Frau Koop, Sie haben auf die Umstellung auf Bachelor und Master hingewiesen. Mir ist aus unserer letzten Sitzung im Wissenschaftsausschuss noch ein kleiner Bonbon hängen geblieben. Wir haben erfahren, dass die Ausbildung der Theologie-Studenten gar nicht auf Bachelor und Master umgestellt wird. Ich frage den Senat, was wir dann mit den Religionslehrerinnen und Religionslehrern machen, wenn die beiden großen Kirchen es gar nicht wollen, dass auf Bachelor und Master umgestellt wird. Auch das sollte uns im Wissenschaftsausschuss noch beschäftigen.
Der Knackpunkt bei der Reform ist für mich allerdings die Neustrukturierung der einzelnen Lehrämter. Für das Lehramt an Gymnasien, Berufs- und Sonderschulen gibt es eine Masterausbildung – das begrüßen wir – plus eines zusätzlichen Vorbereitungsdienstes. Für das Lehramt in der Primarstufe und der Sekundarstufe I ist dieses allerdings nicht vorgesehen. Da soll der Vorbereitungsdienst in den Master integriert werden. Ich halte es für bedenklich, wenn man junge Menschen keinen Masterabschluss machen lässt. Es hängt nicht nur von den Zensuren ab, die jemand in Prüfungen erreicht, sondern wenn sein oder ihr Fach in Hamburg zurzeit an der Schule nicht gebraucht wird, dann kann er oder sie den Master nicht abschließen.
Wir bitten darum, im Ausschuss noch einmal darüber zu diskutieren, ob es wirklich sinnvoll ist, dass der Master für das Lehramt in der Primarstufe und in der Sekundar- stufe I den Vorbereitungsdienst enthält.
Wir würden es begrüßen, wenn es wie bei den anderen Lehrämtern einen Masterabschluss gibt und der Vorbereitungsdienst dann obendrauf gesattelt wird.
Wir sollten im Wissenschaftsausschuss, wie wir es bei anderen Themen in bewährter Weise tun, gemeinsam über diesen Punkt und über die Kerncurricula diskutieren. Ich möchte Sie natürlich davon überzeugen, diese Strukturierung der einzelnen Lehrämter noch einmal zu überdenken. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das als gemeinsames Projekt gelingen könnte.
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Frau Koop, ich nenne jetzt erst einmal zwei Punkte, die ich überhaupt nicht mit Ihnen teile. Ich kann es an dieser Stelle nicht stehen lassen, dass Lehrerinnen und Lehrer davonlaufen, wenn Referendare oder Studentinnen oder Studenten an die Schule kommen. Das ist eher der Fall, weil die Anteile des eigenverantwortlichen Unterrichts so gehoben worden sind, dass es organisatorisch teilweise eine Katastrophe ist.
Wir sind immer froh – auch die Klassenlehrerinnen, ich sage das als ehemalige Praktikerin –, wenn wir Referendare ausbilden dürfen. Das ist nämlich unser Nachwuchs. Jede zusätzliche Hand im Unterricht ist ein Segen, egal ob ich Siebentklässler, Neuntklässler oder Erstklässler in der Klasse habe.
Der zweite Punkt, den ich nicht teile, ist, dass die Werbung um Seiteneinsteiger falsch wäre. Wir werden ein riesiges Nachwuchsproblem bekommen, wenn wir nicht wie schon im Berufsschulbereich, im Sonderschulbereich oder bei Mangelfächern Seiteneinsteiger akquirieren, die sich pädagogisch über Referendariat oder andere Möglichkeiten nachqualifizieren. Wir werden in Hamburg eine Katastrophe erleben, wenn wir das nicht machen.
Jetzt zum Positiven. In der Drucksache steht im Großen und Ganzen viel Richtiges, wenn man bedenkt, dass sechs Jahre mehr oder weniger Stillstand war. Vor genau sechs Jahren, nämlich am 5. April 2000, hat in der Bürgerschaft ein grünroter Antrag "Reform der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer" die ganze Geschichte angeschoben, und zwar mit den wichtigen Punkten Kerncurricula, Prioritäten, die Sie schon nannten, und der Verzahnung der drei Phasen. Man sieht daran wieder, wie lange es dauert, bis es endlich etwas wird. Dass es so lange dauerte, bis dieser Vorschlag auf dem Tisch lag,
lag allerdings auch daran, dass sich die Beteiligten, nämlich sowohl die Universität als auch das Landesinstitut, lange die Zähne daran ausgebissen und wir auch mit den Fachwissenschaften reichlich Probleme hatten. Ich teile absolut Frau Brünings Einschätzung, dass die Fachwissenschaften "in die Hufe" kommen müssen, ihre Arroganz gegenüber Lehrerinnen- und Lehrerstudenten ist teilweise unglaublich. Dabei leben sie teilweise nur davon, dass sie überhaupt diese Studenten haben, und müssen sich gefälligst auf den Hintern setzen, um entsprechende Module zu entwickeln.
