Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren! Sprache dient der Vermittlung von Inhalten. Die Bürger dieses Landes, auch jene, die im Begriff sind, die deutsche Sprache zu erlernen, haben ein Anrecht darauf, dass der Staat klar und deutlich und ohne ideologische Umschweife und Verrenkungen mit ihnen kommuniziert. Das geschriebene Wort hat kein Bekenntnis zu einer bestimmten Ideologie abzugeben, sondern soll ohne falsches Deutsch lediglich Inhalte vermitteln. Unsere wunderbare deutsche Sprache stand stets im Ruf, eine der präzisesten und klarsten Sprachen zu sein, bis Sprachwissenschaftler infolge der Gleichstellungspolitik mit dem Gendern der Sprache begannen und somit von dieser Klarheit unserer Sprache leider nicht mehr viel übrig blieb.
Wer gendert, beweist seine Konformität zum politischen Mainstream. Dass in Behörden, Ministerien und Hochschulen gegendert wird, zeigt den Niedergang der kulturellen und politischen Freiheit an. Im Staat ist jedoch politische Neutralität zu wahren und kulturelle Verantwortung zu übernehmen. Das zunehmende Einsickern der Genderfloskeln ins Amtsdeutsch läuft dieser Verpflichtung zuwider. Wenn Beamte und Angestellte genötigt werden, gegendertes falsches Deutsch zu verwenden, so ist das nicht nur eine kulturelle Zumutung: Es ist ein Akt politischer Bevormundung durch den Dienstherrn, der eigentlich Neutralität zu wahren hätte.
Gegenderte Sprache, insbesondere das Aushalten einer Leerstelle zwischen der Hauptform des generischen Maskulinums und der weiblichen Form in der Ein- und Mehrzahl, ist eine Zumutung für Prägnanz, guten Stil und Verständlichkeit – nicht nur beim Zuhören, sondern auch beim Lesen. Texte werden spröde. Texte werden schwer verständlich.
Wie einfach und gut verständlich war im Gegensatz dazu Sprache unter Verwendung des generischen Maskulinums, das die Sexualität des Menschen in ganz nobler Weise im Unbestimmten belässt und somit eine viel größere Vielfalt und vor allem den persönlichen Schutzraum im Hinblick auf Sexualität als intime Sphäre des Menschseins erlaubt. Respekt zwischen Menschen lässt sich nicht über Sprache erzwingen. Es hat den Staat nicht zu interessieren, wie sich jemand fühlt, welche sexuelle Orientierung jemand hat. Unsere freiheitliche demokratische Grundordnung hat für jeden unabhängig davon uneingeschränkte Gültigkeit. Das einzig richtige inklusive generische Maskulinum, das alle Befindlichkeiten einschließt, ohne Unterschiede zu schaffen, ist sowohl menschlich als auch politisch neutral.
Wir fordern daher die Rückkehr zur Ideologiefreiheit bei allen sprachlichen Verlautbarungen staatlicher Behörden und Einrichtungen. Hierzu ist die Allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern so abzuändern, dass der Bürger klar und sprachlich korrekt angesprochen wird und Angestellte nicht zur Verwendung unkorrekter Sprachweisen angehalten werden können.
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie sehen mich hochbegeistert darüber, dass mir meine Fraktion zu so später Stunde das Vertrauen gegeben hat, zu diesem wichtigen Thema zu reden.
Die AfD verlangt, etwas zu verbieten, was überhaupt nicht klar deklariert ist. "Gendern" wird zwar immer allgemeinbegrifflich verwendet, aber was "Gendern" genau ist, ist nirgends definiert und klargelegt. Deswegen wird hier verlangt, etwas abzuschaffen, was als solches gar nicht existiert.
Rechts- und Verwaltungsvorschriften sollen so formuliert sein, dass jedes Geschlecht in gleicher Weise angesprochen wird. Das ist auch absolut richtig so. Sprachliche Künstlichkeit soll vermieden werden. In den Rechtsvorschriften soll Sprachwirklichkeit wiedergegeben werden. Die Gleichstellung der Geschlechter ist hier das oberste politische Ziel. Das ist so und bleibt so. – Ich hoffe, meine Fraktion war mit meiner Rede um halb zehn zufrieden. Ich bitte um Ablehnung des Antrags.
Herr Straub, gehen Sie bitte noch mal ans Rednerpult. – Herr Prof. Hahn, Sie haben das Wort für eine Zwischenbemerkung.
Geschätzter Herr Kollege von der CSU, es verwundert nicht, dass Sie sich nach noch nicht einmal einer Minute aus dem Staub machen wollten. Daraus wird leider nichts, denn ich muss Ihnen Ihren eigenen Parteitagsbeschluss von Anfang dieses Jahres 2022 unter die Nase halten. Darin wollten Sie eigentlich selber nicht, dass diese Kunstsprache, diese Sprache der Eliten, das Gendern, in Ihrer Partei und auch in Bayern verwendet wird. Sogar ein Appell an die Bundesregierung sollte dabei sein, das nicht zu tun.
Leider kümmern Sie als CSU sich in Bayern überhaupt nicht um die Umsetzung, im Gegenteil: Die Behörden in Bayern verwenden es. Sogar Ihre eigene Fraktion hat es zusammen mit den FREIEN WÄHLERN in einem Gesetzentwurf verwendet.
