Protokoll der Sitzung vom 23.04.2009

Das mag sein, dass Sie das selber zahlen.

Ich schaue jetzt einmal nach meinen Zetteln, denn ich wollte aus Paragraf 9, Recht auf Verwendung von Gebärdensprache und anderen Kommunikationshilfen, zitieren. Da geht es um das Gesetz zur

Gleichstellung behinderter Menschen, das sogenannte Behindertengleichstellungsgesetz BGG.

"Hör- oder sprachbehinderte Menschen haben nach Maßgabe der Rechtsverordnung nach Absatz 2 das Recht, mit Trägern öffentlicher Gewalt im Sinne des § 7 Abs. 1 Satz 1 in Deutscher Gebärdensprache, mit lautsprachbegleitenden Gebärden oder über andere geeignete Kommunikationshilfen zu kommunizieren, soweit dies zur Wahrnehmung eigener Rechte im Verwaltungsverfahren erforderlich ist. Die Träger öffentlicher Gewalt haben dafür auf Wunsch der Berechtigten im notwendigen Umfang die Übersetzung durch Gebärdensprachdolmetscher oder die Verständigung mit anderen geeigneten Kommunikationshilfen sicherzustellen und die notwendigen Aufwendungen zu tragen."

Ich denke, da ist es doch wohl gerechtfertigt, so einen Antrag in die Bürgerschaft einzubringen. – Ich danke Ihnen.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD)

Das Wort hat Frau Möller.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wir bewegen uns hier auf mehreren Ebenen. Das Interessante daran ist, dass die SPD die einzige Fraktion ist, die sich nicht sachlich mit diesem Thema auseinandersetzt.

(Beifall bei der GAL und der CDU – Ingo Egloff SPD: Was Sie da sagen, ist eine Un- verschämtheit! – Herr Egloff, die Unverschämtheit liegt in Ihrer Fraktion. Ihr Redebeitrag war dermaßen diffamie- rend gegenüber einzelnen Mitgliedern dieses Hauses (Beifall bei der CDU und der GAL)

und die Art und Weise, wie Sie sich hier als Vertreter einer Gruppe von Personen aufspielen, mit denen wir alle kommunizieren, ärgert mich. Immerhin finanzieren wir die nötigen Hilfsmittel aus Fraktionsgeldern, so wie es die Regelung vorsieht. Wir haben bereits mehrfach versucht, mit Ihnen darüber ins Gespräch zu kommen, dass die eingerichtete Arbeitsgruppe sich mit diesem Thema beschäftigt.

(Dirk Kienscherf SPD: Dafür sind wir gar nicht zuständig!)

Wenn dabei nichts herauskommt, Herr Kollege Kienscherf, dann können Sie immer noch mit einem Antrag kommen, in dem Sie mehr fordern. Wenn Sie aber laut und deutlich verkünden, Sie wollen für Ihre Wahlkreisarbeit Gelder von der Bür

(Dirk Kienscherf)

gerschaft haben, dann ist das tatsächlich ein Verstoß gegen das Abgeordnetengesetz.

(Beifall bei der CDU und der GAL – Michael Neumann SPD: Jetzt reicht's aber!)

Um darüber zu reden, hätten Sie zum Beispiel die Möglichkeit wahrnehmen können, sich im Ausschuss damit auseinanderzusetzen. Stattdessen machen Sie eine Öffentlichkeitskampagne gegen einzelne Personen, einerseits gegen einzelne Mitglieder unserer Fraktion, aber auch gegen die Entscheidung der Koalition.

(Michael Neumann SPD: Da sieht man, was für ein schlechtes Gewissen Sie haben!)

Eigentlich erwarte ich, dass der Kollege Neumann sich hier noch einmal hinstellt und uns vielleicht aufklärt, was in den Kollegen Kienscherf gefahren ist. – Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU und der GAL)

Das Wort bekommt Herr Grund.

(Klaus-Peter Hesse CDU: Das ist nicht mehr zu retten! – Michael Neumann SPD: Richtige Hetzer sind hier im Parlament! Da gehören Sie dazu! – Glocke)

Herr Neumann, ich erteile Ihnen einen Ordnungsruf.

