Protokoll der Sitzung vom 24.03.2021

Wir müssen das digital unterstützen. Wir haben ja steuerfinanziert eine Gast-App in Bremen entwickelt. Ich habe jetzt gehört, es wird auch über die Luca-App nachgedacht. Ich persönlich würde vorschlagen, mein Wunsch wäre: Lassen Sie uns das hier in Bremen lassen. Das hat nämlich den Vorteil – wir werden ja feststellen, die App funktioniert, also 80 Prozent super, 20 Prozent könnten noch besser sein –: Wenn wir das hier in Bremen selbst entwickeln, dann haben wir eine Chance, viel schneller zu sein, viel schneller auf Änderungen uns einzustellen. Agilität ist das Stichwort. Das gelingt nicht so gut, wenn wir das zentral aus Berlin bekommen oder so. Deswegen würde ich mir das wünschen an der Stelle.

Ansonsten habe ich jetzt alles gesagt. – Ich bedanke mich für den Antrag und bedanke mich für das Zuhören!

(Beifall CDU, DIE LINKE)

Als nächste Rednerin hat das Wort die Abgeordnete Lencke Wischhusen.

Vielen Dank, Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Eben wurde es gesagt, die gesamte Veranstaltungsbranche steht seit dem Beginn der Pandemie, also seit über einem Jahr, mit dem Rücken zur Wand. Denn sie waren die Ersten, die schließen mussten, und eine Öffnung ist bisher nicht absehbar. Die langfristigen Folgen sind natürlich für die Branche verheerend und werden sich vor allem auch in den nächsten Jahren noch einmal langfristig zeigen. Ein Zurück zum Normal, so wie wir es kennen, wird es wahrscheinlich so überhaupt nicht mehr geben. Es ist daher genau richtig, diese Branche zu unterstützen und diese Unterstützung zuzusichern. Und es ist auch unsere Aufgabe, deutschlandweit – Herr Meyer-Heder, da müssen wir uns beide noch einmal abstimmen, Sie haben eben gesagt eine Million Beschäftigte, ich habe 1,5 Millionen Beschäftigte gelesen, die nämlich 130 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften – der Veranstaltungsbranche konsequent unter die Arme zu greifen und wirklich für sie da zu sein.

Leider wurden ja unsere Überlegungen für die Soloselbstständigen und die Überlegungen zum Unternehmerlohn von der Koalition abgelehnt. Da hätten wir uns an dieser Stelle ein deutlicheres Signal gewünscht. Deswegen muss nämlich jetzt vorsorglich bedacht und nachhaltig gehandelt werden. In dem vorliegenden Antrag finden wir das jedenfalls, aus unserer Sicht, leider nicht wieder. Unsere Veranstaltungswirtschaft ist nämlich vielfältig. Sie besteht aus kommerziellen Veranstaltern und der Subkultur und bietet damit jedem ein passendes Angebot, und genau so sollten wir diese Szene auch als Ganzes betrachten und jeden der Akteure mitdenken.

(Beifall FDP)

Auf der einen Seite stehen die Betreiberinnen und Betreiber, die seit Jahren ordentlich wirtschaften, Steuern zahlen und als sichere Arbeitgeber zählen. Auf der anderen Seite gibt es private Initiativen, Vereine, Kollektivveranstalter, die nicht nach Ge

winn streben. Es darf nicht sein, dass wir Konkurrenz unter Akteuren der gleichen Branche schaffen und, schlicht gesagt: Die subkulturellen Akteure dürfen keine Konkurrenten für diejenigen sein, die aus eigener Kraft es schaffen und Rücklagen gehalten haben und es damit auch überlebt haben in dieser ganz, ganz schweren Zeit.

Es ist gut, dass es bereits das Förderprogramm des Senats zur Unterstützung der Veranstaltungsbranche vom 20. Oktober letzten Jahres gibt. Deswegen haben wir uns gefragt: Warum jetzt noch dieser zusätzliche Antrag? Liegt es daran, dass diese Förderrichtlinie zur Unterstützung der Veranstaltungswirtschaft die Vereine und Kollektive ausschließt? Aber unser aller erklärtes Ziel sollte es doch sein, so viele Menschen wie möglich dazu zu befähigen, von ihrem kreativen Schaffen selbstständig und vor allem auch selbstbestimmt zu leben. Es ist nicht unser Grundverständnis, alternative Festivals auf Staatskosten zu planen.

