Protokoll der Sitzung vom 21.09.2000

(Harry Glawe, CDU: Das steht doch alles im Wohnungsbauprogramm drin.)

so steht es in der Unterrichtung, bedeutet, dass in einem Mehrfamilienhaus eine Wohnung barrierefrei ist. Mit anderen Worten, ich sperre den, der die Barrierefreiheit braucht, in seine Wohnung und er muss im Familienheim drauf warten, dass die anderen zu ihm kommen. Meine Damen und Herren, ich weiß aber ganz genau, dass es sehr wohl Beispiele gibt, wo in einem Haus generationsverbunden gewohnt wird in der Art, dass es eben nicht nur eine Wohnung ist, die barrierefrei ist, sondern mehrere, denn gerade die Oma ist es vielleicht, die auch mal von der anderen Familie gebraucht wird, um nach dem Kind zu sehen. Dazu muss sie aber von ihrer Wohnung in die andere kommen können und nicht umgedreht.

Wir haben Länder um uns herum, in denen wird uns das vorgewohnt und vorgelebt, was ich hier propagiere. In Dänemark sind 95 Prozent behinderter und alter Men

schen in ihren Wohnungen. Da sind sie nicht eingesperrt, weil die Wohnungen nicht zu begehen sind untereinander, sondern das barrierefreie Bauen hat dort ganz einfach schon einen ganz anderen Stellenwert als hier.

Überlegen wir uns also, ob wir weiter Geld ausgeben für massiven neuen Wohnungsbau an irgendwelchen Ecken außerhalb der Stadt, wo alte Menschen ghettoisiert werden, oder ob es vielleicht nicht viel günstiger wäre, dieses Geld einzusetzen,

(Zuruf von Harry Glawe, CDU)

um leer stehenden Wohnraum barrierefrei zu sanieren und demzufolge den Menschen die Möglichkeit zu geben zu wohnen, wo sie wollen.

(Zuruf von Harry Glawe, CDU)

Ich denke, ein ausgeglichenes Maß ist dabei vonnöten, und wir sollten uns nicht ganz einseitig auf behindertengerecht und altengerecht stürzen. Das gute Maß ist es. Eine steigende Anzahl von alten Menschen kann nicht bedeuten, dass Mecklenburg-Vorpommern aus Ghettos für alte Menschen besteht. – Danke.

(Beifall bei einzelnen Abgeordneten der PDS)

Schönen Dank, Frau Müller.

Ich schließe die Aussprache.

Kann ich davon ausgehen, dass wir nach der jetzigen Aussprache die Unterrichtung durch die Landesregierung auf Drucksache 3/1191 verfahrensmäßig für erledigt erklären?

(Zurufe aus dem Plenum: Ja!)

Ich sehe und höre keinen Widerspruch, nur Zustimmung, dann ist das so beschlossen.

Meine Damen und Herren, wir sind damit am Schluss der heutigen Tagesordnung. Ich berufe die nächste Sitzung des Landtages auf Mittwoch, den 18. Oktober 2000, 10.00 Uhr ein. Die Sitzung ist geschlossen.