Protokoll der Sitzung vom 11.12.2002

Diese, Ihre fachpolitische Niederlage hat mit der November-Steuerschätzung absolut nichts zu tun.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Jahrelang ist die CDU durch die Stadt gezogen und hat allen erklärt, wie einfach es sei, die Sozialhilfezahlen in Hamburg zu senken. Sie haben jetzt seit fast einem Jahr steigende Zahlen. Frau Senatorin, stehen Sie zu Ihren Fehlern. Stehen Sie endlich zu Ihrer Verantwortung.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Was gibt es sonst aus der Sozialbehörde? Es gibt weiterhin, trotz fester Zusage und Ankündigung, kein LandesBehindertengleichstellungsgesetz, auch nicht in diesem Haushalt. Weder gibt es etwas von der Senatsseite, noch gibt es etwas von den Fraktionen, obwohl es im September auf Initiative der SPD- und der GAL-Fraktion eine Sachverständigenanhörung im Sozialausschuss gegeben hat und seitens der Opposition ein Eckpunktepapier der SPD-Fraktion und ein Gesetzentwurf der GAL-Fraktion vorliegen.

Im Mai dieses Jahres hat Herr Schira hier in der Debatte zu unseren Vorschlägen über die „kommenden Vorschläge“ der CDU gesprochen. Das war vor sieben Monaten, gekommen ist nichts, gar nichts.

Was bringt der Sozialhaushalt für die Bezirke? In Ihrem Vorwort zum Haushaltsplan 2003 heißt es:

„Die Stärkung der Bezirke als direkte Leistungserbringer für die Bürgerinnen und Bürger wird angestrebt.“

Das Ziel können wir unterstreichen. Anstatt die Bezirke wirklich zu stärken, zeichnet sich aber deutlich ab, dass die Bezirke wieder einmal zu den größten Verlierern bei den Sparmaßnahmen werden.

(Beifall bei der SPD und bei Dr. Verena Lappe GAL)

Gerade beim Service für Ältere und Behinderte soll eingespart werden. Die Rentenberatungsstellen sind bereits zentralisiert, die Behindertenberatungen in den Bezirken werden folgen. Konkret bedeutet das, die Schwächsten der Gesellschaft sind betroffen. Die Obdachlosenberatung wollen Sie dezentralisieren, in die Bezirke geben und die Beratung aus einer Hand anbieten.

Dem kann die SPD-Fraktion nur zustimmen. Nur, Frau Senatorin, mal ganz ehrlich, dieses Ziel hatte auch Ihre Vorgängerin, es ist also keine Idee des konservativen Senats. Die Pläne lagen doch schon bei der Amtsübernahme in den Schubläden und wir fragen uns, wieso wir immer noch kein Konzept zur Betreuung Obdachloser vorliegen haben.

(Vereinzelter Beifall bei der SPD)

Bedeutet das effizientes Arbeiten? Immer wieder mit riesigen Vorschusslorbeeren angekündigt, immer wieder mit tollen Ergebnissen vorausgesagt, bis heute gibt es kein Konzept.

Ein Konzept, aber kein vernünftiges, liegt zur Auflösung und Privatisierung der bezirklichen Schuldnerberatung vor,

wodurch erstens bereits erfolgte Schulungen und Investitionen zunichte gemacht werden und zweitens es keine Hilfe aus einer Hand für Obdachlose geben wird. Hier widersprechen Sie Ihren eigenen Ankündigungen. Die Überlappung der Probleme Wohnungslosigkeit und Überschuldung ist auch Ihnen bekannt. Drittens ist offen, was in der Übergangszeit der Privatisierung der Schuldnerberatung passieren soll. Ich prophezeie Ihnen hier einen Reinfall wie bei den Sozialhilfezahlen. Die Beispiele Rentenberatung, Beratungsstelle für Körperbehinderte und Schuldnerberatung zeigen, dass die Resolution der eigenen Fraktionsvorsitzenden der CDU in den Bezirken – unter anderem auch an Sie gerichtet, Frau Senatorin – richtig ist. Ich zitiere:

„In Anbetracht einer dramatischen Verschiebung der Kompetenzen von den Bezirken in die Fachbehörden gerät das Ziel in den Koalitionsvereinbarungen, eine Stärkung der Bezirke vorzunehmen, in Gefahr.“

Zentralisierung statt Bürgernähe, das ist Ihre Politik.

