Protokoll der Sitzung vom 04.06.2015

(Silke Gajek, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Dezentral.)

Ich bin dezentral, komplett dezentral.

Meine Damen und Herren, ich bin der Auffassung, anstatt in Wirklichkeit so was wie vermeintlichen Protektionismus für bestehende und in unseren Augen übrigens zweifellos gute und bewährte Strukturen an den Tag zu legen, sollten Sie bei den GRÜNEN und Sie bei den LINKEN auch die Interessen und die Wünsche

(Silke Gajek, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Auch, ja.)

der kleinen, der Einzelinitiativen und gegebenenfalls des sogar noch nicht organisierten Ehrenamtes anerkennen. Sie sollten wirklich einen Anspruch entwickeln, diesen Wünschen auch Rechnung zu tragen.

(Beifall vonseiten der Fraktion der SPD)

Wir tun das. Deshalb unterstützen wir die Ehrenamtsstiftung inhaltlich, das habe ich, glaube ich, hinreichend dargelegt, und unterstützen die Ehrenamtsstiftung aber auch strukturell.

(Silke Gajek, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Mit 480.000 Euro Personalkosten.)

Wir unterstützen sie auch strukturell, weil, wer wie die Stiftung wirklich seriös Weiterbildung, Information, Beratung und operationelle Förderung für das Ehrenamt im gesamten Land, so viel auch mal zum Thema „dezentral“, das ist eine Struktur für das gesamte Land,

(Silke Gajek, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das heißt auch dezentral.)

anbieten möchte, der braucht doch selbstverständlich – Stichwort: wirklich seriös – ausreichend Personal, das diese Aufgabe schnell, professionell, unkompliziert und vor allen Dingen neutral leisten kann. Ich garantiere Ihnen, wäre das nicht der Fall, dass die vielen Anfragen von den Initiativen aus dem Land zu genau den Bereichen dann am Ende auch schnell, professionell, unkompliziert und neutral geleistet werden, wäre das nicht der Fall, hätten wir Sie doch wieder auf der Matte hier und Sie würden genau das kritisieren,

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU)

die Ehrenamtsstiftung werde den Erwartungen nicht gerecht,

(Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Die hätte doch zentral sein müssen.)

die Ehrenamtlichen fänden keine ausreichende Beratung. Da beißt sich die Katze wirklich selbst in den Schwanz.

(Silke Gajek, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Budget nennt man das.)

Genau für unseren Anspruch, dass das professionell, unkompliziert, schnell und neutral geleistet wird, hat die Stiftung im Interesse der Zielgruppe das nötige Rüstzeug. Wir wünschen in diesem Sinne dem Vorstand und der Geschäftsführung schon jetzt ganz viel Erfolg, viel Elan und natürlich auch viel Beharrlichkeit für die anstehende Arbeit. Und ich wünsche mir, Herr Saalfeld, Frau Gajek, Frau Rösler, dass Sie von solchen Diffamierungen wirklich in Zukunft absehen. Sie schaden damit nämlich anderenfalls nicht nur den Mitarbeitern und dem Ansehen der Stiftung, sondern Sie schaden am Ende auch den unterstützungsbedürftigen Ehrenamtlichen und sich selbst. Ihren Antrag lehnen wir deshalb ab. – Herzlichen Dank.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU – Zuruf von Johannes Saalfeld, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Barlen.

Das Wort hat jetzt der Abgeordnete Herr Köster für die Fraktion der NPD.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!

Herr Barlen, dass Sie den Blick für die Realität entweder noch nie gehabt haben oder zumindest schon seit langer Zeit verloren haben, ist allseits bekannt. In Verruf gebracht hat diese Ehrenamtsstiftung eine Person,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ach so?!)

das war Ihr Ministerpräsident,

(Beifall vonseiten der Fraktion der NPD)

der von Beginn an nicht das Ehrenamt im Vordergrund gesehen hat, sondern eine parteipolitische Personalpolitik. Das erinnert …

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Hören Sie auf zu sabbeln!)

Herr Dr. Nieszery, ich habe Sie heute zum ersten Mal wieder hier am Mikrofon erlebt.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja und, war doch gut, oder?!)

Trauen Sie es sich doch noch mal, vielleicht entwickelt sich da endlich mal ein Redefluss bei Ihnen.

(Zurufe von Heinz Müller, SPD, und Martina Tegtmeier, SPD)

Die Ehrenamtsstiftung und das Vorgehen des Ministerpräsidenten erinnern zum Beispiel auch an sein Vorgehen im Zusammenhang mit der Ernennung der Bevollmächtigten der Landesvertretung im Jahre 2011, als dann die Frau Peters aus dem Ruhestand zurückgeholt worden ist, weil man parteipolitisch noch was zu besetzen hatte. So sieht die Realität aus.

(Julian Barlen, SPD: Wie wärs, wenn Sie mal ein bisschen zum Thema sprechen?! – Udo Pastörs, NPD: Das ist das Thema. Filz ist das Thema.)

Wir leben hier im Land, Herr Barlen, in einer Parteibuchdiktatur, wo wichtige Posten nicht nach Qualifikation und Qualität besetzt werden, sondern erst mal nach dem richtigen Parteibuch.

(Julian Barlen, SPD: Sie können nicht von sich auf andere schließen. – Zuruf von Jörg Heydorn, SPD – Heiterkeit bei Rainer Albrecht, SPD)

Und, Herr Sellering, Ihr Vorgänger, der Herr Ringstorff, hatte Ihnen einiges voraus. Der hat zumindest seine Parteibuchpolitik wesentlich besser verschleiert.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja?)

Kommen wir noch mal zum Vorstand. Es wurde gesagt, da wären nur zwei von vier Personen überhaupt parteibuchgebunden. Sicherlich, die Frau Kohl, die über eine langjährige Karriere in der SPD verfügt,

(Udo Pastörs, NPD: 72 ist die bei den Sozis eingetreten.)

ist in dem Vorstand drin, der Herr Prachtl als ehemaliger Landtagspräsident, aber auch die Frau Zumbrink, die im Jahre 2014 in Feldberg für die SPD kandidiert hat. Nein, sie ist nicht parteinah. Sie belügen doch hier mit jedem Wort, was von Ihnen hier vom Podium kommt, die Bürger im Land.

(Michael Andrejewski, NPD: Wenn die zuhören würden!)

Dieser Vorstand und die gesamte Stiftung, Herr Barlen, sind absolut parteibuchdominiert.

(Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU)

Es ist eine Parteiversorgungsstelle und diese Stiftung wird auch beherrscht durch Parteien, denn im Kuratorium, so, wie es auch schon angesprochen worden ist, sollen auch die Blockparteien entsprechend mitwirken, also beherrschen.

(Heiterkeit bei Jörg Heydorn, SPD: Sie nicht!)

Wo bleibt also die Unabhängigkeit, Herr Heydorn?

Wir würden da niemals reingehen wollen.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Gott sei Dank!)

Sie reden immer von Unabhängigkeit, Ehre.

(Jörg Heydorn, SPD: Sie würden sich doch danach drängeln.)

Unabhängigkeit heißt, hat die Person ein Parteibuch oder nicht. Hat sie kein Parteibuch, ist sie nicht unabhängig.