Protokoll der Sitzung vom 05.06.2019

(Beifall bei der FDP/DVP – Abg. Thomas Blenke CDU: Naturparke!)

Naturparke.

(Abg. Thomas Blenke CDU: Wir helfen gern, Herr Kollege! – Gegenruf des Abg. Dr. Hans-Ulrich Rül ke FDP/DVP: Wer weiß! Vielleicht weiß er mehr als Sie! – Gegenruf des Abg. Thomas Blenke CDU: Hät ten Sie gern, Kollege!)

Meine Damen und Her ren, für die Regierung spricht Herr Minister Hauk.

(Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Über die sieben Nationalparks?)

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Kollege Hoher, sieben Naturparke. Das reicht vollkommen.

(Vereinzelt Heiterkeit – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Wer weiß, was Sie noch vorhaben!)

Ich bin auch der festen Überzeugung, dass die Biodiversität in den sieben Naturparken allemal deutlich höher ist als in dem einen Nationalpark. Das sei nur einmal nebenbei festge stellt.

(Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP – Vereinzelt Beifall bei der CDU)

Aber das liegt natürlich daran, dass der eine Nationalpark nur Wald umfasst. Dafür kann er nichts.

(Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Und Grinden!)

Die Naturparke umfassen natürlich auch Offenlandschaften. Wahr ist natürlich auch, meine sehr verehrten Damen und Her ren, dass die Naturparke im Regelfall bewirtschaftete Natur umfassen

(Zuruf von der AfD: Das ist ja auch Sinn und Zweck!)

und die Biodiversität in der bewirtschafteten Natur allemal höher ist als in der unbewirtschafteten. Das ist ein Faktum. Das ist für den landwirtschaftlichen Bereich schon längst nachgewiesen; im forstlichen Bereich gibt es Hinweise dafür, dass es dort ähnlich sein kann.

Deshalb ist es natürlich auch notwendig, dass wir diese Din ge in Wert setzen. Deshalb haben die Naturparke in den letz ten 25 Jahren – ich glaube, sie bestehen jetzt schon seit fast 50 Jahren – einen erstaunlichen Wandel vollzogen. Ursprüng lich dienten die Naturparke dazu, die Erholung der Bevölke rung in diesen Gebieten – es gab in den Siebzigerjahren deut lich weniger – zu fördern. Zwischenzeitlich sind die Natur parke im Prinzip die Motoren einer vernünftigen Regional entwicklung.

Lieber Kollege Stein, wenn Sie beklagen, da werde zu viel Geld für Personal und zu wenig für Projekte ausgegeben,

(Abg. Anton Baron AfD: Ja!)

dann muss ich Ihnen leider Gottes sagen: Sie brauchen Per sonal, um die Regionalentwicklung zu fördern. Das ist der ent scheidende Punkt.

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Anton Baron AfD: Natur-Mensch-Beziehun gen!)

Ohne Personal keine Regionalentwicklung. Das ist genauso, wie wenn Sie ohne Koch ein Essen zaubern wollen. Das wird auch nicht funktionieren.

(Abg. Anton Baron AfD: Natur-Mensch-Beziehun gen! – Zuruf des Abg. Udo Stein AfD)

Da brauchen Sie auch die Motoren. Regionalentwicklung be dingt Personalnetzwerke, bedingt Personal. Deshalb ist Per sonal notwendig.

(Abg. Anton Baron AfD: Herr Hauk, Natur-Mensch- Beziehungen untersuchen!)

Jetzt hören Sie doch auch einmal zu. In der Diskussion wa ren doch interessante Untertöne dabei. Wenn ich die Kollegin Rolland am Anfang richtig verstanden habe, sagte sie, die Per sonalausstattung sei eigentlich sehr angemessen, zum Teil so gar unterdurchschnittlich stark ausgeprägt. Da hat sie dem Grunde nach recht.

(Abg. Gabi Rolland SPD: So ist es!)

Ich glaube, die Naturparke sind in Armut groß geworden

(Abg. Gabi Rolland SPD: Ja!)

und mussten sich immer nach der Decke strecken. Ich sage einmal in Klammern dazu, meinen eigenen Berufsstand nicht vernachlässigend: von Förstern geleitet. Die meisten Förster sind multifunktional einsetzbar und können sich in vielen Be reichen bewähren.

(Abg. Thomas Blenke CDU: Sogar als Minister! – Vereinzelt Heiterkeit)

Sogar als Minister.

(Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Nur die Frage: Was kommt dabei raus?)

Aber das zeigt auch, dass damit im Prinzip eine gute Entwick lung initiiert war. Deshalb haben die Naturparke einen gewis sen Stand in der Regionalentwicklung erreicht.

Kollege Pix und Kollege Hockenberger haben Beispiele da für genannt, welche Highlights die Naturparke jedes Jahr her vorbringen: 60 Naturparkmärkte. Das sind Highlights der Re gionalentwicklung, wie man sie sich eigentlich nicht besser wünschen kann.

Die „Schmeck den Süden“-Gastronomen setzen in Verbin dung mit den Naturparkwirten die pflanzliche und tierische Produktion landwirtschaftlicher, aber auch jagdlicher Natur

in kulinarische Genüsse um. Es ist, glaube ich, entscheidend und wichtig, dass diese Verbindung auch entsprechend herge stellt wird.

