eine kluge Entscheidung, die dem Zeitmanagement dieser Tagung geschuldet ist, sondern es gibt auch einen wirklich bemerkenswerten inneren Zusammenhang zwischen diesen beiden Themen. Die zu niedrige Unterrichtsversorgung stand in den vergangenen Jahren stets auch unter dem Diktat des Sparzwangs mit der Folge, dass nicht genügend Planstellen geschaffen werden und nicht alle Lehrkräfte, die zur Verfügung standen, eingestellt werden konnten. Das waren dann diejenigen Lehrkräfte, die bei der Unterrichtsversorgung fehlten. Dies ging einher mit zu geringen Ausbildungskapazitäten an den Universitäten und im Vorbereitungsdienst. Beim Thema Lehrkräftegewinnung spüren wir heute die Folgen. Die finanziellen Spielräume sind heute größer, aber der Fachkräftemarkt erweist sich auch hier als limitierender Faktor. Auch die Steigerung der Ausbildungskapazitäten dauert einige Jahre, um die Lücke zu schließen.
In diesem Spannungsfeld stehen die beiden Berichte, über die wir heute sprechen, auch wenn Sie unterschiedliche Berichtszeiträume umfassen. Wir stehen gemeinsam - mit großer Ernsthaftigkeit und im intensiven Austausch - in der Verantwortung, um über geeignete Konzepte sowohl die Unterrichtsversorgung als auch die Versorgung der Schulen mit Lehrkräften sicherzustellen, und zwar beides hundertprozentig - mindestens hundertprozentig. Eine gute Schule und gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte - ja, sie gehören zusammen. Sie wissen, Hattie und viele andere Bildungsforscher haben immer wieder darauf hingewiesen, und wir handeln danach - wissend, gute Schule wie auch gute Politik beruhen auf einer lebendigen, mit vielen Kompromissen auszugestaltenden Teamarbeit. Deshalb möchte ich Ihnen und allen Lehrkräften, Schulträgern, Eltern und Schülervertreterinnen und -vertretern - allen, die an Schule beteiligt sind - an dieser Stelle für ihre Mitarbeit, ihre Initiative, ihre Kritik und Expertise ausdrücklich danken.
Lassen Sie mich ein paar Worte zur Unterrichtsversorgung sagen. Im Juli ist Ihnen der schriftliche Bericht zur Unterrichtsversorgung, Drucksache 19/ 1197, zugegangen. Er betrachtet das letzte Schuljahr unter der Ägide der Vorgängerregierung mit Blick auf die Personalzuweisung. Das ist die Grundlage, auf der wir berichten. Unser Ziel ist und bleibt: Wir wollen eine mindestens hundertprozentige Unterrichtsversorgung erreichen und sicherstellen. Das war im Berichtszeitraum 2017/18 noch nicht erreicht. Das ist übrigens auch in diesem
Schuljahr noch nicht ganz erreicht. Aber die gute Nachricht ist, dass wir nach der jetzigen Planung im kommenden Schuljahr die mindestens 100 % Unterrichtsversorgung im Bereich der allgemeinbildenden Schulen bereits erreichen werden.
Um dies sicherzustellen, wurden etwa im laufenden Schuljahr weitere 400 zusätzliche Lehrerplanstellen zur Verfügung gestellt, statt wie ursprünglich geplant weitere 495 Stellen abzubauen. Die Unterrichtsversorgung konnte sich in den vergangenen Jahren auch unter der Vorgängerregierung kontinuierlich verbessern. Sie lag 2017/18 bei den allgemeinbildenden Schulen noch bei gut 99 % - und damit 1 Prozentpunkt über den beiden Vorjahreswerten. Der Durchschnitt bei den allgemein- und berufsbildenden Schulen lag bei rund 96 %. Das ist bekanntermaßen der Tatsache geschuldet, dass die Unterrichtsversorgung an den beruflichen Schulen nach wie vor schlecht ist. Sie liegt bei 92 %; aber auch hier haben wir eine Verbesserung um 1 % zu verzeichnen. Gleichwohl kann natürlich dieser Wert niemanden zufriedenstellen.
Meine Damen und Herren, ich will aber zwei bis drei Sätze dazu sagen, was Eltern und Schüler empfinden. Sie sagen nämlich: Ihr könnt uns ja erzählen, ihr habt 99 oder 100 % Unterrichtsversorgung. - Aber das, was wir konkret in den Schulen wahrnehmen, ist eine andere Realität. Ich finde, diese Realitätswahrnehmung müssen wir als Politik ernst nehmen, und wir dürfen uns da auch nicht herausreden. Natürlich empfinden Schüler und Eltern den nicht durch den Fachlehrer erteilten Unterricht schon manches Mal als Unterrichtsausfall, obwohl er natürlich kein Unterrichtsausfall ist. Das Gleiche gilt umso mehr etwa für das sogenannte eigenverantwortliche Arbeiten. Auch das, finde ich, müssen wir ernst nehmen. Das kann man nachvollziehen.
