Protokoll der Sitzung vom 14.07.2005

Ihren Zwischenrufen entnehme ich schon Ihre tiefe Glaubensgewissheit.

(Jörg-Uwe Hahn (FDP): Das ist der Glaube an Gerhard Schröder!)

Ich sage Ihnen sehr deutlich: In meinem Leben hatte ich immer eine große Skepsis vor Menschen, die alles zutiefst glauben und selbst keine Kritikfähigkeit haben. Das gilt für den religiösen Bereich.

(Zurufe von der CDU und der SPD)

Das galt für die DKP, und – mit Verlaub – das gilt auch für Sie von der CDU und der FDP.

(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vielen Dank. – Das Wort hat der Umweltminister, Staatsminister Dietzel.

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Als ich diesen Antrag der GRÜNEN gelesen habe, war mir klar, dass dieses Thema bis zur Bundestagswahl aufrechterhalten werden muss. Heinrich Heidel, du sagst, das war es denn. Ich glaube, wir werden sicher noch einige Anträge und Diskussionen zu diesem Thema haben. – Aber bitte schön, wir wollen uns dann mit diesem Thema auch auseinander setzen.

Erster Satz von mir: Die Sicherheit in Biblis ist gewährleistet.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU)

Meine Damen und Herren, schauen wir uns die Gesamtentwicklung an. Sie haben sich in Ihrem Antrag auf die Vorkommnisse vom 5. Juli dieses Jahres fokussiert. Diese drei Vorkommnisse sind bei Prüfungs- und Wartungsarbeiten entdeckt worden. Meine Damen und Herren, ich denke, wesentlich ist, dass diese Arbeiten dann auch durchgezogen werden. Sie dienen dem frühzeitigen Erkennen von Mängeln.

Meine Damen und Herren, wenn ich mir das anschaue: Block A – Funktionsstörung in einem Frischdampf-Abblase-Sperrschieber; Block B – Ausfall eines Zuluftventilators; Block B – Nichtschließen eines Absperrventils. Meine Damen und Herren, wenn man das nach nationalen Meldekriterien einstuft, dann ist das Stufe N, das heißt „normal“. Wenn man es nach internationalen Kriterien einstuft, dann ist es 0 – d. h. unterhalb der Skala.

Das deutsche Melderecht ist wesentlich härter als das internationale. Das ist auch gut so.

Als wir 1999 die Regierung übernommen haben, haben wir erklärt, wir werden sämtliche Vorkommnisse melden und öffentlich machen – melden sowieso, an das Bundesamt für Strahlenschutz. Dort werden diese Meldungen ausgewertet.

Interessant ist ein Bericht des Bundesumweltministers: Nach Zulieferung des Bundesamtes für Strahlenschutz ist ausgeführt worden, dass an den Kernkraftwerken keine systematischen Schwachstellen festzustellen sind.

Meine Damen und Herren, damit sind sämtliche Kernkraftwerke gemeint, auch Biblis A und Biblis B.

Wenn wir die Entwicklung seit 1999 sehen, dann haben wir in Biblis A immerhin 45 sicherheitserhöhende Maßnahmen durchgezogen, für Kosten von mehr als 260 Millionen c. Meiner Meinung nach ist das angemessen. Meiner Meinung nach ist es angemessen, dass wir das so durchgezogen haben.

Wenn man dann die acht Jahre unter Rot-Grün anschaut: Da wurden ganze acht Maßnahmen durchgezogen.

(Ursula Hammann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN): Und was ist der Grund dafür?)

Das wurde damals nicht umgesetzt. Ich weiß, darüber haben wir uns schon gestritten.

(Norbert Schmitt (SPD):Aber ihr hattet euch doch gegen die Auflagen gestellt!)

Von den 55 sicherheitserhöhenden Maßnahmen,die Karlheinz Weimar noch 1991 auf den Weg bringen wollte, sind von Ihnen ganze acht umgesetzt worden. Das zeigt, wie viele Maßnahmen Sie dort zur Sicherheitserhöhung vorgenommen haben.

