Jetzt gucken wir uns doch einmal an: Warum sind so viele Schülerinnen und Schüler an der Oberstufe, auch von der Hauptschule? - Das wissen Sie.
- Ja, ich höre auch den Lehrern zu! Möglicherweise aber sprechen wir mit unterschiedlichen Lehrkräften. Frau Klahn, Sie können nicht bestreiten, dass die Bildungsbeteiligung insgesamt steigt. Wir sehen das im U-3-Bereich, und wir sehen das im Sek-IIBereich. Möglicherweise machen heute viele Leute Abitur, weil sie früher gar nicht die Chance dazu gehabt hatten. Sie hatten das Potenzial, aber sie hatten nicht die Chance. Das ist einer der Gründe dafür, dass heute so viele Leute auf Oberstufen gehen.
Jetzt ist die Frage: Führt dies dazu, dass die duale Ausbildung in Deutschland keine Rolle mehr spielt? - Dem ist nicht so. Wir haben einen Fachkräftemangel, das ist ganz deutlich. Aber viele Ausbildungsbetriebe suchen auch Leute mit Abitur. Deswegen ist es gut, wenn Leute länger zur Schule gehen. Ich weiß überhaupt nicht, wo Ihr Schmerz damit liegt. Eigentlich sagen Sie: Es passt Ihnen nicht, dass so viele Leute an den Oberstufen sind. Das ist Ihnen zu teuer.
- Das ist die Bilanz! Frau Klahn, wollen Sie mir eine Frage stellen? - Nein. Sie haben nicht verstanden, wie die Finanzierung von Schulen läuft. Deshalb behaupten Sie hier so einen Humbug, Frau Klahn.
Sie tun so, als wären dies die Rufe der Kassandra, die im Bereich der Oberstufen zu hören gewesen seien. Es waren aber die Rufe von vielen Unken, von Oppositionsunken. Nichts ist eingetreten. - Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW - Unruhe auf der Tribüne - Zuruf: Geht es der jungen Dame auf der Tribüne gut? Ist sie eingeschlafen?)
Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, sich auf die Debatte zu konzentrieren und Herrn Abgeordneten Sven Krumbeck zuzuhören.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich fand die Rede von meiner Kollegin Frau Erdmann nicht zum Einschlafen. Vielleicht muntert Sie aber meine Rede ein bisschen mehr auf.
Mehr Jugendliche in Schleswig-Holstein sollen zum Abitur ermutigt werden. Das ist ein guter Ansatz, liebe Koalition. Es ist aber auch ein idealer Ansatz. Dass es an der Umsetzung allzu sehr hapert, kann man an Ihrem Projekt sehen. Da zieht sich nämlich eine Bildungsschneise durch Schleswig-Holstein. Vom Herzogtum Lauenburg bis Bad Segeberg verteilen sich die neuen Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe nahezu gleichmäßig. Alles, was nördlich davon liegt, wurde bisher eher ignoriert. Sollen die Gemeinschaftsschülerinnen und -schüler oberhalb des Kreises Rendsburg-Eckernförde etwa keine flächendeckende Chance erhalten, die Oberstufe an ihrer eigenen Schule besuchen zu dürfen, liebe Koalition, lieber SSW?
(Vereinzelter Beifall PIRATEN - Beate Rau- dies [SPD]: Wer ist denn dafür zuständig? Der Schulträger!)