Statistisch betrachtet ist das erteilter Unterricht; aber er wird nicht als solcher empfunden, sondern häufig als Ausfall. Deshalb sind wir in der Verantwortung, uns nicht nur dem Thema Unterrichtsversorgung, sondern auch dem verantwortlichen Umgang mit dem Unterrichtsausfall mit großer Ernsthaftigkeit zu widmen. Das Land hat in diesem Bereich große Anstrengungen unternommen, um da besser zu werden.
Da geht es zum einen darum, eine mobile Reserve zur Verfügung zu stellen - das sind 80 Lehrkräfte, die in Fällen von dauerhaftem Unterrichtsausfall im Land eingesetzt werden. Da geht es darum, über 12 Millionen € im Jahr für den Vertretungsfonds
zur Verfügung zu stellen und einen Pool von Seniorlehrkräften und erstexaminierten Lehrkräften zur Verfügung zu stellen, die da einspringen, wo es dringend notwendig ist. Darüber hinaus geht es aber auch um Vertretungskonzepte, die jede Schule heute haben muss, und da gibt es Qualitätsunterschiede. Wir arbeiten daran, dass die Qualität an allen unseren Schulen hier noch besser wird.
Meine Damen und Herren, schließlich geht es auch darum, die Chancen, die die Digitalisierung bietet, in diesem Bereich in Zukunft besser zu nutzen.
Lassen Sie mich noch einige Sätze zum Thema Lehrkräftegewinnung sagen. Ich kann Ihnen versichern, dass das Thema Lehrkräftegewinnung das zentrale Thema dieser Legislaturperiode ist. Ganz egal, welche tollen Reformen Sie an Schulen anstrengen: Wenn Unterricht nicht erteilt wird, sind alle Reformen nichts wert. Deshalb müssen wir uns darum bemühen - auch gegen einen immer schwieriger werdenden bundesweiten Markt -, mehr Lehrkräfte für Schleswig-Holstein zu gewinnen.
Wie gehen wir das an? Zunächst einmal geht es darum, die bereits im Dienst befindlichen Lehrkräfte zu stärken, für sie den Dienst attraktiver zu machen, dafür Sorge zu tragen, dass sie gerne arbeiten und dass sie weniger krank werden. Außerdem geht es darum, die in der Ausbildung befindlichen Lehrkräfte zu stärken, die Studierenden dabei zu unterstützen, dass sie ihr Studium gut schaffen und auch die zweite Phase der Ausbildung.
Es geht darum, geeignete Quer-, Seiten- oder Direkteinsteiger zu gewinnen und diese so gut auszubilden, dass sie mit den bodenständig ausgebildeten Lehrkräften mithalten können. Das ist eine zum Teil nicht so einfache Aufgabe. Bisher haben wir in Schleswig-Holstein rund 200 Quer- und Seiteneinsteiger bei 28.000 Lehrkräften insgesamt. So viele sind das also noch nicht. Wir müssen aber ständig daran arbeiten, dass deren Betreuung auch unseren Standards entspricht.
Es geht darum, junge Menschen viel früher und auch in anderer Form mit dem Lehrerberuf in Berührung zu bringen. So haben wir sehr guten Erfolg mit der Einführung eines freiwilligen sozialen Jahres an unseren weiterführenden Schulen. Hier können wir sehen, dass diese Maßnahme immerhin dazu führt, dass rund 75 % derjenigen, die in dieser Maßnahme sind, sagen, dass sie sich gut vorstellen können, Lehrerin beziehungsweise Lehrer zu werden.
Schließlich geht es um eine verbesserte Kommunikation, um eine bessere Website, als sie in der Vergangenheit zur Verfügung gestellt wurde. Außerdem haben wir eine Hotline eingerichtet, die täglich rund 50 Menschen zu Themen rund um den Lehrerberuf in Schleswig-Holstein berät.
All dies und vieles mehr haben wir angestoßen. Insgesamt haben wir zurzeit rund 70 Maßnahmen ergriffen. Dazu gehört natürlich auch eine Erhöhung der Zahl der Plätze im Vorbereitungsdienst. 75 waren es in diesem Jahr. 90 weitere werden es im kommenden Jahr sein. Das ist die höchste Anzahl von Plätzen im Vorbereitungsdienst, die es in Schleswig-Holstein je gegeben hat. Auch das ist eine wichtige Maßnahme, die wir ergriffen haben.
