Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Die Wissenschaftslandschaft in Sachsen hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten rasant entwickelt und eine wissenschaftliche Exzellenz, Vielfalt und Breite aufgebaut, die keinen Vergleich mit anderen Top-Wissenschaftsregionen im internationalen Raum scheuen muss. Die Investitionen in unsere wissenschaftlichen Einrichtungen, sowohl in unsere Hochschulen als auch in die außeruniversitären Forschungseinrichtungen, zahlen sich aus. Spitzenforscherinnen und -forscher aus aller Welt loben die zum Teil einzigartigen Bedingungen, die sie bei uns vorfinden. Dort, wo wissenschaftliche Exzellenz in Verbindung aus Lehre und Forschung zu Hause ist, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf sich und wirkt wie ein Magnet – nicht nur auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern auch auf Unternehmen, auf Entscheider, auf Netzwerke und auf Politik. Das ist genau das, was gerade passiert.
Große Unternehmen investieren im Freistaat. Der Bund fördert verschiedene Vorhaben, die alle auf Weiterentwicklung und Innovation ausgerichtet sind. Das passiert, weil dem Wissenschaftsland Sachsen und seinen Institutionen und Einrichtungen zugetraut wird, die richtigen Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit geben zu können. Um dieses Zutrauen zu bestätigen, entwickeln wir das Wissenschaftsland Sachsen als Ganzes weiter. Das tun wir an verschiedenen, aus Sicht der Staatsregierung, ganz entscheidenden Stellen.
Die Hochschullandschaft in Sachsen stellen wir in ihren Strukturen zukunftsfest auf. Die Berufsakademie Sachsen mit ihren sieben Staatlichen Studienakademien entwickeln wir zur Dualen Hochschule weiter. Damit wird die Architektur der sächsischen Hochschullandschaft grundlegend erweitert, den aktuellen, modernen Erfordernissen angepasst und ein zentrales wissenschaftspolitisches Vorhaben dieser Legislaturperiode umgesetzt.
Die Berufsakademie Sachsen ist seit mehr als drei Jahrzehnten eine erfolgreiche Einrichtung im tertiären Bildungsbereich Sachsens und ein ausgesprochen attraktiver Partner für die sächsischen Unternehmen.
Kennzeichnendes Merkmal der Arbeit der Berufsakademie ist das duale Prinzip der engen Verknüpfung von akademischer Theorie und betrieblicher Praxis. Die praxisintegrierende Studienform mit ihren spezifischen Organisations- und Ablaufstrukturen hat sich als besonders erfolgreich und bedarfsgerecht für die regionale Wirtschaft erwiesen, und sie ist damit eine feste und nicht mehr wegzudenkende Größe im sächsischen Wirtschaftssystem.
Einige der Standorte der Berufsakademie liegen im ländlichen Raum und tragen dort zur weiteren Entwicklung bei, indem sie die örtliche Wirtschaft fördern, indem sie junge Menschen an die Region binden und diesen jungen Menschen Zukunftschancen eröffnen. Damit erfüllt die Berufsakademie Sachsen eine enorm wichtige Funktion im regionalen Bildungs- und Beschäftigungssystem. Die Stärkung des dualen, praxisintegrierenden Studiums ist aufgrund seiner hohen Bedeutung für die regionale Nachwuchskräftesicherung und der überdurchschnittlich hohen
Die Zahl der Studenten, die ein duales Studium absolvieren, steigt seit Jahren an. Das zeigt ganz deutlich, dass in der nachschulischen Bildung der Bedarf an einer stärkeren Verknüpfung von praxisbezogener und akademischer Bildung zunimmt.
Mit der Weiterentwicklung der Berufsakademie zur Dualen Hochschule wird das duale Studium aufgewertet. Die Duale Hochschule wird es der sächsischen Wirtschaft ermöglichen, ihren Bedarf an Fachkräften zukünftig noch zielgenauer zu decken und damit zur wirtschaftlichen, aber auch zur wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit des Freistaates beitragen.
Nicht zuletzt erfahren die Abschlüsse, die an der Dualen Hochschule erworben werden, im Vergleich zu den bisherigen Abschlüssen der Berufsakademie eine Aufwertung. Das heißt, die hier erworbenen Abschlüsse sind noch besser vergleichbar, und vor allem werden sie – und das ist das Wesentliche – noch attraktiver.
