Johanna Werner-Muggendorfer (SPD) : Ist daran gedacht, die Eltern bei der Finanzierung heranzuziehen? Ich meine also die Finanzierung der Sprachkurse für die Kinder. Gibt es da Vorstellungen, die Eltern mit heranzuziehen?
Ich sage es noch einmal: Ich kann nicht für das zuständige Staatsministerium sprechen. Wie in der Antwort schon gesagt wurde, wird die Sprachförderung im Rahmen des regulären Kindergartenbetriebs integriert, sodass ich davon ausgehe, dass wir für diese Kurse keine zusätzlichen Kosten von den Eltern verlangen werden.
Kollege Sprinkart, es besteht Übereinstimmung damit, dass die nächste Frage nicht mehr mündlich gestellt wird, dass sie aber schriftlich vom Herrn Staatsminister beantwortet wird.
Herr Staatsminister, an welchen oberfränkischen Grundschulen werden zum kommenden Schuljahr Kombiklassen eingerichtet? Wie wirkt sich dies im Einzelfall auf die jeweiligen Klassenstärken aus und wie viele Lehrerstellen spart sich der Freistaat Bayern mit dieser Maßnahme ein?
Die Klassenbildung für die Grund- und Hauptschulen für das kommende Schuljahr ist noch nicht abgeschlossen. Es können sich daher in den nächsten Wochen noch Änderungen ergeben. Nach dem Bericht der Regierung
von Oberfranken sind derzeit an folgenden Schulen jahrgangskombinierte Klassen vorgesehen: Volksschule Küps, Volksschule Ludwigsstadt, Volksschule Mitwitz, Volksschule Poxdorf, Volksschule Pressig, Volksschule Röslau, Volksschule Reitsch, Volksschule Rodachtal, Grundschule Scheßlitz, Volksschule Steinwiesen, Volksschule Teuschnitz, Volksschule Weißenbrunn, Volksschule Windheim. An den genannten Schulen bestehen neben der jahrgangskombinierten Klasse auch Jahrgangsklassen.
An den nachfolgend genannten Schulen sind die Schülerzahlen so gering, dass in der jeweiligen Jahrgangsstufe nur kombinierte Klassen errichtet werden können. In den meisten Fällen bestehen diese kombinierten Klassen bereits im laufenden Schuljahr. Wenn dort keine kombinierten Klassen wären, könnten die Schüler nicht mehr an diesen Standorten beschult werden. Im Einzelnen sind es die Volksschule Coburg-Creidlitz, die Grundschule Ebrach, die Volksschule Hochstadt, die Volksschule Marktschorgast, die Volksschule Presseck, die Volksschule Rugendorf, die Volksschule Tettau und die Volksschule Wiesenthan.
Konkrete Angaben zu den Klassenstärken an den genannten Schulen liegen nicht vor. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Klassenstärken bei den kombinierten Klassen zumeist nicht größer sind als 25 Schüler.
Eine Einsparung von Lehrerstellen erfolgt nicht, da die Berechnung des Lehrpersonals für die staatlichen Schulämter auf der Grundlage der Schülerzahlen im Schulamtsbezirk erfolgt. Das Schulamt bekommt aufgrund der Schülerzahlen die Lehrerstunden zugewiesen. Bei der Verteilung hat letztlich auch das Schulamt die Möglichkeit, Schwerpunkte zu bilden.
Ich habe eine Zusatzfrage bezüglich der eingesparten Lehrerstellen. Sie sagen, es wurden keine Lehrerstellen eingeplant. Durch die Budgetierung war dies aber der Fall. Der Haushalt weist klar aus, dass durch die Budgetierung weniger Lehrerstellen zur Verfügung stehen. Sind Kombiklassen ein Sparmodell?
Wir haben an allen Schularten – jetzt auch an den Volksschulen – die Budgetierung eingeführt. Jetzt ist aufgrund der Schülerzahl klar, wie viele Lehrerstunden einem Schulamt zustehen. Ich kann jetzt nicht im Einzelnen für jedes Schulamt oder für jeden Regierungsbezirk nachvollziehen, ob damit Schwankungen nach oben oder nach unten verbunden sind. Wenn mehr Schüler in einem Schulamt zu beschulen sind, braucht es mehr Lehrerstunden, als in einem Schulamt, in dem weniger Schüler zu beschulen sind.
