Das Bildungsministerium lässt vorgestern tatsächlich die Falschmeldung verbreiten, in SchleswigHolstein fehlten nur 200 Lehrkräfte. Ich behaupte, es sind Tausende.
Nicht zu den Empfehlungen gehört es übrigens, die Arbeitsbedingungen der vorhandenen Lehrkräfte zu verschlechtern und das Recht auf Teilzeit oder Sabbaticals einzuschränken. Das steht aber im Antrag der Koalition. Das darf doch nicht wahr sein: erst fünf Jahre nichts tun und nun auf Kosten der vorhandenen Lehrkräfte die selbst mit verursachten Probleme lösen wollen! – Ich glaube, es geht los.
Nicht zu den Empfehlungen – das muss man auch sagen – gehören bisher Änderungen an der Besoldung der Lehrkräfte. Dienst nach Vorschrift ist in
der Tat ein Schreckgespenst, das wir nicht sehen wollen, schon gar nicht an unseren Schulen. Da sehen wir allerdings zwei andere Ansatzpunkte.
Erstens: ein gutes Betriebsklima: Wie jeder weiß, beginnt ein gutes Betriebsklima mit der Führungsebene. Denken Sie einmal darüber nach!
Zweitens: An den Schulen begegnen mir Klagen zu den Arbeitsbedingungen deutlich häufiger als Klagen zur Besoldung. Es wäre also schön, wenn die Koalition mit ihrer Zweidrittelmehrheit ins Handeln käme und hier Fortschritte ins Werk setzte.
Viele Lehrerinnen und Lehrer in Schleswig-Holstein haben sich für eine Teilzeitbeschäftigung entschieden, weil sie eine volle Stelle schlicht nicht mehr für schaffbar halten. Diese Menschen verzichten freiwillig auf Einkommen. Wenn man hier mehr Fachkräfte heben will, muss man sich die Arbeitsbelastung ansehen: Stundenverpflichtung, Korrekturaufwand et cetera. Was man nicht tun darf – da bin ich wieder am Anfang –, ist, das Recht auf Teilzeit zu beschränken.
„Damit unsere Lehrkräfte weiterhin fachlich und pädagogisch hochwertige Arbeit in den Schulen leisten können, investieren wir in zusätzliche und verpflichtende Fortbildungen bei gleichzeitigen Unterrichtsentlastungen.“
„Damit Kinder und Jugendliche in immer heterogener werdenden Schulklassen und Lerngruppen bestmöglich und individuell gefördert werden können, benötigen Lehrkräfte mehr Unterstützung durch speziell ausgebildete Fachkräfte.“
Jahr 2023 wieder mit einer Debatte zum Leistungmuss-sich-lohnen-Konzept, zur leistungsbezogenen Besoldung von Lehrkräften, beginnen. Lehrkräftegewinnung durch umfassende Strategie zukunftsfähig aufstellen, Entlastung von Lehrkräften als Teil einer Gesamtstrategie für Lehrkräftegewinnung und -sicherung – eine ähnliche Debatte haben wir schon im Dezember 2022 geführt.
Da stellt sich die Frage: Wie soll das Ministerium eigentlich arbeiten, wenn wir jeden Monat, zu jedem Plenum noch einmal von vorn anfangen?
(Christopher Vogt [FDP]: Die Ministerin be- schwert sich über die Koalitionsanträge! Das finde ich schön!)
Nein, die Ministerin hat mir gerade eben zugestimmt. Das finde ich großartig, weil es doch genau das ist – nicht, weil sie mir unbedingt zustimmen soll. Kære venner, wir definieren jedes Mal wieder, dass uns Lehrkräfte fehlen. Jedes Mal wieder! Jeder hat seine Idee. Malte Krüger sagt: Die Grünen waren die Konstante in den letzten drei Legislaturperioden. – Ja, hat es geholfen?
