Protokoll der Sitzung vom 11.11.2010

1. Welche Aktivitäten zur Unterstützung der Aufklärung der Kinder über gesunde Nahrungsmittel hat die Landesregierung entwickelt, und welche sind geplant?

2. Inwieweit werden bei der Aufklärungsarbeit über gesunde Nahrung Verbände eingebunden?

3. Wie schätzt die Landesregierung derartige private Initiativen im Hinblick auf die Förderung der gesunden Ernährung bei Kindern ein?

Der Ernährungsbericht 2008 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. kommt u. a. zu dem Schluss, dass Kinder und Jugendliche, gemessen an den in der optimierten Mischkost empfohlenen Lebensmittelmengen, zu wenig pflanzliche Lebensmittel und mit zunehmendem Alter zu viele fettreiche tierische Lebensmittel verzehren. Diese suboptimale Lebensmittelauswahl habe Folgen auf die Nährstoffzufuhr. Nährstoffe wie Vitamin D und Vitamin E sowie Folat, Ballaststoffe, Calcium und Eisen (bei Mädchen) würden von den meisten Kindern und Jugendlichen zu wenig aufgenommen, während die Proteinzufuhr verhältnismäßig hoch und das Fettsäuremuster ungünstig seien.

Die Landesregierung teilt diese Schlussfolgerung und setzt sich durch umfangreiche Aufklärungsmaßnahmen für die Förderung einer gesunden Ernährung der Kinder und Jugendlichen ein. So gehört die Ernährungsbildung in Niedersachsen bereits zum schulischen Unterrichtsstoff. Darüber hinaus werden an fast allen niedersächsischen Schulen Speisen und Getränke in Form einer Zwischenmahlzeit oder als Mittagessen angeboten. Ganztagsschulen sind per Erlass gehalten, eine Mittagsmahlzeit vorzuhalten.

Schwerpunkt der aktuellen Bemühungen der Landesregierung ist es, ein ernährungsphysiologisch deutlich besseres Verpflegungsangebot für Kinder und Jugendliche zu etablieren.

Dieses vorausgeschickt, beantworte ich die Kleine Anfrage namens der Landesregierung wie folgt:

Zu 1: Die Landesregierung setzt auf eine individuelle Begleitung von Schulen. Dies hat sich in den letzten Jahren als eine sehr Erfolg versprechende Maßnahme erwiesen, die zudem bei den Schulleitungen und Lehrkräften großen Zuspruch bekommt.

Zurzeit laufen an mehreren Stellen in Niedersachsen Hygieneschulungen für Lehrkräfte und Schülerfirmen.

Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung, ein gemeinsames Projekt mit dem Bund über das Programm „In Form“, hat begonnen, freiberufliche Ernährungsberatungskräfte für die Schulverpflegung stärker zu qualifizieren und diese bei Bedarf den Schulen als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung zu stellen.

Die noch laufende Ausschreibung des ML „Wir mögen’s frisch! Förderung des Obst- und Gemüseverzehrs an Schulen in Niedersachsen“ hat ebenfalls eine gute Resonanz bei den Schulen ausgelöst. Es liegen knapp 133 Bewerbungen vor.

Mit Beteiligung und Sponsoring der Wasser- oder Stadtwerke, Fördervereine und kommunalen Schulträgern wurden landesweit Trinkbrunnen und Trinkwasserspender in Schulen aufgestellt. Die Versorgung der Schulkinder mit einem attraktiven kostenfreien Trinkwasserangebot findet breite Zustimmung und soll ausgebaut werden.

In der Anlage sind die laufenden Projekte zur Ernährungsaufklärung der Kinder aufgelistet.

Darüber hinaus sei der Vollständigkeit halber auf diverse Projekte der Landesvereinigung der Milchwirtschaft zum Themenbereich Schulverpflegung/gesunde Ernährung hingewiesen.

Zu 2: Seit den 90er-Jahren werden vorrangig zwei niedersächsische Einrichtungen gefördert: die Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Sektion Niedersachsen. Neu hinzu gekommen ist seit 2009 die Vernetzungsstelle Schulverpflegung.

Inhalte der Arbeit der VZN:

- „Schule auf Esskurs“ - ein Coaching-Programm für Schulen, die eine Verpflegung einführen bzw. verbessern wollen. 25 Schulen erhalten jährlich diese Chance

- Newsletter für Kitas für aktuelle Infos in der Kinderernährung/Ernährungsbildung

- Schulung von Multiplikatoren in der Gemeinschaftsverpflegung, Vortragstätigkeit

Inhalte der Arbeit der DGE:

- Organisation von überregionalen Tagungen zu unterschiedlichen Themen aus dem Bereich Ernährung mit verschiedenen Kooperationspartnern

- enge Zusammenarbeit mit der Ärztekammer und Landesvereinigung für Gesundheit

- Beratung von Schulen, Senioreneinrichtungen, Infostände, Koordinierung der Arbeit der Vernet

zungsstelle Schulverpflegung mit der Hauptgeschäftsstelle in Bonn

Inhalte der Arbeit der Vernetzungsstelle Schulverpflegung:

- Lehrerfortbildungen im Bereich Hygiene

- Schulung von nachhaltigen Schülerfirmen (die häufig im Verpflegungsbereich aktiv sind) in Hygieneanforderungen und Qualitätsstandards Schulverpflegung

- Aufbau von regionalen Netzwerken zur Verbesserung der Schulverpflegung

- Förderung des Obst- und Gemüseverzehrs an Schulen in Niedersachsen (Ausschreibung)

Zu 3: Private Initiativen im Hinblick auf die Förderung der gesunden Ernährung bei Kindern werden grundsätzlich positiv gesehen. Es ist ein wichtiges Anliegen der Landesregierung, diese mit Konzepten und Aktivitäten der öffentlichen Seite abzustimmen oder in konkreten Einzelfällen zu begleiten.