Ich möchte aber zu den kombinierten Klassen Folgendes sagen: Wenn ich es als Staatsminister verantworten kann, dass an Standorten eine Klasse kombiniert aus eins und zwei geführt wird, wo sonst der Standort aufgelöst werden müsste, weil die Schülerzahl unter zwölf gesunken ist, kann ich das auch in einem Bereich verantworten, wo es nicht unbedingt aufgrund der Größe der Klasse notwendig wäre. Wir haben in den letzten sechs Jahren einen Modellversuch durchgeführt, bei dem gerade diese Frage geklärt wurde, der vom ISB auch wissenschaftlich begleitet wurde. Das Ergebnis ist, dass in kombinierten Klassen die Lernentwicklung gleich gut ist wie in Jahrgangsklassen, dass das soziale Lernen aber zunimmt.
Als Voraussetzung wird im Endbericht, der auch dem Bayerischen Landtag zugegangen ist, festgehalten: Es sollen keine Klassen über 25 Schüler sein, wenn sie kombiniert sind, und es sollen in jeder Klasse etwa fünf Förderstunden in der Woche zur Verfügung gestellt werden. Das war also der Bericht zu dem Modellversuch jahrgangskombinierter Klassen. Das ist auch die Grundlage, jetzt draußen zu sagen: Wir wollen die Zahl 25 nicht überschreiten und wir wollen, soweit möglich, entsprechende Förderstunden in die jahrgangskombinierten Klassen geben.
Herr Staatsminister, wenn Sie glauben, dass keine Lehrer eingespart wurden, dann wäre die Frage: Wie viel Klassenneubildungen wurden durch die Kombiklassen verhindert? Es gibt ja eine ganze Reihe Fälle, wie Sie im KMS auch angeben, wo parallel zu Jahrgangsklassen Kombiklassen gebildet wurden. Damit wurde auf alle Fälle eine Klasse gespart. Aber es gibt auch Klassen, die von der Schülerzahl – sprich über 13 Schüler – hätten als Jahrgangsklassen gegründet werden können. Auch dort wurde praktisch eine Klasse gespart durch die Bildung einer jahrgangsübergreifenden Klasse.
Ich habe darauf hingewiesen, dass zwar durch die jahrgangskombinierte Klasse beispielsweise eine Lehrerstelle an dem Ort eingespart wird. Aber diese Lehrerstelle verbleibt im Schulamt. Das Schulamt kann mit dieser „eingesparten“ Lehrerstelle beispielsweise an größeren Standorten auch ein intensives Förderangebot machen. Wir haben aus meiner Erinnerung – ich bitte um Nachsicht bei der Zahl, ich kann sie nicht genau sagen – im laufenden Schuljahr etwas über 100 kombinierte Klassen. Das ist also nichts Neues. Im nächsten Schuljahr sind circa 50 zusätzliche geplant. Aber ich muss diese Zahlen jetzt einmal in Klammern setzen, weil ich sie nicht vor mir liegen habe.
eine erste Klasse kommen, eine reine erste Jahrgangsstufe, und welche Kinder dann in eine Kombiklasse kommen? Die Eltern sind da sehr verunsichert.
Es gibt keine Richtlinie, die in München beschlossen worden ist, etwa nach dem Alphabet oder nach der Größe der Klasse oder nach anderen Kriterien, sondern in erster Linie wird auf ein Gespräch gesetzt. Die Eltern sollen freiwillig entscheiden, wer in welche Klasse geht. Das hat bisher im laufenden Schuljahr auch so funktioniert. Ich war vor einigen Tagen unter anderem in einer kombinierten Klasse in Stockdorf. Dort ist die Situation so, dass Eltern, nachdem die kombinierten Klassen seit einigen Jahren laufen, für ihre Kinder mehr die kombinierten Klassen wollen, als letztlich Platz vorhanden ist. Dies betrifft auch jetzt aktuelle Entscheidungen. Es kommt auch darauf an, wie die Klassengröße ist, sowohl in der Jahrgangsklasse als auch in der kombinierten Klasse. Es kommt zum Teil auch darauf an – das sind vielleicht ganz subjektive Eindrücke –, welcher Lehrer welche Klasse hat. Auch daran richtet sich die Entscheidung der Eltern aus. Zunächst einmal ist es das Anliegen, genügend Eltern zu fi nden, die freiwillig sagen, sie bevorzugen die jahrgangskombinierte Klasse.
