Protokoll der Sitzung vom 12.12.2006

Wer möchte dem Antrag aus I, III und IV zustimmen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist mehrheitlich abgelehnt.

Wer möchte den Antrag aus II annehmen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist mehrheitlich bei einigen Enthaltungen abgelehnt.

Wer schließt sich dem Antrag aus V an? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist mehrheitlich bei einigen Enthaltungen abgelehnt.

Wir machen weiter mit den Empfehlungen des Haushaltsausschusses aus der Drucksache 18/5000.

Textzahl 289.

[Textzahl 289]

Wer möchte die Textzahl 289 beschließen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist mehrheitlich der Fall.

Textzahl 290.

[Textzahl 290]

Wer möchte die Textzahl 290 annehmen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist mehrheitlich der Fall.

Textzahl 291.

[Textzahl 291]

Wer schließt sich der Textzahl 291 an? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist mehrheitlich der Fall.

Textzahl 292.

[Textzahl 292]

Wer möchte der Textzahl 292 zustimmen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Auch das ist mehrheitlich der Fall.

Über die Abschlusszahlen aus der Textzahl 293 stimmen wir erst morgen ab.

Ich rufe auf den

Einzelplan 6 Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

Die Fraktionen sind übereingekommen, diesen Einzelplan in drei Teilen zu beraten, und zwar zunächst den Bereich Stadtentwicklung, dann den Bereich Verkehr und anschließend den Bereich Umwelt.

Wer wünscht das Wort? Herr Quast, bitte.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Haushaltsberatungen sind auch Anlass, Bilanz zu ziehen und dies ist beim Thema Stadtentwicklung umso angebrachter, als Senator Freytag nach drei Jahren ein neues Betätigungsfeld erhält, wenn auch zu unserem Bedauern im Senat.

(Beifall bei der SPD)

Sie hatten sicherlich viel Spaß in Ihrem Amt, Herr Senator, bei den vielen Grundsteinlegungen in der HafenCity, bei der Architekturolympiade; das ist Ihnen zu gönnen. Spaß gemacht haben sicher auch die vielen Auslandsreisen, um Stadtentwicklungsprojekte in der ganzen Welt zu besichtigen. Zum Glück sind Ihre Pläne, für die Sie sich in Chicago und Shanghai haben inspirieren lassen, bisher Vision geblieben.

(Beifall bei der SPD)

Stadtentwicklungspolitik in Hamburg ist aber der Ernstfall und das war nicht immer Ihre Sache, Herr Senator, denn der Wohnungsbau liegt am Boden, die Entwicklung neuer Bauflächen geschieht im Schneckentempo und die soziale Stadtentwicklung wird nach Kassenlage betrieben. Eine solche Stadtentwicklungspolitik kann sich Hamburg nicht mehr länger leisten.

(Beifall bei der SPD und bei Antje Möller GAL)

Der Wohnungsbau kommt aus dem Keller nicht mehr heraus. Ein eilig gezimmertes Wohnungsbauförderungsprogramm nach dem anderen erweist sich als Flop. Sozialer Wohnungsbau findet in Hamburg faktisch nicht mehr statt. In Ihrer Amtszeit, Herr Senator, hat der Neubau mit 3251 Wohnungen im letzten Jahr ein Langzeittief erreicht. Nicht einmal halb so viele Wohnungen wie nötig werden gebaut.

Noch dramatischer stellt sich die Lage beim sozialen Wohnungsbau dar. Während in den letzten drei Jahren 28 000 Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen sind, wurden gerade einmal 1400 neue Wohnungen gebaut. Nur jede zwanzigste Wohnung wurde ersetzt. Die Konsequenzen dieser Versäumnisse werden die Mieter in Hamburg über steigende Mieten spüren. Diejenigen aber, die staatliche Hilfe brauchen, trifft es schon heute. Nur jeder dritte Inhaber eines Dringlichkeitsscheins erhält heute auch eine günstige Wohnung. Hier zeigt die wach

sende Stadt den Menschen einmal mehr die kalte Schulter.

(Beifall bei der SPD und bei Claudius Lieven GAL)

Nun gesteht der Senat sein Scheitern in der Wohnungsbaupolitik offen ein. Wie sollte er auch anders angesichts der Fakten, aber er zieht keine Konsequenzen. Diesem Senat, diesem Senator fehlt es eben an Gestaltungswillen in der Wohnungsbaupolitik.

