In nahezu allen Lebensbereichen gibt es heute Menschen, die sich freiwillig engagieren. Wir brauchen sie. Wir brauchen Menschen, die sich für andere Menschen, für die Gemeinschaft und für das Gemeinwohl engagieren, ohne dass ihnen dabei ständig die Frage kommt: Was springt dabei für mich konkret heraus? Wir brauchen ihr Engagement, weil viele Bereiche des öffentlichen und des sozialen Lebens ohne Ehrenamtliche nicht existieren könnten. Dieses Engagement ist im Wortsinne unbezahlbar.
Wir brauchen dieses Engagement aber auch, weil es bedeutet, dass so viele Menschen Ja sagen zu einer Gesellschaft, die auf Miteinander, auf Menschlichkeit beruht, und dafür einfach praktisch tätig werden. Bürgerschaftliches Engagement ist wahrer Patriotismus und das Fundament für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft.
Wir brauchen diese Menschen nicht nur, sondern und das ist die wirklich gute Nachricht - wir haben sie auch. Wir wissen aus dem Freiwilligensurvey 2014, dass der Anteil der bürgerschaftlich Engagierten in Schleswig-Holstein noch einmal gestiegen ist, von 40 % im Jahr 2009 auf 42,7 %. Das ist umso bemerkenswerter, als die viel diskutierten steigenden Anforderungen bezüglich Flexibilität und Mobilität im Berufsleben oder bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für dieses Engagement nicht unbedingt förderlich sind. Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement hat in Schleswig-Holstein eine reiche, eine langjährige Tradition.
Bürgerschaftliches Engagement ist und bleibt immer hochmodern, weil der Kern des Ganzen, sich zusammenzutun, um gemeinsam Dinge zu erreichen und anderen zu helfen, immer aktuell bleibt.
Wieder zurück zum Ehrenamt. Weil sich das Engagement der Ehrenamtlichen immer auf ganz konkrete Themen bezieht, weil sie sich immer für Themen engagieren, die ihnen gerade wichtig sind -
Frau Ministerin, Sie haben das Wort. Es ist vielleicht der fortgeschrittenen Zeit zu verdanken, dass hier die eine oder andere Unaufmerksamkeit um sich greift. Aber das ist nicht gegen Sie gerichtet. Sie haben das Wort. Bitte schön.
Konkret engagieren sich die Menschen für das, wofür sie sich interessieren. Das ist, glaube ich, ein Grund, dass dieses Engagement immer modern und aktuell bleibt. Ich erinnere nur an das vielfältige bürgerschaftliche Engagement und die Unterstützung für die geflüchteten Menschen seit dem vergangenen Jahr. Das ist ein ganz aktuelles Beispiel für das, was unsere Zivilgesellschaft zu leisten in der Lage ist.
Zugleich wandeln sich aber auch die strukturellen Bedingungen des Engagements. Das zeigen wir in der Antwort klar auf. Es wandeln sich, wie angesprochen, die demografischen, die gesellschaftlichen und die beruflichen Rahmenbedingungen. Es wandeln sich aber auch die individuellen Haltungen zum Engagement, die Formen, in denen sich Menschen engagieren wollen. Wir haben seit Längerem den Trend zum zeitlich begrenzten, auf ganz konkrete Projekte bezogenen Engagement, oft auch individuell organisiert, ohne eine formale Mitgliedschaft. Für die Landesregierung ist klar: Ob traditionelle oder neue Formen des Engagements, Anerkennung und praktische Unterstützung verdienen beide gleichermaßen.
Die Daten des jüngsten Freiwilligensurveys zeigen uns, dass individuell organisierte Formen nicht auf Kosten von bewährten Formen des Engagements gehen; denn auch das Engagement in formalen Organisationsformen hat zugenommen, wenn auch nicht so stark wie im individuell organisierten Bereich. Neue Formen - ich finde, das ist eine richtig gute Nachricht - mobilisieren offenbar neue Zielgruppen, die, aus welchen Gründen auch immer,
vom klassischen Engagement weniger erreicht worden sind. Ergänzung und nicht Konkurrenz - das zeichnet das Verhältnis aus.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Landesregierung unterstützt die engagierten Menschen bei uns im Land seit Jahren. Es ist uns wichtig, Rahmenbedingungen vorzuhalten und aufzubauen, um dem Engagement vonseiten der Politik ein verlässliches Fundament zu bieten, auf dem es sich entwickeln kann. Die Unterstützung erfolgt dabei ideell, formell, aber auch finanziell.
Mit der Ausdifferenzierung des Engagements - wie eben dargestellt - haben sich auch die Anerkennungskulturen differenziert. Bei den Maßnahmen zur Förderung und Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement hat sich in den letzten Jahren viel entwickelt. Die vorliegende Drucksache zeigt Ihnen das deutlich auf.
Diese Anerkennung und diese Unterstützung sind nur recht und billig angesichts dessen, was die unzähligen engagierten Menschen bei uns im Land für unsere Gesellschaft leisten und geben. Dass sie es in so beeindruckendem Umfang tun und dass Schleswig-Holstein ein guter Ort ist, um sich zu engagieren, das ist die gute Nachricht der Antwort auf die Große Anfrage. Sorgen wir bitte gemeinsam dafür, dass es weiter so bleibt. - Danke schön.
Die Landesregierung hat die vereinbarte Redezeit um 1 Minute überzogen. Diese Minute steht jetzt allen Fraktionen zu. Für die fragestellende Fraktion, die CDU, spricht jetzt Frau Abgeordnete Petra Nicolaisen.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst erlauben Sie mir, insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltungsstellen der Verbände und des Ministeriums meinen herzlichen Dank für das Zusammentragen des umfangreichen Zahlenmaterials auszusprechen.
