Herr Präsident, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Ich hatte ehrlich gesagt gar nicht mit solchen Ausbrüchen politischer Zwietracht gerechnet.
Ich bin auch ein bisschen verwundert, dass zu später Stunde bei einem eigentlich sachlich fachlich zu behandelnden Thema doch solche Emotionen hochkommen, aber wenn sie denn da sind, wie es zu sein scheint, dann ist es vielleicht auch ganz gut, wenn man sie hier einmal hört. Insofern versuche ich jetzt, diesem Beitrag noch etwas Gutes abzugewinnen.
Meines Erachtens ging es in dieser Anfrage und in der ja auch sehr sachlich gehaltenen Antwort des Senats eher um eine Selbstverständlichkeit, nämlich dass man sich um ein Phänomen kümmert, womit man gar niemanden konkret beschuldigt, das aber als Versuchung, als durchgehendes Thema absolut existiert. In Sportkreisen, die sich mit Sportunterricht, mit Sportjugend befassen, ist das ein ganz durchgängiges Thema, auch in anderen Bundesländern, in anderen Land––––––– *) Vom Redner nicht überprüft.
tagen, Herr Bensch, dass dieses Thema angesprochen wird und der Senat sagt, was tun wir, was ist im Bereich der Fortbildung, was ist in anderen Bereichen, um dann auch, wir haben ja heute viel von Prävention gehört, präventiv tätig zu sein in diesem Bereich. Wenn Sie gestatten, so ganz kann ich die Aufregung da in diesem Punkt nicht verstehen, meine Damen und Herren!
Die Bremer Sportjugend ist eine Untergliederung des Landessportbundes Bremen, die sehr unverdächtig ist, die Kollegen von der Sportpolitik kennen das, weder geschlechterpolitisch noch sonst politisch in irgendeiner Form extrem zu sein. Ich habe jedenfalls diesen Verdacht noch nie gehört. Der Vizepräsident des Landessportbundes nickt, er muss es wissen.
Die Bremer Sportjugend hat es auch zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht, und das ist doch vielleicht für Sie auch interessant, Herr Bensch. Ich weiß nicht, ob Sie die Bremer Sportjugend kennen, das ist der Zusammenschluss aller Vereine, aller Kinder- und Jugendsportvereine. Zu ihren Schwerpunktsetzungen der Arbeit der Bremer Sportjugend gehört das Thema sexuelle Übergriffe im Sport. Das hat sie in ihrer Vorstandstagung als Schwerpunkt in den kommenden Jahren erklärt. Das zeigt doch, dort bei den Praktikern kommen doch die Sorgen und Nöte an, das zeigt auch, dass es sich um ein ganz normales, wichtiges Thema handelt, das man dort ordentlich behandeln muss, ernst nehmen muss, denn sonst, glaube ich, würde die Bremer Sportjugend dies nicht auf die Agenda setzen.
Natürlich muss man weit davon entfernt sein, Vorverurteilungen zu machen, das wäre ja töricht. Also, wenn aus der Gruppe der Bäcker irgendjemand einen Mord begeht, beschuldigt man auch nicht die Bäcker, besonders mordlustig zu sein, das ist ja alles kompletter Blödsinn. Allerdings ist weitestgehend erkannt, dass im Sport- und Schwimmunterricht diese Situationen wegen der Körperlichkeit, wegen der Nähe, wegen der Hilfestellung beim Sport auftreten. Das ist alles, wenn Sie sich das einmal anschauen, schon seit vielen Jahren und Jahrzehnten bekannt und dokumentiert, deswegen befassen sich ja die Organisationen des Sports auch damit.
Es befassen sich, wie wir in der Antwort des Senats lernen, auch die Fortbildungsinstitutionen, das LIS und andere damit, und sie wissen natürlich auch, wo der Schuh drückt in der Praxis. Von daher ist das natürlich so, dass sie das auch nicht auf ihre Agenda setzen, weil sie jetzt nichts zu tun hätten oder weil
sie gerade dazu lustig sind, sondern weil es offensichtlich ein Thema ist, das an sie herangetragen wird. Sie haben ja vielleicht auch gelesen, dass die Referendare, die Sport studieren, fast flächendeckend auch in diesem Thema fortgebildet werden. Ich glaube auch nicht, dass die CDU-Fraktion dagegen etwas hat, es kann eigentlich gar nicht sein. Jedenfalls würde ich es nicht verstehen, wenn es so wäre.