(Beifall bei der CDU und bei Abgeordneten der FDP)

Meine Damen und Herren, ich glaube aber auch, dass wir durch die Maßnahmen, die wir in den nächsten Jahren durchführen werden, das Sicherheitsniveau in Biblis weiter erheblich verbessern werden. Von einem „Schrottreaktor“ kann jetzt keine Rede mehr sein.

(Zurufe der Abg. Frank-Peter Kaufmann und Ur- sula Hammann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))

Bei der Sicherheit werden wir auch keinen Rabatt geben. Wenn wir die Bundestagswahl gewinnen – wovon ich im

Augenblick ausgehe –, dann diskutieren wir über Laufzeitverlängerungen. Herr Schmitt, ich habe Ihnen schon gesagt: Ich bin ausdrücklich nicht der Meinung des umweltpolitischen Sprechers der CDU-Bundestagsfraktion, Herrn Paziorek, dass hier einfach ein Freibrief ausgestellt werden kann. Meine Damen und Herren, wenn wir die Bundesregierung übernehmen, werden Laufzeitverlängerungen eindeutig an sicherheitserhöhenden Maßnahmen orientiert werden. Bei der Sicherheit gibt es bei uns aber keinen Rabatt.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU)

Es gibt einen interessanten Pressebericht vom 11.07. von der Kollegin Conrad – mit der ich eigentlich relativ gut kann.

(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dienstlich doch.

(Allgemeine Heiterkeit)

Meine Damen und Herren, es bringt eindeutig zum Ausdruck, dass der Wahlkampf eröffnet worden ist, wenn diese Themen auch von ihr aufgegriffen werden.

Frau Kollegin Hammann, die Kollision des Schiffes in Biblis – auch am selben Tag –: Sie haben kritisiert, dass ich auf Ihren Brief noch nicht geantwortet habe. Er ist bei mir am Montag eingegangen. Ich habe gehört, die Antwort ist jetzt fertig, ich werde sie heute noch unterschreiben.

Meine Damen und Herren, ich denke, es ist richtig, was hier von FDP und CDU gesagt worden ist. Wir brauchen einen Energiemix.Wir stehen auch zur Kernkraft.Wir stehen zu fossilen Energien, zumindest für eine gewisse Zeit. Meine Damen und Herren, wir brauchen erneuerbare Energien.

Aber wenn wir zur Kernkraft stehen, dann sage ich auch eindeutig:nur auf höchstem Sicherheitsniveau.Das haben wir bewiesen, und wir werden das auch in den nächsten Jahren so machen.

(Beifall bei der CDU und des Abg. Michael Denzin (FDP))

Vielen Dank. – Es gibt zu diesem Punkt keine weiteren Wortmeldungen. Dann ist diese Aktuelle Stunde abgehalten.

Ich rufe Tagesordnungspunkt 108 auf:

Antrag der Fraktion der CDU betreffend eine Aktuelle Stunde (Erfolgreicher Familientag – gute Familienpolitik in Hessen) – Drucks. 16/4226 –

Das Wort hat der Kollege Reißer, CDU-Fraktion.

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Am vergangenen Samstag fand in Hofgeismar in eindrucksvoller Weise der dritte Hessische Familientag statt.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU)

Über 200 Organisationen und Initiativen haben ein umfangreiches Programm gestaltet. Mehr als 30.000 Besucher – Familien und Kinder – waren dort. Auch Minister

präsident Koch und Sozialministerin Lautenschläger haben den Familientag besucht.

(Heiterkeit und demonstrativer Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dieser Hessische Familientag war ein grandioser Erfolg. – Sogar die Opposition klatscht, das ist ja hervorragend.

Wir wollen die Belange und Interessen der Familien weiter stärken und ins öffentliche Blickfeld rücken. Familienpolitik ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch Lobbyarbeit für Familien.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU)

Unser Ziel ist es, die Kinder- und Familienfreundlichkeit in unserem Land weiter zu fördern. Der Familientag soll unter anderem für die Bedürfnisse der Familien sensibilisieren und die Freude an ihr wecken.

(Norbert Schmitt (SPD): Warum machen Sie das nicht, wenn es Ihr Ziel ist?)