- Nein, Herr Kollege Vogt hat zu dem gleichen Thema in der letzten Debatte hier gesprochen. Ja, ja, ich lese die Dinge nach - man soll sich wundern
auch wenn Sie offensichtlich ein Interesse daran haben, dass ich das, was Sie erzählt haben, vergessen soll. Dann tue ich das auch. Ich dachte, das hätte Ewigkeitswert, was Sie ins Protokoll schreiben lassen.
Natürlich schafft das Land vielmehr den Rahmen und die Förderbedingungen. Aus der Großen Anfrage können Sie auch erkennen, dass nicht ein einziges Breitbandprojekt keine Fördermittel bekommen hat.
Übrigens, Herr Kollege Günther, wenn Sie zu Recht die Stadtwerke und die Gemeindewerke loben - das hat der Kollege Vogt jetzt übrigens auch mehrfach getan, das ist ein sehr beliebtes Argument dazu -, dann erklären Sie mir doch einmal um Himmels willen, warum Sie ausgerechnet in diesem Sommer die Änderungen im Gemeindewirtschaftsrecht abgelehnt haben, die einen gemeindeübergrei
- Herr Kollege Arp, Sie schütteln mit dem Kopf. Stellen Sie mir doch eine Einminutenfrage zum Thema Bedarfsklausel, oder erkundigen Sie sich.
- Nein. Aber ich finde es immer spannend, da wird der Kopf nach dem Motto geschüttelt: „Ach, das stimmt ja alles nicht“, aber wenn man dann ins Detail geht, kommt da meist nicht ganz so viel. Aber Sie haben die Möglichkeit, meine Äußerungen dazu zu widerlegen.
Viel mehr haben wir - ehrlich gesagt - von Herrn Günther heute nicht gehört. Die Konkretisierung, die Sie haben wollen - von Ihnen kam da nichts mehr. Es kam auch nicht irgendein Antrag der CDU-Fraktion: Macht das mal besser, macht das mal anders, vielleicht die E-Akte ein halbes Jahr vor Bayern einführen! An der Stelle kam nichts.
Das liegt übrigens auch daran, dass eine Digitale Agenda nicht irgendwie einen Katalog darstellt, den man einmal abarbeitet, und das war es dann. Liebe Kollegen von den PIRATEN, das ist übrigens auch sehr Retro gedacht. Ich dachte, Sie kennen so etwas wie Prozesshaftigkeit oder nicht hierarchische Prozesse. Ich dachte, bei Ihnen - es gab dazu mal ein interessantes Barcamp - wäre ich da zumindest an der richtigen Adresse.
Denn natürlich handelt es sich bei der Digitalen Agenda um eine permanente Revolution, die die ganze Zeit schon läuft, und auf die die Landesregierungen natürlich schon reagiert haben, diese Landesregierung genauso wie die vorherige Landesregierung.
Wie bei jeder Revolution ist es so, dass Zukunftsangst und Erstarren im Althergebrachten ganz schlechte Ratgeber sind. Weder hat die Eisenbahn zu geschwindigkeitsbedingten Erkrankungen geführt - ab 30 km/h - noch ist uns die Arbeit ausgegangen.
Auch wenn es in den letzten 50 Jahren wahrlich genügend Titelbilder dazu gegeben hat; das erste war vom „Spiegel“ 1965 zum Thema „Die Elektronengehirne kommen“. Das war, ehrlich gesagt, eine ganz spannende Story. Die Vorhersagekraft war ungefähr so gut wie die Vorhersagekraft des Oppositionsführers.
Wir müssen aber natürlich diese industriellen Revolutionen auch gestalten, um Gefahren und Verwerfungen für die Menschen zu reduzieren und ihre Chancen zu nutzen. Aufhalten oder Umkehren können wir sie nicht, auch wenn es immer wieder kulturpessimistische Autorinnen und Autoren gibt, die nach Schallplatte, Radio und Fernsehen jetzt aber mit dem Internet nun endgültig den Untergang des Abendlands kommen sehen - also, diesmal ganz bestimmt!
Wie bei jeder Revolution gibt es Sieger und Verlierer. Meistens glauben die, die mitten in einer Revolution sind, dass sie die ersten sind, die dies erkannt haben. Im Landtag ist das wahrscheinlich unterschiedlich ausgeprägt. Während der eine schon vor 30 Jahren mit dem liebevoll „Datenklo“ genannten Akustikkoppler den Telefonhörer und die Telefonrechnung seiner Eltern malträtiert und damit streng genommen sogar eine Straftat begangen hat
(Christopher Vogt [FDP]: Aha! - Uli König [PIRATEN]: Noch einer! - Christopher Vogt [FDP]: Das werden wir noch einmal prüfen!)
begann für andere, übrigens auch für Jüngere, erst mit dem iPhone die aktive Nutzung von Datenverbindungen. Einige kennen teilweise auch nur eine App wie Twitter - gut. Wenn man ein iPhone benutzen kann, so heißt das noch lange nicht, dass man es auch coden kann. Nach meiner Überzeugung ist das keine reine Generationenfrage. Ich halte den Begriff „Digital Native“ für die junge Generation sogar für irreführend, da er die Tatsache verdeckt, dass es nicht nur auf den technischen Zugang
ankommt, sondern darauf, wie qualifiziert ich diesen nutzen kann. Das hat auch eine starke sozioökonomische Komponente.
