Protokoll der Sitzung vom 08.10.2009

(Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der CDU)

Für die Landesregierung erteile ich Herrn Kultusminister Rau das Wort.

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Landesregierung hat das achtjährige Gymnasium mit Umsicht und Augenmaß eingeführt,

(Lachen des Abg. Jürgen Walter GRÜNE)

und wir werden das Jahr 2012 mit seinen zwei Abiturjahrgängen besonders gründlich vorbereiten.

(Zuruf der Abg. Bärbl Mielich GRÜNE)

Das Jahr 2012 markiert insofern eine Sondersituation in der Geschichte der Abiturprüfungen, als in den allgemeinbildenden Gymnasien zwei Jahrgänge aus Schulkonzepten, die nicht identisch sind, zur Abschlussprüfung antreten. Der erste vollständige G-8-Jahrgang im Jahr 2012 wird zeigen, dass die Schüler eine erfolgreiche Schullaufbahn durchlaufen haben werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Ergebnisse – die vergleichbar sein werden – als Beweis dafür werden vorlegen können, dass die Absolventen des achtjährigen Gymnasiums über vergleichbare Kompetenzen verfügen, dass sie gemeinsam die Standards für das Abitur erreichen und damit eine gute Grundlage für die weitere Laufbahn – sei es in den Hochschulen, sei es in der beruflichen Bildung – haben werden.

Ich will zum achtjährigen Gymnasium noch einige Fakten erwähnen, auf denen aufzubauen ist, weil auch heute wieder unsinnige Behauptungen aufgestellt wurden, die vielleicht in den Wunschkatalog der Opposition gehören,

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Die sie gern hät- ten!)

aber nichts mit der Realität zu tun haben.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Genau! Das ist der Punkt!)

Erstens: Die flächendeckende Einführung von G 8 war in Baden-Württemberg jahrelang vorbereitet.

(Abg. Dieter Kleinmann FDP/DVP: Sehr richtig!)

Wir hatten an einem Viertel der Gymnasien bereits G-8-Züge, als wir das G 8 flächendeckend einführten.

(Abg. Renate Rastätter GRÜNE: Aber nicht mit den neuen Bildungsplänen! Das waren noch die gleichen wie zuvor!)

Wir haben für das G 8 einen eigenen Bildungsplan entwickelt, der genau dem Bedürfnis entsprach, die Inhalte des neunjährigen Gymnasiums nicht in acht Jahre zu packen,

(Abg. Hagen Kluck FDP/DVP: Genau!)

und dem ein neues Bildungskonzept mit reduziertem verpflichtendem Unterrichtsstoff und neuen Zielsetzungen im Bereich der Kompetenzen zugrunde liegt.

Die Bildungsplanreform und die flächendeckende Einführung des achtjährigen Gymnasiums werden an den Schulen mit viel Engagement, mit pädagogischer Innovationsbereitschaft und Qualitätsbewusstsein umgesetzt. Ich weiß, dass besonders in der Einführungsphase auch Klagen über zu hohe Belastungen gekommen sind. Wir haben diese immer ernst genommen, haben den Schulen schon früh den konkreten Hinweis gegeben, dass in den Klassenstufen 5 und 6 nicht mehr als 32 Wochenstunden gehalten werden sollen.

Des Weiteren haben wir die Zahl der Poolstunden – das sind von der Schule frei einsetzbare Stunden – auf zehn Stunden

festgelegt, und wir haben die Poolstunden für die Jahrgangsstufen des Kurssystems geöffnet. Außerdem haben wir deutlich gemacht, dass die Poolstunden auch zur Teilung von Klassen eingesetzt werden können. Die Schulen, die das machen, haben damit bis zu fünf Jahreswochenstunden aus dem verpflichtenden Stundenplan zugunsten der Stärkung der individuellen Förderung reduzieren können. Das war sicher eine sehr zielführende Maßnahme.

Wir haben an den Schulen das Thema Hausaufgabenbetreuung aufgegriffen und geben jeder Schule sowohl Zeit als auch Budget, um eine Hausaufgabenbetreuung zu organisieren. Wir sehen, dass sie überall stattfindet. Wir sehen auch, dass die Nachfrage sehr unterschiedlich ist. Das Thema kann nicht so dringend gewesen sein, wie es in den Reden der Opposition im Landtag immer wieder vorgetragen wurde.

(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP – Abg. Ste- phan Braun SPD: Gut, dass das im Protokoll steht!)

Wir haben all diese Maßnahmen in der Qualitätsoffensive Gymnasium zusammengefasst, und wir sind sicher, dass wir in drei Jahren den Beleg dafür haben werden, dass das achtjährige Gymnasium im Ergebnis positiv und gut für die Schülerinnen und Schüler ist.

Jetzt aber zu den Vorbereitungen auf das Abitur im Jahr 2012. Der letzte Jahrgang des neunjährigen und der erste Jahrgang des achtjährigen Gymnasiums werden gemeinsam die Reifeprüfung ablegen. Beide Jahrgänge werden ab dem Schuljahr 2010/2011, also ab September kommenden Jahres, in einer gemeinsamen Kursstufe zusammengeführt und erhalten im Abitur auch die gleichen Prüfungsaufgaben. Wir haben rechtzeitig die dafür notwendigen inhaltlichen und organisatorischen Voraussetzungen für unsere Schulen geschaffen. Für die G-8-Schüler gilt, wie ich vorhin dargelegt habe, der neue Bildungsplan 2004, und für die G-9-Schüler der Kursstufenplan 2001. Wir haben die Schnittmengen aus diesen beiden Plänen gebildet, und nur aus diesen Schnittmengen werden die Abiturprüfungsaufgaben gestellt werden, sodass ganz klar ist, dass sich alle Schülerinnen und Schüler auf stoffliche Inhalte beziehen können, die während ihrer Oberstufenzeit behandelt worden sind.

