Protokoll der Sitzung vom 14.12.2006

(Zuruf des Abg. Alfred Winkler SPD)

Die CDU wirkt genauso orientierungslos wie die SPD. Die einen entscheiden per Zuruf über den Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, die anderen lassen jegliche Souveränität vermissen, führen hier die nächste Folge der „Mappus-Show“ auf,

(Heiterkeit bei Abgeordneten der Grünen und der SPD)

immer mit dem Untertitel: „Hau die Vogt“.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der Grünen)

Deswegen möchte ich Sie ganz zum Schluss – Herr Präsident, ich komme auch schon zum Ende – an die real existierende Große Koalition von 1995 erinnern.

(Abg. Stefan Mappus CDU: Fasching ist erst im Februar! – Gegenruf der Abg. Ursula Haußmann SPD: Das sagt der Richtige!)

Da stand im „Spiegel“:

Die Sammlung der badischen Markgrafen wird versteigert –

im Übrigen durch Graf Douglas –

nach einer Fehlentscheidung der Stuttgarter Landesregierung.

Das war alles schon einmal da. Man muss eben aus der Geschichte lernen.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der Grünen und der SPD – Zuruf des Abg. Stefan Mappus CDU – Zu- ruf von der SPD: Siehe Buddenbrooks!)

Jetzt zitiere ich aus der Ausgabe 28/95 des „Spiegel“:

Von Beginn an war die Sache ins Räderwerk der Stuttgarter Koalitionsquerelen geraten. Während sich CDU-Politiker, ein Jahr vor der Landtagswahl, eher kunstfreundlich, heimat- und monarchieverbunden zeigten,

(Heiterkeit bei den Grünen und der SPD)

wollte Wirtschaftsminister Dieter Spöri... „keine Mark dem Markgrafen“ zugestehen,

(Heiterkeit bei Abgeordneten der Grünen und der SPD)

sondern ihn auf seinem angeblichen „Fürstennippes“ sitzenlassen.

(Heiterkeit und Beifall bei den Grünen und der SPD)

Darin – das, meine Damen und Herren, ganz zum Schluss – liegt der Verfall der CDU: Kunst- und heimatverbunden sind Sie nicht mehr, nur noch monarchieverbunden.

(Heiterkeit bei den Grünen und der SPD)

Danke.

(Lebhafter Beifall bei den Grünen und der SPD – Zuruf des Abg. Stefan Mappus CDU)

Für die Fraktion der FDP/DVP erteile ich Herrn Abg. Bachmann das Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! In dieser heutigen Debatte ist es ein Vorteil, nicht als erste Fraktion sprechen zu müssen. Das gibt nämlich die Gelegenheit, die Dinge einmal wieder auf eine sachliche Ebene zurückzubringen.

(Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP und des Abg. Helmut Walter Rüeck CDU – Abg. Carla Bregenzer SPD: Wir sind sehr froh, dass wir Sie haben!)

Vielleicht sollte man zu Beginn auch sagen: Dieses Thema eignet sich eben nicht wirklich für tumultartige Szenen. Dafür ist es zu wichtig, Herr Kollege Walter.

(Abg. Winfried Kretschmann GRÜNE: Sie haben noch nie einen Tumult erlebt!)

Ich will meine Ausführungen anhand von drei Fragen vortragen. Erstens: Worum geht es heute? Zweitens: Worum geht es heute nicht? Drittens: Wie entscheidet sich unsere Fraktion, die FDP/DVP?

(Abg. Reinhold Gall SPD: Das wissen wir auch schon!)

Worum geht es heute?

(Unruhe)

Es geht um nichts Geringeres als um eine elementare Grundlage des demokratischen Rechtsstaats. Es geht um die Gewaltenteilung,

(Abg. Ute Vogt SPD: Ja!)

genauer gesagt um die Abgrenzung der Kompetenzen von Legislative und Exekutive.

(Abg. Ute Vogt SPD: Genau!)

Lassen Sie mich hierzu keinen Geringeren als Montesquieu zitieren:

(Zurufe von der SPD: Oi!)

Sobald... die legislative Befugnis mit der exekutiven verbunden ist, gibt es keine Freiheit.

Die Trennung der Gewalten ist es, die den demokratischen Rechtsstaat ausmacht. Keine Gewalt darf der anderen übergeordnet sein, soll die Balance nicht aus den Fugen geraten. Keine Gewalt darf in den Kernbereich der anderen eingrei

fen. Und keine Gewalt darf im Kernbereich der anderen Kontrolle ausüben.

Das gilt auch für das Parlament, das den Kernbereich der Regierungsarbeit nicht antasten darf – auch nicht durch einen Untersuchungsausschuss. Zu diesem Kernbereich zählt die regierungsinterne Meinungsbildung und Entscheidungsfindung, wie alle Gutachten ja zeigen. Der vom Bundesverfassungsgericht aufgestellte Grundsatz der Ex-post-Kontrolle besagt, dass das Parlament nicht mittels eines Untersuchungsausschusses in laufende Verhandlungen und Entscheidungsvorbereitungen eingreifen darf.

Die Frage, um die es heute geht, ist also, ob – wie es der Antrag der SPD-Fraktion formuliert – ein Handeln von Landesregierung und Landesbehörden beim Erwerb von Kunst- und Kulturgütern vorliegt oder ob dieses Handeln eben noch vorbereitet wird. Die Abgrenzung von Vorbereitung und Durchführung ist eine der schwierigsten Fragen in der ganzen Rechtswissenschaft. Ich werde später bei der dritten Frage, wie wir uns entscheiden, darauf näher eingehen.

(Zuruf der Abg. Ute Vogt SPD)

Lassen Sie mich damit zu der zweiten Frage kommen: Worum geht es heute nicht? Es geht nicht um die Frage, wie wir zu den Rechten von parlamentarischen Minderheiten stehen.

(Zuruf von der SPD: Doch!)

Was ist das überhaupt für eine Frage?

(Zuruf der Abg. Ute Vogt SPD)

Es ist doch nicht in unser Belieben gestellt, ob wir einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Die Landesverfassung hat klipp und klar Folgendes geregelt – ich zitiere:

Der Landtag hat... auf Antrag von einem Viertel seiner Mitglieder die Pflicht, Untersuchungsausschüsse einzusetzen.