Protokoll der Sitzung vom 21.06.2012

Die Verkehrsmengen bewegen sich seit Jahren konstant bei 15.000 Fahrzeugen pro Tag – das ist für drei Fahrspuren schlicht zu wenig.

(Zuruf von Manfred Dachner, SPD)

Statt sich nun aber zu freuen, dass sich der tatsächliche Verkehr hier in Maßen hält, wurde für die Planung einfach mal ein Aufschlag von 50 Prozent vorgenommen, damit die entscheidende Marke von 20.000 Fahrzeugen am Tag erreicht werden konnte.

(Egbert Liskow, CDU: Na, wir brauchen doch die Zukunftssicherung.)

Belegt wird dieser Wert aber durch nichts.

(Zuruf von Burkhard Lenz, CDU)

Als Sie in einer zweiten Anfrage genau dazu nachhakten, kam ein langer Text, der aber keinerlei belastende Zahlen enthielt. Genannt wurde da der Umstand, dass die Belastung an den Spitzentagen höher sei als im Durchschnitt. Das ist aber kein Argument, sondern eine Feststellung. Bei allen Verkehrswegen gibt es eine schwankende Nachfrage und stark belastete Spitzenzeiten.

(Vincent Kokert, CDU: Ich habe gedacht, die GRÜNEN entwickeln sich weiter.)

Wenn Sie an denselben Wochenenden einen Regionalexpress von Berlin nach Stralsund nutzen, werden Sie, so Sie überhaupt noch reinkommen, feststellen, der Zug ist total überfüllt. Versuchen Sie an denselben Tagen in der Usedomer Bäderbahn einen Platz für Ihr Fahrrad zu bekommen, da wird es auch eng.

(Zuruf von Vincent Kokert, CDU)

Da müssten wir jetzt also sagen, um so etwas in den Griff zu bekommen, brauchen wir grundsätzlich eine Verdopplung der Reisemöglichkeiten auf diesen Strecken, also auch bei der Usedomer Bäderbahn, die aber auf der Streichungsliste steht.

(Egbert Liskow, CDU: Was? Was war denn da?)

Warum höre ich dieses Argument niemals bei Projekten, wenn es um die Bahn geht?

(Egbert Liskow, CDU: Warum wollen Sie das denn streichen?)

Auf so einer Grundlage wie hier wird nirgends so seriös geplant. Nur wir sollen uns eine Ausnahme viel Geld kosten lassen.

(Egbert Liskow, CDU: Jetzt will sie die Bäderbahn schon streichen lassen.)

Es gibt hier zur B 96n auf Rügen noch weitere ulkige Argumentationsmuster. Da wird zum Beispiel die Anbindung des Fährhafens Sassnitz-Mukran angeführt. Ja nun, die Verbindung Berlin–Mukran–Malmö war längere Zeit ja mal Bestandteil der Transeuropäischen Netze.

(Burkhard Lenz, CDU: Das sind sie immer noch.)

Dann haben die Landesregierungen von MecklenburgVorpommern durch aktives Nichtstun dafür gesorgt, dass diese Route seit Ende der 90er-Jahre nicht mehr zu den Transeuropäischen Netzen gehört.

(Zuruf von Vincent Kokert, CDU)

Und all diese Landesregierungen haben nie irgendetwas dazu beigetragen, die Bedeutung des Hafens in Mukran für den Ostseeverkehr zu steigern, und das trotz seiner überaus günstigen Lage.

(Zuruf von Egbert Liskow, CDU)

Eine Schienenanbindung ist vorhanden, wird aber seit Jahren nicht mehr von Personenzügen bedient, die in Mecklenburg-Vorpommern auch halten. Kurz, es gibt für Mukran kein Konzept, also fällt dieses Argument aus.

Bei den Planungen für die B 96n auf Rügen wird verbissen an einer Variante festgehalten, deren Notwendigkeit durch nichts belegt werden kann

(Zuruf von Andreas Butzki, SPD)

und die viel mehr Geld verschlingt, als uns dafür zur Verfügung steht. Und das ist umso unverständlicher, als dass es dafür seit Langem klare, vernünftige und konstruktive Alternativen gibt. Bürgerinnen und Bürger aus den betroffenen Gemeinden haben Vorschläge erarbeitet, wie die Anliegergemeinden einerseits vom Verkehr entlastet werden können, denn das müssen sie ganz klar, aber andererseits keine unverantwortlichen Belastungen neu entstehen. Es gab eine Reihe von Anfragen und Angeboten zu Gesprächen mit dem Verkehrsministerium und der Planungsgesellschaft. Resultat war aber stets, der einzige Wille, der offensichtlich zu erkennen war, war der Wille, die Alternativen nicht ernsthaft in Erwägung zu ziehen und zu prüfen.