Eines ist klar: Die Leute im Land wollen es nicht. Es gibt klare Umfrageergebnisse, dass die Bayern das nicht wollen. Angeblich wollen Sie es auch nicht. Es wird aber Ihrerseits nichts dagegen getan, dass diese Sprache der Eliten, diese Kunstsprache, die nur hier im Plenarsaal angewendet wird, weil sich keiner, auch niemand von den GRÜNEN, so unterhält, auch nicht zu Hause, hier verwendet wird. Wie erklären Sie diesen Widerspruch?
Sehr geehrter Prof. Hahn, ich bin Ihnen äußerst dankbar, dass Sie den Höhepunkt meines parlamentarischen Daseins verlängern.
(Heiterkeit – Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeord- neten der GRÜNEN und der FDP)
Ich wollte ursprünglich meine komplette Redezeit ausnutzen. Mir ist aber einfach nicht mehr zu dem Thema eingefallen, weil Ihr Antrag vollkommen an der Sache vorbeigeht.
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleg*innen der demokratischen Fraktionen! Der rechte Rand dieses Hauses scheint geplagt zu sein von der Weiterentwicklung der Gesellschaft, geplagt davon, dass Frauen sich Rechte erkämpft haben, geplagt auch davon, dass Frauen, Männer und solche, die sich nicht als solche definieren, die gleichen Fähigkeiten und Talente haben können. Warum sonst sollte man gar so ein Problem damit haben, zum Beispiel "Kolleg*in" zu schreiben oder zu sagen?
Darum lassen wir Leute und Institutionen doch einfach geschlechtergerecht schreiben oder sprechen! Mit geschlechtergerechter Sprache machen wir unsere Sprache weltoffener, treffender und besser.
Das zu verbieten, ist absolut unnötig. Sprache bildet das Grundgerüst unseres Denkens. Deswegen befürworten wir GRÜNE, unsere Sprache so zu gestalten, dass sie alle Menschen anspricht und die Realität zeigt.
Sprache bildet das Grundgerüst unseres Denkens. Dessen ist sich die AfD sicher auch bewusst. Denn mit dem, was Sie mit unserer deutschen Sprache machen wollen, wollen Sie das Denken verändern. Ich bin froh, dass Sie es mit Ihrer staatszersetzenden, hetzerischen und hässlichen Verwendung nicht schaffen, unsere deutsche Sprache zu verändern.
Sie reden noch dazu vom grammatikalisch richtigen Gebrauch des Deutschen. Liebe Demokrat*innen hier im Haus, ich kann Ihnen sagen: Lieber lese ich einen in gebrochenem Deutsch formulierten Leserbrief als auch nur einen einzigen Satz der Hetze aus dem Munde eines Verfassungsfeindes, der grammatikalisch richtig formuliert ist.
Frau Lettenbauer von den GRÜNEN, Sie haben hier von "zersetzen" gesprochen. Um es mal vorauszuschicken: Wenn hier jemand etwas zersetzt, dann sind das Sie von den GRÜNEN, die die deutsche Sprache zersetzen. Das ist mal das Erste.
Das Zweite ist: Sonst argumentieren Sie ja immer so mit der Wissenschaft. Dann schauen Sie doch mal auf die Wissenschaft. Was sagen denn Germanisten? – Gerade wurde in einem Artikel, der unter anderem auch von der "Welt" aufgegriffen worden ist, publiziert: Schon vor tausend Jahren wurde das generische Maskulinum verwendet, und zwar auch für Frauen. Was Sie hier einbringen, indem Sie nur die Frauen ansprechen, das ist genau diese Diskriminierung, vor der wir uns schützen. Wir wollen keine Gendersprache, wir wollen keine Kunstsprache von oben. Ich glaube Ihnen auch nicht, dass Sie sich normalerweise in dieser Form mit anderen Kollegen unterhalten; das machen Sie nur hier im Plenum, in Ihren Pressemitteilungen, in Ihren Antragstexten. Das ist völlig weltfremd, das ist von oben aufgesetzt. Wir verwahren uns gegen diese Art, die deutsche Sprache hier zu verschandeln.
Offensichtlich wissen Sie nicht, wie die Menschen in Deutschland sprechen, schreiben, publizieren wollen. Da können Sie sich gerne mal informieren. Ich bin davon überzeugt, dass Sie die deutsche Sprache so ideologisch aufgeladen nutzen wie keine andere Partei. Theo Sommer – das habe ich Ihnen noch mal mitgebracht – schrieb in der Kolumne in der "Zeit" vom 25. Februar 2020 über Sie:
Wer so spricht und schreibt, darf sich nicht wundern, wenn Schläger und Attentäter die Dinge in die eigene Hand nehmen, sich aufs "Jagen" verlegen und die "Säuberung Deutschlands" mit der Schusswaffe beginnen.
Das wird befürchtet, wenn sich Ihre Ideologie durchsetzt. Ich diskutiere sehr gerne und immer mit allen demokratischen Fraktionen über die Verwendung eines Asterisks, über die Vor- und Nachteile von inklusiver Sprache, aber mit Demokratiefeinden,