Das war einmal anders. Die Uni war einmal weiter und die Referendarausbildung war eine Katastrophe. Das hat sich in den letzten zehn Jahren sehr geändert.
Das uns jetzt vorliegende Ergebnis weist in die richtige Richtung. So etwas sage ich sicherlich selten. Ich bin allerdings enttäuscht, weil an bestimmten Stellen tatsächlich der Mut gefehlt hat, eine große Reform in Angriff zu nehmen.
Das Ziel, die Stärkung des Praxisbezugs, ist absolut richtig. Es ist wichtig, dass die starre Trennung von Studium und Referendariat aufgehoben wird. Sie wird tatsächlich gelockert. Es war immer gruselig, dass im Referendariat teilweise wieder infantilisiert wurde oder es auch im Studium sehr viel Willkür und keine Verbindlichkeiten gab. Dieses wurde durch die Sozietäten, dass alle Teilbereiche – erste, zweite und dritte Phase der Lehrerbildung – sich zusammensetzen mussten, verändert. Es gibt das Kernpraktikum im Studium, das absolut richtig ist. Wir hätten allerdings befürwortet, weil es nur als Modellversuch gemacht wird, dass es ein integriertes Lehrerstudium gibt. Wir sind in unserer fachlichen Entwicklung inzwischen so weit, dass wir sagen, lasst die Lehrerinnen- und Lehrerstudenten eine integrierte Ausbildung machen und das Referendariat in die Ausbildung integrieren. Es ist letztendlich ein halbherziger Schritt, dass nach einem Jahr Schulpraxis – sprich: Referendariat, das ja verkürzt wird von 18 Monaten auf zwölf Monate, jetzt also nur noch ein Rumpfreferendariat ist – und nach einer Masterprüfung die nächste Prüfung, ein Staatsexamen, abgelegt werden muss. Da muss sich der Senat fragen lassen,
Absurd finde ich das Festhalten an einer schulformdifferenzierten Ausbildung, dass es Lehrerinnen für Grund-, Haupt- und Realschulen geben soll, die dann wiederum ein halbes Jahr weniger studieren als Gymnasiallehrer. Das ist wieder ein typisches Beispiel für ein Gesellschaftsbild von gestern.
Alle reden von Kindern, von kleinen Kindern, von ihrer Zukunft. Wenn es aber um Grundschüler geht, dann erhalten sie Lehrer mit einer kürzeren Ausbildung.
Das heißt nicht, dass ein Gymnasiallehrer, der an der Oberstufe unterrichtet, sich fachlich anders spezialisieren muss. Aber der Grundschullehrer braucht ganz andere Kompetenzen.
Insofern ist unser Credo: Fünf Jahre Ausbildung, in der aber beispielsweise schon der Vorbereitungsdienst mit enthalten sein muss, und nicht länger. Wir haben heutzutage den Wahnsinn, dass der Durchschnittslehrer mit 32 Jahren anfängt, an die Schule zu gehen.
Das heißt, wir brauchen eine Verkürzung der Ausbildung, wir brauchen eine Konzentrierung und eine Integration der Praxis.
Jetzt noch einmal zu dem Bild, das es von Grundschullehrerinnen gibt, die kleinere Kinder unterrichten. Manchmal habe ich das Gefühl, hier wird nach dem Motto verfahren, ein Kinderarzt braucht auch weniger Zeit, weil er kleinere Kinder untersucht. Insofern mein Plädoyer, dass alle ein gleiches Studium absolvieren, aber mit unterschiedlicher Spezialisierung.