Danke schön. Ich rufe die nächste Frage auf, die Frage 14. Sie wird übernommen. Bitte schön, Frau Kollegin Biedefeld.
Wie viele Kombiklassen sind in den Grundschulen für Niederbayern und für die Oberpfalz für das Schuljahr 2005/06 vorgesehen, an welchen Schulstandorten sollen sie errichtet werden und wie erklärt sich die unterschiedliche Vorgehensweise in Niederbayern und in der Oberpfalz?
Nach dem Bericht der Regierungen von Niederbayern und der Oberpfalz sind derzeit an folgenden Schulen jahrgangskombinierte Klassen vorgesehen. Einschränkend gesagt, es können sich noch einige Änderungen in den nächsten Wochen ergeben, weil die Klassenbildung noch nicht abgeschlossen ist, aber nach jetziger Planung für den Regierungsbezirk Oberpfalz soll neben Jahrgangsklassen auch eine kombinierte Klasse an den folgenden Volksschulen eingerichtet werden: Bärnau, Voksschule Eslarn, Etzenricht, Freyung, Hohenwart-Grafenwiesen, Kirchenthumbach, Mantel, Michelsneukirchen, Theo-Betz-Volksschule Neumarkt, Moosbach, Schorndorf-Sattelbogen und Teunz. Das sind die Standorte, an denen Jahrgangsklasse und kombinierte Klasse eingerichtet werden sollen.
An den nachfolgend genannten Volksschulen können in den Jahrgangsstufen 1/2 oder 3/4 wegen sehr geringer Schülerzahlen nur kombinierte Klassen gebildet werden. In den meisten Fällen bestehen diese Klassen auch bereits im laufenden Schuljahr. Es sind die Grundschulen
Altendorf, Dieterskirchen, Ehenfeld, Georgenberg, Guteneck, Kemnath, Lohberg, Neukirchen-Balbini, Pechbrunnen, Trausnitz und Weiding.
Für den Regierungsbezirk Niederbayern sollen an den nachfolgend genannten Schulen neben Jahrgangsklassen auch kombinierte Klassen errichtet werden: Elsendorf, Laberweinting, Lalling, Rotthalmünster, Steinach und Thurmannsbang.
An den folgenden Schulen können in den Jahrgangsstufen 1/2 oder 3/4 wegen der sehr geringen Schülerzahlen nur kombinierte Klassen gebildet werden. In den meisten Fällen bestehen diese auch hier bereits im laufenden Schuljahr. Das ist in Bayerisch Eisenstein, Beutelsbach, Rattiszell, Sandsbach, Schöfweg, Tettenweis und Untermitterdorf. Die staatlichen Schulämter bilden die Klassen nach den Verhältnissen an den einzelnen Schulen. Eine unterschiedliche Vorgehensweise in Niederbayern und in der Oberpfalz ist dem Staatsministerium nicht bekannt, wobei ich anfüge: Natürlich muss jedes Schulamt gemäß seiner Situation entscheiden, welchen Weg das Schulamt geht. Darum ist das auch nicht dringend vom Ministerium vorgegeben. In den Fällen, in denen nur jahrgangskombinierte Klassen gebildet sind, müsste man, wenn man dies nicht will, die Schulstandorte aufl ösen.
Herr Staatsminister, wie bewerten Sie öffentliche Aussagen von Rektoren von betroffenen Grundschulen mit Kombiklassen: Die Lehrkräfte sind auf Kombiklassen nicht vorbereitet, es gibt noch kein Konzept und es ist unklar, wie der Lehrplan organisatorisch und didaktisch aufbereitet werden muss. Wie bewerten Sie derartige Aussagen?