(Zuruf von Burkhard Lenz, CDU)

Wie hätte man denn dagestanden, wenn sich diese als besser, vernünftiger herausgestellt hätten? Gut hätte man dagestanden, nämlich als eine Planungsgesellschaft und ein Verkehrsministerium, das dialogbereit und lernfähig ist.

(Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Hier war es aber anscheinend wichtiger, Bürgerferne und Sturheit zu demonstrieren.

(Jörg Heydorn, SPD: Wie schön, was sie da rausgehauen hat.)

Unser Antrag beschreibt einen Weg, wie wir für den Verkehr aus Südwestrügen doch noch zu einer sinnvollen und unter allen Gesichtspunkten sinnvollen Lösung gelangen können.

(Zuruf von Andreas Butzki, SPD)

Dazu gehört ebenso die Einsicht, dass neue Straßen nun mal nicht zum Nulltarif zu haben sind. Straßenbau ist nun einmal teuer, ziemlich teuer sogar – 80 Millionen Euro für 11 Kilometer Verkehr.

(Burkhard Lenz, CDU: Vergessen Sie nicht die Unterhaltung!)

Und das ist ja nicht alles.

Komme ich gleich zu, komme ich gleich zu, Herr Renz, Lenz.

(Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Nur wegen der Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen.)

Denn die bestehenden Straßen bleiben weitgehend, wie sie sind, und gehen lediglich auf andere Träger über, und am Ende werden es die Kommunen sein, die über ein

längeres Straßennetz verfügen, für dessen Unterhalt dann die Kommunen zuständig sind.

(Burkhard Lenz, CDU: Wenn wir Ihrem Vorschlag gefolgt wären, dann wäre das so gewesen.)

Und plötzlich, und plötzlich stellen wir fest, auch das kostet Geld, das dann für andere Wünsche eben nicht mehr zur Verfügung steht. Eine Vergrößerung des Straßennetzes bei gleichbleibender Bevölkerung – und da bin ich schon optimistisch – stellt eine Belastung für öffentliche Haushalte dar, hier insbesondere für die Kommunen. Wer das möchte, sollte dann auch begründen, weswegen diese zusätzliche Belastung sein muss.

(Egbert Liskow, CDU: Wir fahren bald nur noch 30.)

Und vor allem, wenn wir jetzt für ein zweifelhaftes Projekt von 11 Kilometern Straßenneubau eine Kostensteigerung um mehr als 100 Prozent widerspruchslos hinnehmen, werden wir nie mehr an dieser Stelle dieses beliebte Universalargument anführen dürfen,

(Zuruf von Burkhard Lenz, CDU)

mehr Geld sei halt nicht da. Wenn aus den Bereichen Soziales, Bildung oder Kultur, so wie gestern gerade diskutiert, berechtigte Wünsche geäußert werden, heißt es ja oft, dafür sei das Geld nicht da, und das in Fällen, wo weitaus geringere,

(Vincent Kokert, CDU: Aber für die Frösche! Aber für die Frösche!)

weitaus geringere Beträge in Rede stehen als diese 80 Millionen Euro.

(Vincent Kokert, CDU: Da haben wir es wieder. Da haben wir es wieder. Wir sollen alle zu Fuß gehen, toll!)

Es gehört auch zu einer glaubwürdigen Politik dazu zu sagen, wir haben das Geld für diese Kostensteigerung nicht, auch weil wir es für andere Bereiche dringender brauchen. Und es gehört auch dazu, für den Fall, dass die Kostenrahmen offensichtlich nicht einzuhalten sind, klar zu sagen, dass auf Grundlage erheblicher Fehlkalkulation geplant wurde. Und deswegen enthält unser Antrag auch einen Vorschlag, der zum Ziel hat, künftige Fehler dieser Art zu vermeiden, denn die B 96n ist für mich nicht ein Einzelprojekt. Bei den Ortsumgehungen in Wolgast spielen sich ähnliche Dramen ab.

(Egbert Liskow, CDU: Aha! – Vincent Kokert, CDU: Im wahrsten Sinne des Wortes!)