Wir erwarten, dass sich die Landesregierung diesbezüglich endlich klar positioniert und sich an anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern oder Rheinland-Pfalz orientiert. Natürlich sollten bei einem derartigen Masterplan die regionalen Besonderheiten bzw. Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet werden.
Vielleicht lassen Sie sich zur Bildung einer Expertenkommission animieren, die Handlungsoptionen erarbeitet, die dann wiederum in Regionalkonferenzen landesweit vorgestellt und zu Projektideen weiterentwickelt werden können.
Außerdem sehen wir dringenden Handlungsbedarf mit Blick auf die Optimierung der Netzwerkarbeit und für die Entwicklung von Strategien für einzelne Bereiche, beispielsweise hinsichtlich einer Verknüpfung der Gesundheitswirtschaft mit der Ernährungswirtschaft, einer Verknüpfung der Kur- und Heilbäderstruktur mit dem Tourismus, einer Verknüpfung von Fragen der gesunden Ernährung mit Bildung und Erwachsenenqualifizierung. Dieses Feld kann nach unserer Auffassung vielfältig und erfolgreich beackert werden.
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die NordLB hat mit einer Studie aus dem Jahr 2011 zum Thema Gesundheitswirtschaft den Versuch gestartet, die heterogene Entwicklung auf diesem Gebiet zu strukturieren. Mit der Antwort auf die Große Anfrage wurden zumindest die Handlungsfelder offengelegt.
Wir sind uns dessen bewusst, dass das Thema mit dem heutigen Tag nicht beendet ist. Heute und morgen tagt in Warnemünde die Nationale Branchenkonferenz zur Gesundheitswirtschaft in Deutschland. In einigen Bundesländern gibt es - das sagte ich bereits - umfangreiche Konzepte, um die nationale Verantwortung mit föderalen Aspekten zu verbinden.
Wir würden uns wünschen, dass Sachsen-Anhalt Anschluss zu den erfolgreich agierenden Bundesländern findet. - Vielen Dank.
Herr Kollege, eine sekundengenaue Landung verdient eine Erwähnung. - Jetzt spricht für die Landesregierung Minister Herr Bischoff. Bitte schön, Herr Minister, Sie haben das Wort.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dr. Thiel, Gesundheit geht wahrscheinlich alle an. Das Thema umfasst Bereiche wie: gesund groß werden, gesunde Kindheit, gesundes Altern, gesund im Betrieb, gesund zu Hause und manche reden auch von gesundem Schlaf. - Ich hoffe, nicht jetzt hier im Landtag.
Dies ist ein sehr komplexes Thema, das man mit Blick auf die Frage, wo man Schwerpunkte setzt, intensiv auseinandernehmen könnte.
Aus dieser Großen Anfrage - das trifft nicht auf alle Großen Anfragen zu - ziehe ich selbst einen großen Nutzen. Für die Recherchen zu dieser Anfrage haben wir uns viel Zeit genommen. Dies hat eine ganze Weile gedauert.
Wenn man sich das Zahlenmaterial ansieht - die Anhänge mit Tabellen und Ähnlichem nehmen eigentlich den größeren Teil ein -, dann wird man merken, dass viele Daten nicht zur Verfügung stehen, einige aber doch. Wenn alle Daten zur Verfügung stünden, dann wäre der Anhang wahrscheinlich noch umfangreicher.
Dass die Gesundheitswirtschaft zu den Wachstumsbranchen zählt, ist noch nicht sehr lange der Fall. In den letzten fünf bis sechs Jahren ist die Branche immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Manche vergleichen sie auch schon mit der Automobilindustrie, die die Gesundheitswirtschaft angeblich teilweise schon überrundet hätte.
Die Studie der NordLB zur Gesundheitswirtschaft nimmt an dieser Stelle durchaus eine Unterscheidung vor. Es ist wirklich schwierig abzugrenzen, wo der pflegerische Bereich, der Wellnessbereich, der Tourismusbereich beginnen und wo der Bereich beginnt, in dem es um Medizinprodukte und Industrie geht.
