Protokoll der Sitzung vom 22.02.2017

(Beifall CDU und FDP)

Das sind diejenigen, bei denen nicht nur der Gast gern wiederkommt, sondern vielleicht auch der eine oder andere Unternehmer sagt: „In diesem Land lasse ich mich nieder. Hier gründe ich meinen Betrieb. Hier möchte ich gerne selbstständig werden.“ Insofern gilt der besondere Dank nicht Ihnen, Herr Minister, sondern den Betrieben vor Ort, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die immer wieder zu ungünstigen und schlechten Arbeitszeiten, an Wochenenden, zu Weihnachten und zu Ostern, ihre Arbeit leisten müssen. Auch diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt mein besonderer Dank im Namen der CDU-Fraktion.

(Beifall CDU und Birgit Herdejürgen [SPD])

Die Kontinuität in der Tourismusstrategie ist richtig. Sie begann - das vergessen Sie bitte nicht mit dem Berger-Gutachten unter Ihrem Vorvorgänger Dietrich Austermann. Er hat damals für die Trendwende gesorgt, indem er sagte: Für uns gibt es zwei große Zielgruppen. Das eine ist der Familienurlaub. Der ist auch heute noch wichtig. Das ist immer noch eine wichtige Gruppe, zu der wir stehen und für die wir, glaube ich, noch ein wenig mehr tun können. Das zweite sind die sogenannten Best Ager. Damals gehörte ich noch nicht dazu, inzwischen gehöre ich auch zu dieser Gruppe.

(Beifall CDU und FDP)

Ich weiß, das ist eine Gruppe, die heute viel Geld hier lässt. Im letzten Jahr waren es immerhin 28

Millionen Übernachtungen. Ich glaube, dass wir das 30-Millionen-Übernachtungsziel erreichen werden. Ob Sie Minister sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

(Zurufe SPD)

Denn wir werden es so oder so erreichen, mit oder ohne Herrn Meyer, davon können Sie einmal ausgehen. Allerdings wird eine Gruppe immer wichtiger. Das sind - das wissen Sie genauso gut wie ich die Kurzurlauber, nicht kurz von der Körperlänge, sondern kurz vom Aufenthalt her. Ich weiß, worüber ich rede.

(Beifall Dr. Heiner Garg [FDP])

Das heißt, Kurzurlauber müssen es schaffen, in kurzer Zeit hierher und in möglichst kurzer Zeit auch wieder nach Hause zu kommen. Die meisten allerdings stehen vor dem Elbtunnel, in irgendeiner Baustelle. Klar kommt die A 20, und wenn die A 20 kommt sind, wir natürlich auch schneller wieder hier.

(Beifall CDU und FDP)

Es ist allerdings Ihr Versagen, dass Sie an diese Gruppe nicht stärker herankommen. Die fahren heute noch eher an die Nordseeküste oder nach Rügen oder an die Ostseeküste nach MecklenburgVorpommern. Sie erreichen Schleswig-Holstein nicht. Das ist eine Zielgruppe, an die wir heran müssen, indem wir unsere Infrastruktur besser ausbauen, nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Schiene. Herr Meyer, Sie wissen, Sie können weder das eine noch das andere. Wir müssen dort herangehen, und das ist für uns besonders wichtig.

Sie sprachen das Auslandsmarketing an. Das müssen wir forcieren. - Interessiert Sie das nicht? Dann brauchen Sie die Aktuelle Stunde nicht zu machen.

(Zuruf BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Regie- rungserklärung!)

- Ja, Regierungserklärung! Für das Auslandsmarketing - da sind sie gerade richtig bei der Finanzministerin - gebe ich Ihnen Recht, da muss mehr Geld ausgegeben werden. Gerade die Bereiche Österreich, Schweiz und Dänemark haben noch ein großes Potenzial, das wir für Schleswig-Holstein nutzen könnten. Hier ist das Moderationsangebot der IHK Flensburg weiter auszubauen. Sie haben gute Vorschläge gemacht, wie man besser mit den dänischen Gästen umgehen kann, indem man sich auch dort aktiv bewirbt.

(Hans-Jörn Arp)

Die TASH allerdings, das muss ich Ihnen sagen, Herr Minister, war keine Glanznummer von Ihnen. Wenn sie allein in Ihrer Zeit bisher fünf Geschäftsführer hatten, müssen Sie das wohl zugeben. Mit der Interimslösung haben Sie fünf Geschäftsführer. Das hat mit einer vernünftigen Marketingstrategie überhaupt nichts zu tun.

