Protokoll der Sitzung vom 30.01.2013

(Heiterkeit)

Bitte, Frau Kollegin.

Vielen Dank, Herr Präsident.

(Unruhe)

Es ist also völlig klar: Wir müssen der alltäglichen Bewe gungsarmut in unserer Gesellschaft entgegenwirken und bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an Bewegung, Spiel und Sport wecken. Denn Sport hat neben der positiven Aus wirkung auf Gesundheit und körperliche Fitness auch einen bislang oft unterschätzten Einfluss auf die schulischen Leis tungen von Kindern. Wissenschaftliche Erkenntnisse der Neu rophysiologie beweisen, dass Funktionen wie das eigene Den ken, die Aufmerksamkeit, aber auch das Verhalten des Kin des und seine selbst kontrollierten Steuerungen sehr stark durch Bewegung beeinflusst werden können. Die Bedeutung der sogenannten exekutiven Funktionen muss einen stärkeren Einfluss im Schulalltag von Kindern erhalten.

Unsere Große Anfrage, für deren ausführliche und sehr infor mative Beantwortung ich mich an dieser Stelle bedanken möchte, sollte vor allem klären, welche Rolle der Sport an un seren Schulen spielt und wie wir darauf aufbauend mit mehr Sport- und Bewegungsangeboten Kindern helfen und neben den schulischen Leistungen auch die sozial-emotionale Ent wicklung fördern.

Dass das Zusammenspiel von Sport und Lernen so gut wie immer einen positiven Effekt auf die Entwicklung von Jun gen und Mädchen hat, kann man sehr gut daran erkennen, dass z. B. im Sport sehr erfolgreiche Kinder mit viel Trainingszei ten neben der Schule trotz dieser Stundenbelastung in der Re gel oft sehr gute Noten haben.

(Zuruf des Abg. Manfred Groh CDU)

Die Sporthochschule Köln fand vor einigen Jahren heraus, dass Kinder mit sehr guten koordinativen Fähigkeiten auch in Konzentrationstests besser abschneiden.

Das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Muskeln läuft bei Kindern von ganz allein ab. In der Regel ist die Realität aber so, dass der größte Teil der Kinder im Alter zwischen drei und elf Jahren nicht regelmäßig und täglich Bewegung hat.

Der Antwort auf unsere Große Anfrage kann man entnehmen, dass das Land schon seit Jahren verschiedene Wege beschrei tet. Kooperation Schule – Verein – Kindergarten, Schülermen toren und die Weiterentwicklung des Bildungsplans für die Grundschule im Fächerverbund „Bewegung, Spiel und Sport“ sind nur einige der zu nennenden wichtigen Maßnahmen.

(Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Und der Radsport!)

Der Radsport. Okay. – Besonders zu erwähnen ist die Initi ative „Grundschule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt“, welche bis heute konsequent weiterentwickelt wird. Ziel ist ein sinnvoller Rhythmus im Unterricht mit ab wechselnden Unterrichts- und Bewegungseinheiten. Genau diesen Weg wollen wir weiterentwickeln. Dabei werden wir die Erkenntnisse der Förderung exekutiver Funktionen bei Kindern einbeziehen. Man weiß heute, dass nach 30 Minuten koordinativem und ausdauerndem Sportunterricht Störreize bei Kindern deutlich verringert werden können. Genau diese Art der Selbstkontrolle, die die Kinder dabei erlernen, steht in direktem Zusammenhang zur schulischen Leistung.

Am Tag des Sports der SPD-Landtagsfraktion im vergange nen Oktober hat uns das Landesinstitut für Schulsport ein Bei spiel eines solchen Unterrichtstags mit regelmäßig eingebau ten Sportelementen aufgezeigt. Dabei war wichtig, dass der Sport nicht an den Rand des Schultags gedrängt wird, sondern zwischen den einzelnen Unterrichtseinheiten stattfinden soll, ganz besonders vor den wichtigen Hauptfächern.

(Beifall bei der SPD)

Dann wird die Aufgabe sein, zu schauen, wie wir dies in Zu kunft in der realen Umsetzung in die Tagesabläufe der Schu len einbauen können. Es gibt dazu auch gute wissenschaftli che Erkenntnisse von Schulen z. B. in den USA, die das schon sehr lange machen. Da gibt es Testreihen, mit denen man be wiesen hat: Sport vor einer Mathematikstunde hebt deutlich die Leistung.

