Protokoll der Sitzung vom 24.05.2012

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD)

Die Vorschläge haben wir schon gemacht. Wir haben z. B. – endlich! – einen Pakt mit den Kommunen für Familien mit Kindern zum Ausbau der U-3-Betreuung auf den Weg ge bracht.

(Abg. Klaus Herrmann CDU: Und wie viel haben Sie da gespart? – Zuruf des Abg. Georg Wacker CDU)

Das haben wir hinbekommen und Sie nicht. Wir haben dafür auch einen Finanzierungsvorschlag gemacht, nämlich die Er höhung der Grunderwerbsteuer um 1,5 Prozentpunkte.

(Zurufe von der CDU)

Die Mittel daraus haben wir ganz gezielt für frühkindliche Bil dung, für Sprachförderung und für Schulsozialarbeit einge setzt. Den Pakt mit den Kommunen zum Ausbau der Klein kindbetreuung finden Sie gut; die Gegenfinanzierung hinge gen haben Sie abgelehnt. So kann es nicht funktionieren.

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD)

Klar ist: Wir haben 43 Milliarden € Schulden. Das sind Schul den, die aus Ihrer Regierungszeit stammen. Wir haben Ver pflichtungen für Pensionäre, die 70 Milliarden € betragen. Wir werden gemeinsam nach Lösungen für diese Herausforderun gen suchen müssen.

Haushaltskonsolidierung ist zum Teil auch ein schmerzvoller Weg.

(Abg. Peter Hauk CDU: Wo ist er?)

Wir sind ihn gegangen. Wir haben Vorschläge gemacht, die der Beamtenschaft nicht gefallen haben. Es gab daraufhin massive Proteste. Wir haben uns aber den Debatten gestellt. Insofern haben wir uns da keinen Vorwurf zu machen, im Ge genteil. Sie haben die finanzielle Situation verursacht, und heute wollen Sie sich aus dem Staub machen. Das akzeptie ren wir nicht, meine Damen und Herren.

(Beifall bei den Grünen und der SPD)

Ganz am Rande ist festzustellen: Jetzt wissen wir auch, wie der Konsolidierungskurs der CDU geht. Da soll Liquidität aus Schulden geschöpft werden. Das ist ein charmanter Vorschlag. Das habe ich noch nie gehört: Liquidität aus Schulden. Ja, es stimmt, die Zinsen sind im Moment niedrig. Aber es sind trotzdem Zinsbelastungen.

(Abg. Muhterem Aras GRÜNE: So ist es!)

Für die 43 Milliarden € Schulden, die Sie uns hinterlassen ha ben, fallen 2 Milliarden € im Jahr an Zinsbelastungen an.

(Abg. Peter Hauk CDU: Ja, ja, ja! Sie waren in der mittelfristigen Finanzplanung aber höher!)

Sie können uns gern einmal den Trick verraten, wie man aus Zinszahlungen Liquidität schöpft. Es gibt natürlich ein gewis ses Risiko. Sind die Zinsen niedrig, ist die Belastung gerin ger. Steigen die Zinsen, ist die Belastung für den Landeshaus halt höher. Aber Liquidität daraus zu schöpfen ist ein absur der Vorschlag.

(Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Das ist Voodoo- Ökonomie! – Beifall bei den Grünen und der SPD)

Der Vorschlag zeigt, dass es mit Ihrer finanzpolitischen Ernst haftigkeit nicht weit her ist.

Meine Damen und Herren, Sie müssen sich entscheiden: Wol len Sie mit uns den Konsolidierungskurs beschreiten, bis 2020 das strukturelle Defizit zu schließen, die Verantwortung für Ihre Regierungspolitik mit übernehmen, oder sagen Sie an je dem Punkt, wenn es etwa darum geht, dass eine Straße viel leicht nicht finanziert werden kann: „Das kann nicht sein, die se Straße muss gebaut werden; hier muss investiert werden, da muss investiert werden“? Entscheiden Sie sich, welchen Weg Sie gehen wollen.

Zu Ihrem Gesetzentwurf, der heute in erster Lesung beraten wird. Er steht ja heute nicht zur Abstimmung. Wir schlagen vor, dass Sie diesen Gesetzentwurf so lange nicht zur Abstim mung stellen, bis das Gutachten der Landesregierung auf dem Tisch liegt. Es liegt in Kürze vor. Der Ministerpräsident hat es gesagt. Er hat von der kommenden Woche als Zeitrahmen gesprochen. Nach der Vorlage setzen wir uns zusammen. Auf der Grundlage dieses Gutachtens werden wir gemeinsam da rüber diskutieren müssen, wie wir die im Grundgesetz veran kerte Schuldenbremse auf die Landesverfassung übertragen können, inwieweit wir uns auf einen Pfad einigen können, um 2020 das strukturelle Defizit ausgeglichen zu haben.