Absolventen der Berufsakademie sind bislang auch beim Zugang zu KfW-Studienkrediten, Stipendien und Programmen des Akademischen Austauschdienstes benachteiligt. Auch diesen Mangel beseitigen wir mit der Weiterentwicklung unseres Hochschulsystems.
Durch den rechtlichen Status der Berufsakademie als Hochschule werden die Abschlüsse künftig nicht mehr nur den Hochschulabschlüssen gleichgestellt sein, sondern auch in einem akademischen Grad vergeben werden können. Das wird dafür sorgen, dass Probleme bei der Anerkennung der Abschlüsse entfallen werden. Für die Absolventen bedeutet das eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt, und gleichzeitig erwarten wir, dass sich die Rekrutierung von Studenten durch die Aufwertung des Studienangebots zum Hochschulstudium verbessert. Das ist wichtig, weil sich das Wettbewerbsumfeld mit der Zunahme dualer Studienangebote verändert hat. Mit der Verleihung des Abschlusses als akademischer Grad werden dann sowohl der Studienform als auch den Absolventen dualer Studiengänge in Sachsen ganz neue Perspektiven eröffnet.
Die Berufsakademie Sachsen verfügt momentan nicht über die gleichen Ausgangsbedingungen einer Hochschule, wodurch zunehmend Probleme bei der Anwerbung qualifizierten Lehrpersonals entstehen. Die Gründe dafür sind vor allem die Verdienstmöglichkeiten und die nur im Einzelfall mögliche Durchführung transferorientierter Forschungsprojekte. Durch die geplante hochschulrechtliche Gleichstellung des Abschlusses und der hochschulischen Berufungs- und Einstellungsvoraussetzungen für hauptberufliches Lehrpersonal muss Forschung als Pflichtaufgabe und zugleich als Recht der Lehrkräfte verankert werden. Durch die Weiterentwicklung der Dualen Hochschule wird damit
ein für Hochschulen essenzieller Forschungsauftrag etabliert. Dadurch werden Wissens- und Technologietransfer und Forschung durch weitestgehend gleichberechtigte Teilnahme an Forschungsförderprogrammen von Bund und Land erleichtert. Das wiederum schafft eine höhere Attraktivität und Bindungskraft für Lehrpersonal und dient am Ende der Lehrqualität und damit auch wieder den Studentinnen und Studenten.
Die Duale Hochschule soll als zusätzliche eigenständige Hochschulart in das Sächsische Hochschulgesetz integriert werden. Dieses ist dem Landtag bereits als Entwurf zugeleitet worden. Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, haben es in der weiteren Bearbeitung. Damit wird das Konzert der sächsischen Hochschulen ergänzt und die Duale Hochschule der hervorgehobene Anbieter für das praxisintegrierende duale Studium in Sachsen werden.
Die Überführung der Berufsakademie in die Duale Hochschule bedeutet deutlich mehr Sichtbarkeit, bedeutet mehr Imagegewinn, bedeutet einen Ausgleich von Nachteilen im universitären Wettbewerb und damit – das ist das Wesentliche für die Zukunft – eine dauerhafte Konkurrenzfähigkeit unserer dualen Studienangebote.
Die Duale Hochschule soll eine rechtsfähige Körperschaft des öffentlichen Rechts werden, und sie wird so weit wie möglich an die bestehenden Strukturen unserer hochschulischen Regelungsmechanismen angeglichen. Aber dort, wo es die Spezifität dieses Erfolgsmodells erfordert, wird es ganz konkrete, besondere Regelungen geben. So wird das Hochschulgesetz, das wir zuletzt hier miteinander besprochen haben, um diese weitere Facette erweitert – sofern Sie es für richtig halten und diesen Weg gemeinsam mit uns als Staatsregierung gehen wollen.
Zum 1. April 2024 wird die Gründungsphase starten, die die Umwandlung der Berufsakademie Sachsen zur Dualen Hochschule vorbereitet, und ab 01.01.2025 soll die Duale Hochschule kraft Gesetzes errichtet werden und dann in den Regelbetrieb übergehen.