Die Antwort der Landesregierung zeigt auf, dass in einem ers ten Schritt Überlegungen vorhanden sind, eine tägliche Be wegungsstunde an den Grundschulen einzuführen. Die Kon tingentstundentafel an den Grundschulen hat zurzeit drei Stun den Bewegung, Sport und Spiel pro Klassenstufe vorgesehen. Wünschenswert wäre hier sicherlich noch die vierte und fünf te Stunde als zusätzliches Angebot. Das muss unser Ziel sein.

(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen)

Bislang kommen vor allem die Kinder, die auf der Ganztags schule sind, in den Genuss, weil dort oft der Nachmittag mit zusätzlichen Sportstunden angereichert wird. Es wäre natür lich wünschenswert, dass das für alle Kinder gilt.

Wir begrüßen auch die Kooperation Kindergarten – Sportver ein der drei Sportbünde und hoffen, dass dieses Projekt, wel ches allen Kindertageseinrichtungen offensteht, vermehrt ge nutzt wird. Das zielt eindeutig in die richtige Richtung.

Darüber hinaus ist anzustreben, dass die Fachschulen für So zialpädagogik möglichst flächendeckend das Wahlpflichtfach „Sport- und Bewegungspädagogik“ anbieten. Auch dass z. B. Erzieherinnen und Erzieher im Rahmen ihrer Ausbildung ei ne Übungsleiterlizenz erwerben können, halten wir für einen wichtigen und richtigen Schritt.

(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen)

Für uns, die SPD-Fraktion, ist auch im Zuge des Ausbaus der Ganztagsschulen sehr wichtig, dass die Sportvereine ein Teil des Angebots sein werden.

(Abg. Claus Schmiedel SPD: Sehr gut!)

Die Chancen für die Vereine sind nicht zu unterschätzen. Uns ist jedoch auch klar, dass die damit verbundenen Herausfor derungen, das zu organisieren, groß sind.

Das Kultusministerium arbeitet deshalb an einer Rahmenver einbarung mit dem Landessportverband Baden-Württemberg, um hier eine verlässliche Grundlage für die Vereine zu schaf fen. Die SPD-Fraktion begrüßt dieses Vorhaben sehr.

(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen)

Für uns ist klar: Für den Ausbau der Ganztagsschule brauchen wir überzeugte Mitstreiter, die das Konzept mittragen, und au

ßerschulische Partner aus den Vereinen und Verbänden. Die se Partner wollen wir gewinnen.

Vor gut einem Jahr hat die SPD-Fraktion ihr sportpolitisches Konzept den Vertretern des Sports hier in Stuttgart vorgestellt. Die Reaktionen aus dem Sport waren durchweg sehr positiv. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Jetzt geht es an die Umsetzung. Nicht alles geht sofort. Das ist uns vor dem Hintergrund unserer schwierigen Haushaltslage durch aus bewusst.

Aber einige Schritte haben wir bereits gemacht. So wird die Zahl der Motorikzentren für Erzieherinnen und Erzieher an den Fachschulen für Sozialpädagogik von bisher 14 auf 20 er höht. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Verbes serung der Bewegung im Elementarbereich. Das Projekt „Grundschulen mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt“ wollen wir ausweiten, ebenso die Initiative „Weiterführende Schulen mit sport- und bewegungserziehe rischem Schwerpunkt“, kurz WSB-Schulen. Auch der schul artübergreifende Ausbau der Schülermentorenlehrgänge ist uns als Baustein wichtig.

Last, but not least gibt es seit dem Schuljahr 2012/2013 die Möglichkeit, direkte Kooperationen zwischen Sportvereinen und Kindergärten auch finanziell zu unterstützen.

Unser Konzept steht damit am Beginn seiner Umsetzung. In ständigem Austausch mit den Vertretern des Sports werden wir unsere Ansätze weiterentwickeln und damit dem Sport in den Kindergärten und in den Schulen einen zunehmend grö ßeren Raum geben können.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Speziell die Ganztagsschulen wollen wir hier mit zusätzlichen Sportangeboten deutlich breiter aufstellen.