(Beifall bei der SPD und bei Dr. Verena Lappe GAL)

Bürgernähe erhalten, das ist unsere Politik.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch zum Grundsicherungsgesetz ganz konkret sagen, wie wir uns das vorstellen. Dieses Gesetz, für ältere Menschen ab dem 65. Lebensjahr und für Vollerwerbsgeminderte, tritt zum 1. Januar 2003 in Kraft. Sie, Frau Senatorin, haben die Vorbereitung dieses Gesetzes in der Hoffnung auf einen Sieg bei der Bundestagswahl verzögert. Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten ein Auge darauf haben, ob die Hamburgerinnen und Hamburger – es geht hier um Ältere, insbesondere um ältere Frauen sowie um Menschen mit Behinderung – die Leistungen erhalten, die ihnen zustehen.

Mein Fazit an die Senatorin und auch an die Regierungsfraktionen gerichtet, auch wenn sie nicht zuhören, es scheint ja offensichtlich nicht interessant zu sein:

(Michael Neumann SPD: Unglaublich! – Dr. Andrea Hilgers SPD: Unerhört! – Norbert Frühauf Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Das ist langweilig!)

Ihre Politik genügt unseren Ansprüchen an eine moderne und effiziente Sozialpolitik nicht.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Darüber sollten Sie, die Regierungsfraktionen, auch nachdenken. Ihre Politik wird Ihren eigenen Ankündigungen und Ansprüchen nicht gerecht.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Das Wort erhält der Abgeordnete Schira.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wir beraten hier heute eigentlich den ersten Haushalt der Behörde für Soziales und Familie. Der andere war ja noch in weiten Teilen der alte.

Ich finde es schon sehr bemerkenswert, dass es um das „Haus Sozialbehörde“ richtig ruhig geworden ist. So lange ist es noch nicht her, dass der Name „Sozialbehörde – Hamburger Straße“ immer so etwas wie Angst und Schrecken in der Stadt ausgelöst hat,

(Petra Brinkmann SPD)

(Doris Mandel SPD: Bei wem das denn?)

selbst bei Sozialdemokraten, das weiß ich aus persönlichen Gesprächen. Die kamen nun nicht aus dem Kreisverband Nord, Frau Mandel, das ist schon klar, aber einige haben mir schon interessante Sachen gesagt: Filz, Unprofessionalität, Intransparenz, das war die sozialdemokratische Dreieinigkeit in der Sozialbehörde.

(Beifall bei der CDU und der Partei Rechtsstaat- licher Offensive)

Senatorin Frau Schnieber-Jastram hat damit gründlich aufgeräumt und das ist gut so.

(Beifall bei der CDU und der Partei Rechtsstaat- licher Offensive)

Frau Brinkmann, Sie und die Opposition sprechen gebetsmühlenartig von der sozialen Kälte des Bürgersenats.

(Petra Brinkmann SPD: Das Wort habe ich über- haupt nicht benutzt!)

Indirekt haben Sie es natürlich benutzt, Frau Brinkmann.

(Petra Brinkmann SPD: Da haben Sie gerade geklönt!)

Das machen Sie die ganze Zeit, aber darauf werde ich noch gesondert eingehen.

Soziale Kälte war es von Ihnen, die Menschen zu bevormunden, einzuengen und zu reglementieren. Soziale Kälte war es von Ihnen, die Menschen nicht nach ihren Fähigkeiten, ihren Unterschiedlichkeiten zu fördern. Soziale Kälte war es von Ihnen, nicht zu erkennen, dass die Verantwortung für den einzelnen Menschen elementar für unser Zusammenleben ist.

(Beifall bei der CDU und der Partei Rechtsstaat- licher Offensive)

Liebe Kollegen in der SPD! Sozial kalt und zynisch ist es, in kürzester Zeit dem Bürger, dem Wähler das Gefühl zu geben, betrogen und belogen worden zu sein wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

(Doris Mandel SPD: Von Ihrer Senatorin!)

Sie machen den Menschen Angst, Angst den Arbeitsplatz zu verlieren, Angst,

(Glocke)

Hatte ich das Wort „belogen“ gehört? Dann habe ich Sie zur Ordnung zu rufen.

Ich will und darf nicht mit dem Präsidenten diskutieren, es geht mir um Gefühle von Menschen,

(Norbert Frühauf Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Aber Recht hat er!)