Ich glaube, es ist sehr wichtig, wenn wir auf der einen Seite sagen, dass die Vorverurteilung auf keinen Fall geschehen kann, dass wir dennoch natürlich den Hinweisen nachgehen, dass wir sie ernst nehmen, und zwar von Mädchen wie von Jungen, da würde ich auch gar keinen Unterschied machen, dass wir sie ernst nehmen, dass wir Vertrauenslehrer haben, bei denen man solche Dinge loswerden kann, und dass wir dann zu einem späteren Zeitpunkt natürlich, wenn sich die Verdachtsmomente erhärten, dann zu Anzeigen kommen, wenn es entsprechend strafrechtliche Dinge sind, die da geahndet werden müssen.
Aber weit im Vorfeld ist ja schon die Frage: Können sich Kinder an bestimmte Vertrauenspersonen wenden, wird das ernst genommen, gibt es eine Kultur des Ernstnehmens und des Weiterbearbeitens solcher Vorwürfe? Ich denke, damit ist jetzt mit der Antwort des Senats und dieser Debatte noch einmal klargestellt worden, das ist hier kein Randthema oder irgendeine Erfindung, sondern das ist eine Geschichte, auf die man nicht oft genug aufmerksam machen kann, an der man ganz klar arbeiten muss. Ich denke einmal, so wie der Senat es ausgeführt hat, wird er das auch in Zukunft tun, um möglichst präventiv solche Übergriffe in Zukunft zu vermeiden. – Vielen Dank!
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich will nur noch einmal deutlich machen, das geht ja aus der Antwort auf die Anfrage auch hervor, wir nehmen das Thema ernst. Wir teilen auch grundsätzlich die Auffassung, die Frau Böschen hier vorgetragen hat.
Herr Bensch, ich habe Sie nicht so verstanden, dass Sie pauschal jeden Lehrer und jeden Schüler unter Verdacht stellen wollten, so habe ich es nicht verstanden. Wenn, dann ist es, glaube ich, eher ein Missverständnis gewesen. Da haben Sie recht, und wenn das so pauschal geklungen hat, ist das sicherlich auch falsch angekommen. Aber wir sind uns, glaube ich,
Ein solches Verhalten ist absolut inakzeptabel, sowohl von Schülern als auch von Lehrern. Wir haben versucht, deutlich zu machen, was wir präventiv machen. Das ist relativ viel, auch da gilt natürlich immer die Parole, man kann immer noch mehr machen. Ich glaube auch, und da sind wir nach der Debatte uns auch einig, es reicht auch nicht immer, in jedem Fall pädagogisch zu intervenieren, sondern da bin ich mit Ihnen einig, Herr Bensch, das ist absolut inakzeptabel, und das muss auch zur Not zur Anzeige führen. Das ist überhaupt keine Frage für mich, weil das so nicht zu akzeptieren ist.
Was schwierig ist, und das hat, glaube ich, Frau Böschen auch versucht deutlich zu machen, es gibt wahrscheinlich doch eine Grauzone
wegen Unsicherheit, weil man es nicht sieht, weil man es nicht erfährt, weil man es sich nicht traut zu sagen. Diese Grauzone gibt es, sie ist aber sehr schwer aufzuklären, das will ich nur sagen. Ich sage noch einmal, jeder Fall ist ein Fall zu viel, und wir werden weiterhin die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die Eltern alle ermuntern, jeden Fall, bei dem auch nur ein Verdacht besteht, kenntlich zu machen, damit wir den Dingen nachgehen können. Es kommt gelegentlich dabei auch heraus, dass nichts an dem Fall war, aber ich finde, die Anstrengung lohnt sich in jedem einzelnen Fall.
Meine Damen und Herren, weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Damit ist die Aussprache geschlossen. Die Bürgerschaft (Landtag) nimmt von der Antwort des Senats auf die Große Anfrage der Fraktion der SPD Kenntnis.
Die Bürgerschaft (Landtag) hat den Gesetzentwurf des Senats in ihrer 75. Sitzung am 25. Januar 2007 in erster Lesung beschlossen.
Wer das Bremische Schuldatenschutzgesetz, Drucksache 16/1216, in zweiter Lesung beschließen möchte, den bitte ich um das Handzeichen!
Gesetz zur Änderung des Bremischen Stiftungsgesetzes und der Kostenverordnung für die innere Verwaltung
Die Bürgerschaft (Landtag) hat den Gesetzentwurf des Senats in ihrer 75. Sitzung am 25. Januar 2007 in erster Lesung beschlossen.
Wer das Gesetz zur Änderung des Bremischen Stiftungsgesetzes und der Kostenverordnung für die innere Verwaltung, Drucksache 16/1255, in zweiter Lesung beschließen möchte, den bitte ich um das Handzeichen!