Protokoll der Sitzung vom 11.12.2002

Auch hier stehen wir Sozialdemokraten zum konsequenten Vollzug des Wohnwagengesetzes, das wir beschlossen haben, aber eben auch zum friedlichen Demonstrationsrecht.

(Dr. Michael Freytag CDU: Dass Sie dazu nicht ste- hen, haben wir schon immer gewusst!)

In unserem Antrag „Freiheit und Sicherheit – Für eine gute Innen- und Rechtspolitik“ haben wir das zusammengefasst. Weil für uns Innen- und Rechtspolitik zusammengehören, machen wir dies auch deutlich. Wir nehmen nicht hin, dass tausende von friedlich demonstrierenden Menschen in unserer Stadt durch einen Innensenator kriminalisiert werden.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Wir stehen zu unserem friedlichen Demonstrationsrecht und auch zu unserer Polizei. Wir danken unserer Polizei für ihren schweren Dienst, denn sie steht an der Front und nicht derjenige, der durch seine unverantwortlichen Sprüche und sein Handeln schuld daran ist.

(Beifall bei der SPD und der GAL – Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Sie haben die Bauwagenplätze hinterlassen!)

Der Widerstand in unserer Stadt wächst. Aber auch der Widerstand aus den eigenen Reihen in der Innenbehörde wird immer stärker. Anfangs wurden Polizeiführer, die es wagten, kritisch, aber konstruktiv zu sein, oder sich auch für schwule Mitarbeiter engagierten, strafversetzt. Nun wird auch der Leiter der Rechtsabteilung, weil er das Vorgehen gegen die Bambule in Teilen für rechtswidrig hält, abgekanzelt, dem alten Grundsatz folgend, wer nicht spurt, fliegt.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Dabei hatte der Innensenator doch noch im April erklärt – und ich habe hier das wörtliche Zitat –:

„Kompetenz und Professionalität werden wir fördern, nicht Parteibücher.“

Nun sind wir in der Opposition einmal gespannt, wie sich die Personalie Marc März weiterentwickeln wird.

(Rolf Harlinghausen CDU: Da werden Sie noch lange gespannt sein!)

Der persönliche Referent des Senators, Herr Model, hat bereits vorgeschlagen, eine Scheinausschreibung vorzunehmen,

(Frank-Michael Bauer Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Sie können sich ja bewerben, Herr Neu- mann!)

bei der das Ergebnis von vornherein feststeht. Offensichtlich scheint in der Innenbehörde unter Staatsrat Wellinghausen und seinem Senator ein Regime der Angst zu herrschen.

(Michael Neumann SPD)

(Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Angst und Schrecken!)

Die Erfahrung der Menschen zeigt, dass ein solches Regime der Angst nicht lange Bestand hat, denn Führung, die auf Angst basiert, wird niemals bestehen und sie findet keine Akzeptanz bei den Menschen, weder in der Behörde noch in der Stadt.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Noch ein persönliches Wort zu Herrn Schill, unserem Innensenator. Wenn er über seine Kritiker immer wieder von Psychopathen spricht, dann glaube ich, dass dies mehr über ihn selbst verrät als über seine Kritiker.

(Beifall bei der SPD – Unmutsäußerungen bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP – Glocke)

Herr Neumann, ich rufe Sie zur Ordnung.

(Uwe Grund SPD: Was hat er denn gesagt?)

Im Kampf gegen den Terror – und das ist ein wichtiges Thema – brauchen wir Härte, Entschlossenheit, aber vor allem auch Augenmaß, also genau das, was der Innensenator bisher sträflich vermissen lässt. Das Spannungsverhältnis – Herr Freytag hat das hier auch schon angesprochen – zwischen Freiheit und Sicherheit muss immer wieder im Angesicht der Herausforderungen neu austariert werden und das verantwortlich zu tun, dafür stehen wir Sozialdemokraten.

(Beifall bei der SPD – Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Das haben Sie gezeigt!)

Nicht ohne Grund habe ich in der letzten Debatte um das Verfassungsschutzgesetz unserem Verfassungsschutz ausdrücklich unser Vertrauen ausgesprochen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren schweren Dienst gedankt.

(Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Abgebaut haben Sie!)

Diesem Senator jedoch ist eben nicht zu trauen.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Die Gewaltphantasien, die sich nun mit den neuesten Vorschlägen des Innensenators Bahn gebrochen haben, sprengen aus meiner Sicht jedweden rechtlichen, aber auch jeden menschlichen Rahmen.

(Beifall bei der SPD und der GAL – Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Das ist unge- heuerlich!)

Wir leben weder in Hamburg noch in Deutschland in einem Bürgerkrieg und wir sollten dankbar dafür sein. Deshalb, Herr Schill,

(Norbert Frühauf Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Das haben wir Herrn Schill zu verdanken, dass wir das nicht tun!)

fordere ich Sie auch auf, dass Sie damit aufhören, die feigen Terroranschläge, die es sicherlich gewesen sind, dazu zu missbrauchen, die Freiheitsrechte der Menschen ständig einschränken zu wollen. Machen Sie den Menschen Hoffnung, aber machen Sie den Menschen nicht unverantwortlich Angst.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Sie haben als Senator vor dieser Bürgerschaft, vor unserer Stadt einen Amtseid geleistet, Herr Schill.

(Norbert Frühauf Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Aber nicht vor Ihnen!)

Wenn Sie diesem nicht gerecht werden können, dann sollten Sie endlich Konsequenzen ziehen. Sie schaden Hamburg und mehren nicht den Nutzen unserer Stadt. – Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Das Wort bekommt der Abgeordnete Lüdemann.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Neumann, Sie haben hier einen Rundumschlag gemacht, der sich hauptsächlich gegen die Person des Senators Schill gerichtet hat.

(Christa Goetsch GAL: Gegen seine Politik!)

Sie sind aber inhaltlich nicht auf die Politik des Senats eingegangen.

(Uwe Grund SPD: Wo waren Sie gerade?)

Herr Grund sprach am Montag auch schon über die verfehlte Politik des Senats. Lassen Sie uns doch jetzt einfach einmal über Fakten sprechen und dann beurteilen Sie die Politik von Herrn Schill.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP)

Dieser Senat ist angetreten, mehr für die Innere Sicherheit dieser Stadt zu tun.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP)

Fakt ist, dass wir in Hamburg – entgegen dem Bundestrend – einen Kriminalitätsrückgang von 16,3 Prozent haben.