Diese Studie bezeichnet als Gesundheitswirtschaft im engeren Sinne Krankenhäuser, Pflegeheime, ambulante, medizinische und pflegerische Versorgungseinrichtungen und den Rettungsdienst und als Gesundheitswirtschaft im weiteren Sinne die Pharmaunternehmen, die Medizinproduktion, die Hilfsmittelhersteller usw.
Es ist richtig: Von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen-Anhalt arbeiten 17,3 % in einem Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. In den letzten fünf Jahren - Sie haben vorhin einen längeren Zeitraum gewählt - ist diese Quote in Sachsen-Anhalt um jeweils einen Prozentpunkt gestiegen.
Im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft wird die Gesundheitswirtschaft wahrscheinlich weiterhin stärker wachsen. Das ist klar. Der wesentliche Grund dafür ist die demografische Entwicklung: Ältere Menschen nehmen die medizinischen Versorgungsangebote häufiger in Anspruch als jüngere Menschen. Sie benötigen auch häufiger Medizinprodukte und sie nutzen Rehabilitations- und Kureinrichtungen in stärkerem Maße.
Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass vieles auch davon abhängt, wie man finanziell ausgestattet ist. Darauf haben Sie bereits hingewiesen. Wir wissen auch, dass wir alle und auch ältere Menschen gesünder leben und sich mehr bewegen. Das sieht man etwa am Beispiel des Radtourismus.
Es hat nicht alles nur mit dem Geld zu tun, sondern auch damit, wie bewusst jemand lebt, wie bewusst seine Lebenseinstellung ist. An dieser Stelle machen uns die Älteren manchmal etwas vor. Es hat einerseits etwas mit dem medizinischen Fortschritt zu tun, andererseits aber auch mit der Lebenseinstellung und mit präventiven Maßnahmen, die jeder für sich selbst organisieren muss.
Sachsen-Anhalt hat gute Voraussetzungen, um der weiter steigenden Nachfrage nach qualifiziertem Personal gerecht zu werden. Es existiert ein dichtes Netz von staatlichen und staatlich anerkannten freien Berufs- und Fachschulen sowie von Weiterbildungseinrichtungen, die Menschen für die Berufe in der Gesundheitswirtschaft qualifizieren.
Universitäten und Fachhochschulen bieten darüber hinaus Studiengänge mit Gesundheitsbezug, beispielsweise zahnmedizinische und pharmazeutische Fächer, aber auch Gesundheits- und Pflegewissenschaften und Gesundheitsmanagement. Einige sind heute Morgen schon genannt worden, als es um die Universitätskliniken selbst ging.
Zusammengefasst kann man sagen, dass Sachsen-Anhalt einen Gesundheitswirtschaftssektor hat, der auch künftig ein bedeutender Wachstumsmotor sein kann.
Die Antwort auf die Große Anfrage weist auch auf künftige Handlungsfelder in der Gesundheitswirtschaft hin, insbesondere in einigen Bereichen der Gesundheitswirtschaft - darauf möchte ich gleich kurz eingehen - und in einigen Bereichen des Gesundheitswesens - wenn man die Unterscheidung
So wird die künftige Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung in einwohnerarmen und strukturschwachen Regionen weitere Anstrengungen nötig machen und es werden gute Ideen gefragt sein. Diesbezüglich sind wir in SachsenAnhalt bundesweit Vorreiter gewesen, nicht nur bei der Vergabe von Stipendien an junge Medizinerinnen und Mediziner, wenn sie sich in SachsenAnhalt als Hausärzte niederlassen, sondern wir haben auch mit den Zweigstellen, aber auch mit den vernetzen Arztpraxen, von denen in der Altmark drei existieren, gute Erfahrungen gemacht.