(Zurufe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das ist eine Geschichte, an der Sie arbeiten müssen. Das waren Ihre Personalentscheidungen. Hier haben Sie dem Land und dem Tourismus sehr geschadet.

Clustermanagement der WTSH: Es war die WTSH, die dafür gesorgt hat, dass viele neue Hotels gekommen sind. Viele davon haben schon zu unserer Zeit Anträge gestellt. Sie wissen auch, dass diese Hotelansiedlungen nicht erst in den letzten drei bis vier Jahren gekommen sind. Sie sind gekommen, weil man ihnen - und das ist zu Recht so gewesen - einzelbetriebliche Förderung zugesagt hat. Ohne einzelbetriebliche Förderung wäre nicht einer dieser Betriebe gekommen. Dafür haben Sie unsere Unterstützung. Dafür müssen Sie in Ihrem Haus und mit Ihrer Koalition mehr kämpfen als mit uns. Wir sagen Ihnen: Die brauchen wir, denn die haben das Niveau des Tourismus weiter nach vorn gebracht.

(Beifall CDU)

Der Gesundheitstourismus, Herr Minister, muss aus seiner Nische herausgeholt werden. Hier gibt es für Schleswig-Holstein noch sehr viel Potenzial. Das gilt es zu heben. Ich glaube, wir werden dort verstärkt herangehen müssen, um gerade diesen Markt besser bedienen zu können.

(Beifall CDU)

In der Fachkräftesicherung oder in den Initiativen, die aus Ihrem Haus kommen sollten, ist leider nicht mehr als heiße Luft gekommen. Das stellen Sie fest, wenn Sie einmal in den Betrieben nachfragen, was umgesetzt worden ist. Das ist das Hauptproblem aller Betriebe. Einige Betriebe müssen heute schon schließen, weil sie keine Fachkräfte haben. Zu glauben, man setzt jetzt nur auf Asylbewerber, wird das Problem nicht lösen. Sie müssen hier breiter herangehen. Sie müssen verstärkter an das Image dieser Branche herangehen. Sonst wird es nichts.

(Zuruf SPD: Das sollten Sie auch gern mal tun!)

In der Frage haben Sie in den letzten fünf Jahren so gut wie nichts geleistet. Fragen Sie einmal die Betriebsinhaber. Die sind sehr enttäuscht. Hier müssen Sie sehr viel mehr machen.

(Beifall CDU)

Die Frage, die für uns alle einen großen Markt hat das wissen Sie genauso gut wie ich, da gibt es gute Player -, ist das Quartiersforum Ferienhaus in Schleswig-Holstein. Hier haben wir große Chancen. Gerade der Bereich Ferienhaus zieht die Zielgruppe Familien an, die für uns sehr wichtig ist. Ich erwähnte das am Anfang. Hier ist allerdings die Landesplanung immer wieder Bremsklotz. Hier würden wir viel mehr machen können. Hier stehen wir auch in direkter Konkurrenz zu Dänemark. Warum sollen die Leute zwei Stunden weiterfahren, wenn sie die Chancen hier bei uns haben? Wir könnten dafür Flächen an der Eider, im Binnenland, auch an Stellen der Nord- und Ostsee nutzen, die nicht so dicht besiedelt sind. Hier könnten wir viel mehr machen. Das Eider-Treene-Sorge-Gebiet ist dafür prädestiniert.

(Beifall CDU)

Aber hier ist es immer wieder die Landesplanung, die in diesem Bereich hinterherhinkt.

Das Gleiche gilt für den Bereich des Kulturtourismus. Hier müssten Sie viel mehr mit den einzelnen Akteuren zusammenarbeiten und in viel engerer Abstimmung stehen. Ich glaube, in Schleswig-Holstein gibt es sehr viele Kulturtreibende, die auf einen Hilferuf Ihres Hauses warten. Schließen Sie diese zusammen und machen Sie einen Kompetenzbereich daraus. Das hilft uns.

Was uns überhaupt nicht hilft, ist der Bereich des 150-m-Küstenschutzstreifens. Das will ich Ihnen sagen. Aber ich weiß, dass Sie mit Ihrem Kollegen Habeck sehr gut zusammenarbeiten. Das konnte man gestern wieder im „Schleswig-Holstein-Magazin“ sehen.