Die Schnittmengen sind bereits als ergänzende Hinweise in den Schwerpunktthemenerlass „Abitur 2012“ aufgenommen worden; dieser ist am 10. Juni 2009 an die Schulen versandt worden. Die Gymnasien haben damit Gelegenheit, sich ohne Zeitdruck und ganz ausführlich auf die gemeinsame Kursstufe und das Abitur 2012 vorzubereiten.

Wichtig ist für die Gymnasien in dieser besonderen Situation: Die gemeinsame Kursstufe ist kein Sparmodell, sondern eine pädagogische Entscheidung. Deshalb wird die Unterrichtszuweisung für die gemeinsame Kursstufe so gestaltet, als ob hier zwei Jahrgänge getrennt geführt würden.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Höchst hilfreich!)

Damit haben die Schulen einen erheblichen Spielraum, um die gemeinsame Kursstufe gut realisieren zu können.

Wir wissen, dass die Gymnasien im Zusammenhang mit dem Abitur 2012 einen Mehraufwand haben. Auch hier haben wir vorgesorgt. Für die Zusatzbelastungen durch eine aufwen

digere Organisation und Stundenplangestaltung erhalten die Gymnasien eine zeitlich begrenzte Sonderzuweisung von rund 70 Deputaten im Schuljahr 2010/2011 und 115 Deputaten im Schuljahr 2011/2012. Für den erhöhten Beratungsaufwand in der Oberstufe erhalten sie noch einmal eine zeitlich begrenzte Sonderzuweisung im Umfang von je 50 Deputaten für die beiden Jahre.

Ich glaube, damit machen wir deutlich, dass wir sehen, in welcher Verantwortung wir stehen. Wir wollen den Schulen die Unterstützung geben, die sie brauchen. Ich habe mir von den Vorsitzenden der Vereinigung der Oberstudiendirektoren im Land sagen lassen, dass sie mit dieser Vorbereitung sehr zufrieden sind und dass sie sehr optimistisch sind, was den Erfolg dieser Abiturprüfungen angeht.

Schließlich wird die Abiturprüfung 2012 auch so normal wie möglich durchgeführt. Das heißt, es bleibt beim üblichen Zeitrahmen: Das schriftliche Abitur findet direkt vor den Osterferien und das mündliche Abitur nach den Pfingstferien statt. Lediglich der Prüfungszeitraum für das mündliche Abitur wird um vier Tage verlängert. Aber es ist klar: Alle Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrgangs 2012 werden ihr Abiturzeugnis spätestens am Freitag, 29. Juni 2012 in Händen halten. Sie sehen, wir sind konkret und gut vorbereitet.

(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP)

Nun sind hier auch die Anschlussfragen angesprochen worden. Dazu hat der Kollege Frankenberg schon gestern im Rahmen der Regierungsbefragung einiges sagen können. Heute sind noch einmal Fragen aufgeworfen worden, die eigentlich schon gestern beantwortet wurden. Ich will in diesem Zusammenhang einmal mit einem aufräumen: Die Sprecher der Opposition haben wieder einmal vom „doppelten Abiturjahrgang 2012“ gesprochen. Wenn Sie in allen Fragen, die Sie hier thematisieren, so rechnen wie hier, dann wundert mich vieles von dem, was Sie uns hier vorführen, nicht mehr.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU und der FDP/ DVP – Abg. Renate Rastätter GRÜNE: Und umge- kehrt!)

Wir haben für das Jahr 2011 als Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die die Fachhochschulreife, die fachgebundene Hochschulreife oder das Abitur erwerben, 64 000 ermittelt. Im Jahr 2012 werden es 87 000 sein.

(Abg. Renate Rastätter GRÜNE: Ja, genau!)

Wenn 87 000 das Doppelte von 64 000 ist, dann muss ich sagen: Sie sind sehr großzügig im Runden, aber zum Rechnen taugen Sie nicht.

(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP – Abg. Karl- Wilhelm Röhm CDU: Genau! – Glocke des Präsi- denten)

Herr Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abg. Winkler?

(Abg. Dr. Stefan Scheffold CDU: Eine Rechenfra- ge!)

Er will sicher nachrechnen. – Bitte.

Bitte, Herr Abgeordneter.

(Abg. Volker Schebesta CDU: Winkler rechnet! – Abg. Dr. Klaus Schüle CDU: Alfred, sei vorsich- tig!)

Herr Minister, keine mathematische Zwischenfrage.

(Abg. Volker Schebesta CDU: Schade!)

Ihr Eingangssatz hat gelautet, dass die Landesregierung für die zwei Abiturjahrgänge besonders gründlich vorbereitet sei. Sie kommen jetzt auf die Nachfolge bei diesen zwei Abiturjahrgängen. Den Hinweis auf die Studienplätze werden Sie noch geben.

Aber jetzt zu meiner Frage, Herr Minister. Zwischen 20 und 25 % der Abiturienten machen zurzeit eine Lehre. Wenn auch diese in doppelter Zahl auf den Lehrstellenmarkt kommen, ist es eine Frage der Angebote der Gewerbeschulen, der Berufskollegs, der Berufsfachschulen und eine Frage des Lehrstellenangebots, wie aufnahmefähig diese für einen erhöhten Jahrgang sind.

Richtig.

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