(Lars Harms [SSW]: Nö! – Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das habe ich auch sehr kritisch gesagt! – Beifall SSW)
Das Problem, das wir wirklich haben, ist nicht, dass wir keine vernünftigen Prognosen haben, es sind nicht die Entwicklungen der Schülerzahlen, die geflüchteten Kinder, die 2015 und 2016 zu uns gekommen sind, oder die ukrainischen Kinder jetzt. Nein, es fing 2009/2010 an, als es keine Perspektive mehr für junge Menschen gab, die auf Lehramt studiert haben, weil wir keine Stellen hatten und nicht verbeamten konnten.
Das heißt doch im Umkehrschluss: Wir müssen die letzten zwölf Jahre aufholen. Wir müssen wieder Perspektiven für die jungen Menschen schaffen, damit sie in diesem Beruf bleiben.
Wir haben im Dezember 2022 darüber abgestimmt; der Antrag mit der Allianz für Lehrkräfte war auch gar nicht schlecht. Da waren ein paar Sachen drin, die ganz richtig sind. Wir können aber nicht, ohne zu denken, reingehen und sagen: Okay, wir wollen die vielen Lehrkräfte qualifizieren und auch die, die jetzt im System sind, die Quereinsteiger sind, oder vielleicht auch die Studierenden, die bei uns schon den Master gemacht haben. Noch einmal, kære ven
ner: Ohne die hätten wir noch nicht einmal den Unterricht während Corona durchziehen können, weil wir die im System brauchen.
Das heißt: Wir haben immer wieder die gleichen Themen, die wir diskutieren, aber es hat noch keiner die Unterrichtsverpflichtung diskutiert. Es hat noch keiner über Entlastung von Lehrkräften gesprochen, die sich genau diesen ganzen Aufgaben widmen – wie Klassenfahrten, Klassenleitung und so weiter.
Das steht nun einmal so in eurem Antrag drin. Ich muss ganz ehrlich sagen, da werden wir zwei Kategorien von Kindern, von Lernständen haben – beziehungsweise: Das hat nichts mit Bildungsgerechtigkeit zu tun.
Doch, wir werden immer an dem einen Standort höhere Herausforderungen haben als an dem anderen Standort.
Wir müssen aber ran und sagen, dass die Lehrkräfte für das, was sie extra machen, was den ganzen Alltag von Schule rund macht, eine Entlastung bekommen.
Frau Kollegin, ich bin beeindruckt von den vielen Vorschlägen, die Sie hier für den SSW machen, aber ich wiese darauf hin: Was Sie gerade erzählt haben und was teilweise auch schon in der Zeitung erzählt wurde, dass wir wollten, dass es, wenn es bessere Noten gebe, auch mehr Bezahlung geben solle, ist nicht richtig. Es steht auch nicht in dem Antrag drin.
Na ja, aber irgendwie haben wir das alle so gelesen. Da müssen wir vielleicht an unseren basalen Fertigkeiten noch einmal arbeiten, oder Sie müssten als Antragsteller vielleicht zwei Sätze mehr dazu schreiben, damit wir es wissen.
(Beifall SSW, vereinzelt CDU und Beifall Marc Timmer [SPD] – Christopher Vogt [FDP]: Wir wollen ja das Ministerium nicht überlasten Langer Rede kurzer Sinn: Das Ministerium hat auch schon im letzten Jahr Aufgaben bekommen. Ich bin gespannt auf den Bericht, der uns am Ende des dritten Quartals 2023 erwartet. Dann sollten wir endlich einmal gucken, dass wir wirklich Probleme lösen und nicht jedes Mal wieder im Plenum das gleiche Thema aus der Tüte holen. Es muss gear- beitet werden, und dafür braucht das Ministerium endlich einmal Zeit zum Arbeiten. (Beifall SSW, vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Beifall Peer Knöfler [CDU])
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch etwas zum FDPAntrag sagen: Geld soll es richten. Das scheint das Universalprinzip der FDP zu sein, nun wohl auch in Bildungsfragen.