Um es einmal drastisch auszudrücken: Funktionale Analphabeten werden auch durch das Smartphone nicht automatisch alphabetisiert; sie werden weiter abgehängt.
Andererseits gibt es durchaus Apps, die die hohe Attraktivität der Technik und die alte Erkenntnis, dass der Spieltrieb eigentlich zum Lernen da ist ganz wichtig auch für Bildungspolitik -, zur Alphabetisierung nutzen. - Sprachnachrichten, liebe Serpil, bewirken halt genau das Gegenteil. Man kann ein Smartphone in seinen Grundfunktionen auch nutzen, ohne sich alphabetisieren zu müssen. Es gibt dabei keine zwanghafte Alphabetisierung. Das ist zu optimistisch gedacht.
Leider führen aber die vorhandenen digitalen Kompetenzen auch nicht automatisch zum dauerhaften persönlichen Erfolg. Die Verklärung des Heeres junger Freiberufler als digitale Bohème hat zwar eine gewisse urbane Romantik, aber der Schritt ins digitale Prekariat ist kurz, wie ganz viele aus der ersten Start-up-Generation 2001 sehr bitter erfahren mussten. Alte Fragen wie die Frage der sozialen Absicherung von Freiberuflern und Solo-Selbständigen werden deshalb auch immer dringender. Auch die Spielregeln für Arbeitnehmer brauchen ein Upgrade. Die digitale Erreichbarkeit, die Möglichkeit, vom Homeoffice aus zu arbeiten und seine Arbeit ergebnisorientiert zu gestalten, hat auch Schattenseiten, etwa die Entfremdung und das Vernichten privater Rückzugs- und Erholungsräume. Wie die Industrie 1.0 Arbeitszeitgesetze erforderlich machte, müssen wir heute über Erreichbarkeitsregeln diskutieren. Dass „Always-On“ - das kennen, glaube ich, wir mit am besten - ist manchmal mehr digitale Hölle als Paradies.
Da die Digitalisierung eine permanente Revolution ist, müssen wir das auch als Prozess gestalten und dürfen es nicht einfach als Programm zum Abhaken sehen. Ich nehme einmal ein Beispiel aus der Landeszuständigkeit: Während manche Museen noch dabei sind, einen zweidimensionalen Zugang zu ihren Exponaten über die Webseiten ins Leben zu rufen, habe ich bereits heute mit meinem 3-D
Helm und entsprechenden Sensoren die Grundlage, um virtuelle Ausstellungen lebensecht dreidimensional zu besuchen und in diese einzutauchen. Das ist übrigens ganz faszinierend - es ist tatsächlich so faszinierend, wie es klingt; probieren Sie es einfach einmal aus -, und es eröffnet natürlich zudem völlig ungeahnte Möglichkeiten in der Arbeitswelt. Auch das Einblenden digitaler Inhalte in unsere analoge Realität, die sogenannte Augmented Reality, eröffnet viel mehr Möglichkeiten, als Pokémons in Landtagsfluren zu jagen.
(Jette Waldinger-Thiering [SSW]: Oder drau- ßen! - Beifall Uli König [PIRATEN] - Uli König [PIRATEN]: Das geht draußen sowie- so besser!)
- Draußen geht es besser; ich weiß! - Aber auch hier lauert schon die nächste Herausforderung. Was erweist sich als praktikabel, und was nicht? Was ist eine Sackgasse, und was nicht? Was bleibt eine Nischenanwendung? Muss sich die öffentliche Hand auf jeden Trend draufsetzen? Im Nachhinein hat es sich als richtig erwiesen, in den Städten vorerst keine Landeplätze für Flugautos vorzusehen, auch wenn es bereits seit 80 Jahren funktionierende Modelle gibt und man sich in Segeberg zugegebenermaßen häufiger einmal eines wünschen würde.
Auch die Art, wie wir die Wissens- und Kompetenzweitergabe in unserem Bildungssystem organisieren, ist durch diese permanente Revolution gefordert. Natürlich brauchen wir eine Infrastruktur, und die knapp 300 öffentlichen Schulträger in unserem Land sind dabei unterschiedlich weit. Deshalb ist es gut investiertes Geld - in diesem Fall geht es tatsächlich um Landesgeld -, wenn wir den Schulträgern hierbei unter die Arme greifen und ihnen in den nächsten Jahren überall einen Glasfaseranschluss zur Verfügung stellen. Ich hoffe, dass die Schulträger auch ihren Teil erfüllen und die Infrastruktur in ihren Gebäuden dann auch entsprechend modernisieren.
Aber das ist nicht die einzige Voraussetzung. Denn bis sich neue Inhalte und Kompetenzen von den Hochschulen über die Lehrerausbildung bis in die Klassenzimmer verbreitet haben, sind auch schon früher einmal gerne 20 Jahre ins Land gegangen.