Zum Thema Bildung: 43 Naturpark-Schulen, zusätzlich auch Naturpark-Kitas. Da geht es nicht um das Thema Waldkinder gärten, sondern es geht darum, eine gute Verknüpfung der schulischen Bildung, der vorschulischen Bildung mit der Na tur und der natürlichen Umwelt zu erreichen. Diese Zahlen sprechen ein Stück weit für sich – und das alles mit einem Per sonalbestand, der bei unter 50 Beschäftigten für das ganze Land liegt. Da muss man sagen, wenn man es vom Ergebnis her sieht: Das, was bei den Naturparken geleistet wird, ist ei gentlich eine Herkulesarbeit. Deshalb sage ich allen Mitarbei terinnen und Mitarbeitern dort ganz herzlichen Dank für die se großartige Leistung.

(Beifall bei der CDU sowie Abgeordneten der Grü nen, der SPD und der FDP/DVP)

Meine Damen und Herren, wir Politiker reden insbesondere seit zwei Jahren über das Thema Biodiversität. Vor zwei Jah ren haben wir die Biodiversitätsstrategie verabschiedet und auch mit finanziellen Mitteln unterlegt. Ich will aber sagen, dass die Naturparke schon viel früher auf der Schiene waren.

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord hat bereits in den Vorjahren mit dem Projekt „Blühender Naturpark“ von sich reden gemacht. Er hat versucht, Gemeinden aufmerksam zu machen sowie Schüler und Kitas in Projekte einzubinden. Un belebte Rasenflächen sollten mit Blühmischungen, die im Na turpark auch tatsächlich vorkommen – nicht mit Fremdblü hern oder invasiven Blüharten, sondern mit heimischen Blüh mischungen –, aufgepeppt werden. Das war im Prinzip auch der Vorläufer für das Thema „Blühendes Baden-Württem berg“.

(Abg. Thomas Blenke CDU: Gute Sache!)

Diese Aktion des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord haben wir auf alle Naturparke ausgeweitet. Seit drei Jahren sind al le Naturparke in das Projekt „Blühende Naturparke“ einge bunden. Da der Erfolg so riesig war und da mittlerweile weit über 500 Gruppen, Initiativen und Gemeinden daran mitar beiten, haben wir beschlossen, das in diesem Jahr auf alle Ge meinden auszuweiten.

Unter dem Landesprogramm „Baden-Württemberg blüht“ wollen wir am 1. Juli einen Landeswettbewerb starten. Die blühenden Naturparke sind dabei das leuchtende Beispiel oder auch das leuchtende Vorbild dafür, wie es gelingen kann, Men schen zu sensibilisieren. Neben der Frage: „Schaffen wir neue Flächen?“ geht es auch um die Frage des gesellschaftlichen Bewusstseins, der Bewusstseinsbildung.

(Abg. Thomas Blenke CDU: Sehr gut!)

Das erreichen wir nur dann, wenn wir möglichst viele gesell schaftliche Gruppen – Vereine, Verbände, Schulen – in das Thema „Artenvielfalt und Biodiversität“ einbeziehen, also wenn sie selbst mit Hand anlegen können. Die kleinste Flä che ist ein Gewinn.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Abg. Thomas Blenke CDU: Bravo!)

Das wollen wir umsetzen. Die Naturparke dienen dabei als leuchtendes Beispiel – bis hin zur Gewinnung der Samen, die man braucht, um die Blühmischungen heimatgebunden und letztendlich autochthon auszubringen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, darüber hinaus spie len sie in der Regionalentwicklung eine Rolle. Kollege Pix hat auf das Thema „bauWERK SCHWARZWALD“ hinge wiesen. Da geht es darum, mit der Baukultur einen Teil der regionalen Identität zu stärken.

Ich glaube, dass es in einer Welt, in der sich die Menschen im mer mehr nach Heimat sehnen, in der sie immer mehr Heimat wollen, Heimat auch erleben wollen, wichtig ist, dass sie sich auch mit ihrem Umfeld identifizieren können. Bei den Men schen – diese sind die Hauptsache – spielt das Thema Ver trautheit, aber auch das Thema Modernität eine Rolle.

Wer im 21. Jahrhundert neu baut, der kann sich für Individu albauten oder für Bauten von der Stange entscheiden. Unser Bestreben war aber, zu versuchen, das, was die Altvorderen vor zum Teil mehreren Jahrhunderten schon durch bestimm te Baustile, die in vielerlei Fragen auch einen wirtschaftlichen Vorteil boten, erreicht haben, in unsere Zeit zu tradieren und im Prinzip mit modernen Baumethoden auch fortzusetzen. Dem dient dieses Experiment „bauWERK SCHWARZWALD“ und dem Versuch, eine regionale Baukultur anhand einer Re gion – der Schwarzwald ist eine natürliche Region dafür – zu initiieren.

Das läuft derzeit an. Da muss man noch Finanzierungsfragen klären. Ich bin aber davon überzeugt, dass dies ein guter An satz sein kann, um dort auch ein Stück weit weiterzukommen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, der nachhaltige Tou rismus hat von Anfang an eine Rolle gespielt und war deshalb wichtig. Herr Kollege Stein – ich spreche Sie an, weil Sie vor hin das Thema Personal so verteufelt haben –,