Neben der Weiterentwicklung der Berufsakademie in eine Duale Hochschule nehmen wir uns auch anderer Herausforderungen an. Eine große und vor allem dauerhafte Entwicklung und Herausforderung bleibt die Digitalisierung. Sie hat die Art und Weise verändert, wie Hochschulen in der Lehre Wissen vermitteln, wie in der Forschung neue Erkenntnisse generiert werden und vor allem auch wie Verwaltung organisiert wird. Digitale Anwendungen und digital unterstützte Prozesse helfen den Hochschulen, ihre Attraktivität zu erhöhen und ihre Zukunftsfähigkeit zu stärken – sowohl als Studienort als auch als Arbeitgeber und Ort der Lehre und der Forschung. Sie sind ein wichtiger Hebel für bessere Lernerfolge im Studium und zur Steigerung der Forschungsqualität. Gemeinsam mit unseren Hochschulen werden wir das Potenzial der Digitalisierung auf allen Ebenen noch weiter heben – für die Forscher, für die Lehrkräfte, für die Beschäftigten und für die Studenten an unseren Hochschulen. Wenn wir die Potenziale, die die
Digitalisierung bietet, voll ausschöpfen, dann werden die sächsischen Hochschulen als Bildungs- und Forschungseinrichtungen weltweit noch attraktiver im Ringen um die besten Köpfe.
Für den Bereich Digitalisierung in Studium und Lehre werden wir ortsunabhängige und zeitlich flexible Lernwege sowie digital gestützte Lösungen zur Stärkung der Lernerfolge etablieren und die Curricula an die Bedarfe der Arbeitsmärkte anpassen. Diese anspruchsvollen Ziele setzen eine Weiterentwicklung der lehr- und lernunterstützenden Infrastruktur und Didaktik voraus. Im Bereich Digitalisierung, Forschung und Transfer sind die Hochschulen bestrebt, die bestehenden Stärken aus der Digitalisierungsforschung für den digitalen Wandel der Hochschulen stärker zu nutzen und vor allem auch – und das ist wesentlich – das Forschungsdatenmanagement auszubauen.
Mit einer separaten Open Access Agenda arbeiten wir auf das übergreifende Ziel hin, offenes Publizieren wissenschaftlicher Ergebnisse aus öffentlich finanzierten Quellen als Standard an den sächsischen Hochschulen zu etablieren. Das heißt, die Ergebnisse, die aus Mitteln finanziert werden, die uns die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler zur Verfügung stellen, sollen für alle nutzbar sein, die damit arbeiten, neue Ideen entwickeln wollen und neue Wertschöpfungen auf den Weg bringen möchten. Davon und von einem verstärkten Einsatz digitaler Werkzeuge erwarten wir einen großen Mehrwert für den Transfer von Wissen in Wirtschaft, in Gesellschaft, in Kulturpolitik und natürlich auch in die Verwaltung.
Aber jede Hochschule benötigt für eine hochwertige Forschung und Lehre auch eine leistungsfähige Verwaltung. Die administrativen Prozesse müssen deshalb serviceorientiert und ganz im Sinne der Nutzer ausgestaltet sein. Die relevanten Prozesse und Dienste müssen so weiterentwickelt werden, dass sie durchgängig digital angeboten werden können, zum Beispiel für die Studenten von der Bewerbung bis zum Abschluss des Studiums.
Aber die gemeinsame digitale Gestaltung von Studium und Lehre, von Forschung und Transfer sowie der Hochschulverwaltung gelingt nur auf der Basis einer leistungsfähigen und sicheren IT-Infrastruktur. Dazu zählt eine Informationsversorgung und -verarbeitung, die den Anforderungen der Zukunft entspricht. Wir wollen – die Studenten und das Personal erwarten das zu Recht – Hochschulen mit hoher Informationssicherheit und starker Cyber-Resilienz, die die digitale Souveränität behalten und für sich nutzen.
Eine zukunftsfeste Wissenschaft in Sachsen gründet sich noch auf einer weiteren wichtigen Säule; das ist der Transfer. Der Transfer ist die Brücke von der Grundlagenforschung über die anwendungsorientierte Forschung hin zur Wertschöpfung. Er hat enormen Einfluss auf unsere Gesellschaft und die wirtschaftliche Innovationskraft. Damit sind Wissens- und Technologietransfer Eckpfeiler eines modernen, eines zukunftsgewandten Freistaates Sachsen. Transfer stellt sicher, dass Wissen aus unseren Forschungs
einrichtungen nicht in den Laboren oder in den Köpfen bleibt, sondern dass er aktiv genutzt wird. Wenn das gelingt, dann werden nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse verbreitet, sondern auch Innovationen gefördert, die neue Produkte und Dienstleistungen hervorbringen und die das Potenzial haben, ganze Industrien zu revolutionieren. Wissens- und Technologietransfer spielen also eine entscheidende Rolle bei der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Transfer ermöglicht, Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte umzuwandeln, wodurch vor allem neue Arbeitsplätze entstehen, was für die Lebensqualität der Menschen im Freistaat Sachsen von großer Bedeutung ist.
