Herr Minister, diese App ist ein unglaublicher Erfolg: Sage und schreibe 500-mal wurde sie schon heruntergeladen.
(Zuruf: Ist das eine App der Landesregie- rung? - Birgit Herdejürgen [SPD]: Nein! - Minister Reinhard Meyer: Nein! - Zuruf: Ja oder Nein? Watt jetzt?)
- Herr Minister sagt Nein? - Ich hätte jetzt gedacht, die ist von Ihnen. Ich gucke mir das gern noch einmal an. Ich stelle eine Kleine Anfrage, und dann klären wir das.
Warum sind die Bayern bei der Gästezufriedenheit vor Schleswig-Holstein? - Doch nicht, weil Urlauber besonders griesgrämige Bergbewohner mögen und das so genießen. Vielmehr mögen die Leute intakte Infrastrukturen, die gut funktionieren.
Es ist diese Selbstverständlichkeit, die den Urlauber die Ferien genießen lassen. Da klemmt es bei uns aber gewaltig. Stattdessen wird suggeriert, dass Sonderprogramme zur Förderung des Tourismus das Allheilmittel wären. Das sind sie gerade nicht. Sie produzieren eine Konkurrenz innerhalb Schleswig-Holsteins und zwischen den einzelnen touristischen Standorten. Gerade diese Konkurrenz sollten wir aber nicht innerhalb von Schleswig-Holstein haben.
Wir sollten uns gegenüber Niedersachsen, gegenüber Mecklenburg-Vorpommern und auch gegenüber Dänemark positionieren, lieber Lars Harms.
- Sehr gut! - Gegenüber den anderen direkten Konkurrenten müssen wir uns besser darstellen. Nehmen wir doch einmal das Beispiel Bayern: Wenn man da als Tagestourist aus München in die Berge fährt, zum Beispiel nach Berchtesgaden, und man hält am Wanderparkplatz an, dann steht da kein Schild und kein Automat, der einem eine Wanderwegbenutzungsgebühr abverlangt oder eine Gipfelbesteigungsgebühr einfordert.
- Nein, bei den Bergen in Schleswig-Holstein haben wir das nicht, aber ich glaube, wenn wir mit dem Bungsberg ankommen, lachen uns die Bayern einfach nur aus! Trotzdem werden die Wanderwege auch in Bayern gepflegt. Es ist alles ordentlich ausgeschildert, es ist sauber, und wenn mal jemand in Badeschlappen die Zugspitze raufläuft und dann gerettet werden muss, kommt die Bergwacht und rettet ihn. Das ist in den meisten Fällen sogar kostenlos, meine Damen und Herren.
Ganz anders sieht das bei uns in Schleswig-Holstein aus. Die Berge von Bayern sind bei uns die Strände an Nord- und Ostsee. Der Urlauber fährt als Tagestourist von Kiel nach Laboe und soll dort, um den Strand zu nutzen, am Automaten eine Strandnutzungsgebühr entrichten. Zur Begründung wird dann immer angegeben, das sie für die Sauberkeit der Strände und die Rettungsschwimmer, und so weiter, und so fort. Aber das Beispiel ist identisch mit den bayrischen, nur dass dort keine Gebühr für die Infrastruktur Natur verlangt wird.
Eine solche Gebühr lässt den Urlauber doch viel verstörter zurück, als die Sauberkeit des Strandes ihn jemals begeistern konnte, meine Damen und Herren.
- Europa! - Nun zielt die aktuelle Tourismusstrategie der Landesregierung vor allem auf ausländische Besucher - das haben wir gerade von Herrn Meyer gehört - aus Österreich, der Schweiz und den skandinavischen Ländern. Aber wenn jetzt - ich sage es einmal so - der Ösi oder der Schweizer dann den Automaten am Strand gesehen haben,
dann drehen die sich doch sofort um und fahren zurück zum Gardasee, zum Lago Maggiore, an die Adria oder zur italienischen Riviera.
Ich weiß, die Kommunen haben sich das mit den Strandautomaten ausgedacht. Aber es muss doch das Ziel des Landes sein, den Tourismusstandort Schleswig-Holstein attraktiv zu gestalten.
Hier müssen wir ansetzen: keine betrieblichen Förderungen, sondern bessere Infrastruktur für ein durchgängig positives Urlaubserlebnis.
Dazu gehören auch Angebote im ÖPNV - Stichwort: Marschbahn. Wer nach Sylt möchte, benutzt eventuell ab Hamburg die Regionalbahn nach Westerland. Da bietet Schleswig-Holstein gerade nicht das beste Beispiel, wie attraktiver Regionalverkehr funktioniert.
Den Urlaubern ist es doch vollkommen egal, welche Probleme die Zugausfälle gerade begründen. Im besten Fall denken sie noch, die Deutsche Bahn sei schuld, und im schlechtesten Fall kommen sie kein zweites Mal nach Sylt. Infrastruktur ist aber nicht nur Schiene, Schwimmbad oder Strand, Infrastruktur ist auch Sicherheit. Der Kollege Arp hat es gerade schon angesprochen - leider telefoniert er gerade -, das Thema sind die Best Ager, die Silver Ager oder die Zielgruppe 60plus. Diese Zielgruppe möchte gern Sicherheit haben, Herr Arp. Dazu gehört dann zum Beispiel auch eine ärztliche Versorgung. Senioren fahren nicht dorthin in den Urlaub, wo sie Angst haben müssen, dort im Notfall nicht ausreichend medizinisch versorgt zu werden. Beispiele gibt es genügend in Schleswig-Holstein, wo die Ärzteabdeckung nicht mehr gewährleistet werden kann.
An der Westküste und in Nordfriesland tun sich erhebliche Versorgungslücken auf, die dann nicht nur die einheimische Bevölkerung, sondern auch die Touristen treffen.
(Dr. Heiner Garg [FDP]: Fahren Sie doch mal nach Skandinavien und gucken sich dort die Versorgung an!)
- Die kriegen das auch in den Griff, Herr Garg! Da darf es nicht zu einer weiteren Ärztekonzentration auf Sylt kommen, sondern es muss eine ordentliche Verteilung in der Breite geben.
Herr Garg, ich finde es nicht hinnehmbar, wenn wir zum Beispiel in Niebüll das Krankenhaus schließen. Da muss Abhilfe geschaffen werden.
(Beifall Dr. Patrick Breyer [PIRATEN] - Dr. Heiner Garg [FDP]: Sie wollen alle zwölf Minuten ein Krankenhaus haben?)
zieht. Doch Sie setzen auf reines Marketing und einzelbetriebliche Förderung. Dabei können wir einen feinen Nebeneffekt erzielen, wenn wir die Infrastruktur verbessern. Es geht nicht nur um die Urlauber, die von einer besseren Infrastruktur profitieren. Es sind insbesondere auch die Schleswig-Holsteiner, die hier von einer besseren Infrastruktur profitieren.
Damit haben wir einen Win-Win-Effekt. Es wird noch besser: Wenn wir die Infrastruktur hier in Schleswig-Holstein ausbauen, dann fördern wir nicht nur die Urlauber, unsere Gäste und unsere Einwohner, sondern auch die lokale Wirtschaft. Damit profitieren nahezu alle Wirtschaftszweige. Wir haben eine Win-Win-Win-Situation.