Protokoll der Sitzung vom 03.06.2015

samere Maßnahmen in der Drogenbekämpfung, insbesondere von Cannabis, einzusetzen sowie der Verharmlosung von Drogen im Allgemeinen und von Cannabis im Besonderen entgegenzutreten.“

(Beifall Udo Pastörs, NPD)

„3. Die Landesregierung wird aufgefordert, allen Bestre

bungen für eine Cannabis-Freigabe eine klare Absage zu erteilen sowie diesen Vorstellungen zu begegnen.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall vonseiten der Fraktion der NPD)

Im Ältestenrat wurde eine Aussprache mit einer Dauer von 90 Minuten vereinbart. Ich sehe und höre keinen Widerspruch, dann ist das so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache.

Das Wort hat der Abgeordnete Herr Koplin von der Fraktion DIE LINKE.

(Udo Pastörs, NPD: Oh!)

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich will mal, bevor ich auf den Antrag direkt eingehe, schon mal vorwegsagen, in der Auseinandersetzung mit der Thematik und dem, was hier in Rede steht, fasse ich mit ein und binde mit ein, was die NPD sonst so zum Thema Sucht und Drogen von sich gibt, wie sie sich dazu äußert und in welchem Kontext das steht. Das mal vorweggeschoben.

(Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

Nun haben wir es aber damit zu tun, dass die braunen Tugendwächter mit der ach so weißen Weste uns einen Antrag mit dem bekannten Slogan „Keine Macht den Drogen“ vorlegt. „Keine Macht den Drogen“ ist der Titel einer sport- und gesundheitspolitischen Kampagne, die vor 25 Jahren mithilfe der Bundesregierung initiiert wurde. Da mag man sich schon die Augen reiben, dass die NPD keine Bedenken hat, sich der Initiative der Bundesregierung, also einer Institution des von ihr so verhassten Parteienstaates, zu bedienen, um hier den Saubermann zu geben.

(Zuruf von David Petereit, NPD)

Was soll es, der Zweck heiligt die Mittel. Für stramme NPD-Kader, Herr Petereit, gilt das wohl allemal.

Fragt sich nur, ob ausgerechnet Parteigänger der NPD geeignet sind, sich als Gesundheits- und Moralapostel aufzuspielen. Herr Köster etwa gab vor nicht allzu ferner Zeit während der Debatte im Landtag zum Nichtraucherschutzgesetz zu Protokoll, dass Lehrer, die rauchen, also die Substanz Nikotin gebrauchen, eben deshalb nicht geeignet wären, ihrer Aufsichtspflicht gegenüber Heranwachsenden nachzukommen. Empört rief er aus: Wir reden hier über eine Sucht, das darf man wohl nicht vergessen.

(Udo Pastörs, NPD: Recht hat er.)

Wenn das gilt, Herr Pastörs, dürfte man davon ausgehen, dass die NPD, was den Gebrauch von legalen oder illegalen Drogen betrifft, dem ganzen Land ein Vorbild ist. Das ist doch logische Konsequenz.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das wäre so.)

„Wäre.“ Habe ich gesagt: „dürfte“, Konjunktiv.

Denn wer ein solches Gebot postuliert, wer „Keine Macht den Drogen“ fordert, müsste doch unbescholten über jede Verfehlung erhaben sein. NPD und vorbildlich? NPD und Drogenabstinenz? Das sind so Begriffspaare, die im wahren Leben gar nicht zueinander passen wollen.

(David Petereit, NPD: Da bin ich mal gespannt.)

Jetzt komme ich mit den Beispielen. Der damalige NPDVerkehrsexperte – na ja, nennen wir ihn mal Verkehrs- experten – Birger Lüssow wurde 2009 betrunken beim Autofahren erwischt.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das ist ja eine legale Droge.)

Einzelfall. Das ist ein Einzelfall.

Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Herr Müller, Sie werden sich lebhaft erinnern, bewegte vor einiger Zeit trotz Trunkenheit sein Auto. Noch so ein Einzelfall.

(Michael Andrejewski, NPD: Ordnungswidrigkeit.)

Ordnungswidriger Einzelfall.

(Heiterkeit vonseiten der Fraktion DIE LINKE)

Dass auch illegale Drogen den Mitgliedern der NPD nicht fremd sind, zeigt ein Fall in Sachsen. Dort wurde ein ehemaliger NPD-Stadtratskandidat im Jahre 2012 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er im großen Stil mit Crystal Meth handelte.

(Udo Pastörs, NPD: Zu Recht. Zu Recht.)

Crystal Meth ist ein Amphetamin. Bei dem kommt hinzu, dass es hochgradig abhängig macht und zu den am schnellsten zerstörenden Drogen gerechnet wird.

(Michael Andrejewski, NPD: Der muss jetzt den LINKEN beitreten.)

Schon wieder so ein Einzelfall.

Nein, jetzt ist genug mit Einzelfällen. Legaler und illegaler Drogenkonsum und Drogenhandel im wirklichen Leben und hier im Schweriner Landtag die Forderung nach Drogenbekämpfung, das passt nicht zusammen, das ist heuchlerisch, Sie von der NPD sind heuchlerisch.

(Beifall vonseiten der Fraktion DIE LINKE und Dr. Norbert Nieszery, SPD)

Abgesehen davon, jetzt kommt das Wesentliche, wenn man NPD-Abgeordnete über Suchtprobleme sprechen hört, lässt sich Folgendes ausmachen: Immer geht es der NPD mehr oder weniger deutlich um Ausländerfeindlichkeit, um Fremdenhass, dann kommen solche Sprüche wie der, Asylbewerber wären per se kriminelle Drogendealer und dergleichen,

(Udo Pastörs, NPD: Wo haben wir das gesagt?)

oder solch ein Spruch, …

(Udo Pastörs, NPD: Belegen Sie das mal!)

Ich komme gleich mit Belegen, Herr Pastörs.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Sie haben sie nicht so gerne, ich komme mit Belegen.

… oder solch ein Spruch wie vom Kollegen – nee, Kollege ist er für mich nicht – Herrn Andrejewski im Januar vergangenen Jahres, als er sagte, Haschisch wäre zu ächten, denn es wäre kulturfremd.

(Michael Andrejewski, NPD: Ja.)

Ach so ist das?! Drogen nur, wenn sie zur sogenannten völkischen Kultur gehören! Ein Prost auf den Met der alten Germanen, möchte man da ausrufen.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das machen die ja reichlich, habe ich mir sagen lassen.)

Immer, immer wenn die NPD über Sucht- und Drogenthemen redet, geht es ihnen um Repression statt Hilfe, auch mit diesem Antrag. Und immer geht es der NPD um Menschen, auf die man herabschauen, die man verächtlich machen, auf die man selbstentfachten Zorn lenken kann.

(Udo Pastörs, NPD: Da haben Sie ja Erfahrung.)

Selbst, Herr Pastörs, vor schutz- und hilfebedürftigen Menschen macht die NPD nicht halt.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Da ist es wieder, das ideologische Schema von den verschiedenen Wertigkeiten von Menschen. Die NPD trachtet immer nach einer Ideologisierung des Themas Sucht und Drogen. Das ist so durchsichtig wie billig.