Wir hätten es begrüßt, wenn der Senat einen großen Topf zur Rettung des Nachtlebens für die Zeit der Wiedereröffnung vorhält und alle, egal ob Subkultur oder Kommerzielle, darauf zurückgreifen können. Das Problem mit den fehlenden Flächen sehen wir tatsächlich so auch nicht, denn es gibt ja eine ganze Reihe von Flächen, die genutzt werden können in vielen Stadtteilen Bremens und Bremerhavens. Wir könnten so loslegen – Flächen gibt es, Veranstalterinnen und Veranstalter stehen auch bereit. Grundsätzlich ermöglicht ja übrigens auch das Bremer Freiluftpartygesetz, nach Anmeldung beim Ordnungsamt spontanes, nichtkommerzielles Feiern unter freiem Himmel mit elektronisch verstärkter Musik auf öffentlichen Flächen durchzuführen. Dazu können alle Flächen genutzt werden, auch die, die eben nicht vorher von der Stadt ausgeschlossen wurden.

Als Fraktion finden wir die Idee von festen Freiflächen grundsätzlich gut, und wir fragen uns aber im Hinblick auf die Beschlusspunkte des Antrags, wer die Flächen verplant, wer genau den Planungsprozess durchführt, welche Akteure von Anfang an konkret an der Planung beteiligt werden, und viele Fragen mehr. Doch ehrlich gesagt sind diese Fragen obsolet, wenn die Coronaverordnung die Open-Air-Veranstaltungen gar nicht zulässt. Frau Wargalla, wir hätten uns Ihr Verständnis auch gewünscht für die Außengastronomie, denn da ist auch noch Luft nach oben.

(Beifall FDP – Zwischenruf Abgeordneter Robert Bücking [Bündnis 90/Die Grünen])

Letzter Satz: Was die Unterstützung bei der Erstellung der Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte betrifft, wundern wir uns, denn Hotels und Gastronomie hatten ja auch keine Hilfestellung, die mussten es auch allein schaffen. Deswegen sagen wir: Wir brauchen die Freigabe für Veranstaltungen und ein Testkonzept, das die Veranstaltungen zulässt. Deshalb werden wir uns bei diesem Antrag in dem Fall nur enthalten. – Vielen Dank!

(Beifall FDP)

Als nächste Rednerin hat das Wort die Abgeordnete Miriam Strunge.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Als Erstes muss ich sagen: Ich freue mich natürlich über die Zustimmung der CDU-Fraktion zu dem Antrag der Koalition und auch über die Nichtablehnung der FDP-Fraktion zu diesem Antrag. Was wir wollen ist, glaube ich, relativ eindeutig und klar. Es soll wieder musikalische Veranstaltungen geben, und das draußen. Wir alle wissen – das wurde jetzt schon in ganz vielen Redebeiträgen zum Ausdruck gebracht –, dass die Kulturbranche in der jetzt seit einem Jahr andauernden Pandemie wirklich extrem gelitten hat. Und innerhalb der Kulturszene waren es die Clubs und die Konzertveranstalter:innen, die wohl am frühesten von den Einschränkungen betroffen waren und auch am längsten unter diesen Einschränkungen leiden werden müssen. Für sie gab es jetzt ein Jahr Lockdown mit ganz, ganz minimalen Lockerungen zum Teil im vergangenen Sommer; aber der Kulturszene, der Musikszene und der Clubszene ist auch ihre Verantwortung in der Pandemie extrem bewusst, und sie wollen eben nicht die Gesundheit der Menschen aufs Spiel setzen.

Ich erinnere mich da noch ziemlich genau vor einem Jahr an ein Telefonat mit einem Bremer Club, der freiwillig seine Veranstaltungen abgesagt hat, bevor es die politische Entscheidung dazu gab, dass Veranstaltungen in größerem Rahmen nicht mehr stattfinden können. Sie wollten das machen, weil sie ihren Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten wollten. Das hieß aber eben auch – solange sie freiwillig schließen, ohne dass es dieses Verbot gibt –, dass sie dann auf den Einnahmeverlusten sitzen bleiben. Das klingt jetzt in der Rückschau ein wenig verrückt, aber vor einem Jahr war die Debatte eben noch so. Und ich nehme dieses Beispiel noch einmal, um einfach zu zeigen, dass dieser Branche die Sicherheit absolut wichtig ist und sich

daran auch nach einem Jahr der Pandemie nichts geändert hat.