(Beifall CDU)

Die Zusammenarbeit kann nicht besser sein. Insofern, Herr Habeck, haben Sie sich, glaube ich, einmal wieder durchgesetzt. Nicht nur bei der Mittelplate, nicht nur bei der A 7, nicht nur bei der A 20 und nicht nur bei der Fehmarnbelt-Querung, auch bei dem 150-m-Küstensstreifenschutz sollten Sie noch einmal überlegen. Ein Hotel wie das Bayside, auf das heute alle stolz sind, dass es so etwas gibt, wäre so nicht entstanden. In Zukunft gibt es das nicht mehr, weil Sie solche Dinge verhindern. Herr Meyer, Sie sollten einfach einmal Ihre Ellbogen

(Hans-Jörn Arp)

einsetzen, sich durchsetzen und hier nicht nur große Reden halten,

(Lachen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

sondern auch das machen, was Sie sagen. Das hilft uns und dem Tourismus im Land Schleswig-Holstein viel mehr. - Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Beifall CDU und FDP)

Das Wort für die SPD-Fraktion hat Frau Regina Poersch.

Danke. - Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Wir haben alles, was Sie brauchen. Was wir nicht haben, brauchen Sie auch nicht“, oder: „Draußen nur Kännchen!“, kommt Ihnen das bekannt vor? Diese Zeiten, liebe Kolleginnen und Kollegen, sind vorbei! Diese Zeiten sind auch Dank der Küstenkoalition und Tourismusminister Reinhard Meyer vorbei.

(Beifall SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN)

Urlaub in Schleswig-Holstein, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist wieder angesagt. Die Zahlen sprechen für sich. Zahl der Übernachtungen 2012: 24 Millionen. Zahl der Übernachtungen 2016: 28,2 Millionen. Das ist neuer Rekord! Was fast noch wichtiger ist: Wir enttäuschen unsere Gäste nicht. Sie kommen wieder. Gästezufriedenheit 2011: Schulnote 2,0. Gästezufriedenheit 2015: Schulnote 1,8. Die Bewertung der Serviceorientierung der Gastgeber hat sich deutlich von 2,1 auf 1,8 verbessert. Einen Satz wie: „Wir haben alles, was Sie brauchen; was wir nicht haben, brauchen Sie auch nicht“, hört man in Schleswig-Holstein nicht mehr. Annähernd 90 % der Schleswig-Holstein-Besucher und Besucherinnen bewerten das Reiseziel mit sehr gut oder gut. Der Marktanteil im Inlandstourismus ist weiter gestiegen, von 5,1 auf 6,1 %.

Wir haben die Hände nicht in den Schoß gelegt und abgewartet, wo doch aktuell Deutschlandtourismus so en vogue ist und bislang beliebte Reiseziele auf einmal nicht mehr so sicher erscheinen. Man muss schon etwas tun, und Tourismus macht sich nicht von allein.

(Beifall SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, seit SchleswigHolstein Glückswachstumsgebiet ist, haben wir Urlaubsglück neu definiert. Nicht erst seit dem Deutschen Tourismustag 2013 in Lübeck schaut die Republik auf den echten Norden. Die Glückswachstumskampagne ist lebendig und das trotz der hier bekannten und auch angesprochenen Schwierigkeiten im letzten Jahr, für die niemand der hier Anwesenden etwas kann. Die Kampagne hört auf unsere Gäste. Sie macht sie sehnsüchtig und neugierig.

Genau das ist die Kernaufgabe von Marketing. Dieses Marketing haben wir gestärkt. Während unsere Vorgänger die Tourismusagentur noch abwickeln wollten, haben wir den Zuschuss an die TASH um 300.000 € angehoben.

(Beifall SPD und SSW)

Dass wir die TASH zudem in eine Landesgesellschaft umgewandelt haben, zeigt, welche Bedeutung wir dem Tourismusmarketing beimessen.

Unsere Tourismusstrategie ist im Dialog entstanden. Es ist kein kurzatmiges Gutachten, sondern ein auf zehn Jahre angelegtes Handlungskonzept. Roland Berger - da muss ich dem Kollegen Hans-Jörn Arp wirklich widersprechen - war keine gute Idee. Wir haben alle miteinander viel Verunsicherung bei den Tourismusakteuren gespürt. Es ist richtig, dass wir die Strategie im Dialog mit den Akteuren gemeinsam komplett neu aufgestellt haben.