Ich persönlich war sehr erleichtert, dass wir so viele junge Leute einstellen können. Denn selbstverständlich brauchen wir junge, gut ausgebildete Gymnasiallehrerinnen und -leh rer. Das bestreitet doch niemand.
Ich möchte Sie auch herzlich bitten, nicht immer wieder das Gerücht zu verbreiten, all die guten Leute würden in andere Bundesländer abwandern. Das ist doch nicht so!
Wir haben jede Menge Bewerberinnen und Bewerber mit ei nem guten Notendurchschnitt, die auch hinterher noch in den Listenverfahren dabei sind. Gestatten Sie mir die Bemerkung: Wer in Baden-Württemberg lebt und studiert hat und hier hei misch geworden ist, der wird, sofern er einigermaßen bei Trost ist, dieses Land nicht verlassen. Denn hier ist es nämlich ein fach schön.
Das eigentliche Problem war bei den Gymnasiallehrern in die sem Jahr doch in der Tat, dass wir nicht genau wussten, wie viele Stellen denn letztlich frei sein würden, wenn es zur Ent scheidung über die Zahl der Einstellungen kommt. Jetzt wis sen wir: Es sind 730 Stellen für Gymnasiallehrer. Das ist ei ne gute Chance für junge Referendarinnen und Referendare, eingestellt zu werden.
Ich denke, dass man immer wieder deutlich machen muss: Wir haben es jetzt hinbekommen, nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer einzustellen, die tatsächlich die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien sicherstellen. Vielmehr können wir damit auch gewährleisten, dass an der Gemeinschaftsschule Lehre rinnen und Lehrer zur Verfügung stehen, und wir können den beruflichen Schulen durch eine Abordnung von 100 Stellen auch entsprechend unter die Arme greifen.
Hier möchte ich einen Punkt ansprechen, den Sie auch heute gebetsmühlenartig wiederholt haben, der aber einfach nicht stimmt. Die Stellen, auch die Gymnasiallehrerstellen an den Gemeinschaftsschulen, werden ausgeschrieben. Das ist näm lich Sinn und Zweck, das ist der Kern der Gemeinschaftsschu le. Wir brauchen Freiwillige, die bereit sind, den Weg mitzu gehen. Unterschätzen Sie doch nicht das Entwicklungspoten zial und die Modernität junger Referendarinnen und Referen dare. Sie wollen neue Wege beschreiten. Sie gehen den Weg. Das, was Herr Dr. Fulst-Blei vorgetragen hat, stimmt absolut. An den Gesamtschulen ist die Nachfrage immer größer als der tatsächliche Bedarf in der Ausschreibung, und so wird es hier auch kommen.
Zu der Frage, wie sich das in den nächsten Jahren gestaltet, Herr Dr. Kern: Ich bin fest davon überzeugt, dass die jungen Menschen, die sehr sorgfältig studieren und die in der Tat – Sie haben es gesagt – gelernt haben, wie man mit jungen Men schen umgeht, nicht nur in Schularten denken. Sie wollen das umsetzen, was der Hauptpunkt ihrer Ausbildung ist: Sie wol
len jungen Menschen dabei helfen, ihre Persönlichkeit gut zu entwickeln und sich Wissen und Fähigkeiten aneignen zu kön nen, um gut im Leben zu stehen.
Bei den jungen Lehrerinnen und Lehrern ist das aber anders. Ich rede viel mit jungen Lehrerinnen und Lehrern. Sie sind sehr aufgeschlossen. Es ist immer wieder ein Freude, zu se hen, mit welcher Neugierde sie an die neuen Konzeptionen herangehen.
Ich habe es gerade gesagt: An den Gemeinschaftsschulen wer den nur Lehrer eingesetzt, die freiwillig dort hingehen. Ein Zwang „Arbeitslosigkeit oder du gehst an die Gemeinschafts schule“ wäre kontraproduktiv. Denn Sie brauchen Menschen, die diesen Weg freiwillig mitgehen.
Die Landesregierung wird weiterhin dafür sorgen, dass ers tens die Bugwelle an den Gymnasien nicht weiter anwächst. Nun haben wir dort kein strukturelles – –
(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Sie sollen sie ab bauen, nicht nur nicht anwachsen lassen! Das gibt Ar beitsplätze!)
(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Das ist keine Alt last! – Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU: Wieso wart ihr so scharf darauf, wenn sie jetzt eine Altlast sind?)
Ja, die müssen wir abbauen, und die werden wir auch ab bauen, aber in sehr, sehr kleinen Schritten. 1 319 Deputate – –
Das ist aber das, was Sie immer wieder fordern. Sollen wir 4 400 Stellen nur an den Gymnasien besetzen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.
Wir tragen Verantwortung für das gesamte Schulsystem in Ba den-Württemberg und haben sorgfältig nach den tatsächlichen Bedarfen eingestellt. Die Bugwelle an den beruflichen Schu len und auch an den Gymnasien werden wir in einem Stufen plan angehen, der sich dann auch tatsächlich finanzieren lässt.
Im Ergebnis: Wir haben die demografische Rendite im Sys tem gelassen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Wir können 730 Gymnasiallehrerinnen und -lehrer einstellen. Da mit haben wir einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchssiche rung gerade im Gymnasialbereich. Wir werden damit fortfah ren, die Altlasten, die Sie uns hinterlassen haben, abzubauen.
Das gilt für die Bugwelle genauso wie für den Abbau von strukturellen Defiziten an anderen Schularten.
Frau Präsidentin, liebe Kol leginnen und Kollegen! Zunächst, Herr Dr. Fulst-Blei, an Sie ein persönliches Wort: Ich würde mich freuen, wenn Sie mich auch in die Gemeinschaftsschule einladen würden. Ich wür de gern mitgehen.
Ich war schon mit Herrn Zeller in einer Gemeinschaftsschu le in Schleswig-Holstein. Ich lade Sie gern ein, dass wir an schließend gemeinsam das Sportabzeichen machen, damit es mit Ihrem Blutdruck ein bisschen besser wird,
Frau Ministerin, Sie haben mir ein Stichwort gegeben, für das ich unglaublich dankbar bin, nämlich die Bugwelle. Ich möch te meine restliche Redezeit darauf verwenden, mich genau diesem Thema zu widmen. Da sollen einmal die Verbände zu Wort kommen.
Als Erstes möchte ich aus der „GEW-Info“ zitieren, und zwar aus einem Artikel mit der Überschrift: „Wenn nicht im Schul jahr 2012/2013 – wann dann?“ Die GEW legt sehr sachlich, nüchtern und klar dar, warum es überhaupt zu einer Bugwel le gekommen ist. Daraus möchte ich gern zitieren:
Zu nennen sind zum einen der Lehrkräftemangel in na turwissenschaftlichen Fächern, zum anderen die schwie rige Personalsituation an Gymnasien in der Peripherie.
Auch die Entlastung für die Kursstufe im Doppeljahrgang trug gerade in den letzten zwei Jahren zum Anwachsen der Bug welle bei.