Wir werden im Rahmen des Konzepts auch die Ausbildung der Lehrer im Bereich Sport ausbauen und verbessern. Wir werden uns vor allem auch dem besonderen Bereich des Be hindertensports an den Schulen zuwenden.

Viele weitere Maßnahmen sind geplant, aber, wie gesagt, die Haushaltslage wird immer nur eine schrittweise Umsetzung möglich machen; das wissen wir. Wichtig aber ist, dass wir die Bedeutung des Sports erkennen und in diesem Sinn auch handeln.

Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Abg. Claus Schmiedel SPD: Sehr gut!)

Für die CDU-Fraktion erteile ich Frau Abg. Schmid das Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Sport ist wichtig. Da sind wir uns, glaube ich, hier auch alle einig. Einig sind wir uns auch darin, dass wir für die Kinder und Jugendlichen in unse rem Land eine möglichst gute Bildung haben wollen. Worin wir uns aber nicht einig sind, ist der Weg zu dem Ziel, den Kindern und Jugendlichen mehr Bildung – dazu gehört eben auch der Sport – nahezubringen.

Es ist wichtig, dass der Sport und die Freude an Bewegung möglichst früh erlebt und erlernt werden. Genauso wichtig ist es aber, den Kindern und Jugendlichen ein möglichst vielsei tiges Angebot zu unterbreiten.

Meine Damen und Herren, die alte Landesregierung hat be reits viele Maßnahmen angestoßen. Frau Wölfle hat gerade ei ne ganze Menge dieser Maßnahmen aufgezählt. So gibt es bei spielsweise seit vielen Jahren das Kooperationsprogramm „Schule und Sportverein“ sowie die Bewegungs-, Spiel- und Sportstunde. Seit dem Jahr 2000 gibt es in Baden-Württem berg zudem die Initiative „Grundschule mit sport- und bewe gungserzieherischem Schwerpunkt“.

Ich könnte an dieser Stelle noch mehr aufzählen, möchte aber gern konkret auf die zusätzliche Sport- und Bewegungsstun de an den Grundschulen zu sprechen kommen. Auch hier sind wir uns, glaube ich, über die Bedeutung dieses Angebots ei nig. Gerade im Zuge des Ausbaus zu Ganztagsschulen ist ei ne ausreichende Bewegung für die Kinder ganz wichtig, vor allem auch mit Blick auf die kognitiven Fähigkeiten, die ge rade durch Sport positiv beeinflusst werden.

Wenn die Landesregierung in ihrer Antwort auf die Große An frage aber schreibt, dass die Realisierung der zusätzlichen Be wegungsstunde ein „personelles Problem“ darstelle, welches durch Freiwillige des Bundesfreiwilligendiensts behoben wer den solle, dann frage ich mich schon, wie Sie die Qualität die ser zusätzlichen Stunde sicherstellen wollen. Denn klar ist für uns: Einen „Sportlehrer light“ darf es nicht geben.

(Beifall bei der CDU und des Abg. Leopold Grimm FDP/DVP – Zuruf des Abg. Claus Schmiedel SPD)

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass für die CDU das Klassenlehrerprinzip immer eine bedeutende Rolle gespielt hat. Es ermöglicht vor allem den kleinen Kindern, einen en gen Bezug herzustellen, den sie für ihre Entwicklung und für die Bildung ganz besonders benötigen.

Durch den Einsatz der Freiwilligen des BFD soll eine stärke re Einbeziehung des organisierten Sports sichergestellt wer den. Herr Minister, wie soll das in der Praxis konkret ausse hen? Wie bzw. von wem werden die Bufdis hinsichtlich sport licher Ausbildung qualifiziert?

Herr Drexler, wir erwarten von Ihnen, dass Sie sich als Präsi dent des Schwäbischen Turnerbunds für den Sport in unseren Grundschulen einsetzen.

(Beifall bei der CDU – Abg. Helmut Walter Rüeck CDU: Bravo! – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Er ist in der Verantwortung! – Abg. Claus Schmiedel SPD: Es ist nicht erlaubt, den Präsidenten zu rügen! – Heiterkeit)

Ich habe ihn nicht gerügt.