Ich will das eine oder andere überspringen und komme zu dem Punkt, der ein bisschen problematisch ist. Es wird jetzt eine große Reform angestoßen, aber es steht in dieser Drucksache nirgendwo etwas über die Ressourcen. Wie soll das eigentlich in der Schule, in der Ausbildung aussehen? Wie soll das Kernpraktikum vonstatten gehen. All das ist hier wieder nicht erwähnt.
Mein Fazit: Es geht absolut die richtige Richtung, es geht jetzt endlich los. Ich möchte aber zum Schluss noch deutlich einige Schritte benennen, die wir als grüne Fraktion wollen.
Die Praxisausbildung sollte vollständig ins Studium integriert werden. Ich sage in Klammern, das heißt aber nicht, dass alle Hauptseminarleiter und Seminarleiter arbeitslos werden sollten. Sie sollen sinnvoll im Studium und in der Berufseingangsphase eingesetzt werden, um die Begleitung zu übernehmen.
Die Ausbildungszeit sollte maximal fünf Jahre für Lehrerinnen und Lehrer betragen. Die Masterprüfung sollte als einzige Abschlussprüfung und die Berufseingangsphase für Lehrer als Einstieg in lebenslanges Lernen für Lehrer verbindlich sein.
Wir sprechen alle immer über frühkindliche Bildung und Förderung und Frühförderung. Es sollte eine Ausbildung zum Bachelor of Education für die Pädagoginnen und Pädagogen eingerichtet werden, die frühkindliche Erzie
hung machen. Das fehlt unseres Erachtens noch, aber wir werden im Schulausschuss und im Wissenschaftsausschuss noch weiter gemeinsam beraten und schauen, was auf uns zukommt. – Danke.
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben es eben schon ein paar Mal gehört, es gibt und gab von verschiedenen Seiten Kritik an der bestehenden Reform der Lehrerbildung. Das wurde Anfang 2001 von der Konferenz der Kultusminister festgestellt, ebenso von der Hamburger Kommission für Lehrerbildung.
Als Hauptkritikpunkte waren damals immer wieder formuliert worden, die Ausbildung sei zu praxisfern, sie dauere zu lange, sie sei vor allem viel zu wenig koordiniert. Nicht umsonst finden wir diese Kritik auch wieder in dem Bereich der Vergleichsstudien wie PISA. Auch hier wurde der Ruf nach einer Reform immer wieder laut.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich glaube, Sie stimmen mit mir überein, dass das Herzstück einer jeden Schule guter Unterricht ist. Zu gutem Unterricht gehören natürlich bestmöglich aus- und fortgebildete Lehrer. Frau Goetsch, ich gebe Ihnen Recht, vielleicht hat es ein wenig lange gedauert, bis wir heute so weit sind, wie wir sind. Vielleicht haben wir aber auch zu spät damit angefangen, nicht nur in Hamburg, sondern auch woanders.
Wenn zwei Teile wie Schule und Hochschule Bildung und Wissenschaft früher im Bereich der Lehrerausbildung sehr viel getrennt gemacht haben und nun mit einem Male etwas gemeinsam machen sollen, weil die Anforderungen so sind, dann dauert ein solcher Prozess häufig etwas länger. Deshalb steht für mich im Vordergrund, dass es uns in Hamburg gelungen ist, dass sich Bildung und Wissenschaft, Schule und Hochschule in gemeinsamer Verantwortung diesem Thema widmen. Wir haben nicht nur an dem neuen Konzept gearbeitet, sondern wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine sehr gute Grundlage ist, um genau das alles auszuarbeiten, was Sie erwähnt haben, seien es die Prüfungen, sei es aber auch letztendlich das genaue Begleiten der Lehrerpraktika und Ähnliches.
Wichtig ist – das stand im Vordergrund dieser gemeinsamen Arbeit und dieser Konsens musste am Anfang geschafft werden –, dass der inhaltliche Kern des Konzepts der Lehrerbildung in Hamburg tatsächlich mit den künftigen Anforderungen an den Lehrerberuf identisch ist. Das ist in der Vergangenheit nicht unbedingt Gegenstand der universitären Ausbildung gewesen. Das heißt, die heutigen Anforderungen an den Lehrerberuf und an Schule gelten heute vom ersten Tag des Studiums.
Deshalb möchte ich an der Stelle einige Punkte herausgreifen, von denen unsere gut 220 000 Schülerinnen und Schüler in Zukunft am meisten profitieren werden.