Das Freiwilligenengagement in Schleswig-Holstein ist Ausdruck einer lebendigen und verantwortungsvollen Bürgergesellschaft. Insgesamt 42 % der Frauen und 43,5 % der Männer zwischen 14 Jahren
- In der Tat! - 16,3 % engagieren sich im Bereich des Sports, 9,1 % im Bereich Schule und Kita, 9 % im Bereich Kultur und Musik und 8,5 % im Bereich Soziales. Ohne die zahlreichen ehrenamtlich Tätigen in den verschiedensten Organisationen und Vereinen würden viele Strukturen in den Städten und Gemeinden gar nicht funktionieren.
In den ländlichen Räumen kompensieren Ehrenamtliche oft das, was vor Ort dringend gebraucht wird: in den Bereichen Musik und Kultur, Kirche, in der Kinder- und Jugendarbeit und ganz besonders im Sportbereich. Gerade im letzten Jahr gab es eine ganz besondere Unterstützung im Bereich der Flüchtlingshilfe.
Ehrenamtliche waren dort zur Stelle, wo staatliche Strukturen fast unvorbereitet waren. Es sind zahlreiche neue Initiativen entstanden, schnell und ganz unbürokratisch.
Liebe Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler, Sie gestalten unsere Gesellschaft aktiv mit. Sie jammern nicht, laufen bei Problemen nicht gleich weg, lassen sich nicht unterkriegen und gehen die Dinge an, um sie gemeinsam zum Besseren zu verändern. Unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit schenken Sie unserem Land. Sie haben Ausdauer und Einfühlungsvermögen, Sie bringen für die vielfältigen Aufgaben Ihre persönlichen und beruflichen Fähigkeiten ein. Kurzum: Sehr viele Ehrenamtler setzen sich mit großer Leidenschaft für die Sache ein und übernehmen so tagtäglich gesellschaftliche Verantwortung. Dafür noch einmal ein herzlicher Dank der CDU-Landtagsfraktion.
Die Themen Nachwuchsgewinnung und Finanzierungsmodelle, die Frage: „Wann wird die Freiwilligenarbeit zum Lückenbüßer?“, sowie die Frage: „Wie viel Hauptamt braucht das Ehrenamt eigentlich?“, begleiten uns seit vielen Jahren. Bauchschmerzen bereitet mir aber vor allem die Frage der Wertschätzung für das Ehrenamt im Alltag; denn bürgerschaftliches Engagement findet überwiegend im Hintergrund statt, zum Beispiel bei der
umfangreichen Organisation von Veranstaltungen, bei der Erstellung von Wettkampfplänen im Sport oder bei der Aus- und Weiterbildung in den Vereinen und Organisationen.
Ich könnte jetzt noch vieles mehr aufzählen, aber leider wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, wie viel Arbeit eigentlich dahintersteckt. Dementsprechend müssen wir beim Thema Anerkennungskultur, so glaube ich, gemeinsam noch eine Schippe drauflegen.
Politik und Verwaltung, der gesamte Bildungsbereich, Unternehmen, aber auch die Medien in ihrer ganzen Breite benötigen wir als Kooperationspartner. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir neben einer verbesserten öffentlichen Würdigung auch die Arbeitgeber noch stärker davon überzeugen müssen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ehrenamtliche Tätigkeiten freizustellen.
Zudem müssen wir in den Ausschüssen dringend über die Ehrenamtskarte reden; denn es existieren lediglich circa 120 Bonuspartner landesweit, und das ist eindeutig zu wenig. Deshalb haben wir auch gefragt, in welcher Form hierfür Marketing betrieben wird. Dies könnte möglicherweise mit noch attraktiveren Boni gelingen. Entscheidend hierbei sind die Mehrwerte für beide Partner, einmal für den ehrenamtlich Tätigen und für die Unternehmen.
Kritisch möchte ich anführen, dass nicht nur in der Flüchtlingshilfe, sondern auch in vielen anderen Bereichen die Kräfte von Ehrenamtlern begrenzt sind. Ein gut funktionierendes Ehrenamt benötigt und braucht auch ein qualifiziertes Hauptamt. Zudem ist in einigen Kreisen und Städten teilweise eine freiwillige Beteiligung in Rettungsdienst und Katastrophenschutz nur noch marginal gegeben.
In den Antworten an die Landesregierung machen einige Blaulichtorganisationen deutlich, dass es aus ihrer Sicht fünf vor zwölf ist und die Weichen neu zu stellen sind. Gemessen an dem, was Ehrenamtliche leisten und dem Land Schleswig-Holstein ersparen, ist die finanzielle Förderung ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Jahr 2015 sind lediglich 2 Millionen € dem Bereich Sportstättensanierung zuteil geworden. Gewünscht hätten wir als CDUFraktion uns hier deutlich mehr, denn bei mindestens 55 Millionen € Sanierungsbedarf im kommunalen Bereich ist das wenig.
- ich komme ja dazu! - ist es nämlich schon ein entsprechendes Kriterium im Rahmen seiner Tätigkeit.
Natürlich sind Empfänge beim Ministerpräsidenten, die Ehrenamtskarte, Auszeichnungen und Preisverleihungen schöne Beiträge zur Wertschätzung. Aber all das ersetzt nicht die notwendigen praktischen Hilfen, egal ob es da um Vereinsrecht, Buchhaltung oder um sperrige Förderanträge geht. Ehrenamt braucht mehr als Aufwandsentschädigung, Ehrenamt braucht auch professionelle Unterstützung. Ehrenamtliches Engagement darf nicht überfordern und darf nicht frustrieren.