Aber es gibt eben trotzdem den dringenden Wunsch, sichere Veranstaltungen zu ermöglichen. Wir sehen gerade, dass sich Berlin auf den Erprobungsweg macht; unter dem Motto „Perspektive Kultur“ findet da gerade ein Pilotprojekt statt, das auf „Testen, Testen, Testen“ setzt. So haben die Berliner Philharmoniker wieder punktuell aufgemacht, aber auch das Berliner Ensemble konnte Gäste empfangen, und auch die Clubkommission konnte ein Konzert stattfinden lassen. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Es ist jetzt nicht so, dass wir dieses Berliner Konzept übertragen, Frau Wargalla hat sehr deutlich gemacht, dass es bei uns um Veranstaltungen geht, die draußen stattfinden, Berlin versucht gerade zu erproben, wie drinnen Veranstaltungen möglich sein können. Aber ich finde diesen Blick nach Berlin trotzdem spannend, um zu sehen, dass wir halt in der Pandemie gerade an einem Schritt sind, bei dem wir schauen: Welche Möglichkeiten geben uns die Testungen, wieder ein Stück Normalität mit der Pandemie umsetzen zu können?

Wenn wir aber nicht nach Berlin schauen, sondern nach Bremen, dann haben wir hier im Sommer auch spannende Erfahrungen gesammelt. Da kann ich jetzt wirklich nur einzelne wenige Beispiele nennen, weil ich sonst hier sehr lange reden würde, aber es gab zum Beispiel das seit Jahren fest etablierte Format von Shakespeare im Park der Bremer Shakespeare Company, was natürlich jetzt in Zeiten der Pandemie besonders attraktiv war, draußen mit Abstand Theater im Sommer zu genießen. Der Sommer Summarum wurde ins Leben gerufen, bei dem Theater, Tanz und Musik Platz hatten, aber auch Akrobatik. Es gab das Straßenkunstfestival La Strada im Knoops Park, und es gab auch das Übersee-Festival, das auch 2020 nicht aufgegeben hat. Die hatten dann für jede Besucher:innengruppe kleine Inseln, Aufenthaltsinseln gebaut, auf denen die Besucher:innen sein konnten, und beim Verlassen der Insel musste dann immer Mund- und Nasenschutz getragen werden. Alles war draußen.

Ich zeige das nur noch einmal auf, weil man daran sieht: Es gibt auch Konzepte, wie Kultur sicher ermöglicht werden kann. Obwohl wir so viele Ideen haben, so viel Kreativität in Bremen, wird ja gar nicht so oft hingeschaut, was Bremen eigentlich macht. Dann haben wir es aber doch geschafft. Und mit dem CLUB100 ist Bremen sogar in die „Tagesthemen“ gekommen, was ja doch nicht so häufig

vorkommt. Der CLUB100 ist ein wirklich tolles solidarisches Projekt, was durch die Bremer Clubszene entstanden ist und unterstützt wurde von der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, um eine sichere Bühne zu bieten, die dann von verschiedenen Veranstalter:innen bespielt werden kann. Ich glaube, das war ein wichtiger Hoffnungsschimmer in dieser Veranstaltungsbranche, was absolut wichtig war in der Pandemie.

Der CLUB100 ist eben so konzipiert – ich muss schon zum Schluss kommen –, dass jetzt im Moment, wenn keine Besucher:innen da sein können, eben Veranstalter:innen – –.

(Glocke)

Darf ich jetzt noch weiterreden und dann nicht noch einmal kommen?

Zwei Minuten.

Zwei Minuten, das ist doch wunderbar, sonst rede ich gar nicht mehr zum Antrag. Also, CLUB100 kennen Sie alle, Sie haben die „Tagesthemen“ gesehen, Sie haben „buten un binnen“ gesehen, ich rede darüber nicht weiter, ich finde es aber ein Superprojekt.

Jetzt noch einmal zu unserem Antrag. Wir wollen noch mehr Perspektiven geben. Im Bundesland Bremen sollen also Open-Air-Veranstaltungsorte entstehen, unterstützt mit der nötigen Infrastruktur, von verschiedenen Akteur:innen, die dann unterschiedlich bespielt werden können. Denn wir glauben, wenn man in diesem Sommer irgendwie zu elektronischer Musik tanzen kann, dann wird es draußen eben sehr viel leichter Corona-konform zu realisieren sein als in einem Club. Es braucht aber nicht nur den Ort, um zum Beispiel ein Konzert umsetzen zu können, es braucht auch die entsprechende finanzielle Unterstützung, denn natürlich können auch mit den Abstandsregeln weniger Menschen zugelassen werden, als es sonst möglich wäre ohne Corona. Auch da ist Bremen nicht blank, das wurde auch schon angesprochen, es gibt die Fehlbedarfsfinanzierung für Veranstalter:innen, wo Erstattungen beantragt werden können, damit eben auch Konzerte in der Pandemie sich rechnen können.