Der Austausch von Know-how ist auch ein Motor für nachhaltiges Wachstum, und er trägt dazu bei, unser Wirtschaftssystem widerstandsfähiger gegenüber globalen Veränderungen und vor allem aktuellen Transformationsprozessen zu machen. Um all das zu erreichen, ist die weitere Vernetzung und Motivation aller Beteiligten in Transferprozessen entscheidend, um innovative Lösungen für komplexe Probleme in allen Forschungsfeldern zu finden – sei es im Bereich der Gesundheitswissenschaften, Informationstechnologien, Material- und Werkstoffwissenschaften oder vielen anderen Bereichen, auch für komplexe Zusammenhänge in Transferprozessen selbst.
In einer Welt von schnellen technologischen Fortschritten und sich verändernden globalen Dynamiken ist Wissens- und Technologietransfer aber am Ende mehr als nur ein Prozess. Er ist eine lebendige Kraft, die dazu beiträgt, unser Wissen zu erweitern, unsere Gesellschaft zu stärken und die Lebensqualität für uns alle zu verbessern, letztlich die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes im internationalen Wettbewerb zu erhalten.
Dafür braucht es einen strategischen Rahmen. Deshalb arbeiten wir aktuell an der Hochschul-Innovationsstrategie Sachsen. Diese Strategie werden wir noch vor der Sommerpause 2024 ins Kabinett bringen und anschließend in die Umsetzung gehen. Gemeinsam mit etablierten Experten aus der Hochschullandschaft, dem Finanzmarkt, der Wirtschaft und dem Innovationsscouting erarbeiten wir derzeit Rahmenbedingungen und Lösungsansätze für einen reibungslosen Technologietransfer zwischen den Wissenschaftseinrichtungen und der Wirtschaft.
Wir haben die gemeinsame Vision, den Platz unserer Hochschulen in Sachsen als renommierte Innovationstreiber und Impulsgeber zur Lösung technologischer und globaler Herausforderungen weiter auszubauen. Unser Ziel ist es, die bedeutende Rolle der Hochschulen für unsere regionale Wirtschaft herauszustellen und die Kultur des Transfers an diesen Bildungseinrichtungen zu stärken.
Erstens wollen wir die Anerkennung der Hochschulen durch die regionale Wirtschaft steigern. Es ist unerlässlich, die essenzielle Rolle der Hochschulen als Katalysatoren für wirtschaftliches Wachstum und Innovation zu würdigen.
Wir werden die Verbindung zwischen akademischer Forschung und der regionalen Wirtschaft weiter festigen.
Zweitens werden wir die Transferkultur an den Hochschulen stärken. Wir sind entschlossen, eine Atmosphäre zu schaffen, die den Transfer von Wissen, Ideen und Technologien aus den Hochschulen in die Wirtschaft fördert. Das beinhaltet die Schaffung von Anreizen sowie die Schaffung von Strukturen, die den Austausch zwischen Forschung und Praxis erleichtern.
Drittens setzen wir uns dafür ein, dass Forschungsergebnisse schneller in die Wirtschaft übertragen werden. Wir werden Prozesse optimieren. Wir werden innovative Mechanismen einführen, um sicherzustellen, dass Forschungsergebnisse zügig in marktfähige Produkte und Dienstleistungen umgewandelt werden können.
Viertens wollen wir mit all den Maßnahmen auch den Beitrag des Transfers zur regionalen Wirtschaft steigern. Unser Bestreben ist es, den Beitrag des Transfers zur regionalen Wirtschaft spürbar zu erhöhen, indem wir gezielt Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen fördern und unterstützen.
Und fünftens werden wir die Rahmenbedingungen für Transfers optimieren, indem wir administrative Hürden abbauen, Finanzierungswerkzeuge optimieren und ausbauen, Ressourcen bereitstellen und den Austausch zwischen Hochschule, Wirtschaft und anderen Akteuren fördern.
