Protokoll der Sitzung vom 21.01.2010

Das ist ein sehr großer Zeitraum und es war unter demokratischen Parteien völlig unstrittig,

(Zurufe von der CDU: Oh!)

dass dies eine vernünftige Steuer ist.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD)

Herr Goldberg, ich möchte Ihnen erklären, was mich daran so erschüttert. Meinetwegen können Sie gegen diese Steuer sein, aber ich finde es wirklich ungehörig,

(Wolfgang Beuß CDU: Kommen Sie mal runter!)

eine Idee des demokratischen Gemeinwesens, dass Vermögen besteuert werden müssen, für eine absurde Konstruktion zu halten.

(Beifall bei Christiane Schneider DIE LINKE)

Wie bereits Herr Rose gesagt hat, wird in allen hoch entwickelten kapitalistischen Ländern eine Vermögensteuer erhoben und

(Zurufe von der CDU)

auch in dieser Republik war es über 30 Jahre lang unstrittig, dass sie dazugehört. Herr Goldberg, ich sage Ihnen auch noch, welchen Hintergrund das hat. Wissen Sie eigentlich, warum in einigen Länderverfassungen steht, dass man eine solche Steuer erheben soll? Weil auf Vermögen sogenanntes leistungsloses Einkommen gründet, das heißt, von den Vermögenden arbeitet keiner, sondern sie lassen das Vermögen arbeiten. Mit der Vermögensteuer sollte eine erneute Schieflage in der Vermögensverteilung verhindert werden, das ist der harte Hintergrund.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD)

Das steht in der Tat nicht nur in einigen Länderverfassungen …

(Glocke)

Herr Abgeordneter, ich habe Ihr Zeichen gesehen, aber dennoch möchte ich Ihnen die Chance geben, auf meine Frage, ob Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Wankum zulassen, zu antworten.

– Nein. Ich möchte nicht unterbrochen werden, weil mir das folgende Argument sehr wichtig ist.

Sie beschädigen das Grundgesetz,

(Beifall bei der LINKEN)

weil diese Steuer dort vorgesehen ist, und zwar vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der ersten großen Weltwirtschaftskrise, dem Faschismus und dem Krieg,

(Präsident Berndt Röder übernimmt den Vorsitz.)

die in eine neue Steuerstruktur eingegangen sind.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD)

Herr Petersen hat Sie doch auch noch einmal darauf hingewiesen, dass wir uns erneut in einer schweren Weltwirtschaftskrise befinden und die Finanzkrise nicht ausgestanden ist.

(Wolfgang Beuß CDU: Wie bankrott war die DDR?)

Sie mosern hier herum, während Ihr Bürgermeister wenigstens noch die Contenance hat zu sagen, dass das System eine schwere Krise durchläuft. Das haben Sie noch gar nicht richtig wahrgenommen.

(Egbert von Frankenberg)

Welches Ergebnis hatte also die erste große Weltwirtschaftskrise? Herr Roosevelt führte einen jahrelangen Kampf für einen New Deal zur Verteidigung demokratischer Strukturen mit dem Resultat, dass Steuersätze auf Vermögen in Höhe von 90 Prozent erhoben wurden.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD)

Trotz dieser Tatsache sagen der Finanzsenator oder Herr Goldberg, wir sollten endlich Ruhe geben, denn die Reichen – ich drücke es vereinfacht aus – würden sowieso schon genug zahlen.

(Zurufe von der CDU)

Wir bestreiten nicht, dass nur noch die Reichen und die Einkommensstarken Steuern bezahlen. Aber wissen Sie auch, warum das so ist? Weil Sie eine Lohnpolitik mit verantwortet haben, aufgrund derer das Einkommen der Lohnabhängigen so gering ist, dass sie kaum noch die Steuern bezahlen können.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD)

Deswegen war das, was Herr Freytag vorgetragen hat, wirklich grob einseitig.

(Wolfgang Beuß CDU: Und was machen Sie denn?)

Hält man sich an die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, so sind die Bruttoentgelte der Arbeitnehmer zwischen 2000 und 2007 um 7,3 Prozent gestiegen, während andererseits die Bruttoerträge aus Unternehmen und Vermögen im selben Zeitraum um 51,2 Prozent gestiegen sind. Dies spiegelt sich natürlich auch in der heutigen Struktur der Steuerzahler wider, eine Wahrheit, die auch Ihnen nicht verborgen bleiben kann. Wir fordern nicht nur eine härtere Steuer auf Vermögenserträge, sondern wir fordern auch Mindestlöhne. Das ist der eigentliche Zusammenhang.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD – Glocke)

Herr Abgeordneter, ich bitte Sie, im Rahmen des Themas zu bleiben.

(Ingo Egloff SPD: Herr Präsident, das ist wirklich ein bisschen daneben!)

– Ich rede zu dem Antrag der SPD über die Erhebung einer Vermögensteuer und erlaube mir darzulegen, warum eine Vermögensteuer im Sinne des Grundgesetzes und des antifaschistischen Grundkonsenses vernünftig ist.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD – Karl- Heinz Warnholz CDU: Klassenkampf pur! – Wolfgang Beuß CDU: SED-Parteitag!)

In der Wirtschafts- und Finanzkrise spiegelt sich eine Situation wider, über die Herr Goldberg in einer wirklich bemerkenswerten Leichtigkeit hinweggeht. Wir haben bis 2007 in der Tat 6,6 Billionen Euro Vermögen angesammelt. Nimmt man, wie Herr Goldberg, die Rentenansprüche noch dazu, dann sind es über 10 Billionen Euro. Wie diese allerdings verteilt sind, hätten Sie schon sagen müssen.

(Thies Goldberg CDU: Das habe ich doch gesagt! Da haben Sie nicht zugehört!)

Nein, das habe ich absolut nicht gehört.

Das reichste Zehntel der Bevölkerung verfügt über 60 Prozent dieses Vermögens. Wenn Sie glauben, Sie könnten damit auf Dauer eine vernünftige Gesellschaftspolitik machen, dann ist das ein großer Irrtum, wie Herr Petersen zu Recht gesagt hat. Sie wirtschaften uns immer wieder in die Krise hinein und nicht aus der Krise heraus.

(Beifall bei der LINKEN und der SPD)

Ich komme zu meinem letzten Argument. Herr Goldberg, wie ich Ihnen schon häufig gesagt habe, ist es heute überhaupt kein Problem, Aktien oder Aktienerträge zu besteuern. Sie können auch einen vernünftigen Wert des Grundeigentums festlegen und es besteuern, ohne hierfür einen überdimensionalen bürokratischen Apparat zu brauchen. Bleiben Sie bei der Wahrheit. Sie wollen es nicht besteuern, das ist doch der Punkt.

(Beifall bei der LINKEN und bei Michael Neumann SPD)

Sie provozieren absichtlich eine Zunahme der sozialen Spaltung

(Zurufe von der CDU)

und Sie wollen keine Veränderung in der augenblicklichen Wirtschafts- und Sozialkrise.

(Anhaltender Beifall bei der LINKEN und der SPD – Jörg Hamann CDU: So einen Quatsch hat nicht mal Honecker gebracht!)