Aber mit diesem Antrag wollen wir eben auch hier genau hinschauen, ob bestehende Fördertöpfe ausreichend sind oder aufgestockt werden müssen. Und es ist uns wichtig, heute ein klares Zeichen zu

setzen für die Kultur in Bremen, für Konzerte, die auch in der Pandemie funktionieren. Dabei werden sicherlich auch die Schnelltests eine ganz bestimmte Rolle, eine ganz wichtige Rolle spielen. Denn Kultur in der Pandemie muss wieder möglich sein, aber sie kann nur dann möglich sein, wenn sie sicher ist, und dafür werden wir uns auf den Weg machen. – Dankeschön!

(Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen)

Als nächste Rednerin hat das Wort die Abgeordnete Professor Dr. Eva Quante-Brandt.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Die wesentlichen und wichtigen Dinge sind zu diesem Thema bereits ausgeführt. Die Kulturschaffenden haben sehr unter Corona gelitten und haben trotzdem alles getan, um uns noch Kultur zu ermöglichen. Denn alle von uns wissen: Kultur brauchen wir für die innere Stabilität als auch für die eigene Widerständigkeit. Ohne Kultur ist ein gelingendes Leben aus meiner Sicht fast überhaupt gar nicht möglich. Wir haben jetzt Konzepte für Indoor-Veranstaltungen, die werden auch kontinuierlich weiterentwickelt. Wir wissen aber alle, dass sie ständig bedroht sind und ständig vor einem sogenannten Shutdown stehen. Ich bin der Auffassung, dass wir in der Kulturpolitik bis jetzt sehr gute Arbeit geleistet haben, um auch Kulturschaffende wirklich vor ihrem Ruin zu schützen, dank allen, die diese Politik mit unterstützt haben und die vor allen Dingen auch die Programme dafür entwickelt haben.

Jetzt geht es darum, zusätzliche Flächen zu schaffen, zusätzliche Flächen zu finden, um OutdoorKunst und Kultur und Clubangebote auch stattfinden lassen zu können. Ich halte das für richtig und ich halte das auch für wichtig, und auch, so wie es in dem Antrag formuliert ist, dass man für befristete Zeit zum Beispiel zwei oder drei zusätzliche Flächen sucht und findet. Das ist, glaube ich, ein richtiger Ansatz, es ist auch ein richtiger Ansatz, dort auszuprobieren, was geht. Aus den Beschlusspunkten können Sie auch ersehen, dass es uns auch ein großes Anliegen ist, dass das im Einvernehmen mit den Menschen vor Ort entwickelt wird, dass man gemeinsam zwischen der Clubszene und auch denjenigen vermittelt, die an den Flächen leben, in der Nähe der Fläche sind, sodass die auch gern möchten, dass dieses Angebot bei ihnen stattfindet.

Deswegen: Abstimmung mit den Bürgerinnern und Bürgern, Abstimmung mit den Beiräten, Abstimmung mit all denen, die auch dann durch die Kultur, durch die Musik, durch die Clubangebote, die dort stattfinden, sich angeregt fühlen und nicht belästigt finden. Das, glaube ich, ist ein ganz wichtiger Punkt, denn wir wollen ja, dass Outdoor-Kultur an Orten stattfindet, die auch den Menschen dann nützt, und zwar nützt in dem Sinne, dass es ihnen gefällt und dass sie daran gern partizipieren wollen.

(Beifall SPD, DIE LINKE)

Ich möchte noch einmal einen Punkt dazu sagen: Ich glaube, was wir unbedingt brauchen, ist ein gelingendes Testregime. Dieses sollten wir ruhig auch in Anlehnung an das, was jetzt in Berlin konzipiert worden ist, auch für den Outdoor-Bereich in Bremen konzipieren. Vielleicht können wir das damit auch noch einmal verbinden mit dem, was wir jetzt hier in dem Antrag geschrieben haben. Denn es ist ja das Ziel, dass die Menschen sich sicher fühlen, auch draußen sicher fühlen, und wenn es uns gelingen sollte, da einen vernünftigen Vorschlag zu entwickeln, der dann auch ähnlich wie der Berliner Vorschlag jetzt für die Indoor-Veranstaltungen seinen Widerhall gefunden hat, dann tun wir, glaube ich, Gutes, weil es uns dann gelingt, Menschen auch wieder in ein Miteinander zu bringen, was sie bis jetzt absolut vermisst haben.

Was ich auch glaube, was ganz wichtig ist – darauf ist von meinen Vorrednerinnen und Vorrednern schon eingegangen worden –: Die Clubszene und die Veranstaltungsszene brauchen wirklich wieder Luft zum Atmen. Und diese Luft zum Atmen können wir ihnen darüber geben, dass sie jetzt in der Zeit der Pandemie zusätzliche Flächen für den dann erst einmal befristeten Bereich auch bekommen können, um dort ihre Konzepte auch ausprobieren zu können. Sicherheit haben wir am Ende alle nur dann – das haben wir heute Morgen schon lang und breit diskutiert –, wenn geimpft, geimpft, geimpft wird; das ist sozusagen die Befreiungsstrategie, die wir alle brauchen. Und die Brückenstrategie, das wäre mein Wunsch, wäre dann, eine Teststrategie zu entwickeln. Das brauchen wir für die Kultur, das brauchen wir auch noch einmal für den Sport, und wenn uns das gelingt und wir das am Ende vernünftig miteinander praktizieren können, dann, glaube ich, können wir mit den zusätzlich bespielten Flächen, die wir für die Clubszene auch wollen, Gutes und Vernünftiges tun und auch das Kulturangebot für das Land, für die Stadtgemeinde erweitern. – Herzlichen Dank!

(Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)

Als nächster Redner hat Staatsrat Sven Wiebe das Wort.

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit nunmehr einem Jahr finden keine Konzerte mehr statt, seit einem Jahr müssen Bremerinnen und Bremer sowie Bremerhavenerinnen und Bremerhavener ohne Musik in den Clubs, Konzerten und sonstigen Veranstaltungsorten auskommen. Das ist aber nicht der entscheidende Punkt. Der entscheidende Punkt ist, seit einem Jahr stehen in der Veranstaltungsbranche Existenzen auf dem Spiel oder sind bereits zerstört. Auch wenn es staatliche Hilfsprogramme gibt, die mittlerweile besser ausgerichtet sind und bei den Betroffenen ankommen, so kompensieren sie doch nicht vollständig die finanziellen Ausfälle. Deswegen, die einzige wirkungsvolle Hilfe ist, den Spielbetrieb wieder zuzulassen und die Veranstalter und alle, die daran hängen, wieder ihrem Beruf nachgehen zu lassen.

Leider ist dies heute noch nicht möglich, muss aber das Ziel für spätestens diesen Sommer sein. In dem Sinne zeitgerecht haben die Koalitionsfraktionen jetzt einen Antrag eingebracht, der die gebeutelte Veranstaltungsbranche, zumindest einen Teil davon, durch die Bereitstellung von Freiflächen für Open-Air-Veranstaltungen unterstützen soll. Ich freue mich darüber, weil es wichtig ist, dass die agile Veranstaltungsszene in Bremen nach der überstandenen Pandemie weiter für spannende, laute, nachdenkliche, kritische und kreative Veranstaltungen in Bremen und Bremerhaven sorgen kann, also alles das, wofür diese Szene steht. Mit dem CLUB100 haben wir ein bundesweit beachtetes Modellprojekt geschaffen, das mit seinem hybriden Konzept aus Streaming und, so es die pandemische Lage erlaubt, auch einer reduzierten Zahl an Besucherinnen und Besuchern Konzerte während des Lockdowns ermöglicht.

So bieten wir den Bremer Clubs und Veranstaltenden, aber auch den Veranstaltungstechnikerinnen und Veranstaltungstechnikern und allen Sonstigen, die daran hängen, zumindest eine begrenzte Möglichkeit, ihrer Beschäftigung nachzugehen und schaffen gleichzeitig in dieser schweren Zeit eine Möglichkeit für die Menschen, Livemusik zu erleben. Klar ist, dass im Sommer die Nachfrage nach Open-Air-Veranstaltungen und dem direkten Erleben von Musik und Veranstaltungen wachsen wird. Hier schlägt der Antrag genau in die richtige

Kerbe, denn ich glaube, man darf es mehrfach sagen, es sind gerade die Konzertveranstalterinnen und -veranstalter, die in ganz besonderem Maße von dieser Pandemie betroffen sind. First in last out, so lautet die leider zutreffende Aussage von #Alarmstufe Rot, dem Bündnis der Veranstaltungsbranche. Die Branche ist diejenige, die als Erstes schließen musste und wird voraussichtlich eine der letzten sein, die wieder unter normalen Bedingungen arbeiten kann.