(Michael Neumann SPD: Da können Sie gleich einen zweiten hinterher machen! – Glocke)

Das mache ich gerne. Sie erhalten den zweiten Ordnungsruf.

Meine Damen und Herren! Frau Möller, ich fand Ihren Wortbeitrag empörend und ich will Ihnen auch erklären, warum.

(Glocke)

Herr Grund, haben Sie die Glocke gehört?

Herr Neumann, ich darf Sie bitten, den Streit hier zu beenden und an anderen Orten gegebenenfalls fortzusetzen.

Herr Grund, Sie haben das Wort.

Meine Damen und Herren! Ich habe den Eindruck, es geht inzwischen bei vielen gar nicht mehr um die Sache,

(Zurufe von der CDU)

sondern es geht darum, dass ein offenkundig sinnvoller Antrag der SPD-Fraktion …

(Zurufe von der CDU und der GAL)

Nun hören Sie doch einmal zu, noch ist alles in Ordnung. Sie dürfen sich gleich aufregen.

Es gab einen sachlichen Antrag und das Bemühen der SPD-Fraktion, mit den anderen Fraktionen zu einem einvernehmlichen, interfraktionellen Antrag zu kommen.

(Wolfgang Beuß CDU: Das ist aber nicht ge- lungen!)

Das Bemühen ist nicht gelungen. Dann ist es, wie ich finde, legitim, dass die SPD-Fraktion einen Antrag einbringt und ihn zur Debatte stellt und darüber hinaus auch noch vorschlägt, ihn im Ausschuss zu beraten. Nun will ich Ihnen noch einmal sagen, worin das eigentliche Problem besteht.

(Wolfgang Beuß CDU: Sie zahlen es nicht selbst, das ist das Problem!)

Laut Aussage von Mitgliedern des GehörlosenBundes im Landesverband Hamburg scheuen sich viele Gehörlose vor dem Kontakt zu den Abgeordneten in ihrem Stadtteil. Schließlich sind wir dafür gewählt worden, dass wir als Abgeordnete den Bürgern vor Ort für ihre Belange zur Verfügung stehen. Ich sehe das als meinen Auftrag an, Sie nicht?

(Beifall bei der SPD)

Von den Vertretern des Gehörlosen-Bundes wissen wir auch, dass viele der Gehörlosen die Möglichkeit, mit Abgeordneten zu kommunizieren, nicht wahrnehmen, weil die Voraussetzungen vor Ort nicht gegeben sind.

(Glocke)

Herr Grund, erlauben Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Herrn Hesse?

Nein, Herr Hesse kann sich zu Wort melden. Er kann auch eine persönliche Erklärung abgeben nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung.

Zweitens wollten wir dem Parlament einen Gefallen tun – Ihnen allen und uns übrigens auch –, indem wir den Gehörlosen ein neues technisches Kommunikationsmittel zur Verfügung stellen, das mit viel Aufwand von der Deutschen Telekom und mit Unterstützung der Bundesregierung und entsprechender Finanzierung eingerichtet worden ist. Dies wollten wir Ihnen als Dienstleistung für die Gehörlosen nahebringen. Falls Sie diese nicht wollen, zwingt keiner Sie dazu, von ihr Gebrauch zu machen. Wenn Sie ignorant sein wollen, dann können Sie es doch sein.

(Beifall bei der SPD)

Meine Damen und Herren! Wir hatten zwei konkrete Fälle, in denen Gehörlose bei Abgeordneten der

(Antje Möller)

SPD-Fraktion vor Ort vorstellig wurden und Gespräche führen konnten. Und die Kommunikation war nicht möglich.

(Klaus-Peter Hesse CDU: Ja, weil Sie kei- nen Dolmetscher bezahlen! – Zurufe von der GAL)

Meine Damen und Herren! Es geht darum, dass wir den Betroffenen die Sicherheit geben wollen, die Möglichkeit zu haben, mit den Abgeordneten zu kommunizieren. Und das ist eine Sache, die selbstverständlich ist. Sie wissen ganz genau, dass dafür so etwas wie das Hamburgische Abgeordnetengesetz dient. Deshalb schlage ich Ihnen noch einmal Folgendes vor: