Protokoll der Sitzung vom 27.06.2002

Es wäre das Konzept, eine demokratische Gelöbniskultur in Deutschland erstmalig zu verankern.

(Vereinzelter Beifall bei der GAL – Unruhe im Hause – Glocke)

Meine Damen und Herren! Es ist im Plenarsaal zu laut. Das Wort hat Frau Sager.

Danke, Herr Präsident.

Ich bin jedoch der Meinung, Herr Freytag, dass der historische Zeitpunkt und das Argument von den neuen Aufgaben der Bundeswehr Ihre Haltung gerade nicht stützt, sondern dass sie eher für eine andere Haltung sprechen.

Es ist doch so: Wenn die Aufgaben der Bundeswehr immer weniger im Bereich des Landesverteidigung und immer mehr im internationalen Krisenmanagement und in Friedensmissionen liegen, dann werden diese immer weniger die Aufgaben von Wehrpflichtigen, sondern die einer Berufs- und Freiwilligenarmee.

(Wolfgang Drews CDU: Deswegen soll es keine Gelöbnisse geben?)

Somit entfällt doch gerade das, was in anderen Ländern die demokratische Gelöbnistradition begründet.

(Dietrich Rusche CDU: Das ist Unsinn!)

Damit haben Sie schließlich den Berufssoldaten. Das ist nicht der einzige Berufsstand, der feierliche Gelöbnisse abgibt. Er veranstaltet diese aber eben nicht auf dem Rathausmarkt.

Nun kommen wir einmal wieder zu Ihnen.

(Oh-Rufe bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP)

Es geht Ihnen ernsthaft gar nicht um die Betrachtung der Gelöbnisse in der demokratischen Gesellschaft. Ein öffentliches Gelöbnis – zum Beispiel vor dem Berliner BendlerBlock, das zum Jahrestag des 20. Juni stattfand – interessiert Sie doch gar nicht.

(Dr. Michael Freytag CDU: Wir sind jetzt aber in Hamburg!)

Der ehemalige Leitende Wissenschaftliche Direktor am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in München, Herr Dr. Detlef Bald, hat auf einem Symposium in Hamburg in einer bemerkenswerten Rede zum Thema „Öffentliche Gelöbnisse in der Demokratie“ aus meiner Sicht richtig festgestellt: Seit 1997/1998 geht es Ihnen offenkundig um den Wunsch einer parteipolitischen Profilierung und

(Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Wissenschaftler und Sozialwissenschaftler!)

Abgrenzung von Gegenmeinungen im Kontext einer Konfrontationsstrategie.

(Beifall bei der GAL – Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Sie können gar nicht mehr klar denken!)

Zu dem dadurch erreichten Ergebnis stellt Herr Dr. Bald aus meiner Sicht richtig fest – ich zitiere –:

„Das Gelöbnis, das von der Gültigkeit bürgerlicher Normen im Militär Zeugnis ablegen sollte, wurde zum Zweck der Unterscheidung und der Trennung von Militär und Gesellschaft.“

(Krista Sager GAL)

(Burkhardt Müller-Sönksen FDP: Die Trennung machen Sie doch!)

Ihre Ergebnisse.

Weiter führt Herr Dr. Bald – leider richtig – aus,

„dass die öffentliche Aufmerksamkeit sich auf die Konfrontationsstrategie richtete und richte und nicht die gut gemeinten Reden“.

(Dr. Michael Freytag CDU: Lassen Sie doch Ihre Konfrontation!)

Ich kann Herrn Dr. Bald nur zustimmen, wenn er sagt, dass es für die zivil-militärischen Beziehungen, für die Gesellschaft und für die Bundeswehr schädlich sei.

„Der Primat der Integration des Militärs in die Gesellschaft“

das war Ihr Ansatz, Herr Freytag –

„wurde durch diese Parteistrategie nicht befördert, sondern verletzt.“

So die Feststellung von Herrn Dr. Bald.

(Beifall bei der GAL)

Ich schließe meine Betrachtung mit den Worten: Wer eine schöne Feier für die Bundeswehr will – das wollen auch wir –, sollte mit dem hohen Ansehen, das die Bundeswehr in der Bevölkerung genießt, bedachtsamer umgehen als Sie

(Dr. Michael Freytag CDU: Sie sind doch völlig iso- liert mit Ihrer Meinung, Frau Sager!)

und nicht auf parteipolitische Polarisierung und Konfrontation setzen.

(Beifall bei der GAL)

Das Wort hat der Abgeordnete Müller-Sönksen.

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Erstens: Frau Sager, Sie sprechen in Anbetracht des Konsenses hier im Hause von einer Profilierung. Ich glaube, keine der Parteien, die diesem Antrag zustimmen werden, will sich parteipolitisch profilieren,

(Michael Neumann SPD: Hoffen wir es!)

sondern sie wollen ein Stück demokratische gewachsene Kultur in diesem Land umsetzen.

(Krista Sager GAL: Es gibt da keine gewachsenen Traditionen!)

Sie dagegen profilieren sich leider aufgrund der Bundeswehrangehörigen.

Zweitens: Sie haben die Frage aufgeworfen, ob der Bundeswehr das Gelöbnis quasi aufgedrängt werde. Das mag Ihnen so vorkommen, weil Sie – mit Ausnahme des von Ihrer Partei gestellten Außenministers – auf diesem Ohr taub sind. Herr Fischer hatte damit keine Probleme. Sie müssen das innerhalb der eigenen Partei ausmachen, dass die Bundeswehr erstmalig außerhalb der Bundesrepublik Deutschland zu einem Kampfeinsatz geschickt wurde.

(Dr. Michael Freytag CDU: Sehr richtig!)

Mit der innerparteilichen Profilierung ist Ihr Problem. Das zu dem Thema.

(Krista Sager GAL: Das hat mit dem Gelöbnis nichts zu tun!)

Sie haben die Behauptung aufgestellt, dass uns die Bundeswehr in Hamburg nicht gefragt hat. Das ist nicht wahr. Vielleicht haben Sie es in der Vergangenheit nicht gehört oder Sie wurden nie gefragt, weil man dazu Ihre Haltung und die entsprechende Antwort in Hamburg kennt.

(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive – Uwe Grund SPD: Wer fragt Sie denn?)

Es ist falsch, dass nicht gefragt wurde.