Umso wichtiger ist es, dieser Branche, aber auch unseren Bürgerinnen und Bürgern eine Perspektive aufzuzeigen, wann, wie und unter welchen Umständen wir es ermöglichen können, Konzertveranstaltungen und Ähnliches wieder durchzuführen. Dabei ist natürlich allen Beteiligten klar, dass solche Veranstaltungen nur dann möglich sein können, wenn sie unter Berücksichtigung des aktuellen Infektionsgeschehens, der Einhaltung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes – die Bedeutung eines Testsystems wurde angesprochen – und möglichst im Freien stattfinden. Und dies in Verbindung mit der Hoffnung, dass im Sommer weite Teile der Bevölkerung geimpft sein werden.

Um die Probleme der Branche möglichst schnell besprechen und bearbeiten zu können, aber auch, um flexibel auf die sich häufig ändernden pandemischen Umstände reagieren zu können, haben wir einen runden Tisch für die Veranstaltungsbranche initiiert. Auch hier wurde mehrfach über mögliche Flächen für Open-Air-Veranstaltungen diskutiert. Die Musikszene Bremen e. V. hat bereits ein Ideenpapier für mögliche Flächen und Anforderungen skizziert. Insgesamt wurden 18 Flächen ausgemacht, die grundsätzlich infrage kommen könnten. Flächen wie das Kellogg-Gelände, das Lankenauer Höft oder das Forum Fischereibahnhof in Bremerhaven wurden hier genannt. Zudem haben sich durch Aktivitäten einzelner Branchenakteurinnen und -akteure bereits einige Flächen und Projekte ergeben, die sich in unterschiedlichen Stadien der Konkretisierung befinden, darunter die Seebühne des Metropoltheaters und auf dem Domshof derzeit das Projekt Open Space. Hier sollen zwischen Mai und September dieses Jahres kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfinden.

Es ist hier der gesamte Senat gefordert, Flächen in den unterschiedlichen Ressortzuständigkeiten unbürokratisch zu prüfen und zeitnah für eine etwaige Bespielung durch Veranstalterinnen und Veranstalter zur Verfügung zu stellen. In diesen Zeiten gilt es auch, unkonventionelle Lösungen und Ideen konsequent zu verfolgen. Veranstaltungen im

Freien sind wahrscheinlich so lange die einzige Möglichkeit, größere Veranstaltungen coronakonform durchzuführen, bis wir eine Herdenimmunität über die Impfungen erreicht haben. Diese Ideen und Konzepte zeigen in jedem Fall, welche Potenziale wir hier in Bremen und Bremerhaven für die Veranstaltungsbranche trotz Pandemie haben.

Bremen hat das Ziel, für junge und kreative Menschen eine noch lebenswertere und damit weiterhin wachsende Stadt zu werden. Dabei spielt auch die Fachkräftesicherung und -Gewinnung und damit auch die Stärkung des Standortes Bremen eine gewichtige Rolle. Aus diesem Grund werden wir ein Programm erstellen, ein Programm mit dem Namen „Bremen – jung und kreativ“. Es soll ermöglichen, mit Workshops und digitalen Beteiligungsstrukturen Bedarfe von Kunst- und Kreativakteurinnen und -akteuren zu identifizieren. Dabei stehen die Ziele der Vernetzung, der Nutzbarkeit von Flächen und Räumen, dauerhafte Festivalflächen, Beratung und Coaching im Fokus und sollen so die Bremer und Bremerhavener Kunst- und Kreativszene stärken. Dies wird nötig sein, um diese Branche während, aber insbesondere auch mit Blick auf die Postpandemiezeiten an Bremen zu binden und die kreativen Potenziale unserer Stadt zu stärken und noch auszubauen.

Meine Damen und Herren, um zum Beginn meiner Rede zurückzukommen, die Veranstaltungsbranche braucht Perspektiven, temporäre Open-AirFlächen können hier ein wichtiger Baustein sein, um der Branche über diese schwere Zeit hinwegzuhelfen und auch den Menschen in Bremen für den Sommer etwas zu geben, auf das sie sich freuen können. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!