Anlage 45

Antwort

des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr auf die Frage 48 der Abg. Heidemarie Mundlos (CDU)

Gesundheitswirtschaft auf dem Vormarsch?

Seit einiger Zeit wird das Thema „Entwicklung der Gesundheitswirtschaft“ intensiver diskutiert. Bereits auf der CeBIT 2008 stand das Thema „Wirtschaftsfaktor Gesundheit: Neue Strategien für Kommunen und die regionale Wirtschaft“ auf der Tagesordnung. Dort wurde geäußert, dass die Gesundheitswirtschaft einer der wichtigsten Zukunftsmärkte auch für Niedersachsen werden würde. Dies hängt zum einen mit der zunehmenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und -produkten und der demografischen Entwicklung zusammen. Hinzu kommt, dass Bürger immer bewusster mit ihrer Gesundheit umgehen und auch bereit sind, dafür zusätzlich Geld auszugeben. Somit müssten in diesem Sektor neue Arbeitsplätze entstehen.

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie haben sich die Bereiche der Gesundheitswirtschaft in Niedersachsen entwickelt?

2. Wie beurteilt die Landesregierung die Potenziale der Gesundheitswirtschaft für Niedersachsen?

3. Gibt es Maßnahmen der Landesregierung, die diese Entwicklung unterstützen und, wenn ja, welche?

Das Gesundheitswesen stellt in Deutschland mit mehr als einer Viertel Milliarde Euro Ausgaben für Gesundheitsdienstleistungen und -produkte (über 10,4 % des BIP) und rund 4,6 Millionen Beschäftigten (jeweils 2008) ein wichtiges volkswirtschaftliches Segment dar. Seit 2000 ist das Personal im Gesundheitswesen um eine halbe Million Beschäftigte gestiegen. Bis 2020 wird ein Anstieg der Gesundheitsausgaben in Deutschland auf dann 453 Milliarden Euro erwartet.

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung gewinnt der sogenannte zweite Gesundheitsmarkt (Gesundheitsausgaben außerhalb der Kran- kenversicherung) zunehmend an Bedeutung. Während 2003 in Deutschland etwa 49 Milliarden Euro für privat finanzierte Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitsbereich erfolgten - 18,8 % der gesamten Gesundheitsausgaben -, waren es 2008 bereits rund 64 Milliarden Euro.

Noch fehlen zur Erstellung konkreter Prognosen für Niedersachsen aktuelle Erhebungen zu den einzelnen Wirtschaftsbereichen, die die Entwicklungen in Teilbereichen der Gesundheitswirtschaft umfassend mit Zahlen beschreiben könnten. Aussagen zu der Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in einigen Teilbereichen der Gesundheitswirtschaft sind dagegen möglich.

In Niedersachsen waren 2008 knapp 325 000 Menschen in der Gesundheitswirtschaft sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Hinzu kommen in Niedersachsen statistisch nicht erfasste geringfügig Beschäftigte und Selbstständige.

Während die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Niedersachsen von 2000 bis 2008 um ca. 20 000 abgenommen hat, ist sie in den Wirtschaftszweigen der Gesundheitswirtschaft um 30 000 gestiegen. Ohne die Beschäftigungseffekte der Gesundheitswirtschaft wäre die Beschäftigtenzahl in Niedersachsen um ca. 53 000 rückläufig gewesen.

Dies vorausgeschickt, beantworte ich die Fragen namens der Landesregierung wie folgt:

Zu 1: An der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gemessen, haben sich von 2000 bis 2008 die Pflegedienstleistungen und die ambulante Gesundheitsversorgung am stärksten entwickelt. Für die Pflegedienstleistungen wurden für Niedersachsen im Bundesvergleich überdurchschnittliche Wachstumsraten ermittelt. Geringere, aber positive Wachstumsraten wiesen auch die Bereiche Groß- und Facheinzelhandel mit pharmazeutischen Er

zeugnissen, medizinische (außeruniversitäre) Forschung und Entwicklung und private Vorsorgedienstleistungen auf.

Zu den Vorsorgedienstleistungen gehören Anbieter von Sport- und Wellnessdienstleistungen. Dieser Bereich trägt zwar nur zu 1 % zum Beschäftigungspotenzial in der Gesundheitswirtschaft bei, allerdings ist er besonders dynamisch.

Zu 2: Die Gesundheitswirtschaft reicht von der Biomedizintechnik über den Gesundheitstourismus bis hin zur Zahntechnik. Biotechnologie, Medizintechnik, eHealth und Tourismus sind die Kernbereiche für die zukünftige Entwicklung in Niedersachsen.

Produkte und Dienstleistungen für Gesundheit und Erholung schaffen nach Ansicht der Landesregierung Zukunftsmärkte mit guten Wachstumsprognosen. Hierbei wird auch der Anteil privat bezahlter Leistungen und Produkte wachsen (z. B. Vorsorge, Rehabilitation, Gesundheitstourismus, medizini- sche Wellness, Fitness, Bioernährung, Pflege- dienste, Kulturtourismus u. a. m.).

Zu 3: Maßnahmen der Landesregierung zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit niedersächsischer Unternehmen weiter zu steigern. Die Wertschöpfungspotenziale aller in der Medizintechnik tätigen Unternehmen lassen sich durch eine Vernetzung untereinander sowie durch die Vernetzung mit der Wissenschaft weiter optimieren. Der Technologietransfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft wird noch systematischer und strategischer ausgerichtet.