Diese fünf grundlegenden Ziele bilden das Fundament unserer Hochschul-Innovationsstrategie. Ich bin überzeugt davon, dass eine dynamische und effiziente Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und der Wirtschaft nicht nur die Innovationskraft in unseren Regionen stärken wird, sondern dass wir damit auch langfristig zu einer florierenden und nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung beitragen werden.
Die zentralen Ziele und Inhalte der strategischen Ansätze – sowohl bei der Digitalisierung als auch im Bereich Transfer – fließen in die Sächsische Hochschulentwicklungsplanung und in die entsprechenden Zielvereinbarungen mit den Hochschulen ein. Das ist am Ende die Voraussetzung dafür, dass den Hochschulen die Ressourcen dafür zur Verfügung gestellt werden können; denn das sind umfangreiche Aufgaben. Das sind Aufgaben, die über Jahre, wenn nicht über Jahrzehnte gehen werden, und dafür sollen die Hochschulen selbstverständlich auch nachhaltig abgesichert, finanziert und zukunftssicher planbar ausgestattet sein.
Forschung ist die Basis von Innovationsfähigkeit und damit von Innovationen und Fortschritt. Sie hat eine Schlüsselfunktion für die Wettbewerbsfähigkeit, für die technologische Leistungsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften. In Sachsen wurde in den letzten Jahrzehnten Beeindruckendes aufgebaut. Aber die Forschungsinfrastrukturen bei uns in Sachsen haben ein solch hohes, mit internationalen Maßstäben messbares Niveau erreicht, dass wir uns heute den Fragen stellen müssen: Wo stehen wir? Wohin wollen
wir? Worin liegen die Stärken? Wo gilt es, in Zukunft weiter zu investieren? Wie gelingt es, dieses hohe Niveau, das ich beschrieben habe, in unserer Forschungslandschaft nicht nur zu halten, sondern auch weiterzuentwickeln? Welche Herausforderungen müssen wir in Sachsen in vielversprechenden Zukunftsfeldern der Forschung meistern, um Entwicklungen national und international mitprägen zu können? Wie schaffen wir es, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für unsere Wissenschaftler in unseren Wissenschaftseinrichtungen herbeizuführen?
Mit all diesen und vielen weiteren Fragen haben wir uns in den vergangenen zwei Jahren im Projekt „Weißbuch für die Forschung in öffentlichen Wissenschaftseinrichtungen im Freistaat Sachsen“ auseinandergesetzt. Das ist ein extrem anspruchsvoller Beteiligungsprozess gewesen, der letztlich zu diesem Ergebnis, dem Weißbuch, geführt hat, das wir im vergangenen Monat am 10. November 2023 in Dresden der Öffentlichkeit vorstellen konnten. Einige von Ihnen waren anwesend. Wer das nicht ermöglichen konnte, der kann auf der Homepage des Ministeriums dieses Weißbuch abrufen und sich das Ergebnis dieses Prozesses anschauen. Unser Ziel war es, Forschung in Sachsen erstmals ganzheitlich zu betrachten.
Ausgangspunkt war zunächst eine fundierte Analyse von Stärken und Schwächen der sächsischen Forschungslandschaft. Diese Analyse gibt einen zusammenfassenden Überblick über den aktuellen Istzustand und ermöglicht gleichzeitig ein Verständnis von Strukturen und Rahmenbedingungen der sächsischen Forschung. Wir haben im Rahmen dieser Analyse verschiedene Handlungsfelder identifiziert. Themen wie Inter- und Transdisziplinarität, Transfer, Internationalisierung, Sichtbarkeit und Vernetzung sind die großen Schwerpunkte, die hier als Herausforderung für die Landschaft in Zukunft identifiziert wurden.
Parallel dazu – das dürfte Sie in diesem Hohen Haus besonders interessierten – wurde die aus Landesmitteln finanzierte Forschungsförderung, die sogenannte Titelgruppe 70, evaluiert und untersucht, und das Ergebnis ist beeindruckend. Es ist dabei nämlich herausgekommen, dass jeder Euro, der über diese Landesforschungsförderung, die ein sehr schlankes, ein sehr flexibles Instrumentarium ist, eingesetzt wird, zu drei Euro Drittmitteln führt. Das heißt, wir heben mit diesem Einsatz von Steuergeldern zusätzliche Ressourcen für unsere Forschung – ganz explizit in Sachsen – sehr schnell, flexibel und zielgerichtet.