Der Lehrplan in den Klassen 1 und 2 ist von der Methodik und Didaktik so aufbereitet, dass er in vielen Fällen auch für die beiden Jahrgangsstufen konzipiert ist. Es ist eine Frage des Deutschunterrichts und des Mathematikunterrichtes, dass hier neben der jahrgangskombinierten Unterrichtung durch die zusätzlichen Kräfte auch Gruppen gebildet werden können. Wenn Sie die Zahl der Deutschstunden am Beispiel der 1. Klasse oder der Mathematikstunden der 1. und der 2. Klasse sehen mit der Möglichkeit, dass fünfmal in der Woche die Klasse, die ungefähr 20 Schüler hat, geteilt werden kann, werden Sie feststellen, dass man fast jede zweite Stunde teilen kann. Das führt auch dazu, dass es keine Benachteiligung im kognitiven Lernen für die Schülerinnen und Schüler gibt.
Es gibt eine ganze Reihe von Lehrkräften, die sich dem reformpädagogischen Gedanken geöffnet haben, die sich auch selbst darauf vorbereitet haben; denn es ist gerade das Merkmal der Reformpädagogik, seien es die Montessori-Schulen, die Waldorfschulen, die Jenaplanschulen oder andere reformpädagogische Ansätze, dass man auf
Der Vorteil der jahrgangskombinierten Klasse ist auch – und das hat der Versuch sehr deutlich gemacht –, dass Schülerinnen und Schüler, die gut begabt sind, die beispielsweise schon mit Lese- und Rechenkenntnissen in die Schule kommen, relativ schnell auch mit den Inhalten der 2. Klasse mitlernen können. Wir haben auch untersucht, ob es damit gelingt, für Schülerinnen und Schüler, die eine Klasse überspringen wollen, dieses Überspringen einer Klasse zu erleichtern, weil damit wegfällt, dass ich als einzelner Schüler in eine neue Klasse komme und möglicherweise als Außenseiter abgestempelt werde. In dieser kombinierten Klasse gehe ich mit der Hälfte der Zweitklässler in die 3. Klasse.
Im Modellversuch ist auch untersucht worden, ob es damit gelingt, Kindern, die Schwierigkeiten haben, für die Inhalte der ersten beiden Schuljahre drei Jahre Zeit zu lassen, sodass sie in der Klassengruppe bleiben und nicht in einer anderen Klasse wiederholen müssen. Das sind Ergebnisse, die auch in der Reformpädagogik diskutiert werden. Es gibt Lehrkräfte, die vorbereitet sind, die sich selbst vorbereitet haben. Wir werden aber in Dillingen auch Lehrgänge einrichten, um hier die Fortbildung zu machen.
Für die neuen und jungen Lehrkräfte, die in den letzten Jahren an den Universitäten studiert haben, ist das Unterrichten in leistungsheterogenen und in jahrgangsheterogenen Klassen kein „Böhmisches Dorf“; entschuldigen Sie diesen Ausdruck. Das ist also auch Bestandteil der modernen Pädagogik. Deshalb sind sicher genügend Lehrkräfte da, die dies unterrichten wollen. Wenn an einer Schule eine Lehrkraft sagt, ich kann das nicht machen, muss man im Schulamt darauf achten, dass man eine andere Lehrkraft von einer Nachbarschule versetzt.
Habe ich es richtig verstanden: Es wird keine obligatorische Weiterbildung, keine Qualifi zierung und Fortbildung für diese Lehrkräfte geben, die in den Kombi-Klassen unterrichten sollen, sondern es gibt nur Fortbildungen auf freiwilliger Basis oder Angebote in Dillingen. Es wird also keine obligatorische Fort- und Weiterbildung geben?
Wir werden eine Fortbildung in Dillingen und natürlich auch in den Schulämtern, die mit jahrgangskombinierten Klassen befasst sind, im Bereich der lokalen Lehrerfortbildung anbieten.
Wenn Sie die Zahlen verfolgen, stellen Sie fest, dass es in der Oberpfalz, aber auch in Niederbayern seit vielen Jahren kombinierte Klassen und auch Lehrkräfte gibt, die seit Jahren in kombinierten Klassen unterrichten. Diese Lehrkräfte werden wir für Fortbildungen und Rückfragen
gewinnen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Lehrkräften, die vor Jahren in jahrgangskombinierten Klassen unterrichtet haben.