der ganzen Welt anziehen und zugleich Arbeitsplätze für die Menschen in der Region sichern.
Doch was nützt das alles, wenn niemand weiß, welch wunderbarer Schatz hinter den Deichen an der Westküste liegt? Die UNESCO fordert ein abgestimmtes nachhaltiges Tourismuskonzept für das gesamte Weltnaturerbe Wattenmeer. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Konzeptes ist auch das Marketing.
An der Nordseeküste haben die Verantwortlichen bereits seit Jahren überwiegend die Chancen erkannt, die aus einer guten Partnerschaft zwischen Naturschutz und Tourismus entstehen können. Da, wo bei der Einführung des Nationalparks noch Konflikte zwischen Nutzern und Schützern vorhanden waren, hat sich inzwischen ein gutes, konstruktives Miteinander entwickelt. Dies wird auch durch die ersten Marketingaktionen zum Weltnaturerbe deutlich, die alle wirklich partnerschaftlich gestartet wurden.
Doch es besteht die dringende Notwendigkeit, zumindest für die kommenden zwei Jahre, ein Sonderbudget für Marketingmaßnahmen zum Weltnaturerbe Wattenmeer bereitzustellen. Wir hörten es bereits: Aus den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen und von den restlichen Gesellschaftern des NTS wurden in diesem Rahmen schon 50.000 € zur Verfügung gestellt, allerdings unter der Voraussetzung, dass das Land diese Summe ergänzt. In dem Bericht der Regierung ist zu lesen, dass das Wirtschaftsministerium prüft, ob das Marketing für das Weltnaturerbe als Projekt im ZPW gefördert werden kann. Das ist natürlich auch sehr begrüßenswert. Ich hoffe, dass es da wirklich zu einer sehr schnellen Entscheidung kommt.
Auch die Tourismusagentur Schleswig-Holstein TASH - ist mit im Boot, was das Thema Wattmarketing angeht. Das ist natürlich sehr zu begrüßen. Ebenso ist die Nationalparkverwaltung einbezogen. Das sind alles sehr gute Vorzeichen. Die FDP-Fraktion begrüßt ausdrücklich diesen guten Ansatz der partnerschaftlichen Zusammenarbeit.
Abschließend sei gesagt: Der Tourismus wird landesweit von der Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe profitieren. Das belegen nicht nur Studien, sondern auch konkrete Zahlen, besonders aus Niedersachen. Lassen Sie uns nun gemeinsam dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen aus Deutschland und Europa nach Schleswig-Holstein kommen, denn hier gibt es im wahrsten Sinne des Wortes „Watt“ zu erleben.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich selber war in meiner Kindheit öfter an der Westküste am Wattenmeer. Ich war sehr fasziniert von den Wattwürmern, den Prielen und vor allen Dingen von den Gezeiten. Ich möchte, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, dieses unglaublich faszinierende Naturschauspiel zu erleben - und dies möglichst noch lange Zeit.
Dass das Wattenmeer nun vor nicht allzu langer Zeit Weltnaturerbe geworden ist, freut uns sehr. Mit dieser Auszeichnung ist vor allen Dingen eine große Verantwortung verbunden. Wir glauben allerdings, dass dies noch nicht alle hier begriffen haben. Wie wäre es sonst möglich, Mittel für FÖJStellen zu kürzen? Ein Großteil der FÖJ-Stellen befindet sich an der Westküste. Die Menschen, die dort arbeiten, helfen mit, das Wattenmeer zu verstehen und zu erhalten.
Der Hauptteil des Berichts befasst sich mit den Möglichkeiten, das Wattenmeer als Tourismusregion weiter voranzubringen. Vom Prinzip her ist das ein guter Ansatz. Es wird allerdings sehr schnell klar, wer an der Nordsee Urlaub machen darf und wer unerwünscht ist. Erwünscht sind laut dem von Roland Berger erstellten und hier beschlossenen Tourismuskonzept für SchleswigHolstein sogenannte anspruchsvolle Genießer, Familien mit kleinen Kindern und mittlerem oder hohem Einkommen sowie Bestager. Zum besseren Verständnis: Bestager sind gut betuchte Menschen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Für sie sollen je nach Wunsch Golfplätze, Hofkultur oder Reitgelegenheiten vorgehalten werden. Eher nicht er
wünscht sind die anderen, zum Beispiel Rucksackoder Fahrradtouristen sowie Familien mit niedrigem Einkommen. DIE LINKE hat ein anderes Verständnis von einem Tourismuskonzept. Wir wollen, dass alle Urlaub am Wattenmeer machen können.