Es geht dabei auch darum, neben der Erhöhung der Studienplatzkapazitäten Übergangsmodelle zu finden, und zwar sowohl im beruflichen Bereich als auch im Bereich von Grundschul- und Sonderschulpädagogik, die dazu führen, dass wir für den Übergangszeitraum, in dem uns die Lehrkräfte fehlen, durch bessere Fortbildung von Quer- und Seiteneinsteigern zusätzliche Kollegen gewinnen.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Abschluss einen weiteren Punkt ansprechen. Wir werden nur dann zusätzliche Lehrkräfte für unseren Schuldienst in Schleswig-Holstein gewinnen, wenn wir den Lehrkräften genügend Respekt und genügend Anerkennung entgegenbringen.
Ich sage das auch deshalb, weil wir gerade wieder in einer Studie der Christian-Albrechts-Universität erfahren konnten, dass die Medien, wenn sie über Schule und über Lehrkräfte berichten, immer eher das Negative zu berichten haben. Das ist etwas, über das wir gemeinsam nachdenken sollten. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir müssen unseren Lehrkräften zeigen, dass wir wissen, welche Aufgabe sie für unser Land leisten, und dass wir auch bereit sind, sie dafür nach Kräften zu unterstützen.
Dafür werbe ich heute und übrigens jeden Tag in unserem Land. - Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.
Meine Damen und Herren, die Landesregierung hat die vereinbarte Redezeit um 5 Minuten überzogen. Diese Zeit steht nun theoretisch auch allen anderen Fraktionssprechern zur Verfügung.
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kollegen! Der Bericht zur Unterrichtsversorgung zeigt eindrucksvoll, dass wir auf dem Weg zu einer einhundertprozentigen Unterrichtsversorgung sind. An allen allgemeinbildenden Schulen sind es mittlerweile 99 %. An den berufsbildenden Schulen können wir noch unzufriedenstellende 92 % erreichen. Das ist immer noch zu wenig. Aber auch hier konnten wir eine weitere Verbesserung erzielen. Das ist vorhin bereits dargestellt worden.
Um noch besser zu werden, haben wir gestern im Rahmen der Haushaltsberatungen zusätzliche Stellen geschaffen. Es besteht die Möglichkeit, dass wir in dieser Legislaturperiode die einhundertprozentige Unterrichtsversorgung schaffen können. Klar ist aber auch, eine einhundertprozentige Unterrichtsversorgung heißt nicht, dass jede Stunde erteilt wird, sondern nur, dass ausreichend Planstellen zur Verfügung stehen, um theoretisch jede Stunde zu unterrichten.
Krankheit, Prüfungen, Fort- und Weiterbildung und Sonderurlaub führen dazu, dass Unterricht vertreten werden muss oder ausfällt. Die PUSH-Daten im Bericht zeigen uns das eindrucksvoll. Deshalb hören unsere Aufgaben nicht auf, wenn wir eine einhundertprozentige Unterrichtsversorgung erreicht haben. Es geht darum, dass jede einzelne Stunde in Anzahl und Fachlichkeit auf der Kontingentstundentafel erteilt wird. Dafür wollen wir kämpfen.
Eines ist aber auch klar. Es reicht nicht, nur Stellen zu schaffen. Wir müssen uns auch darum kümmern, dass diese besetzt werden. Dass die Landesregierung sich dieses Themas strukturiert annimmt, zeigt sowohl der Bericht zur Unterrichtsversorgung als auch der Bericht zur Lehrkräftegewinnung. Angemerkt sei aber auch, dass wir viele Jahre keine strukturierte Analyse über Lehrerbedarfe in Schleswig-Holstein zur Verfügung hatten. Das Thema ist im Schulministerium in den letzten Jahren verschlafen worden. Das ist auch ein Grund, warum die Schulverwaltungssoftware so wichtig ist. Ich bin
dem Ministerium - der Ministerin Karin Prien, aber gerade auch der Staatssekretärin Dorit Stenke dankbar, dass man dieses wichtige Thema jetzt professionell angeht und mithilfe von externem Sachverstand für Schleswig-Holstein strukturiert. Das war schon lange notwendig.
(Wortmeldung Beate Raudies [SPD] - Peter Lehnert [CDU]: Das war nicht ernst gemeint! - Zuruf Beate Raudies [SPD])
Bevor wir das jetzt hier untereinander erörtern, frage ich Sie, Herr Abgeordneter Loose, ob Sie so eine Bemerkung zulassen.
Herr Kollege, können Sie mir sagen, wann die Arbeiten zur Einführung einer zentralen Schulverwaltungssoftware im Land Schleswig-Holstein begonnen haben und wer die Vorarbeiten dazu geleistet hat?