Ich denke, an der Qualität rumzunörgeln, wenn man selbst noch nichts vorgelegt hat, das ist natürlich immer einfach.
Insofern hoffe ich trotzdem darauf, dass die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, auch wenn Sie diesen Antrag hier heute ablehnen, für die notwendigen Veränderungen im Bundestag stimmen wird.
Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag der Fraktion DIE LINKE auf Drucksache 5/663. Wer diesem Antrag zuzustimmen wünscht, den bitte ich um sein Handzeichen. – Danke schön. Die Gegenprobe. – Stimmenthaltungen? – Damit ist der Antrag der Fraktion DIE LINKE auf Drucksache 5/663 bei Zustimmung durch die Fraktion DIE LINKE, Gegenstimmen der Fraktionen der SPD, CDU, FDP und NPD, einer Enthaltung der Fraktion der SPD,
Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 31: Beratung des Antrages der Fraktion der NPD – GEN-Mais MON 810 durch Weisung der Landesbehörden für den Einsatz als Futtermittel in Mecklenburg-Vorpommern untersagen, Drucksache 5/651.
Antrag der Fraktion der NPD: GEN-Mais MON 810 durch Weisung der Landesbehörden für den Einsatz als Futtermittel in Mecklenburg-Vorpommern untersagen – Drucksache 5/651 –
Das Wort zur Begründung hat der Abgeordnete Herr Borrmann von der Fraktion der NPD. Bitte schön, Herr Abgeordneter.
Herr Borrmann, Sie sind heute schon einmal auf diese Anrede hingewiesen worden. Sie sprechen hier vor Abgeordneten und haben sich dann auch entsprechend zu verhalten. Ich bitte Sie, sich jetzt endlich daran zu halten.
In einer beschaulichen Stadt in der Wetterau, zwischen Vogelsberg und Taunus gelegen, ist die Welt noch in Ordnung. Hier leben 9.000 Bürger, umgeben von Wiesen, fruchtbaren Feldern und Seen.
Die Gruben des stillgelegten Braunkohletagebaus haben sich mit nachfl ießendem Grundwasser gefüllt. Die Gewässer bieten dem örtlichen Anglerverein reiche Fischgründe für einen ausgelassenen Anglerball.
Wem das Angeln zu langwierig ist, kann beim Brieftauben-, Schützen- und Landfrauenverein kurzweilige Unterhaltung fi nden. Auch einen Kindergarten, der Ort der Freude und des Lachens ist, hat die Stadtgemeinde eingerichtet, eine Dessousboutique, Verkauf französischer Mode zu bezahlbaren Preisen. Hier leben Lisa und ihre Geschwister, denn sie lieben das gesunde Leben auf dem Lande. Lisa hat eine gute Figur. Ihr attraktives Äußeres mit gepfl egten rotbraunen Haaren
und sanftmütigen dunkelbraunen Augen fallen jedem auf, der ihr das erste Mal begegnet. Dabei ist ihr selbst nicht bewusst, wie schön sie ist. Ihr Idealgewicht und ihre gesunde Kost sind auch einer vitalstoffreichen Vollkost geschuldet. So ernähren und ernährten sich bereits ihre Eltern und ihre Vorfahren. Der Herr im Haus ist Gottfried. Das ist Tradition hier im ländlichen Raum. Kritisiert wird das nicht, selbst wenn es um Ernährungsfragen geht. Gottfried ist ein strebsamer Bürger, dessen Rechtschaffenheit im Ort hohe Anerkennung genießt.
Er ist CDU-Mandatsträger im ansonsten SPD-be herrschten Gemeinderat. Dieser Christ ist kreativ, ja experimentierfreudig. Er besitzt ein ungestörtes Urvertrauen in die Behörden und Offerten seiner Geschäftspartner. So vergehen viele Jahre, die Familie wächst und gedeiht, an Platz mangelt es nicht, eine Veränderung des beschaulichen Lebens ist nicht ersichtlich und doch hat sich die Ernährung ein wenig geändert.
(Dr. Wolfgang Methling, DIE LINKE: Über wen redet er jetzt? – Gabriele Měšťan, DIE LINKE: Über Genmais.)
Aber weder Lisa noch ihre Geschwister nehmen dies geschmacklich oder optisch wahr, nur ein unerklärbares Unwohlsein nach den Mahlzeiten irritiert sie seit einiger Zeit. Plötzlich ändert sich alles. Lisa fühlt sich müde und schlaff, leidet an Schmerzen, ihre Lebensfreude ist dahin, ihr Blick getrübt.
Für diese Krankheitssymptome hat keiner eine Erklärung. Familienvater Gottfried fragt seinen Arzt und den Apotheker.
Auch sie rätseln, versuchen zu helfen. Medikamente bringen keine Besserung, Infusionen zeigen keine Wirkung.
In Lisas Gelenken sammelt sich unterdessen Wasser, im Urin wird Blut nachgewiesen, die Blutgefäße erweitern sich, einzelne Adern platzen. Eine Nierenbeckenentzündung macht die Situation noch komplizierter, schließlich setzen massive Stoffwechselstörungen ein.
Was Lisa nicht wissen konnte: Gentechnisch veränderte Nahrung könnte ihr blühendes Leben beendet haben.
Bundeskanzler Helmut Kohl preist auf der ANUGA, der weltweit größten Messe für Nahrungs- und Genussmittel,
in Köln ausgiebig den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und deren große wirtschaftliche Bedeutung. Novartis, heute Syngenta, verbreitet Zuversicht. 30 Wissenschaftler haben unseren Mais untersucht. Er ist wahrscheinlich das sicherste Lebensmittel überhaupt. Bt-Mais 176 von Novartis ist eine der ersten Genpfl anzen, die zur Saatgutproduktion, zur Vermarktung, für den Import, zur Verarbeitung für Nahrungsmittel und Tierfutter in Europa freigegeben wird.
Weidenhof-Landwirt Gottfried Glöckner in Wölfersheim ist besonders fortschrittlich. Kein Anfl ug davon, seinem Parteifreund Helmut Kohl zu widersprechen, zumal auch die für Deutschland zuständige Genehmigungsbehörde, das Robert-Koch-Institut, amtlich bescheidet: „Von dem dreifach veränderten Mais sind keine schädlichen Auswirkungen zu erwarten.“
Bereits 1997 – ein Jahr, bevor die EU infolge von Protesten in der Öffentlichkeit ein De-facto-Moratorium für die Neuzulassung von gentechnisch veränderten Organismen zulässt – bestellt Gottfried Glöckner als einer der ersten Landwirte in Deutschland seine Felder mit dem gentechnisch veränderten Bt-Mais 176.
In der gesamten Pfl anze wird während der kompletten Lebensdauer das Gift Bacillus thuringiensis produziert, das sie gegen den Maiszünsler schützen soll. Zunächst sind es nur 0,5 Hektar, doch schon bald steigert Glöckner die Aussaat auf zehn Hektar, seine gesamte Anbaufl äche. Seine Lager sind mit Bt-176-Silagemais als Futtermittel gut gefüllt. Die 70-köpfi ge Rinderherde frisst die Silage im Winter besonders gern. Zwei Jahre füttert Gottfried Glöckner seine Rinder mit Gennahrung, dann nimmt ein dramatisches Schicksal seinen Lauf.