Für Familien mit kleinem Einkommen wäre es zum Beispiel hilfreich, wenn sich die Landesregierung auf Bundesebene dafür einsetzen würde, dass Kuren von den Krankenkassen wieder leichter genehmigt und bezahlt werden.
Für die Region am Wattenmeer mit ihrer gesundheitsfördernden Nordseeluft wäre dies ein großer Gewinn. So könnten auch Familien mit niedrigem Einkommen am faszinierenden Weltnaturerbe Wattenmeer teilhaben.
Außerdem könnten mehr günstige Übernachtungsmöglichkeiten für Schulklassen am Wattenmeer geschaffen werden. Dadurch würde die Teilhabe vieler junger Menschen am Weltnaturrerbe Wattenmeer gefördert. Um das Angebot für Rucksackund Fahrradtouristen zu verbessern, wäre es gut, wenn mehr Übernachtungsmöglichkeiten für eine Nacht an der Westküste angeboten würden. Diese sind laut dem Allgemeinen Deutschen FahrradClub in Schleswig-Holstein nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Der Nebeneffekt dieser Maßnahme wäre, dass solche meist jüngeren Touristinnen und Touristen langfristig an die Region gebunden würden. Sie würden auch dann noch in der Region am Wattenmeer Urlaub machen, wenn aus Menschen mit kleinem Portemonnaie und großem Gepäck Menschen mit kleinem Gepäck und großem Portemonnaie geworden sind.
DIE LINKE wird sich im Land stark dafür einsetzen, dass das Weltnaturerbe Wattenmeer für alle Menschen, egal ob arm oder reich, zu einer erschwinglichen Urlaubsregion wird, und darauf achten, dass schonender ökologischer Tourismus gefördert wird.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es hat lange gedauert, bis das Wattenmeer endlich als Weltnaturerbe anerkannt wurde. In der Diskussion über dieses Thema ging es zeitweise hoch her. Wenn man bedenkt, wie emotional manchmal in der Region an der Westküste über das Weltnaturerbe diskutiert wurde, kann man die Region nur beglückwünschen, dass sie es trotzdem geschafft hat, hier einen Meilenstein zu setzen.
Allerdings gab es nicht nur nachdenkliche Stimmen, sondern es gab durchaus auch Menschen und Organisationen, die weit vorausgedacht haben. Am Anfang der Diskussion um das Welterbe Wattenmeer gab es durchaus namhafte Stimmen, die sich für die Einrichtung eines Weltnatur- und -kulturerbes eingesetzt hatten. Auch die friesischen Organisationen waren zum Beispiel Verfechter dieser Variante. Dies lag nicht zuletzt an der Erkenntnis, dass sich das Welterbe dann noch besser vermarkten lassen konnte. Ergebnis der Diskussion war das Weltnaturerbe, das sich hervorragend vermarkten lässt und vor dessen Hintergrund natürlich auch kulturelle Aspekte eine Rolle spielen können und müssen. Ich habe diese Anmerkung vorausgeschickt, weil wir als SSW der Auffassung sind, dass wir das Thema nicht zu eng betrachten dürfen.
Der gestiegene Bekanntheitsgrad der Nordseeregion ist eine hervorragende Grundlage dafür, dass Anstrengungen im Marketing aller Art überhaupt erst vorangetrieben werden können. Dabei lege ich den Fokus nicht so sehr auf das enge Korsett eines ausschließlichen Bezugs auf das Weltnaturerbe, sondern auf die Vermarktung der Region als solcher unter Berücksichtigung der besonderen Rolle als Welterbestätte. Wenn ich aber etwas vermarkten will, reicht es eben nicht, nur die Naturschönheiten und die Einzigartigkeit des Wattenmeeres zu bewerben. Vielmehr muss ich natürlich auch auf die Kulturen der Region und auf die touristische Infrastruktur Bezug nehmen.