Wo ist das öffentliche Bedürfnis, von dem Sie noch vor drei Jahren ausgegangen sind? Die Unterschreitung der Mindestanzahl von Schülerinnen und Schülern bei den neu geschaffenen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen zeigt ein anderes Bild. Auch die aktuellen Anmeldezahlen an den neuen Gemeinschaftsschuloberstufen, die die Frau Kollegin Klahn bei der Landesregierung erfragt hat, bestätigen dies. Zwar liegen derzeit nur noch fünf neue Gemeinschaftsoberstufen unter dem Richtwert von 50 Schülerinnen und Schülern in der Einführungsphase, sechs Schulen von insgesamt 17 aufge
listeten Schulen schaffen es aber geradeso über die Grenze von 50 Schülerinnen und Schülern. Soll das in den nächsten Jahren so weitergehen, nämlich das permanente Kratzen an einer Mindestanzahl? Natürlich muss der Weg zum Abitur auch für Schülerinnen und Schüler von Gemeinschaftsschulen möglich sein. Je einfacher der Zugang, desto besser ist es.
Der Grundgedanke, ein Angebot in Wohnortnähe zu schaffen, ist ein ehrbarer Ansatz. Wenn aber die Oberstufen an Gemeinschaftsschulen so klein sind, dass nicht einmal die geforderte Profilvielfalt angeboten werden kann, und wenn Lehrkräfte von anderen Schulen eingesetzt müssen, um Unterricht überhaupt gewährleisten zu können, dann muss über Ihr Modell noch einmal gründlich nachgedacht werden, liebe Koalition.
Statt wahllos neue Mini-Oberstufen zu schaffen, die nur Luxusprodukte darstellen, weil sie wertvolles Lehrpersonal benutzen, sollte man sich lieber darauf besinnen, mehr mit dem RBZ und den bereits etablierten Gemeinschaftsoberschulen mit Oberstufe zusammenzuarbeiten.
Durch eine bessere Koordination und entsprechende Werbung an den Schulen können Jugendliche auf die schulischen Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden. Außerdem können Lehrerinnen und Lehrer dann dort eingesetzt werden, wo sie fehlen würden, an bereits etablierten Oberstufen von Gemeinschaftsschulen. - Vielen Dank.
Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Ministerin, vielen Dank für den guten und aussagekräftigen Bericht, der die Arbeit der Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen genauer unter die Lupe nimmt. Er zeigt deutlich, dass es der Wunsch vieler Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner ist, das Abitur an einer Gemeinschaftsschule zu machen.
Das mag nicht allen Schulideologen in den Kram passen, aber die Zahlen sprechen nun mal für sich. So wird inzwischen fast jedes zweite Abitur außer
halb der Gymnasien abgelegt. Da sich nicht nur der Lernort, sondern auch die Lernformen voneinander unterscheiden, ist das eine bewusste Entscheidung, die längst auch ihre Entsprechung im Schulgesetz gefunden hat.
Viele Schülerinnen und Schüler entscheiden sich ganz bewusst für die Gemeinschaftsschulen. Das mag man als Abstimmung mit den Füßen betrachten. Ich werte das als wohlüberlegte Entscheidung für einen qualitativ gleichwertigen Weg zur Hochschulreife abseits der Gymnasien. Denn dort versteht man sich oftmals als Vorbereitung für eine akademische Karriere. Viele Abiturienten wollen aber gar nicht an die Hochschule. Und doch brauchen sie für so manche Ausbildung das Abitur.
Ich möchte gern auf zwei weitere Punkte aus dem Bericht eingehen. Erstens besteht immer noch ein regionales Ungleichgewicht bei der Versorgung mit Oberstufen: Der Hamburger Rand ist wesentlich besser versorgt als der Landesteil Schleswig. Immer noch haben wir also weiße Flecken, wenn es um den Zugang zu weiterführender Bildung geht, und das, obwohl das Netz der Gemeinschaftsschulen mit eigener Oberstufe seit 2013 deutlich dichter geworden ist.
Die Steigerung mit zusätzlichen 17 Gemeinschaftsschulen zeugt nicht zuletzt von großem Engagement von Kommunalpolitikern, Eltern und Schulträgern. Dafür an dieser Stelle meinen herzlichen Dank. Wie mir ein Besuch in Tönning zeigte, bedarf es auch mal eines besonderen Einsatzes der Direktorin, qualifiziertes und motiviertes Lehrpersonal auf weniger eingetretene Pfade zu locken. Dass sich der Einsatz lohnt, zeigen unter anderem die steigenden Schülerzahlen in Tönning. Mir wurde von Schülern aus Dithmarschen berichtet, die sogar ohne eine bestehende Schulbusverbindung den Weg nach Tönning finden. Großartig!