Einige Menschen sind sogar der Meinung, dass die von der KV betriebenen vernetzten Einrichtungen, in denen stundenweise Fachärzte tätig sind, besser sind als das, was die früheren Hausarztpraxen bieten konnten.
Auf die Praxisassistentinnen, die diese Einrichtungen meist führen, kommt durch die stundenweise tätigen Fachärzte eine große Aufgabe zu, nämlich dies logistisch zu organisieren und mit den Menschen, die einen entsprechenden Bedarf haben, einen Termin zu vereinbaren, wenn der Facharzt, den sie benötigen, anwesend ist.
Die anderen Anstrengungen möchte ich jetzt nicht erwähnen, beispielsweise wie viele ausländische Ärzte für das Land Sachsen-Anhalt angeworben werden konnten und welche Anstrengungen damit verbunden sind, etwa im Hinblick auf die Sprachkenntnisse. Dazu möchte ich jetzt nicht weiter ausführen.
In einigen weiteren spezialisierten Bereichen kann sich künftig ein Fachkräftemangel entwickeln. Dies muss man im Blick haben. Beispielhaft sei der Bereich der Pflege genannt, obgleich derzeit - auch wenn dies immer laut gesagt wird - in SachsenAnhalt kein akuter Fachkräftemängel erkennbar ist. Wir hören dies immer, aber wir wissen es besser.
Die Prognosen zur Entwicklung der Anzahl der pflegebedürftigen Menschen zeigen, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in diesem Bereich weiter zunehmen wird. An dieser Stelle sehe ich durchaus Handlungsbedarf. Wir müssen vorhandene Potenziale voll ausschöpfen, um möglichst viele Menschen für eine Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich zu gewinnen.
Ich freue mich sehr, dass es dem Bund, den Ländern, den Verbänden und den Kassen mit der gemeinsamen Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege gelungen ist, eine gute Basis zu schaffen. Die Landesregierung wird sich intensiv in die Umsetzung der Offensive einbringen und die dem Land zugewiesenen Aufgaben abarbeiten.
das Ziel einer angemessenen Ausbildungsvergütung. Der Träger der praktischen Ausbildung hat für die gesamte Dauer der Ausbildung eine angemessene Ausbildungsvergütung zu zahlen. Bisher wurde dies in Sachsen-Anhalt durch die ausbildenden Einrichtungen und Betriebe meines Erachtens noch oder vollumfänglich umgesetzt.
Dies wird in § 17 Abs. 1 des Altenpflegegesetzes auch im Hinblick auf die Höhe einer angemessenen Vergütung geregelt. Das Kultusministerium wird den Altenpflegeschulen entsprechende Vorgaben an die Hand geben; denn ohne eine angemessene Ausbildungsvergütung wird es nicht möglich sein, diesen Ausbildungsberuf für junge Menschen von Anfang an attraktiv zu gestalten.
Die Antwort auf die Große Anfrage verdeutlicht auch, welches Potenzial in der Gesundheitswirtschaft im Land liegt. Auch dieser Sektor kann zukünftig Wachstumsmotor sein.
Die künftigen Herausforderungen ergeben sich dabei aber nicht ausschließlich aus den erkennbar wachsenden Bedarfen im Gesundheitswesen, sondern aus neuen Technologien, den internationalen Wissensströmen und einem zunehmend enger werdenden Arbeitsmarkt, insbesondere bei hochqualifizierten mobilen Arbeitskräften.
Die Attraktivität des Gesundheitswirtschaftsstandortes Sachsen-Anhalt bemisst sich nicht nur, aber auch an den Verdienstchancen und an weiteren zentralen Rahmenbedingungen. Dabei handelt es sich um Standortfaktoren wie Kinderbetreuung, Kultur, Entwicklungs- und Aufstiegschancen von Fachkräften, Fort- und Weiterbildung und Ähnliches. Diese Rahmenbedingungen mitzugestalten liegt im Verantwortungsbereich der Landesregierung und in dem der Unternehmen der Gesundheitswirtschaft.