Das eine ist der heute schon oft genannte Praxisbezug des Studiums, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem andere Studenten in anderen Ländern noch davon träumen. Wir fangen am Anfang der Ausbildung an und erweitern vor allem die Praxiszeit. Das neue, zusätzliche halbjährige Praktikum ist eine, wie ich meine, für die Stu
denten fast unersetzbare Erfahrung während der ersten Phase. Dieses ist es vor allem deshalb, weil das halbjährige Praktikum – also nicht nur drei, vier Wochen – durch die Hochschule, durch das Landesinstitut und durch die Schule begleitet wird. Aber es wird nicht nur begleitet, sondern das Praktikum soll ein bisschen wie ein Ernstfall sein. Deshalb werden Studenten in diesem halbjährigen Praktikum auch bewertet werden. Diese Bewertung wird Einzug in das Aufnahmeverfahren für das Referendariat finden. Wir erleben immer wieder den so genannten Praxisschock derjenigen Studenten, die aus einer ersten Ausbildung kommen und Praxis nur auf dem Papier erlebt haben. Dieser Praxisschock kann dann in Zukunft sehr viel früher einsetzen. Das bedeutet aber auch, dass die Studenten sich aufgefordert fühlen, sich spätestens nach dem halbjährigen Praktikum zu fragen, ob sie überhaupt als Lehrer geeignet sind und ob sie wirklich jeden Tag mit Schülerinnen und Schülern, mit deren Eltern zusammenarbeiten wollen. Ferner müssen Sie sich auch fragen, ob sie sich vorstellen können, dieses über Jahrzehnte zu machen und den Belastungen des Schulalltags gewachsen zu sein.
Ich glaube, neben diesen Vorteilen einer früheren und vor allem längeren Praxiszeit während der ersten Phase besteht ein weiterer wichtiger Punkt – und auch dieses wurde jetzt mehrfach gesagt – in der inhaltlichen Verknüpfung von universitärer und schulischer Ausbildung. Wir wollen in der notwendigen Dualität eine Verzahnung von Fachpraxis, Fachdidaktik, Fachwissenschaft einschließlich der Erziehungswissenschaften gewährleisten, und zwar auf der Ebene gemeinsam erarbeiteter Inhalte mit gemeinsamer Begleitung, mit gemeinsamen Prüfungen. Ich glaube, nur so ist es möglich, dass Wissenschaft und Schule ihrer gemeinsamen Verantwortung auch in dem Maße gerecht werden, wie wir sie einfordern. Dieser Grundsatz der Gemeinsamkeit soll auch nach Abschluss der Ausbildung fortdauern, denn wir werden dabei bleiben, dass wir die Fortbildungsverpflichtung von 30 beziehungsweise 40 Stunden pro Jahr weiterlaufen lassen und den Lehrerinnen und Lehrern auf ihrem Weg mitgeben.
Der dritte für mich wichtige Punkt ist aber auch die Straffung unseres Lehrerstudiums. Das bedeutet nicht nur, dass man irgendwo Zeit oder Inhalte wegschneidet, sondern dazu gehört, sich zu überlegen, wie ein Studium und eine Ausbildung gestaltet werden soll. Ich habe schon zu Beginn darauf hingewiesen, dass die Gemeinsamkeit von Theorie und Praxis nicht nur diese notwendige Dualität fördert, sondern auch die Synergien zutage bringt, denn es macht bei einem Teil der Ausbildung wirklich nicht Sinn wie es heute ist – übrigens ganz verstärkt auch in südlichen Bundesländern im Gymnasialbereich –, dass man erst ganz oben etwas aufsattelt, was man eigentlich schon in den ersten Semestern hätte lernen müssen. Durch diese Verzahnung und die spätere Dualität, von der ich mir tatsächlich auch ein Vorbild für den Rest der Republik erhoffe, werden wir in der Lage sein, diese Lehrerausbildung vom ersten bis zum letzten Tag insgesamt zu verkürzen. Das bedeutet, dass unsere Lehrkräfte jünger und früher in der Schule sein werden, wie es international weithin üblich ist.
Meine Damen und Herren! Ich glaube, diese wenigen Kernbestandteile gewährleisten in Zukunft, dass das eintritt, was wir wollen, nämlich dass unsere zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer besser qualifiziert sind, gemessen an den heutigen Herausforderungen des Lehrerberufes, und schneller ausgebildet werden können. Damit sind