(Beifall bei der SPD)

Schon nach sechs Jahren fehlt es ihm an neuen Ideen. Wir haben viele Vorschläge gemacht, beispielsweise eine Grundstücksvergabepolitik, die sich am besten Konzept für eine Bebauung orientiert, statt am dicksten Scheckbuch eines Investors. Wir haben auch jetzt wieder eine Reihe von Vorschlägen in die Haushaltsberatungen eingebracht.

Ein wesentlicher Grund für den ständig rückläufigen Wohnungsbau ist die Flächenpolitik. 2002 und 2003 hat der Senat das sogenannte Sofortprogramm Wohnungsbau und Gewerbeflächen beschlossen. Ich habe den Senat im Oktober gefragt, was nach vier Jahren daraus geworden sei. Die zuständige Behörde arbeite derzeit den Sachstand noch auf, lautete die Antwort des Senats. Fakt ist, dass der Senat vier Flächen stillschweigend aufgegeben hat, 27 Flächen sind noch in Bearbeitung und nur jede dritte Fläche steht für Wohnungsbau oder Gewerbeflächen zur Verfügung – ein Sofortprogramm im Schneckentempo.

(Beifall bei der SPD)

Im Juni 2004 haben Sie, Herr Senator Freytag, beim Kongress zum EU-Förderprogramm ENTRUST bescheinigt, Hamburg könne auf 30 Jahre bestehende erfolgreiche Stadtteilentwicklung zurücksehen. Die erste Konsequenz, die Sie dann aus 30 erfolgreichen Jahren gezogen haben, war die Kürzung des Stadtteilentwicklungsprogramms 2005 und 2006 um 50 Prozent gegenüber dem, was der letzte rotgrüne Senat für den Haushaltsplan vorgesehen hat, nämlich auf 7,5 Millionen Euro. Mit den leichten Erhöhungen in diesem Segment, die Sie jetzt für 2007/2008 planen, und den 10 Millionen Euro Ihres LastMinute-Programms "Lebenswerte Stadt" erreichen Sie im Doppelhaushalt nicht das Niveau, welches ein rotgrüner Senat für zwei Jahre geplant hätte.

(Beifall bei der SPD und bei Christa Goetsch und Claudius Lieven, beide GAL)

Ja, Herr Roock, peinliches Versagen und das jetzt schon.

Stellt man dem gegenüber, was Sie für ausgewählte Leuchtturmprojekte ausgeben – für das Tamm-Museum 30 Millionen Euro, für das Science Center 14 Millionen Euro, für die Elbphilharmonie 114 Millionen Euro –, wird die Schieflage erst deutlich.

(Jörg Hamann CDU: Was unterstützen Sie eigent- lich in dieser Stadt?)

Herr Hamann, es geht uns nicht darum, die soziale Stadtentwicklung und Leuchttürme gegeneinander aufzurechnen. Wir tragen viele Projekte mit, das haben wir deutlich gemacht. Aber es kann nicht sein, dass bei denen im Dunkeln eingespart wird, um die Leuchttürme dieser Stadt umso heller erstrahlen zu lassen.

(Beifall bei der SPD und bei Christiane Blömeke und Claudius Lieven, beide GAL)

Ihnen sind die Maßstäbe vollkommen verrutscht. Sie sind bereit, viele Millionen Euro in Einzelprojekte zu investieren, aber Sozialpolitik, soziale Stadtentwicklung machen Sie rein nach Kassenlage.

(Beifall bei der SPD und bei Christiane Blömeke und Claudius Lieven, beide GAL)

Wir mahnen seit Jahren eine sozial gerechte Stadtentwicklungspolitik an, eine Abkehr von der Politik der sozialen Kälte. Aber erst, nachdem die GAL ein Maßnahmepaket und wir ein Zehn-Punkte-Programm vorgelegt haben, haben Sie sich beeilt, ein Projekt "Lebenswerte Stadt" aus dem Hut zu zaubern,

(Kai Voet van Vormizeele CDU: Wer sich da wohl beeilt hat!)

viel zu spät und auch nur, weil die Steuereinnahmen unverhofft sprudeln, wie Sie ausführen.

Wir Sozialdemokraten wollen in den kommenden fünf Jahren 230 Millionen Euro zusätzlich allein in den benachteiligten Stadtteilen investieren, finanziert aus Umschichtungen im Haushalt und dem SIP. Wir wollen Hamburgs Stadtteile fit für die Zukunft machen. Wir wollen bewährte Maßnahmen mit Neuem verbinden. Wir wollen, dass Schulen, Kindergärten, Bücherhallen in benachteiligten Stadtteilen, in Förderquartieren überdurchschnittlich ausgestattet werden. Schulklassen müssen kleiner sein als im Hamburger Durchschnitt.