Insofern passt der heute vorliegende Gesetzentwurf nicht zum aktuellen Stand der Debatte, wie er sich im Moment darstellt. Insofern wäre es gut, Sie würden das zurückstellen.

(Abg. Peter Hauk CDU: Wie er sich aus Ihrer Sicht darstellt!)

Ja, wie er sich aus unserer Sicht darstellt.

Es geht um die Wahl der Instrumente. Was wir nicht wollen, ist eine Blitzdiät. Auf die Schnelle überall einzusparen macht viele Strukturen kaputt. Es ist so, wie man es von einer Diät kennt: Man nimmt schnell ab, aber hinterher auch schnell wie der zu.

Was wir wollen, ist eine nachhaltige Umstellung der Finanz politik, die tatsächlich dazu führt, dass wir Jahr für Jahr we niger ausgeben, die Deckungslücken schließen, einen ausge glichenen Haushalt anstreben und gleichzeitig investieren. Klar ist natürlich auch, dass wir, wie es der Ministerpräsident gesagt hat, zukünftig auch mehr Einnahmen brauchen. Dar um werden wir nicht herumkommen.

Ich hoffe, dass Sie, Herr Hauk und Herr Rülke, endlich einen konstruktiven Kurs einschlagen. Das wäre im Sinne des Lan des sehr gut und vorteilhaft. Ich glaube, die Bürgerinnen und Bürger würden es Ihnen danken.

(Beifall bei den Grünen und der SPD)

Nach § 82 Absatz 4 der Geschäftsordnung erteile ich Herrn Fraktionsvorsitzendem Schmiedel für die SPD-Fraktion das Wort.

(Zuruf: Alles gesagt!)

Herr Präsident, liebe Kollegin nen, liebe Kollegen! Herr Kollege Hauk, die Rede des Minis terpräsidenten hat vor allem eines gezeigt: Der Ministerprä sident und der Finanzminister ziehen in den finanzpolitischen Strategien an einem Strang. Zwischen die beiden passt kein Blatt Papier.

(Beifall bei der SPD und den Grünen – Abg. Peter Hauk CDU: Wir haben erwartet, dass Sie das sagen! – Zuruf des Abg. Volker Schebesta CDU)

Da der Regierungswechsel erst ein Jahr zurückliegt, müssen Sie sich schon gefallen lassen, dass wir einmal daran erinnern. Dass ein Ministerpräsident eine Finanztransaktion im Volu men von 5 Milliarden € vor seinem Finanzminister über Wo chen geheim hält, ihn dann um Mitternacht einbestellt und

sagt: „Jetzt hast du zwei Stunden Zeit, zu unterschreiben“, so etwas gibt es bei uns nicht.

(Beifall bei der SPD und den Grünen – Abg. Bernd Hitzler CDU: Sag niemals nie!)

Vielmehr gibt es eine verabredete Strategie, das strukturelle Defizit des Haushalts mit Blick auf 2020 abzubauen. Es gibt eine klare Verabredung über einen Abbaupfad. Es gibt eine klare Verabredung zur Verankerung der Schuldenbremse in der Landesverfassung. Insofern sind wir uns da völlig einig.

(Abg. Klaus Herrmann CDU: Aber alles erst, wenn ihr abgewählt seid!)

Was ich aus Ihren Beiträgen mit dem Verweis auf die Steuer mehreinnahmen entnommen habe, ist: Sie haben bis heute noch nicht verstanden, was ein strukturelles Defizit ist.

(Abg. Nikolaos Sakellariou SPD: Genau!)

Sie denken nämlich immer, dass dann, wenn es Steuermehr einnahmen gibt,

(Abg. Nikolaos Sakellariou SPD: Das strukturelle Defizit weg ist!)

wir plötzlich auch mehr Geld in der Kasse haben, weil die Ausgaben gleich bleiben. Das Geheimnis des strukturelles De fizits ist aber, dass die Ausgaben auch ansteigen.

(Heiterkeit des Abg. Nikolaos Sakellariou SPD – Zu ruf des Abg. Klaus Herrmann CDU)

Deswegen bleibt das strukturelle Defizit gleich.

(Abg. Peter Hauk CDU: Nein! Das Delta wird grö ßer! Außerhalb der Gemeinschaftsschule lernt man das!)

Herr Hauk, der Hinweis auf die Liquidität war besonders gut. Ich nehme ein einfaches Beispiel, damit Sie sehen, wie Schul den und Liquidität zusammenhängen.

(Abg. Dr. Friedrich Bullinger FDP/DVP: Haben Sie den Rechner dabei? – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Der Rechner!)

Nein, ich mache das einfach.

(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Grünen)

Wenn in der Kasse 1 Milliarde € fehlen, dann muss der Fi nanzminister dort erst einmal 1 Milliarde € hineinlegen, da mit der Kassenstand ausgeglichen ist. Da gibt es keine Liqui dität – nichts. Die 1 Milliarde € sind dann einmal weg.

(Vereinzelt Heiterkeit)