Zweitens profitieren die Oberstufenmodelle von Kooperationen mit Berufsschulen und Gymnasien. Vor Jahren war es noch undenkbar, dass Nachbarschulen in einer Stadt zusammenarbeiten. Das hat sich inzwischen gründlich geändert, und zwar zugunsten der Qualität und der Unterrichtsversorgung.
Noch ein letztes Wort zu angeblichen Verschwendungsvorwürfen. Die Opposition singt in schulpolitischen Debatten ja schon fast reflexhaft ihre Untergangsarien. Die Einrichtung von Oberstufen abseits der Gymnasien ist aber keine Verschwendung. Das ist blanker Unsinn. Lehrerstunden fallen immer
Im Gegenteil: Es ist zu begrüßen, dass wir einen besseren Zugang zu höherwertigen Abschlüssen ermöglichen, genau wie die Tatsache, dass aufgrund der gemeinsamen Anstrengung nicht zuletzt auch die Abiturientenquote steigt.
Ein großer Dank dafür geht auch an die Lehrerinnen und Lehrer der Tandemschulen, die ihren Kolleginnen und Kollegen an den neu errichteten Oberstufen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Noch eine allerletzte Bemerkung zu unseren MiniOberstufen in Schleswig-Holstein. Die jungen Menschen in Schleswig-Holstein gehen ihren Weg. Es ist egal, was Opposition sagt, tut oder macht. Sie finden einen Weg, um einen höheren Bildungsabschluss zu machen. Darauf müssten wir doch eigentlich alle stolz sein. Deshalb ist es nur richtig und wichtig, dass wir so ein gutes Netz von MiniOberstufen haben, die jetzt gestartet sind und die auch Zeit haben müssen, ihre Profile und ihre Schulen zu entwickeln. Ich bin stolz darauf, dass wir in dieser Küstenkoalition den Kommunalpolitikern vor Ort, den jungen Menschen vor Ort und den Eltern und Lehrern die Möglichkeit gegeben haben, sich weiterzuentwickeln und nicht nur stillzustehen.
Vielen Dank. - Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Ich schließe die Beratung und stelle fest, dass, weil kein Antrag gestellt wurde, der Tagesordnungspunkt damit erledigt ist.
Lernmittelfreiheit in Schleswig-Holstein/Erhebung zu den Anteilen der Eltern an den schulischen Bildungskosten ihrer Kinder sowie Erhebung zu den Kostenanteilen der Schulträger pro Schüler/in und Schuljahr
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat die Landesregierung mit Beschluss vom 12. Dezember 2014 gebeten, eine Erhebung zu dem tatsächlichen Anteil der Eltern an allen Bildungskosten für ihre Kinder vorzulegen. Wir haben daraufhin nach einer Ausschreibung das IPN beauftragt, sowohl die Bildungskosten der Eltern als auch die Kostenanteile der Schulträger pro Schüler und Schuljahr zu ermitteln. Der Bericht liegt Ihnen vor. Lassen Sie mich dazu Folgendes erläutern.
An der Studie haben im Herbst des Schuljahres 2015/16 3.592 Eltern und 287 Lehrkräfte von 56 Schulen in Schleswig-Holstein teilgenommen. Die wesentlichen Ergebnisse der Studie sind:
Die Gutachter haben die Ausgaben in sieben Kategorien aufgeteilt. Diese Kategorien bauen auch auf denen des Kinderschutzbundes auf, nämlich Schulequipment, Bücher, Verbrauchsmaterial, Sportunterricht, Unternehmungen, Versorgung und Betreuung und Nachhilfe.