An dieser Stelle legt die Antwort auf die Große Anfrage nicht nahe, neue Projekte zur Stärkung der Gesundheitswirtschaft im Land aufzulegen. Vielmehr geht es darum, die vorhandenen und die bewährten Strukturen in der Gesundheitswirtschaft noch enger zu vernetzen.
Zu diesem Ergebnis kam auch eine interministerielle Arbeitsgruppe, die aus Vertretern des Wirtschaftsministeriums, des Kultusministeriums, des Umweltministeriums und des Sozialministeriums bestand. Diese sollte auch überprüfen, ob in den Konzepten anderer Bundesländer Anregungen für das Land Sachsen-Anhalt nutzbar oder erkennbar sind.
Dazu wurde der sehr umfassende Masterplan mit dem Titel „Gesundheitswirtschaft MecklenburgVorpommern 2020“ analysiert. Dabei wurde erkennbar, dass in unserem Land bereits vielfältige Strategien im Zusammenhang mit der Gesundheitswirtschaft verfolgt werden, die ganz klar mit
Im Hinblick auf den Gesundheitstourismus ist Mecklenburg-Vorpommern gegenüber SachsenAnhalt allerdings klar im Vorteil. Dies liegt an den dortigen Strukturen. Insofern sind die Potenziale dort weitaus größer.
Dagegen ist in Sachsen-Anhalt im Hinblick auf die Bereiche Gesundheitswesen, Bildung und Forschung im Gesundheitsbereich, Hochleistungsmedizin, Ernährung und Gesundheit und weitere Schwerpunkte sehr gut aufgestellt; jedenfalls besser als das Land im Norden.
Wie geht es nun weiter? - Aus meiner Sicht brauchen wir keine neuen Programme zur Förderung der Gesundheitswirtschaft und auch keinen Masterplan - zumindest nicht nach dem Vorbild Mecklenburg-Vorpommerns.
Wir werden uns aber ressortübergreifend darum bemühen, die bereits bestehende Zusammenarbeit der Akteure im Rahmen der verschiedenen Handlungsschwerpunkte weiter zu intensivieren und zu verbessern. Das gilt für den Bereich Gesundheitstourismus genauso wie für den Bereich der Medizintechnik und der Medizinprodukte.
Aus dem Landtag und von Abgeordneten aus unterschiedlichen Regionen ist an mich schon die Bitte herangetragen worden, dort unterstützend tätig zu werden, wo Aktivitäten vor Ort vorhanden sind, also die regionale Gesundheitswirtschaft mit den Akteuren vor Ort zu bilden.
Ich glaube, dass unsere Aufgabe darin liegt, dieses Thema zu begleiten. Dies können auch Themen wie Prävention und Gesundheitsförderung, Ernährung, Tourismus und Lehre und Forschung sein. Wir sollten und werden uns verstärkt fachlich an diesen regionalen Strategien beteiligen und die sogenannten Gesundheitsregionen oder -kommunen, wie sie sich nennen, unterstützen.
Es muss dabei aber deutlich gemacht werden: Die Initiative kann meiner Meinung nach nicht von oben verordnet werden, also von den Ministerien ausgehend zu den Handelnden auf der Ebene der Landkreise oder Kommunen, sondern die obersten Landesbehörden können und sollten dabei eine Plattform bieten und durch die Beteiligung der Ministerien den Konzepten auch politische Bedeutung verleihen. Diesbezüglich sehe ich jedenfalls im Feld der Gesundheitswirtschaft eine große Aufgabe.
Vielleicht zum Schluss: Wir haben in den letzten zwei Jahren schon viele Veranstaltungen auch mit dem Wirtschaftsministerium und mit den Akteuren durchgeführt und dabei auch einmal verglichen, wie der Stand in den anderen Ländern ist. Man kommt immer schnell auf Mecklenburg-Vorpom