Deshalb kann man das Weltnaturerbe nicht isoliert sehen. Vielmehr müssen wir denkbare Strategien für die Vermarktung des Weltnaturerbes mit Fördermöglichkeiten aus Tourismusmitteln, aber auch aus Mitteln der Wirtschaftsförderung in Einklang bringen. Das heißt, wir brauchen ein klares Bekenntnis, dass wir die Regionen in Bezug auf das Weltnaturerbemarketing fördern wollen, und wir benötigen hierfür die entsprechende Datengrundla
ge. Wir brauchen aber auch Sicherheit, was die Marketingmittel für die Tourismusverbände angeht. Wenn wir es mit dem Welterbe ernst meinen, darf die Landesregierung bei Marketingmitteln eben keine Streichungen vornehmen, sondern muss sie weiter zur Verfügung stellen. Für das Marketing des Weltnaturerbes muss dann noch etwas draufgesattelt werden.
Grundlage für ein solches Marketing sollte selbstverständlich das Konzeptpapier zum Marketingweltnaturerbe Wattenmeer des Nordsee-Tourismus-Service sein. In dieser Gesellschaft sind alle relevanten touristischen und kommunalen Einheiten organisiert. Damit wäre es ein Leichtes, die wichtigsten Vertreter der Region für ein gemeinsames Konzept zu gewinnen. Die Vorarbeit ist hier in der Region geleistet worden. Jetzt kommt es darauf an, dass auch das Land und der Bund deutlich machen, dass das Weltnaturerbe nicht nur ein Etikett, sondern mehr sein soll.
Hierzu zählen ein eindeutiges Bekenntnis zum Weltnaturerbe Wattenmeer und natürlich in Kürze auch eine deutliche Aussage darüber, wie die Förderung des Tourismus vor dem Hintergrund des neuen Welterbetitels erfolgen soll. Es geht hier um Geld, aber auch um Inhalte. Dabei muss das Rad nicht immer zwingend neu erfunden werden. Vielmehr können wir auf bewährten Strukturen aufbauen. Allerdings dürfen wir andere Bereiche des Marketings nicht vernachlässigen. Die nordfriesische Küste und die Dithmarscher Küste sind mehr als Natur. Hier gilt es auch die Kultur mit zu vermarkten und darauf zu setzen, dass professionelle Angebote in den Bereichen von Infrastruktur, Gastronomie und auch Beherbergungsgewerbe vorzuhalten sind.
Zu guter Letzt noch ein Wort zum eigentlichen Weltnaturerbe. Wir können das Weltnaturerbe nur vermarkten, wenn wir es auch erhalten. Deshalb müssen wir noch stärker als bisher die natürlichen Entwicklungen im Wattenmeer schützen und dürfen zugleich den Küstenschutz nicht vernachlässigen. Beides ist Grundlage dafür, dass wir überhaupt solch ein Weltnaturerbe haben, mit dem sich vortrefflich Geld verdienen lässt. Das Weltnaturerbe und dessen Vermarktung ist daher nicht nur eine Frage von Geld und Strategien, sondern der Erfolg Lohn für unsere Region und für unser Wattenmeer ist in hohem Grad auch davon abhängig, dass wir mit der Natur pfleglich umgehen.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe in meinen Ausführungen eben darum gebeten, dass der Wirtschaftsausschuss über dieses Thema weiter diskutiert. Ich habe bei dem Beitrag des Kollegen Thoroe gerade bemerkt, dass das auch nötig ist. Herr Kollege, wir werden Ihnen sicherlich noch ausführlicher beschreiben müssen, dass es kein Widerspruch ist, sich an Zielgruppen zu orientieren und gleichzeitig, etwas flapsig gesagt, eine Wattenmeermarketingaktion in Gang zu bringen.
Wir haben in dem Bericht auch den Hinweis bekommen, dass wir weg wollen vom Themenmarketing. Wir sind schon weg vom Themenmarketing hin zum Zielgruppenmarketing. Das ist auch das, was die NTS in ihrem Konzept, das uns vorliegt, ja auch aufgegriffen hat.